Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10642

Guan'n .
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als die große Hochachtung , die man geqen seinen Verstand und seine Musen hatte . Er begab sich endlich in sein Vaterland , wo man ihn , wegen der Mittel zur Beruhigung Italiens , als ein Orakel , um Rath gefraget hat <
a ) Nicius Erythr . Pinacoth . I . pag . ? 6 . b~ ) Ludwig Zueculo lobet den Pastor Fido in seinem Tractate , della Eminenza dclla Paftorale , pag . 25 . sehr , e ) Nicius Erythr . Pinacoth . L pag . 97 . d~ ) Aus dem Johann Jmperialis , in Mufaeo Uiftor . p . , 30>
( A ) Durch die ansehnlichen Bedienungen . ^ Man sehe des Mo - reri Wörterbuch , und füge noch dazu , daß Guarini , der vom AlphonsuS dem II , Herzoge von Ferrara , nach Venedig geschickt worden , eine italie - Nische Rede an den Rath gehalten hat , und sehr bewundert worden ist ; und daß er , nach des Alphonsus Tode , von den Ferrarensern zu Paulus dem V geschickt worden , demselben zu seiner Gelangung zur päbstlichen Würde Glück zu wünschen . Nie . Erythr . Pinacoth . I . p . 96 .
( B ) Der Aorn , darein er wider einen Runstrichter gerieth . l Jason DenoreS , gebürtig aus der Insel Cypern , und ursprünglich von einem Edelmanne aus der Normandie , Professor der Moral zu Ferrara , machte einen Tractat von der Dichtkunst , worinnen er eine Gattung von der dramatischen Poesie , sehr gemiehandelt hat , die sehr Mode geworden »var . Thuan . Lib . XCIX . p . 379 . aufs 1590 Jahr . Ich rede von den pastcral Tragicomödien . Inter alia , quae feripfit cum de Poetica difle - rens Tragicoraoedias Paftorales , quae hodie inter Italos vfurpantur , tanquani monftra quaedam et nullo veterum exemplo , contraque Poeticae prifeae leges ab imperitis rei antiquariae introdu & a exagi - taflet etc . Ebendas . Er behauptet , daß eS MiSgebnrten wären , die von Leuten , die keine Kenntniß von dem Alterthume hätten , und wider die Regeln der alten Dichtkunst hervor gebracht worden . Guarini hat sich überredet , daß diese Critik auf ihn gienge : dieserwegen hat er eine Schutz - schrift wider den Denores gemacht . Dieser hat wieder geantwortet , und ist in wahrender Zeit gestorben , da Guarini an einer beißenden Gegen , antwort arbeitete , die man für vermögend hielt , den Tadler der Pasto - ralen ums Leben zu bringen . Thuanus saget davon : Baptifta Guari - nus lectiflimus eques Ferrarienfis , qui fub id Paftorem ndum magno plaufu vbique in Italia exceptum ediderat , eum fermonem ad iniiu riam fuam pertinere exiftimans , defenfionem fub nomine Verati pu - blicauit , quam apologia contraria ftatim Denores refutauit . Sed dum alteram defenfionem meditatur Guarinus , morte minime fatali res conceflit , quae nifi dilectifluni filii calainitate fiiiflet praeeipitata , alterius Verati Ieäione accelerari potuifle credita eft . Tanta fiqui - dem vi eloquentiae fimul et afperitate ac verboruin amaritudine in Iafonem inueöus eft Guarinus , vt Archilochum ipfum in Lyeamben Yambos ftringentem eo feripto fuperafle paffimiaäaretur . Ebendas .
( C ) Dieß scheint einen Grundsat ; des de la Fontaine - - * zu bestreiten . ] Nachdem Nicius Erythräus gesaget , daß der Pastor Fido fast alle Jahre wieder gedruckt werde , und daß ihn alle Nationen , so barbarisch sie auch wären , in ihre Sprachen übersetzen lassen , so setzet er dazu , daß es vielleicht kein Buch sey , welches zur Reinigkeit der Sitten diene ; Moniin fortalTe integritati non vtilis , Pinacoth . I . p . 96 . und hier ist die Ursache , die er deswegen anführet : Etenim in eius dulcedi - ne fuauitatequetanquam in infefto Sirenis rnari , in quo etiam Vlyfies errauit , virgines nuptaeque complures pudicitiae naufragium feeifle dicuntur . Wir wollen den Grundsatz des de la Fontaine sehen . Er ist in einer von seinen Fabeln .
Und wollt er ohne Grund , durch unschuldvolles Scherzen ,
Vor Zorn und Eifer rasend seyn ?
So glaub ich in der Thar , es würfe Spaß und Herzen ,
Noch Glut und Brand ins Haus hinein .
Vertreibt die Duhler nur , ihr Schönen , heißt sie gehen !
So will ich für mein Buch schon stehen .
So Hilst sich dieser Schriftsteller aus einer sehr großen Schwierigkeit heraus . Mm , hat sich beklagt , daß seine Erzählungen weiter zu nichts geschickt wären , als in der Seele seiner Leser , tausenderley unkeusche Be - gierden zu erregen : er antwortet , daß die Frauenspersonen , die sein Buch lesen , ihrer Ehre keinen Schandfleck anhangen würden , wenn sie nnr keinen Liebhaber zu sich ließen . Diese Antwort ist sophistisch : denn sie verlangt eine Bedingung , deren Ausübung das Buch selbst , darüber man sich klaget , sehr schwer machet . Er will , daß man sein Buch lesen , und die Anbether von sich zagen soll : allein er ist unbillig , solches zu verlangen , weil uns seine Gedichte die Kräfte nehmen , unfre Anbether wegzujagen . Sie erfüllen uns mit Liebe , sie erhitzen uns , sie entzünden uns , sie bewe - gen uns , die Gegenwart dieser Herren begierigst zu wünschen : man hat uns nach diesem gut sagen , daß unsrerEhrc nichts verdrießlich begegnen wird , wenn wir sie von uns jagen . Man kann dem Fontaine noch eine andre Schwierigkeit machen , daß man nämlich , wenn man auch die Ali« berher wegjagte , dennoch vielen unreinen Leidenschaften ausgesetzet seyn würde , die durch das Lesen seiner Erzählungen erreget werden , Ist ses nicht Uebels genng ? Wenn man für diesen Schriftsteller eine gute Schutzschrift machen wollte , so müßte nian voraus setzen können , daß sein Buch nicht vermögend sey , der Keuschheit einigen Nachtheil zuzuziehen , und daß bloß das Ansehen der geliebten Gegenstände , und die mündli - chen Liebkosungen dieser Tugend schaden . Allein dieses wird man nie - mals behaupten können , wenn es wahr ist , wie man vorgiebt , daß die Lesung de« Pastor Fido , viele verheirathete und nnverheirathete Franens - personen verderbet hat . Hier ist also mein Text zur Gnüqe ausgelegt . Wenn dasjenige , was man von der bösen Wirkung dieses Gedichtes er - zählet , falsch wäre , so würde es dennoch wahr bleiben , daß das Lesen ge - - wisser Bücher jungen Leuten von beyderley Geschlechte , höchst schädlich ist Es giebt Aerzte , welche denen , die Mühe haben , sich zum Liebes - kämpfe zu rüsten , verordnen , verbuhlte Sachen zu lesen : Media , in his Paulus Aegineta , difertis verbis ad excitandam languentem Ve - nerein vel praeeipuum remedium praeferibunt , Priapeorum et fimi - lis poefeos infauiis affiduam leftionem . Cafaubonus , in haec verba Perfii Satir . I . verf . 19 .
Cum carmina lumbum - . \ -
Intrant , et tremulo fealpuntur vbi intima verfu ;
und 'ch habe beobachtet , daß der Kaiser Melius Ver^ , ein Prinz , der sich den unkeuschen Wollüsten ergeben , die verliebten Gedichte des Ov> - diuö jbeständig bey sich , , n Belle gehabt , und auf Martials Verse un * II Band .
gemein viel gehalten hat . Idem Oiiidii libros amorum in lecta fem . per habuifle : idem Martialem Epigrammaticum Poetam , Virgiliuin ftuim dixifie . Spartian . in Aelio Vero , cap . V . Ich erinnere mich , in dem Tassoni gelesen zu haben , daß das Studieren unter andern Dingen die Unkeuschheit reize , weil es tausenderley Unfiätereyen zu erkennen ge - be , die in den Büchern sind . Hieraus erkläret er , woher es kömmt , daß viele gelehrte Frauen , deren das Alterthum gedenket , sehr unkeusch gewe - sen sind . Hier sind seine Worte . Penfierfdiverfi diAlefl'androTaflb - ni , Lib . VII . cap . XI . p . 227 . Che fimilmente le lettere fieno cagioni d' eccitar la libidine , e di parturire molti atti ofeeni , non e da dubi - tarne ; pofciache col leggere accidenti , e ftratagemi amorofi ; e libri lafeivi , e particularmente nelle folitudini , e ne gli ozi , che richieg - gono le lettere , s' apprefentano fantasmi ofeeni , e penlieri , e voglic di eofe illecite fotto apparenza di gufto' , edi diletto ; e l'ingegno fagace vi s'abbandona fopra . E quindi e ( cred'io ) che in Euripide , e Giuvenale ( * ) leggiamo notate d'impudizia le donne di lettere antiche , le quali leggendo libri di cofe lafeive , e converfando fotto quel pretefto di lettere piu liberamente con gli huomini , che fi eon - veniva alla debolezza del fefio , fi fecero ardite , e la libidine loro s'infervorö nell'ozio , e la fagacita dell'ingegno s' offerfe di ricoprire gli ecceffi .
Es ist nicht wahr , daß ihnen Euripides nndJuvenal diesenMan - gel schuld geben . Juvenal will nicht , daß man eineGelehrte heirathe ; allein er giebt keine Ursache an . Euripides giebt zur Ursache davon an , weil sie Venus viel verschmitzter machet . Siehe Muret , Variar . Leäion . Lib . VIII . cap . XXI .
( D ) Vielleicht würde er es viel kürzer gefunden haben , ja nem viel gemeincrn Gedanken Zuflucht ; u nehmen . ^ Er hätte sa - gen können , daß seine Pastorale die Leser nichts neues lehrte , oder daß junge Leute , wenn sie ja darinnen etwas anträfen , das sie nicht wüßten , solches auch anderswo hätten lernen können ; so daß es zu nichts gedie - net hätte , wenn der Pastor Fido gleich nicht wäre herausgegeben wor - den . Ein Freund des la Fontaine hat diese Art der Rechtfertigung in der Vorrede zu der amsterdamer Ausgabe der Fabeln von 16» ; , sehr fein berührt . Die Klugheit erfordert von Personen , denen die Erzie , hung der Jugend anvertrauet ist , saget er , nicht allein derselbe , , das Lesen oavon , ( . nämlich der Erzählungen des la Fontaine . ) zu u» , rersagen , sondern auch ju verhindern , daß sie durch einen bösen Umgang nicht noch mehr davon erfahren . iL« ( m0 mchr zeit die Bücher , die dasjenige lehren , was man nicht iviflcn soll . Dieß heißt deutlich gesaqet , daß nach den , in der Welt üblichen che diejenigen , welche aus dein Buche des la Fontaine dasjenige nicht lernten , welches ihnen gut wäre , nicht zu wissen , solches durch hundert andre Wege lernen würden . Man har sich zur Widerlegung der ungerechten Klagen derer , die nicht wollen , daß man die unflätigen Stellen des Ju - venals und Martials unterdrücken solle , eines gleichen Gedankens be - dient . Siehe les Nouvelk - s de la Republ . des Lettres , Weinmonat 1684 , Art . V . p . 792 . 793 - Diese Art der Vertheidigung ist weit ertragli - cher , als der Grundsatz des la Fontaine , und nichts destoweniger lauget sie nichts ; denn kurz , es mögen die Unordnungen so unvermeidlich seyn , als sie können , wenn man auch nichts dazu beuträgt ; so soll es doch ei - nem jeden lieber seyn , daß sie anderswoher , als durch seine Vermitteluna kommen . Und man merke , daß diese« diejenigen angeht . welche im - keusche Historien erfinden , oder dieselben mit neuen Verbrämungen »ber - setzeil , und nicht diejenigen , die eine Stelle Martials , u . s . >v . als einen Beweis einiger Geschichte anführen , deren zu gedenken , sie die Natur ih - res Buches , oder der Titel eines Histori ? nschreiber« , eines Auslegers , u . s . w . verbindet . Uebrigens muß man gestehen , daß alles dasjenige , was man von Unreinigkeitcl , in gewissen Büchern lernen kann , ohne Hülfe der Bücher , vermittelst der gesellschaftlichen Unterredungen , mitge - theilt wird . Es ist nicht glaublich , wie viele Dinge hiervon Pmonen wissen , die noch in ihrer zärtesten Jugend sind , und die niemals haben le - sen können . Der Fortgang dieser Wissenschaft ist erstaunlich . und er - fordert keine große Anzahl von Jahren . Man höre den Montagne Efläis , Liv . III . chap . V . pag . m . 125 . 126 . So bald sie da« austerli , che Geprange ein wenig ablegen , so bald sie sich der Lrev'hcit be» U . ^rr^nngcn gebrauchen , so sind wir gegen sie nur Rinder m dieser rvisicnschaft . Man stelle ihnen unsere Ben , Übungen , und unsre Gespräche vor , sie werden uns bald ; u ernennen geben , daß wir sie nichts lehren : was sie nicht ohne uns gewußt , und verdauet hatten . Sollte dieses das feyn , was placo fwt , saß sie ehmals liederliche pursche gewesen waren 1 mein < ! ) hr fand sich eines Tages an einem Grre , wo es einige unter ihnen gehaltene Gespräche ohne Verdacht wegstlmappen konnte : war« um ^ann ich es doch nicht sägend Jesus Maria ! sägte ich , nun mögen wir hingehen , und Sie Redensarten des Amadis , und die Register ves Bocca ; uns Aretin skuvieren , um klug ZU tbim . Gewißlich wir wenven unsre Zeit sehr wobl an ! es ist kein TDovt , kein Ercmpel , kein Streich , den sie mchr bester wüßten , als unsre Bücher : dieß ist eine rviflenschaft die in ihren Adern gebohren wird : Et rnentem Venus ipla dedit , welche ihnen die guten Schulmeister . Vie Natur , die Jligend , und die Gesundheit beskai' . dig in die Seele blasen : sie dürfen >«e nicht lerne» , sie selbst bringen dieselben hervor .
Nec tantum niueo gauifa eft vlla colunibo ,
Compar , vel fi quid dicitur improbius .
Ofcida mordenti femper decerpere roftro :
Quantum praeeipue multiuola elt mulier . * Cat . 109 .
* Hier könnte man nach Hn . Baylens Erempel , welches er doch , außer bey schmutzigen Stellen , nicht thut . auch diese lateinische Verse , auf eine schlüpfrige Art ins Deutsche übersehen , damit nur auch die Unstudierlen und das Fraueozimmer sie verstehen könnten ; wenn wir es mit ihm dafür hielten , daß ei rachsam sey , der Un - Pp PP - schuld

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