Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10674

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Guarini . Guebriant .
Probe kömmt : alsdann erfährt man durch die Erfahrung , daß nicht» schwerers fei ) , als dasjenige nachzuahmen , was so leicht zu seyn scheint . Ex noto fi£him carmen fequar , vt fibi quiuis Speret idem ; fudet multum , fruftraque iaboret Aufus idem . Horat . de Arte Poet , v . 240 .
Dieses UrtheilHorazens ist demjenigen gleich , welches Cicero gefallet hat , wenn er von einer Gattung von Rednern redet . Summiiliis eft et huim - li» conftietudinem imitans , ab indifertisre plusquam opinione diffe - rcns . Itaque eum qui audiunt , quamuis ipfi infantes fint , tarnen 1II0 modo confidunt fe pofle dicere . Nam orationij fubtilitas imitabilis quidem illa videtur eile exiftimanti , fed nihil eft experienti minus . Cicero in Oratore fol . 120 . Siehe auch den JsokrateS , in Panathenai - co . Man merke , daß es Leute giebt , welcl>e gesagt , daß die Redner von dieser Gattung die einzigen gewesen , die man attische Redner nennen kön - ne . <2>>ein follirn qmaarn vocant Atticum . Cicero ebend . Ich will nur noch dazu setzen , daß Ovidius einer von denjenigen unnachahmbaren Dichtern ist , deren Nachahmung anfänglich die leichteste von der Welt zu seyn scheint . Dittionem Ouidii quae non nemini tanquam in triuiis inuenienda vilefceret , efle nimirum ex eo genere rerurn , quas omnes inueniant inuentas . Fam . Strada Proluf . VI , Lib . II , p . m . 380 . * * Diese critische Ausschweifung des Herrn Bayle mögen sich auch unter uns Deutschen die Liebhaber einer verworrenen , finstern und versteckten Schreibart merken , die ihre ganze Ehre darinnen suchen , daß man sie schwerlich oder gar nicht verstehen kann . Denn ent - weder müssen sie sich gar nicht die Mühe genommen haben , ihre Gedanken recht zu verdauen ; daher auch ihr Ausdruck so verwirrt geworden ist . Oder sie müssen ihre Aussatze in der ersten Rauhig - keit gelassen haben , darinnen sie dieselben aufs Papier geworfen ; wes»vegen denn der Leser so viele Steine des Anstoßens findet , daß
er sie bald aus den . finden wftft . Oder fle müssen endlich ihr ? Sprache gar nicht können , und nicht wissen , mit was für Worten und in welcher Ordnung derselben , man sich so deutlich und fließend ausdrücken kann , daß man mit Lust und Vergnügen gelesen wird . Man könnte noch die vierte Ursache hinzu setzen , daß man nämlich sich nach schlechten Mustern gerichtet , und sich durch das Lesen dun - kler Scribenten eine so harte und unverständliche Schreibart ange - wöhner : wie es von dem Grotius oben in seinem Artikel in der Aum . ( P ) bemerkt wurde , daß ihnTacitus zu seiner finstern Schreib , art verführet habe . Nun nehme man an , welche Ursache man will : so wird man keine Ehre von einer so dunklen Schreibart haben . Di« Deutlichkeit Cicerons und Virgils ist noch allemal von Kennern , der Finstern iß des Tacitus und Persius vorgezogen worden : ob es gleich auch allezeit Nachteulen gegeben , die dafür gehalten haben , daß sie im Dunkeln besser sehen können , als am hellen Mittage ; und sich daher auch bemühet haben , für Fledermäuse zu schreiben , die einerlei ) Au - gen mit ihnen haben , und sie also bewundern können . Eine Schrift , die man um ihrer Schönheit halber mehr als einmal mit Vergnügen liest , muß ganz anders aussehen , als ein finstres Ge« schmähe , das man , bey allem Kopfbrechen , dennoch mehr als einmal lesen muß , wenn man entdecken will , daß unter seltsamen Redens - arten eine sehr gemeine Sache umnebelt und verhüllet worden ; die man nothwendig mit Verdruß verachtet , sobald man sie versteht , und die nur Thoren bewundern , weil sie sich einbilden , alles scy schön , was schwer zu verstehen ist .
Omnia enim ftolidi magis admirantur amantque
Inuerfis quae fub verbis latitantia cernunt . Liieret .
Wer die Sucht einiger neuem Schriftsteller kennet , dunkel , oder , wie sie reden , kormgt zu schreiben , der wird wissen , worauf ich ziele . G .
Guarilll oder Guarini» ( Guarin ) ein Theatknermöllch , und Mathematicus des Herzogs von Savoyen , war von Modena , und hat im XVII Jahrhunderte geblühet . Seine Placita Philofophica sind zu Paris 1666 , und seine Coeleßis Ma - thematica ( A ) zu Mayland 168z gedruckt worden ; er hat nicht mehr gelebet , da dieses letzte Buch aus der Presse men ist .
chen Meynungen der Schule abgeht . Man sehe das Journal der Ge - lehrten vom - ? des Wintermonats 1666 . Das andre Werk betreffend , so verweise ich diejenigen , die es nicht haben , in die A<äa Eruditorum Li - ptieniiiim , im Heumonatt 1684 , pax . zzy .
( A ) ©eilte Placita Philofophica - - « and feine Coeleftis Ma - thematica - - - gedruckt worden . 1 Jedes von diesen zweyen Werken ist in Folio . Das erste ist eine Philosophie , worinnen er sich vornehmlich über die Naturlehre ausdehnet , und viel von den ordentli ,
Guebriallt ( Renata du Bec , Marschallinn von ) war die Tochter des Renatus du Bec , Marquis von Vardes ( A ) , und Schwester des Renatus du Bec , welcher die Gräfinn von Moret , Heinrichs des I V Beyschläferinn , geheirathet hat . Sie hat einen altern Bruder gehabt , der in Italien von den Banditen ermordet worden ( 8 ) . Es wurde ihr aufgetragen , dem Ki> nige von Pohlen die Prinzeßinn Maria von Gonzaga Zuzuführen , die er zu Paris durch einen Gevoli , nächtigten geheirathet hat - te und man bekleidete sie mit einem neuen Tirel \ nämlich einer außerordentlichen Abgesandt , ' , in . Le Laboureur scheint , in dieser Reisebcschreibung , den Ausgang von dem Streite des französischen Abgesandten nicht aufrichtig erzählet zu haben ( C ) : allein außer diesem hat auch Wicquesort nicht richtig davon geredet ( D ) , und unsre Marschallinn ohne Ursache hinein gemenget . Sie hat ihren Titel rühmlich behauptet . ^ Sie ist eine verschlagene und mit vielen schonen Eigenschaften begabte Frau^ewe .
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die«
sen ( L ) . Ihre Unterhandlung zu Bmjsach , ist vom Priolo nicht wohl erzählet worden ( F ) . Dieß ist nicht der einzige Schni - , den er in Ansehung dieser Dame begangen hat . Dich kann zum Verwahrungsmittel wider einige üble Verdachte '
Her nen eine
( G ) . Man muß alles dasjenige , was Veit Patin von dieser Dame jaget , nicht gleich glauben ( Hj . Dieses biethet uns Anmerkung dar , wo man sehen wird , zu welcher Zeit sie gestorben ist . In der Anmerkung ( I ) wird man den Irrthum eu neS deutschen Scribenten sehen , der Noten scher den Priolo gemacht hat . Man muß nicht vergessen , daß sich diese Dame , da siebte Heirath , die man sie mit einem Menschen zu schließen genörhiget , der viel Vermögen harte^ . unter ihren Stand gehalten , dieselbe für nichtig erklaren lassen ( K ) , und sich mit dem Grafen von Guebriant , dem jüngsten Sohne aus einer alten Familie in Bretagne , verheirathet hath . Sie ist ihm , zur Erhaltung des Marschallsstabes , sehr nützlich gewesen ( L ) .
a ) Siehe die Anmerkung ( E ) . i ) Im 1632 Jahre .
( A ) Renatus du Bec , Marquis von Vardes . ] Man setze dazu , daß er Ritter von den Orden des Königes , und Statthalter von Capelle und dem Lande Tierasche gewesen , und daß sein Sohn , der die Grafinn von Moret geheirathet , von derselben den Marquis von Vardes gehabt , der wegen einiger Liebesstreiche , die man indem Buche , Arnoiirs du Palau Roi'al , berühret hat , so lange in Ungnaden gewesen . Diese Ungnade hat nicht bis an den Tod des Marquis von Vardes gedauert , aber es haben auch nur wenige Jahre daran gefehlet . Der Geniahl der Grafinn von Moret ist Statthalter von Capelle gewesen , und auch wegen seines Au - ßenbleibens zum Tode verdammt worden , als wenn er diesen Platz den Spaniern >6z6 zu zeitig übergeben hatte . Mercure Fran$ . 1636 nennet ihn nur Baron von Bec . Allein er ist durch einen PariementSspruch von Paris , nach dem Tode des Cardinals Richelieu , für uuschuldig erklär ret worden .
( B ) Sie hat einen altern Bruder gehabt , der in Italien von den Banditen ermordet worden , ^ Man versichert es gemeiniglich in den Büchern , die eine genealogische Folge von den Vorsahren dcs Marquis von Vardes enthalten . P . Anfelrne , Tom . II , P - 629 . Le Laboureur ,
Addit . aux Memoires de Caftelnau , Tom . II , pag . joo . Allein m der Sammlung der Stücke , die sich in der Forrietzung d^ Tagebuchs Hem - richs des III finden , stehen Anmerkungen über die Liebeshandel Heinrich« des IV , wo man versichert , daß dieser älteste Bruder von einem Bauer gervdtet worden , den er hatte schlagen wollen : und daß sein Vater , ein reicher ehrwürdiger Greis von 5» bis 60 tausend Pfund Renten , diesen verdrießlichen Tod ) u verheelen , das Gefolge seines Soh - ncs nach seinem Tode abreisen lassen um den XVeg von Lion und Italien ; u nehmen , worauf er sich etliche Tagereisen von da einen Brief schreiben lassen , daß er umerwegens eines plötzlichen Todes gestorben wäre . Derjenige , der dieses erzahlet , thur es bey dieser Gele - genheit . Er saget , daß ein gewisser Edelmann aus Guienne , NamenS Villcneuve . in Vexin verheirathet , verschiedene Edelleute zu Saucour , ( ich glaube , er sollte sagen , Sancour ) bey Gisors 1622 zusammen bestellet hatte , um ihr Gutachten über folgenden Gewissensfall zu vernehmen . Ein Edelmann l dieß ist vermutlich der Rathfragende gewesen ) war allein in eines Dauern Hans gegangen , denselben zu züchtigen : der 25«uer bat ihn angegriffen und unter sich gebracht , und geschworen , ihm das / Leben ju nehmen , wenn er nicht verspräche und schwüre , sich deswegen weder selbst noch durch andre j« rächen . Diese«
ist von dem Edelmanns auch beschworen worden , und er hat wissen wol« len , ob er dem Bauer sein Wort halten müsse . Der Urheber der Beob - achtungen setzet dazu , daß sie alle , ) chn oder zwölfe , so viel ihrer ge - wesen , mit emballiger Stimme Ja gesager : mir der beigefügten lvarnung an alle , daß niemals ein Edelmann dergleichen ^cute an - ders angreifen solle , als wenn er sicher wäre ; und es ifi , ein gleiches und ärgere» , ; » dieser Zeit ganz frisches und neues Beispiel eines gewissen Marquis angeführet worden , u . s . w . Dieß ist die Bege - benheit , die ich erst von dem ältesten Bruder des Marquis von Vardes und der Marschalliim von Guebriant erzählet habe .
Die Umstände dieser Erzählung sind so deutlich und geschickt , daß man sie für wahr halten muß ; gleichwohl hat man Ursache an der Geschichte zu zweifeln , und sie gar für falsch zu halten , wenn man andre Umstände erwäget . Wir sehen in der Reiscbeschreibung der Königinn von Pohlen , die vom Laboureur ausgesetzet worden , im IIlTheile p . zn , daß die Mar« schallinn von Guebriant , da sie durch Genua gegangen , ihrem Brnder einGrabmaal aufrichten lassender von den Banditen in diesem Lande er« mordet worden war . Allein es ist besser , die ganze Stelle de« le Labou . reur anzuführen ; sie enthält einen Haufen Umstände , die der Erzählung von Saueour alle Wahrscheinlichkeit absprechen Dieser Seribent saget lalso , nachdem er beobachtet hätte , daß die Prinzen von Monaco und die Herren Du Bec - Crespin in der Normandie von ei . nerley . ihnen abstammen , daß eben dieses den - Herrn Du Bec , LNar ? quis de la Bosse ( - « - ) , den ältesten Sohn des Renatus Du Bec , Marqms von Vardes , Ritters von den Orden des Roniges , et 1616 durch Italien gereifte , angereizer hätte , nach Genua ; u acs hen , die Herren von Grimaldi , seine Anverwandten , jtt besticken ; und daß dieselben , da er unterwegens von den Banditen ermor , der worden , gesorgt , seinen Tod durch eine exemplarische Bestra , ftrng zu rächen , und seinen Rorper in der Franciscanerkircl ) e , dem Begräbnisse vieler von ihrem - Hause , beysinen lassen , wo er bis ^geblieben , da die Frau Marscliallinn von Guebriant , sein» Schwester , und die - Herren Grimaldi ihn ja unserer lieben en vom Tröste außer Genua bringen lassen , rvo man ihm ein Grabmaal aufgerichtet , dazu ich die Grabschrist gemacht habe .
( * ) Moreri in dem Artikel BeoTrespin , hat einmal la Brosse an statt de la Bosse gesetzet . Er hat etwas von einer andern Art gelesen oder gehöret , wie man diesenTod erjähler , welches aus diesen Morien er .
hellet :

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