Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10683

Guebriant .
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hellet : Andre sagen , daß ihn die Bauern in der Normandie jtt Budwid erschlagen : Dieß giebt eine neue Veränderung .
Wird man sich wohl überreden können , daß dieComödie so weit getrie - ben worden , den Borrheil zu verheelen , den ein Bauer über einen jungen Marquis erhalten hatte ? Würde wohl die Familie durch dieses Unglück seyn verunehret worden , und wäre kein ander Mittel gewesen , die Sache zu bemänteln , als daß man zu den Banditen jenseit der Alpen Zu , flucht nehmen müssen ? Man gewöhne die Leute nicht dazu , Erzählun - gen in Gesprächen mehr Glauben zu geben , als den historischen Denkmälern von dieser Art , die le Laboureur anführet ; dieß würde ein böseS Exempel und von gefährlichen Folgerungen seyn .
( C ) He Laboureur scheint - , , den Ausgang von dem Streite ves französischen Abgesandten nicht aufrichtig erzählet zu haben . ] So gern man auch einen so verdienten Mann verschonen wollte , so muß man doch sagen , daß er von dem Streite des französischen Abgesandten mit der Sprache nicht rund heraus gegangen ist , und sich bemühet hat , den schlechten Erfolg seiner Forderungen zu verdunkeln . Nachdem er pag . iz ? und iz« die gegründetsten Ursachen der Pohlen ange - führet , so läßt er seinen Leser hier stehen , ohne ihm zu berichten , was darauf geantwortet , noch was endlich beschlossen worden . Auf der 151 S - setzet er den Herrn von Bregi unter den Prinzen Carl , des Königes in Pohlen Bruder , ohne zusagen , wie oder warum der Abgesandte von seinen Ansprüchen abgestanden ist ? Auf der 194 S . setzet er ihn noch un - ten an , füget aber dazu , daß dieser Prinz , den außerordentlichen Abge - sandten des Raistrs vorgestellet hatte . Dieß heißt auf eine listige Art vorgeben , daß der Herr von Bregi allen Vortheil gehabt , dm er von die - ftm Streite hoffen können , weil man zum Besten dieses Priitzen das Mittel ergriffen , ihn mit einem Character zu bekleiden , dem alle Abge - sandten der Kronen die Oberstelle abtteten . Allein in den Druckfehlern wird der Leser erinnert , daß er p . 194 weglassen müsse , er hat die Person des Rai fers vorgestellet . Es ist seltsam , daß man , bey Aussetzung der Druckfehler , so nachiaßig gewesen ist , und den Fehler' nicht bemerket hat , der sich in eben diesen Worten eingeschlichen hatte . Dieß ist was gerin - ges : der Kunstgriff , der kierbey allzu kennbar ist , wenn man bedenket , daß fast niemand darnach sieht , was in den Druckfehlern steht ( * ) , ist noch weniger zu entschuldigen . Man laßt auf eben derselben 194S jenige ausstreichen , was man gesagt , daß der Nuntius bey dem Hochzeit - feste keinen andern Plak , als unter der Frau Marschallin von Guebriant haben wollen . Allenfalls werden diese zwo Verbesserungen die Erwar - tung nicht wohl zu beantworten scheinen , worein man den Leser p . 194 durch den Tadel der Zeitungen des Renaudot und eines andern Berichts von diesem Beylayer , und durch diese Worre gesetzt hatte : Man wird mir vielleicht hierinnen mehr glauben , mir , den die Roniginnvon Pohlen rufen lassen , um dabey gegenwärtig zu seyn , wegen des Ranges , und wegen der Personen . d , e an der Tafel chrer stäten gespeiset . Wenn man so viele Unrichtigkeiten durch die Stadt Pa . ris , wegen solcher Dinge ausgestreut hat , die das Ceremoniel betreffen , was kann man denn für Staat auf Zeitungen machen , welche Dinge be , treffen , die viel schwerer zu erkennen sind ? Die Menge derer , die sich darein mengen , Relationen zu überschicken , bringet ein entsetzliches Misch * wasch hervor . Le Laboureur saget : : daß sie verschiedene Diener ge - habt , welche , ein jeder nack seiner Einsicht geschrieben , und daß der Becker eine gemacht , worinnenier besonders besorger gewe - sen , den preis und die Güte des Mehls zu bemerken .
( * ) Man sehe etwas von dieser Art in den Nouvelles de la Republ , des Lettres , im Brachmonate >686 , Art . z .
( D ) - - - Xvicqueforr hat nickt richtig davon geredet . ] Der Abgesandte , saget er Traite de l'Ainballadeur Liv . II , p . m . 200 , welcher Schwierigkeit gemacht , dem Erbprinzen von Schweden , desRoniges von Pohlen Bruder , zu weichen , und die Marschal - lim , von Guebriant , welche eben dieselben Ehrenbezeigungen ver - langet , die man ehmals Oer Erzherzoginn vonTyrol erwiesen hatte , sind in eine Ausschweifimg verfallen , die nicht zu vergeben ist , und die ihrem - Herrn einen Schimpf zugezogen hat . Der gesandte , von den» er reden will , ist derjenige , den er paß . 59z des ersten Buches , Bicomte von Bregi nennet ; wo er , nachdem er seine Anforde - rung als höchst ungereimt beschrieben , dazu setzet , daß der Marschallinn von Guebriant ihre nicht weniger lächerlich gewesen , weil sie gewollt , daß man ihr eben denselben Rang geben , und diejenige Ehre erweisen sollen , die man der Erzherzogin , , erwie'en , als sie ihre Tochter d , e Ro - niainn von Pohlen überbracht . In den , Register hat man mit Ver - Weisung auf die 59z S . gesetzt , daß die Marschallinn von Guebriant gar verlanget hätte , der Erzherzogin« vorzugehen ; allem dieses findet man nicht an dem angezogenen Orte . .
Ich will demÄZicquefort wegen der Beschaffenheit nicht widersprechen , die er diesen Ansprüchen giebt ; dies ; gehöret für keinen Geschichtschrei - ber . Ich sage nur , er giebt ohne Ursache vor , daß Bregi und die Mar - schallinn von Guebriant durch ihre gemachten Ansprüche ihrem . Herrn einen Schimpf zugezogen hätten . Dieses ist aufs höchste nicht wei« ler wahr , als in Absicht auf den Bregi ; denn man sieht in der bung des le Laboureur , so weitläuftig sie auch ist , gar nicht , daß die Mar - schallinn den geringsten Streit gehabt . Man findet datinnen wohl pag . i ; 7des ersten Theilö . daß der Streit , in Ansehung der Ansprüche des französischen Abgesandten , zu zwey wiederholten malen sehr lang gewesen ; allein , an statt , daß man diese Dame darinnen zum Streite genötinqct finden sollte , so sieht man vielmehr , daß noch an dem Tage» da die Zwistigkeit mit dem Herrn von Bregi angefangen , die Königinn von Pohlen die Marschallinn von Guebriant gebethen , keinen Theil daran zu nehmen , und daß sieder Graf von - Honoff , die Abqes^ndten und Großen von Pohlen versichert , daß man die ibrem Amte schuldige Ehre , für sie haben würde , nicht allem als außerordentliche Abgesandtinn , sondern auch als Gberhof -
meisterinn über die Aufführung der Roniginn . nach denBeyspie - len , die sie davon hatten , und msonderheu der Erzherzog» , . , von Inspruck ihrem , da sie die verstorben« Rorngmn überbrachr . Aus der zo3 S . des I Th . belehret uns der Verfasser , es habe der Ronig al - len Großen seines Roniqreichs erklaret , daß sie , nach seiner Ab - - ficht , alle Ehrenbezeigungen erhalten solle , die eine Dame von , b - rem Stande und Titel , den sie iyo führte , erfordern konnte , und denjenigen vollkommen aleick , die der Erzherzoginn von Inspruck , des Grosiherzogi ! von Tojcana , Schwester , erwiesen worden , da
sie die verstorbene Roniginn geführet hatte . Es ist nach diesem nicht nöthig , zuWicquesorts Widerlegung diese Stelle der Relation auf der z S . des III Th . anzuführen : Als die Frau Marschallinn , ( am Tage ihrer Abreije aus Pohlen ) die Treppe de« pallast» herunter stieg , sich in ihre Rutsche zu sitten , hat ihr der Bischof von Vo * fen , im pontificalhabire , den Segen gegeben . Diese Ehre , welche nur gegen Ronige , Roniginnen und regierende Personen ge - brauchlich ist , bar ihr der Ronig , zu mehrerer Bezeugung der »Hochachtung , die er gegen diese vornehme Dame hatte , erwei» sen lasien wollen .
( E ) Sic ist eine t - - mit vielen schönen Eigenschaften gabte Frau gewesen . ) Ich glaube , daß man , von dem Verdienste der Marschallinn von Guebriant wohl zu urtheilen , zwischen den großen Lobeserhebungen , die ihr le Laboureur beyleget , und dem vielen Bösen , das andre von ihr sagen , die Mittelstraße halten müsse ; und wenn man an ihre Bedienungen gedenket , so kaiin man doch unmöglich leugnen , daß sie nicht viel Witz , und viel von denjenigen großen Gaben besessen habe , weiche machen , daß sich eine Dam - bey den allererhabensten Ehrenstetten des Hofes erhält , und hervor thut . Man lästre diejenigen so viel , als man will , welche die Aenrer ertheilen ; man beschuldige'sie so viel , als man will , daß sie dieVerdienste wenig zu Rache ziehen , so wird man doch vernünftige Leute niemals überreden : daß die königliche Frau Mutter und der Cardinal Mazarin diese Marschallinn zur Oberaufseheriim von der Aufführung der Königinn von«Pohlen ( * ) und zur außerordentlichen Ab« gesandtini , erwählet haben wurden , wenn man sie nicht für geschickt ge - halten hatte , Frankreich an dem pohlnischen Hofe Ehre zu machen , und den neuen Titel ( * * ) mit allem gehörigen Witze , aller Klugheit und aller Hoheit zu behaupten , die mai , verlangte . Die Briefe , die der König , die Königini , und der Cardinal an sie geschrieben , nachdem sie zu dieser Be - dienung ernennet worden war , und diejenigen , die der König von Pohlen an den König und die königliche Frau Mutter geschrieben , da sie nackPa - ris zurück gereiset , geben ihr einhällig großes Lob ; ui , d es ist gewiß , daß sie diese Bedienung , als eine geschickte Frau verwaltet hat . Man fin - det diese Briefe in der Relation des le Laboureur .
( * ) Louise Maria von Gonzaga , die Tochter eines Herzogs von Ne - vers , und nachmals von Mantua , mit dein Könige von Pohlen , UladiS» laus dem IV , 1645 vermählet . Siehe öieMemoiresdesMarolles p . 162
( * * ) Rex atque Regina mater Renatam Dubecatn Vardiam , mulie - rem viduam genere atque probitate infignem , vna cumSponfa in Po - loniani ire iulTere , quae hanc vice fua Vladislao Regi traderet : Dube - camea caufa nouo , vt opinor , exemplo atque apud omnes gentes inau - dito Legati , feu fi fas eft diccre , Legatae titulo ornauere . Labardaeus , ( Herr de la Barde ) Hift . de Reb . GaHic . Lib . III , p . 176 . Die Marschallinn von Guebriant . wenn ich mich nicht irre , ist die erste und einzige Dame ge - wesen , die denTitel einer Abgesandtinn für sich selbst gefiihret hat , und sie könnte auch wohl die letzte seyn . Wicquefort Liv . I , de lTVmbafl : p . i ; m
Ich habe es schon gesagt , man muß etwas von denen ihr gegebenen beserhebungen abziehen : es hat ihm geschienen , daß der französische - Hof in dieser N>ahl den Regungen und Eingebungen aller zosen , und absonderlich auch der Großen des - Hofes gefolaet wa' ren . Er saget , die Sache l / y bekannt gewesen , ehe sie beschlossen worden , und dicienigen hatten am wenigsten davon gewußt , die es hätten wissen sollen ; daß diese U ? itwe ein eingezogenes Ä . eben geführet ; daß ihr Gemahl alle Tage in ihren Gedanken wieder aufgestanden , um m chrern - H^zen zu sterben , worüber sie eine neue Trauer angestellt ; daß sie ihm alle Tage eine von ihren denschaften aufgeopfert ; daß die Bedienungen des Hofes , un» der - Hof selbst , n ihr gestorben gewesen : kurz , daß sie das Amt nur angenommen , weil sie den Befehlen des Königes , wegen so vieler ge - «offenen U ? ohlrhatcn . und vornehmlich wegen des SLeicbettge * pranges , das er dem Marschalle , ihrem Gemahle , halten lasten , nicht ungehorsam seyn wollen . Also redet er in dem Theile seiner tion pag . 9 . In dem andern Bande seiner Zusätze zu den Nackrichten des Castelnau , saget er pag . 499 > sie habe den großen Namen un» Nachruhm des Marschalls von Guebriant , durch so viele Dien» ste und rühmliche Arbeiten fortgeseyet , daß der Ronig nicht lein dem Verlangen aller seiner Umerthanen , sondern auck den wünschen und der - Hochachtung des ganzen Landes , ein Genü - gen gerhan ; wo ihr Verdienst unter ihrer außerordentlichen Ge - sandtschaft ruchtbar geworden , wegen der Führung der Röniqinn von Pohlen in ihre Staaten , durch die Belohnung mit der'Be - dienung einerSraatsdame bey der zukünftigen Romain» . Obne Zweifel »nd hier ein wenig zu viel Redekunst und poetische Gedanken , und zwar für einen Mann , der an so vielen Stellen seiner Zusätze zum Castelnau sehr kühn wider die Misbräuche derselben Zeit geredet hat , und dessen Stiche des Grafen von Lude seinen sehr ähnlich qewesen , von welchem er v . 767 seiner Zusätze saget : daß . ob er gleich schon langst nach der Regierung gezider , alle feine Schüsse nicht verlohrei , gewesen , daß einige davon getroffen , und auf das heftigste ver - wundet hatten . Wir werden unten vom Patin Heren , daß nicht alle Franzosen dieser Heldinn große Ehre bestimmet haben ; und ich habe in einem neuern Geschichtschreiber qelesen , daß sie einen unordentlichen Ehr» geiz gehabt - , „ nd daß diese ihre Leidenschaft , dem Marschalle von ant , das prächtige Leichenbegänaniß verschaffer habe . Guebriantii exte , quiae non vulgavi pompa celebratae . Corpus , llatumFanoDciparae Virginis , qui bonos infrequens non tan , concefiiis Viri meritis , quam Vxoris Renatae Bekiae flagitatione extortus ; foemina inipotens glo - riae potius quam liiÄiis irainodica iufta marito perfoluta in fuioften - tationem trahere . Beniain . Priohis , de Rebus Gall . Hill . Lib . II c . 6 , ^ " herzig Z " reden so glaube ich nicht , daß sie die außer - ordentliche Gesandtschaft nach Poblen , kraft eines heiligen Gehorsams an» genommen hat , und daß dieses Amt ihren Wünschen und AnHaltungen zuvorgekommen «st . Man darf der Redekunst eines lobenden Mannes nicht trauen .
( F ) Are Unterhandlung zu Brysach ist vom priolo nicht wohl erzählet worden . ] Dieser Geschjchtschreiber erzählet im 8 B . eine Sacke , die dieser Dame nicht sehr rühmlich ist . Er saqe : , daß unter den letzten Unruhen , Charlevois , der in Brysach commandiret , sich mit dem Statthalter Tilladet , den der Hof dahin gesetzet , entzweyet , und seine Sache so gut getrieben habe , da^ der Statthalter genöthiget gewesen , die
Partes

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