Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Caracciol .
Hingegen ist eine Königinn gezwungen , anzugreifen , und die Schande zu haben , wider alle Wöhlanständigkeiten zu handeln . Ich will nicht von der Gefahr reden , nicht verstanden zu werden ; sie hat Mittel , sich davon zu befteyen , und sich über kurz oder lang verstandlich zu machen . Unsere Jo - hanna von Neapolis hat sich auf so viel Seiten gedrchet , und ohne daß sie zu einem Ich licbc euch , oder zu einer noch deutlicher» und gröber» Rede gekommen wäre , ( wie zu dem Erzvater Joseph , im 1 B . Mosi« , XXXIX Cap . 7 V . gesaget worden , ) dasjenige zu erkennen gegeben , was sie «wollt . Noch weniger muß man von der Gefahr reden , eine ab - schlaqige Antwort zu erhalten , wenn man verstanden worden ist ; denn die Gefahr ist sehr klein . Die Vonheile , welche die Gefälligkeit zuwe - qe bringt , und die Widerwärtigkeiten , denen man sich bloß stellet , wenn man sich dem Antrage einer Königinn widersetzet , nörhigen fast allezeit , sich demselben gemäß zu bezeigen . Siehe die Anmerkung ( C ) , des kel« Laus ? « .
( v ) Diese Roniginn lwt ihn - - - , ermorden lasten . ^ Mariana , im X V B . V Cap . jaget es auf diese Art : Princeps con -
filii audVor Cobella Rufa , Antonii Suefläc Dncis conitix , quae prae - cipuum gratiae et auöoritatis lociim apud Reginam naßa erat , eo - qtie implacabili odio in Caracciolum ferebatiir .
Man merke , daß , nach einigen Schriftstellern , der Antheil , den die Köniqinn an dieser That gehabt , nicht so wohl darinnen bestanden , daß sie dieselbe gebothen , sondern vielmehr , daß sie sich derselben nicht wider - setzet hat . I^on tarn iubente , quam non negante regina . Spondan . ad ann . 1442 . num . iz . Sie hat den Mördern Gnade ertheiler , die Güter des Verstorbenen eingezogen , und sein Gedächtniß vertilget . Er hat nicht gegiaubet , daß diese Prinzeßinn seine Feindinn wäre ; denn so bald als er die falsche Zeitung erfahren , welche die Verscknvrnen ihm geben ließen : daß er zur Königin» kommen sollte , die vom Schlage geruhrer worden ; ist er Göhlich ans dem Bette gesprungen . und hat die Thüre seines Schlafzimmers halb nackend aufgemacht . Sie drungen augen - blicklich ein , und machten ihn den 37 Anqust , an dem Tage nieder , da er die Hochzeit seines Sohnes prächtig gefeyert hatte . Eben - daselbst .
Carütttol , ( Johann Anton ) der Sohn Johann Caracciols , Prin ; von Melphe , Marschall von Frankreich u . s . w . ist im XVI Jahrhunderte Bischof zu Troieö gewesen , und im Jahre 1561 öffentlich ein Calvinist geworden . Man sehe das Wör - terbuch des Moreri ; allein man erinnere sich , daß man die Worte Thuans darinnen übel anführet . Man läßt ihn saget , , was er nicht gesaget hat a , und man läßt einen Hauptumstand aus , den er bemerket hat ; daß nämlich die Protestanten den Ca - raccioli für einen Bischof erkannt , nachdem er ihre Religion öffentlich angenommen gehabt ( A ) . Dieß verdienet sucht zu werden .
m ) Dieß ist in allen letztem Ausgaben zu sehen' , wo man dasjenige ! mit italienischen Buchstaben bemerket , was Thuanu« , dem Vorgeben nach , gesaget hat .
„ Zu Ende des Herbstmonats hellte sich Anton von Caraccioli , Bi - „ schof zu TrojeS , nach seiner Zurückkunst von dem Gespräche zu Poißi , „ wo er nicht den geringsten Nutzen erhalten ; nachdem er auch von etli - „ chcti Prinzeßinnen und andern Damen des Hofes war er>ucl>et wor - „ den , vor dem Kirch« , rathe der Kirche zu Trojev : er erkannte feine ler förmlich , und bath um die Zulassung zum 'predigtamre . Hierüber „ waren die Meynungen einander zuwider ; denn einige urtheilten , daß „ dieses ein großer Vortheil sey» würde , ihn auf ihre Seite zu ziehen ; „ andere aber hielten die Leichtsinnigkeit und das bisher allzu bekannt« „ unzüchtige Leben des besagten Bischofs für verdachtig , und nicht ohne „ Ursache : so , daß der Schluß da hinausfiel , hierüber den Rath der an« „ noch zu Poiß> versammleren Prediger einzuholen , welche wegen verschie - „ dener Umstände , die sich zeigten , sich aus dieser Sache einigermaßen nicht „ zu helfen wußten , und die . Kirche zu Genf um ihr Gutachten ersuchten , „ welches in den lateinischen Antworten Calvins zu finden ist . ( Ich glaube , daßes der LLCLXXlIIBr . Calvin« , auf der 7 - 6 S . nach der ha - namschen Ausgabe , von 1597 ist . ) „ Unterdessen reiste der große Mann , „ Peter Martyr , bey ftiner Zurückreise von Poißi , nach seiner Kirche „ zu Zürch , durch TrojeS , und nach dessen Mcyimng ist der Bischof , „ nachdem er seine Irnhumer abgeschworen , das GlaubenSbekennrniß „ unterzeichnet , und versprochen hatte , sein Bischosthum zu verlassen , ins „ Predigtamt , jedoch nicht ohne allen Widerspruch aufgenommen wor - „ den , indem sich einer von den Predigern , Namens Peter le Roy , da - „ wider gesetzt . Allein diesem ungeachtet hat er nach Vcrlassung seines „ DischosthumS , mit Vorbehalt einiger Jahrgelder , welche ihm die Ko - „ niginn verschaffet , zu predigen angefangen , dabey aber allezeit mehr „ Worte , als Wissenschaft , gehabt : allein nach diesem hat er sich sehr „ übel aufgeführt , wie man an feinem Orte sage» wird . Bezc Hift . Ecclef . des Eglifes Reformees , Tom . I . Liv . V . pag . 767 . auf ? Jahr i ; 6i .
Wenn man diese Stelle mit Peter Martyrö seiner vergleichen könn - te , so müßte man sagen , daß er sich sehr übel und auf die dunkelste und betrüglichste Art ausgedruckt hätte . Ich gestehe eS , daß Durel , wenn er dasjenige gewußt , was der Urheber der Historie der reformirten Kirchen gesaget hat , er dasselbe entweder hätte widerlegen oder besser mit dem Peter Martyr , so viel , als möqlich gewesen wäre , vergleichen sollen : allein es findet sich einige Wahrscheinlichkeit , daß er nicht« davon gewußt» und nicht vermuthct hat , daß es Erzählungen geben könnte , welch« derjenigen so zuwider wären , t>ie dieser Prediger angenommen und ThuanuS bekräftig« hat . Er hat sich auf die Anmerkung verlas - fen , mit welcher dieser erlauchte Geschichtschreiber seine Erzählung bestätiget hat : nämlich , daß die ftmijof . Bischöse die Folgen dieser That des Ca - raccioli befürchtet , und dieserwegen den König vermocht haben , ihn von seiner Prälarur zu verjagen . Der presbyterianische Apvlogist machet diese Anmerkung zu Wasser ; indem er saget , daß die Bischöfe die Folgen der Aufführung des DiscwfeSvvnTroies befürchtet , weil die ganze Hierar - chiezu Grunde gehen müßte , wenn die Wahl der Bischöfe nicht ebne die Stimmen des Volke« rechtmäßig seyn könnte ; und weil die vielfältigen Predigten des Caraccioli , de» Müßiggang , oder die Arbeit der Prälaten verdammte» , die sie auf andere Dinge anwendeten . Apolin * . pro Minifl . * tc . p . 166 . Allein dieß heifit , sich vom Zweckt entfernen : ' man sieht offenbar , daß Thuanus hat sagen wollen : die Furcht der Bischöfe habe sich darauf gegründet , daß Caraccioli seit seinem Beytritte zu der refor - mitten Religion sein Bischofthum behalten hätte . Himimen konnte sein Beyspiel ansteckend ftyn . Es koinite viele Prälaten geben , die gerne mit der römischen Kirche gebrochen hätten , wenn sie versichert gewesen wären , ihr Bischosthum zu behalten , wenn sie sich von dem calvinisti - schcn Volke bestätigen ließen . Man hatte nicht Ursache . zu befürchten , daß sie sich dieser Wurde entsagen würden . um gemeine Prediger zn werden . Man muß also sägen , daß der Widersacher Durels deswegen dentzvgenpart ergriffen , und über die Sammluiigsbücher der Religion« - streitigkeite» aerathe» ist . um hauptsächlich Gelegenheit zn haben , den englisch ? » Bischöfen vorzuwerfen , daß sie das Predige» hilidan fefeten . Ebendaf . u . f . S . ( - )
00 Man findet in den Alterthümern von Paris detf Fratcr Jacob« du Breul , auf den 4 * o> 4 - ' und 422 Seite» , verschiedene merkwürdige Dinge , diesen protestantische» Bischof betreffend : Anton von Tar - racciolo , , - wurve nlm XTioncbc Des heil . Victors , nahe bey Paris , auf Anlialtcn dcr Margaretha , Roniamn von XZts varra , aufgenommen , uns jur Ablegung Oes Glüböcs , uge . - . lasicn ; dieß ist ven Xveihnachtsabcnd . is ? 8 , gefthchen . Hadv dem 0er , « - parer Sorvier gestorben ( den 16 ö< - s XDitv
rcrmonatq ,
( A ) jDie Protestanten haben ihn für einen Bischof erkannt u . f . tr . ] ThuanuS erzählet , daß man in dem Gemüthe dieses Bi , schofs einen Gewisstnsscrupel erregt , daß er weder durch die Stimmen der Kirche , noch des Volkes erwählet worden ; daß er deswegen die Aei - testen des protestantischen Kirchenraths versammlet , damit sie andächtig und weislich untersuchen sollten : ob sie ihn zum Bischöfe erwählen und dafür erkennen wollten ? Er hat sich erkläret , daß cr keine Gunst ver - lange , und daß er , wenn man ihn dieser Würde unwürdig erkennte , sich derselben mit Vergnügen begeben wolle . Nachdem die Sache in Be - rathschlagung genommen worden , so haben ihn alle emhällig erwählet , und ihn von neuem eingeweiht , worauf er Sitz al« Bischof genommen und öfters geprediget hat , bis endlich die Prälaten , aus Furcht vor die - stm Treu , pel . von dem Könige seine Absetzung vom Bischofthume er - halten haben . Li ferupulus inie & us eft de vocatione fua , quod non «ccletiae neque populi fuffragiis eledhis eilet ; itaque Proteftantium ecclcfiae feniores euocat , vt pie ac prudenter defpicerent , an fe eli - gere vellenf , ac pro epifcopo habere ; neque qmdquain gratiae da - rent : nam Ii minus idoneum exiftimarent , fe libenter loco ceflü - rum . Ifa re inter eos deliberata , omnium confenfu eledus et de . nuo ordinatus loco epifcopi fedit , in concionibus publice ad popu - lum , quibus eorum dodlrinam feouebatur , habendis aJiduus , do - nec praefules exemplum veriti apud regem peruicerunt , vt dignitate moueretur . Thuan . Libr . XXVIII . p . m . 569 . 1 CoLC , ad ann . ij6i . War dieß eine Sache , die Moreri auslassen sollte ? Wir werden bald fthen , daß sie mit der Erzählung Theodors von Beza nicht übereilt - kömmt , und daß Thuanus unterdessen nur dem Peter Martyr gefolget ist , der an diese» Oerteni gewesen war .
Einer von denen presbyterianische» Predigern , die im Jahre 166 - au« England verbannt worden , hat eine Schutzschrift Herausaegeben , wor - innen man ein Werk widerleget , welches Durel , damaliger Prediger bey der savovischen Kirche in London , welche die bischöflichen Gebräuche hat , zur Behauptung der bischöflichen Würde , ans Licht gestellet hatte . Ich habe in dieser Schutzschrist dasjenige gesehen , was man dem Du - rel geantivortet , welcher mit diesem Erempel des Caraccioli , Bischof« von TroieS . bewiesen hatte , daß die Reformirten in Frankreich die Wür - de der Bischöfe nicht verdammeten . Man behauptet gegen ihn , daß , wenn man diesen Neubekrhtte» für einen wahrhaften Bischof erkannt hätte , so wäre solches nur unter der Bedeutung eines Dieners des Wor - tes Gottes , und nicht unter der Bedeutung eine« beständigen Vorsitzer« bey der Versammlung der Priester , und noch weniger in der Bedeu - tung eines Prälaten , geschehen , der alles ohne den Rath der Priester anordnet . Apologia pro Miniftris in Anglia vulgo non - conformiltis , pag . 16z . Ausgabe von 1665 . Man hat dazu gesetzt , daß Caraccioli , welcher gezweifelt , ob er die AmtSverrichtungen eines Pastors recht - mäßiger weise verwalten könnte , da ihn weder die Kirche , noch da« Volk erwählet und bestätiget hätten . die Aeltesten von der resormitte» Kirche zusmnmen kommen lassen , sie gedeihen u . s w . Inceffit ani - mum boni viri ferupulus , an poflit munus paltoris obire , eo quod non haberet eedefiae et populi confirmationem feu eleftionem , in - de ( vtar ipfiflimis verbis Petri Martyris in Epiftola ad Bezam ) „ Se - „ niores Eccleliac reformatae accerfiuit , rogauitque , vt pie ac pru - „ denter defpicerent , an eum vellent elieere , et confirmare , ac pro „ Epifcopo habere , quod fi iudicarent faciendum , fe daturum ope . „ ram , vt ficut coepit ita pergeret , Eccleiiam fibi conimifiäm docen - „ do et hortando , pro viribus aedificare , et augere ; fin vero exiflti . „ marent illum minus idoneum ad tantum munus , libere atque „ aperte dicerent , fe autem paratum efle loco ctdere , modo ei liceat „ in Ecclefia Reformata viuere , iuxta fanflam Euangelii difcipli - „ nam . Rogauit , vt ea de re mature in Ecclefia deliberarent ; quod „ cum faftum eflet , ab omnibus vnanimiter vt verus Epifcopus agni . „ tus eft et reeeptus Nou . 16 . 1561 . „ Ebendas . Hier ist eine mene Eiligkeit unter dem Thuan und dem Peter Martyr : man darf sich also nicht bestemden lassen , wenn Durel gesaget : daß Caraccioli von den Reformirten in Frankreich für einen wahrhaften Bischof erkannt worden ; den» wer konnte solches besser bezeuqen . al« Peter Martyr , welcher , nach dem Schlüsse des Gespräches zu Poißi , durch TrvjeS ge , reist ist . nm daselbst den Bischof zu sehe» , der sich öffentlich für die refor - mitte Religion erkläret hatte ? Thuan . Libr . XXVIIL ad ann . 1561 . NichtSdestöweniger beschuldiget der Urheber der Schutzschrift , den Du - rel entweder des Betrugs , oder der Nackläßigkeit : und ihn dessen ; u überführe» , so vergleicht er seine Worte mit dieser Stelle des schreiber» der reformirten Kirchen in Frankreich

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