Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10738

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Guicciardin .
merkung ( ? ) angeführten Spöttereyen des Andreas Schottus , weniger verdienet haben , als die Franzosen . Er hat vielleicht nicht gewußt , daß es Franzosen gegeben , welche des Guevara Briefe verachtet haben , von welchen , hat Montaigne Eßais , Livr . I . chap . XLVIII . p . m . 498 ge - saqet , diejenigen , die sie goldene nennen , ein weit ander Urrheil ge - fället haben , als icb davon fälle . Nichts destoweniger mü»en wir bekennen , daß sie viele Franzosen betrogen haben , und daß die Uhr der Prinzen ein sehr vortheilhastes Schicksal gehabt . Sie ist etlichemal ge - druckt worden . Ich bediene mich einer Ausgabe von Lion , durch dict Rigaud , 159« , in 12 . und ich sehe auf dem Titel . Saß das U ? erk aus dem Casiilianischen , durch R . £> . von Grise , ins sche übccstRct worden . Die Zueignungsschrift an den Cardinal von Givri ist nicht «verschrieben . Ich finde darinnen , daß der Herr von Essars in währender Zeit gestorben ist , da er an der Uebersetzung dieses . Werkes gearbeitet hat . Wir haben also , fahrt man fort , nur das erste 25ud> feinet Dolmetschung haben können , wo sich ut iLnde noch einige Papiere in so armseligem Zustande gefunden , daß es möglich gewesen , dieselben zu lesen , wodurcti das v ? erk nack der alten Ueberseyung forrgeseyet worden , jedoch , nach Verböserung unzahliger Fehler , nach dem spanischen Exemplare , und
hung vieler unstrer Sprache zuwider laufenden Redensarten , welche öfters verhindert , den Sinn des Urhebers verstehen zu können , ja die manchmal seiner Absicht gänzlich zuwider ge , wesen .
Die Italiener haben diefeS Buch auch mehr als einmal übersetzet . Ich habe von der Uebersetzung geredet , die durch Mambrin Roseus gcma - chet worden , und setze dazu , daß Fausto von Longiano eine andere davon gegeben hat , die 1546 in 8 . gedruckt »vorden . Er hat Dinge dazu gefüget , die nicht in dem spanische» , Originale gewesen , und diejenigen wieder Hin« eingerückt , welche die andere italienische Dolmetschung von eben diesem Werke , ausgelassen hatte . Er giebt in seiner Vorrede die Kühnheit zu erkennen , die sich Guevara genommen , Sachen vorzubringen , die nicht wahr sind . Seine Critik ist gut und gelehrt . Er hat ein Leben de« Marcus ? lurelius , nach den Zeugnissen der alten Historienschreiber auf - zusetzen , versprochen , um es mit . demjenigen in Vergleichung zu stellen , das der spanische Schriftsteller erdichtet hat . Er stellet sich als einen Mann vor , der sich auf ernsthaftere Studien , nämlich das Hebräische , das Griechische und das Latein , geleget hat , die schwerer sind , als ein spanisches Buch ins Italienische zu überfttzen , und er machet Hoffnung zu seinen lateinischen Werken .
( BtltCCtßtbtn , ( Franciscus ) aus einer der edelsten und ältesten Familien , in Florenz , entsprossen , war der Urheber einer Historie , die man sehr hoch hält ( A ) , lind etlicher andern Werke « . Er war in dieser Stadt den 6 März , 1482 , gebohren . Er lehrte die Rechte im drey und zwanzigsten Jahre seines Alters ; allein er wollte lieber der Richterstube folgen , als weiter Pro - sessor der Rechtsgelehrsamkeit seyn . Er wurde ein sehr berühmter Sachwalter , so , daß man ihn würdig schaßte , zu Staatssa - chen gebraucht zu werden . Man schickte ihn im Jenner , 1512 , als Gesandten an den Hof Ferdinands , Königes von Arrago - - nien . Diese Gesandtschaft dauerte zwey Jahre , und war ihm sehr rühmlich ; dem bey seiner Zurückkunst in Floren ; bezeugte man ihm öffentlich , daß man höchst vergnügt mit ihm wäre . Er begab sich einige Zeit hernach in die Dienste Leo des X , der ihm die Statthalterschaft von Modcna und Reggio austrug . Er verteidigte Parrmr , nach dem Tode dieses Pabstes , mit vie . lem Ruhme . Er behielt unter Hadrian dem VI und unter Clemens dem VII die Statthalterschaften , die er unter Leo dem X gehabt hatte . Er ward auch Statthalter von Romagna , unter Clemens dem VII , und Unterfeldherr bey dem Kriegsheere , und ließ jelH'n , daß er ein eben so guter Feldherr , als Gesandter , war . Er war Statthalter von Bononien , als dieser Pabst starb , und machte so gute Anstalten , daß die Feinde , die er sich durch eine strenge Beobachtung der Gerechtigkeit gemacht hatte , sich des Zwischenreichs nicht zu ihrem Vortheile wider ihn bedienen konnten . Der neue Pabst gab diese Statthalterschaft einem andern , welches den Guicciardin nöthigtei , von da nach Floren ; zu gehen , wo er bis an seinen Tod beständig geblieben ist . Er hat dem Hause von Medicis große Dienste erwiesen , und den Anerbiethuimen Paulus des III kein Gehör gegeben , der ihn in seine Dien - ste zieh ? « wollte . Er hatte eine Ehfrau , aber keine Söhne : also betrachtete er , daß er zu keinen Pralaturen gelangen , noch sei - nen Kindern dergleichen verschaffen könnte ; und wie er überdieß befürchtete , daß er dem Pabste nicht dienen könnte , ohne dem Herzoge von Florenz manchmal nachtheilig zu seyn : so wollte er lieber auf seinem Landhause in Ruhe leben , und sich dasei bstmit der Histo - rie beschäfftigen , die er unternommen hatte . Er war sehr weit damit gekommen , als ihn ein bösartiges Fieber , im Monate May , 1540 , in seinem fünf und fünfzig jährigen Alter ins Grab legte . Er verordnete , daß sein Leichenbegängniß ohne vieles Gepränge , ohne Grabschrift und Leichenrede gehalten werden sollte * . Seine Historie von Italien ist sehr gut . Es geben viele vor , daß er das Lob eines unparteyischen Geschichtsthreibcrs verdiene , der niemand schmeichelt , und nur dasjenige tadelt , was tadelnswürdig ist : allein einige finden , daß er allzuparteyisch gegen Frankreich gewesen ist ( B ) , oder daß er sich allzusehr bey Kleinigkeiten aufae - halten ( C ) , oder allzu weitläuftige Reden eingemischt ( D ) , oder die Sachen allzuungerechten BewegungSursachcn beygemessen hat ( E ) . Der Cardinal Pallavicini ist ihm nicht gewogen gewesen . Ich will anführen , was er von ihm gesaget hat ( F ) . Die Schreibart des Guicciardin betreffend , so erkennen seine ungerechtesten Tadler , daß sie sehr rein und richtig ist : allein sie machen eineil großen Unterscheid unter den ersten Büchern und den folgenden ; und dieses , weil sie voraus setzen , daß die fünf ersten von einem geschickten Manne verbessert worden c .
Der P . Possevin tadelt ihn , daß er deil Erfolg der Kriege und die Staatsveranderungen dem Verhängnisse und dem cke zuschreibt : er will ihm zu Liebe zwar glauben , daß diese Schreibart an ihm kein Irrthum des Verstandes ist , sondern eine bloße Wirkung der Gewohnheit ; gleichwohl steht er in der Einbildung , daß dieses den Geist der Leser verderbe d . Es ist nicht leicht zu erkennen , ob er mehr Neigung gehabt , ihn zu tadeln , als zu loben ( G ) . Varillas beschuldiget ihn , daß er Franciscus den I , wegen der Bündnissemit' Solymannen gelästert hätte : ich werde alles untersuchen , was er dießfallö beobachtet ( Ii ) . Ich werde auch die ein wenig allzuandächtigen Klagen des Bonifacio Vannozzi anführen ( I ) ; ich werde auch nicht vergessen ,
- ''r - Abgesandten beymißt , den sie an den kaiserlichen
andere Bücher ausgeschet hat ( L ) , und daß sich Gelehrten berühmt gemacht hat ( M ) .
a ) Siehe die Anmerkung ( H ) . Aus seinem Leben , welches P . Remigius von Florenz anfgesehet bat . Eck steht vor seiner Hi« storie von Italien . c ) Cui etiain iili , qui eidem ftint iniquiflimi in priniis quinque libris , quos eruditi cuiusquam . viri lima per pol i tos fuifle contendunt , omnem Fiorentini fermonis elegantiam concinnitatemque concedunt : in ceteris libris non item , quos nullius cenfurae , vt priores quinque , fubiec£rat . Nie . Erythraeus , Pinac . III . p . 220 . d~ ) Poßeuin . Biblioth . Seleö . Tom . II . Libr . XVI . cap . XLI . p . 337 .
. CA ) Tr ist der Urheber einer sehr hochgehaltenen - Historie - ^ Sie enthält in XX Büchern dasjenige , was in Italien von , 494 , bis >532 vorgegangen ist . Wir wollen diese Grenzen setzen , weil es der Urheber seines Lebens so haben will ; allein wir wollen auch beobachten , daß sie bis auf dm Zustand zurücke geht , darinnen sich Italien , 490 befunden , und daß sie sich mit dem Tode Clemens des VII und der Wahl Paulus des III endiget , die den 13 des Weinmonats , >534 , geschehen ist . Bullart , Academie des Scicnceä , Tom . I . p . iji . giebt ihr 511 Grenzen , die Ein - rückuna der Franzosen in Italien , >49° , und die päbstliche Regierung Paulus des III , 1535 - Die Franzosen aber sind erstlich . 494 nach Italien gekommen . Es ist wahr , daß sie über die letzten Jahre , Clemens des VlI , sehr furj ist . vornehmlich , wenn man mit dem nzo Jahre den An - fang wachet . Sie ist aus dein Italienischen in verschieben« Sprachen überlebet worden . Cälius Secundus Curio hat sie 1566 zu Basel nisch herausgegeben . Ein gewisser Hieronymus Cbomedey , ein Pari , er , hat sie 156k ! zu Paris französisch herausgegeben . ^ Die Englander haben sie in ihre Sprache übersetzet , wie aus dem Bücherverzeichnisse von ford erhellet . Die Spanier , die Deutschen und die Flamänder haben sie auch in die ihrige übersetzet Dullart , Academ . des Sciences , Tom . I . p . 'iji . Die beste italienische Ausgabe ist diejenige , die mit Randglos - sen vom Thomas Porcacchi begleitet ist . Die erste Ausgabe von dieser Art ist die venetianische , von 157z . Pofieuin . Biblioth . Seieft . Tom . II . Libr . XVI . cap . XLI . p . 337 . Dieses Werk des Guicciardin ist erstlich nach seinem Tode erschienen , und sein Neffe , Agnolo Guicciardin , hat dessen Ausgabe besorget . Die Protestanten haben die mangelhaften Stücke nicht verlöhren gehen lassen , die man davon abgesondert gehabt , und die nicht nach dem Geschmacke des römischen Hofes gewesen . Sie haben dieselben absonderlich , zu verschiedener Zeit , herausgegeben . Sie haben zweene davon ( das eine aus dem III und das andere aus dem IV Buche , ) zu Basel , lateinisch , italienisch und französisch . , 569 , in s , und
mit etlichen andern Stücken , 160 - , ohne Ort des Druckes , in 8 , und zu Frankfurt in 4 , 1609 , drucken lassen . S . die Anmcrk . < Q_ ) , des Artikels Julius Se» II , im Absahe . Heidegger hat Icktens der Hiftoria Papatus , zu Amsterdam , 1684 gedruckt , ( Siehe Nouvelles de la Republ . des Lett - rcs , Mcwmonat , >684 , P - 3>6 . der zweyten Ausgabe , ) das Stück aus dem IV Buche beygefnget . Varillas versichert , daß sich Guicciar , dins Erben wider seine Absicht ausgeworfen , die vier letzten Bü - eher in der dritten Ausgabe ans Üidn ; u geben . Ich will dieses hier unten in der Anmerkung ( H ) untersuchen . Alan merke , daß San« sovino einen Auszug aus dieser Historie herausgegeben , und daß Guicciardin Vorhabens gewesen , dem Casar nachzuahmen , nämlich Nachrichten über die Thaten seines Lebens aufzusetzen ; allein ^acob Nardi , den er um Rath gefraget , hat ihm eine viel erhabenere Arbeit in den Kopf gesehcr . nämlich die Historie seiner Zeit . Er hat ihn zu dieser Verrichtung für geschickt gehalten , weil er ihn für unvermögend erkannt , die Sachen weder aus Furcht , vor den Wirkungen des Tadels , noch aus Hoffnung zu den Wirkungen der Schmeichelei ) zu verfälschen . Außer diesem hätte er sich den Neid der Florentiner zugezogen , wenn er sich an seiner eigenen Histo , rie hätte begnügen wollen . Fi , da lui difliiafo , et eflortato a feriver l'Hiftoria de fuoi tempi , fi pcrche lo conofceva ( Pingegno , atto a condurre un' imprefa coli fätta a perfettione ; e perche anche fapeva molto bene , ch'egli era per deferiver la pura verita fenfa rifpetto di paura , o fperanza di premio , delle quali due corruttele par che fieno ftati ne' tempi paflati , e fieno ancor hoggi corrotti quafi tutti 1 gli Scritfori ; ii ancora perche fuggifle l'invidia de'fuoi Cittadini , e'I biafimo univerfale de l'haver voluto celebrare folainente fe fteflö . Der Verfasser von dem Leben Guicciardins .
lk ) Einige finden , daß er allzuparteyisch gegen Frankreich ge , rvcsen . ^ Wir wollen eine lange Stelle des Claudius Du Verdier , in Cenfione Autorum , beym Pope Blount , p . m . zyo . anführen : Guic -
ciardinus

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