Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10604

Gruterus .
66z
er nscht so leicht glaube , was Venator wegen dieser Materie vorbringt : denn er scheint allzuerhibt auf diese Sache , und allzuempfindlich gegen dieGottesgelehrten zu seyn : er machet eine verhaßte Beschreibung von ihnen . Wir wollen also auf unserer Hut seyn , wenn wir ihn auf der 222 S . sagen hören : Multas inaufpicatas , lmmicas et arcentes aues mortales illi vbique fcre nancifcuntur , nullas tarnen infeftiores hodie , quam quae de fuggeftu diris oinnibus regnant , et populäres animos odiis afperant , quo» vetus Augtirum difciplina ignorauit , nifi , quiade funinio vocem mittunt , Superuaganeas cum antiquis appelles , aut pi - carum generi adfcribas quodam collegio naturae , quoniam vtrisque par infolentia , quam illis fabulae triou tre & andi libido :
buunt , par conuiciandi st ob -
Raucaque garrulitas , ftudiumque immane loquendL
Dicam clarius . Sunt nonnulli ( abfit enim vt omnes eadem cenfura vexem ) et in ipfa matre noftra Germania de fiicro ordine homines facerrimi , qui velut dlninanim et humanärum rerum iudices atque arbitri tanta confidentia partein illam , quam nefcio quis optimam et peflimam dixit , exercent , vt quiduis in quosuis nulla cura , verum an falfum intemperanter effundant , auresque et fidem Vulgi ignobilifli - ma captiuitate damnent et feruitute . Aliquis ipfis non dedit ? Auari - tia : non fcrupulofe fatis honorauit ? Arrogantia : non laudauit ? am - bitio : non rudis eft Z Inuidia : non a ( Femicur ? Inimicitia : malum inorein tangit , tum vero capitale odium eos facit difertos . Dieß ist genug davon : er saget noch weit mehr : allein die Leser mögen , wenn sie Lust haben , ihre Zuflucht dahin nehmen .
( E ) Eines von feinen nüylichsten werken , die er herausgege . den , ist eine gcefie Sammlung von Aufschriften . ] Hier ist die storie von diesem Werke ; ich nehme sie aus Gruters Leben , welches Flayder aufgesetzt . Martin Smctius , gebürtig von Bruges , hat sechs Jähr ganz Italien durchreiset , Ausschriften zu sammle» , welche er , nachdem er sie zu denjenigen gefüget , die ihm von etlichen Gelehrren waren verstt ) affet den , in eine sehr gute Ordnung gebracht . Marcus Laurinus von Wa - tervliet , ein großer Liebhaber des Alterthums , hat ihn um eine Abschrift davon gebethen , und ihm diesen mühsamen Dienst nach Würden zu ver - gelten , versprochen . In währender Zeit SmetiuS daran gearbeitet , kam Feuer in dem Hause aus und verzehrte allen seinen HauSrath , nebst allen Zlufschriften , bis auf 50 Bogen , die er in einen Schrank absonderlich ge - legt hatte . Laurinuö hat ihn durch Bitten und Versprechungen ausge - muntert , das Werk in seine vorige Vollkommenheit wieder herzustellen : dieß ist geschehen , und diese schöne Sammlung dem LaurinuS übergeben worden , welcher sie , da er sich wegen der bürgerlichen Kriege nach Frank - reich in Sicherheit begeben wollte , diese Aufschriften und den Schatz der alten Münzen mir sich aenommen , die Golzius mit tausend Mühe und tausend Unkosten zusammen gebracht hatte . Alles die , es ist ihm durch die englische Besatzung zu Ostende geraubt worden . Es war nicht mehr möglich zum Smetius Zuflucht zu nehmen ; denn weil er Prediger der Reformisten zu Brüssel gewesen , so war er unterdessen von den Solda - ren gehangen worden . Golzius hat seine Witwe geheirarhet . Unter diesen Zwischenfällen hat Janus Douza , der auf Befehl der Staaten nach England gegangen war , einem englischen Soldaten das Manufcript der Aufschriften abgekauft , und es dem Justus LipsiuS gegeben , der es mit einigen Zusätzen drucken ließ . Grureru« nahm diese Aufschriften und vermehrte sie mit allen denen , die er durch unglaubliche Bemühungen nur zusammen bringen können : er brachte sie in Ordnung , und gab sie zu Heidelberg 1601 heraus , wobey er so glücklich gewesen , vom Scaliger 24 Register zu erhalten , die dieser große Mann durch eine zehn moiiath - liebe Arbeit zu verfertigen sich die Mühe genommen hatte . Hoc Grn - terus tandem nofter , afinino prorfus labore , ex lateritio marmoreum imo aureiun fecit ; nam et illas pauciorcs primo feruaiut , et omnes quotquot vnquam in toto orbe fuperfuerant collegit inferiptiones , et easdem in ordinem coegit , et denique Caefari Rudolpho parenti pu - blico perpetuoque Augullo dedicatuni pubücauit . Cui ipfemet Io - fephus Scaligcr in feneöa aetate , folo amore atque ftudio , quo Gru - terum profequebatur , conipulfus , viginti quatuor Indices decem men - fibus continuo illis infudando , adiecit . Flayder , in Vita Gruteri . Der Kai'er hat dieses Werk sehr gelobt , und dem Gruterus die Wahl der Be - lohnung gelassen , damit er begnadiget seyn wollen . Der Verfasser hat aeautwortet , das ; er die Wahl Sr . kaiserlichen Majestät überließe^ in so fern die Belohnung nur in keinem Gelde bestünde : und als er darauf erfahren , daß man ihm ein Wapen geben wollte , sein Geschlecht zum ? ldel des Reiches zu erheben , so hat er zu erkennen gegeben , daß er am aller - wenigsten ein neues Wapen wünsche , da ihm dasjenige Last genug wäre , welches ihm seine Vorfahren hinterlassen hätten . Hierauf hat manSr . kaiserlichen Majestät angerathen , ihm über alle seine Bncher , die er heraus geben würde , eine Freyheit zu ertheilen . Venator in Panegyr . Gruteri , 3 . 41 u . f . S . Dieser Prinz hat hierein gewilliger , und hat uberdieß dem Gruterus noch einen Titel beylegen wollen , der ihm das Recht gab , Hrey - heilen zu geben ° . Annuit igitur Caefar de Priuilegio et in ipfo gio depriuilegiis vitro cogitauit . Non tantum illis quae grvtero fed et quae concederet grvtervs ; Comitem enim Sacri Palatii defignauit . Ebendas . 24z S . Er hatte ihn zur Würde eines kaiserlichen Pfalzgrasen bestimmt : weil er aber vor Unterschrift des Patents ver - starb , so ist nichts aus dieser Sache geworden . Gruterus hat allzusehr geeilt , seine Erkenntlichkeit zu bezeigen , vecreta res apud Principem , approbata in Senatu Augufto , relata ad Principem iterum , vt fubferi - fcendo firmaret , quod praeferipferat communicando . Sed Caefarem occupauit morbus , deinde fatum , quod bonas afliones plerumque cum authoribus finit . Litterae itaque , quibus fuperiora Priuilegia continebantur , ficut eius generis mille alia , more quodam differendi , reltäa fiint absque manu Imperatoris , absque fignatione , nec poftea vnquam produ & ae , quia noua Poteftas facilius fua beneficia orditur , quam aliena abfoluit , et nouis curis occupata raro fuccedit in obliga - tionem veteris promiffi . Itaque grvtervs luculentiffimum inu - nus nunquam aeeepit , et laudes Cae & ris optimi fic celebrauit , quafi integrum aeeepiflet . Ebendaselbst .
( F ) Dir ervurch die Plünderung seines schönen Süchervorraths erlitte . ] Er latce ihn , zwölf taufend Thaler gekostet . Flayder , in Vita - Gruteri . Oswc der Soldaten war stärker , als die gute Absicht dieses Befehlshabers . Als Smendius erfahren , daß des Gruterus Haus geplündert war , so hat er sich nach Heidelberg begeben , und die Zerstreuung der Bücher gesehen . Er hat sich bemüht , »venigstens diejenigen zu retten ; die de« Gruterus Schreiber in die churfürstliche Bibliothek gebracht hatte , und bey den Bevollmächtigten des Pabstes um die Erlaubniß bitten lassen , dieselben wegzunehmen . Man hat ihm die Antwort gegeben , daß der Pabst die Mauuscripte betreffend , ausdrücklich befohlen , dieselben auf das sorgfäl - tigste aufzusuchen und nach Rom zu schicken : was aber die gedruckten Bü - cher beträfe , diese wolle man erlauben , dem Gruterus wieder zu geben ; jedoch daß Tilly solches durch einen von seiner Hand unterschriebenen Schein billigte . Diese vorgegebene Gefälligkeit hat zu nichts gedient ; denn es war unmöglich bey dem Tilly einen Zutritt zu erhalten . Venator , Paneg . Grut . p . »65 .
( G ) ward vurch die R6mischkathslisci , en beunruhiget . 1 Ich habe bereits in der Anmerkung ( 0 ) gesaget , daß er die Controversen , oder Religionsstreitigkeit niemals geliebt ; da er also von etlichen jungen Jesuiten , die nichts als den Zank liebten , beunruhiget worden , so räumte er ihnen gar bald den Platz , indem er von Bretten weggegangen . Das erstemal hat er ihnen sehr freundlich geantwortet und ihnen eine Stelle des heil . Augustins erkläret , die sie nicht recht verstanden hatten ; allein da sie ihn wieder angrissen , ist er ein wenig in Zorn geraihen , und hat sie für junge Naseweise gescholten , und die Höflichkeilen gegen sie angeführt , die Andreas Schott und Jacob Sirmond gegen ihn hätten . Ipfum quoque iuuenes quidam exfamiliaIefuitarum difputando folicitabant , quibus ille primum placide refpondit , et fernel etiam fententiam Ah . gußini , quam non fatis memorker ipfi meminerant , ex libro prae - fenti oftendir , doeuitque aliis verbis , et alio loco exftare , quod ab illis et pro illis fuerat allatum . Deinde cum nec dum defifterent , quin ipfum talibus obtenderent , libertate refumta , mirari fe dixit , vbi fron . fem reliquijj'ent femibarbatuli iuuenes , vt fperent Jocere fenem fexagtna . rium , qui plures Patres in vita legerit , quam ipfi J'altem vidiJJ'ent . It . fu'itasfenes et primarios ( schottvm nominabat et sirmon - DVM ) fibi mutuo bunore litterarumque commercio coli : nullam tarnen ab i / lis de Religione fibi molefliam exbiberi . Erat enim nofter alienus ab iftis velitationibus , quas nec in aliis probauit . Ebendas . 26g , 269 S . Dieß war keine Sache für einen solchen Kunstrichter , sich mit jungen Jesuiten , die in den scholastischen Spitzfindigkeiten erzogen waren , über ReligionSstreitigkeiten in einen syllogistischen Kampf einzulassen ; und er hat kein ander Mittel wider ihren Ungestüm gesehen , als daß er sich weit von ihnen , eine andere Wohnung erwählt hat .
( H ) Er hatte etliche Berufe von verschiedenen Orten erhalten . ^ Der merkwürdigste von allen ist der von Padua gewesen . Man hat ihm den Lehrstuhl angerragen , der durch RieeobonS Tod erlediget worden war : Ebend . p . 239 . die Besoldung war sehr ansehnlich , und man har ihn - auch die Gewissenssreyheit versprochen . Er hat aber alle diese Vortheile , ungeachtet der Vorstellungen des Pinellus und VelseruS , ausgeschlagen^ Er bat sich durch eine so ansehnlich ? und einträgliche Bedienung dem Neide aus - zusetzen befürchtet , und siä ) der öffentlichen Religionsttbungen nicht be« rauben wollen . Erat ei religioni religio , fed et erat religioni ipfa pe - cuniae fuinma , quae caeteroqui paucis nimia eft , et multis oportuna ad itnpietatem merces . . - - Cultus enim diuini libertatem pu - blicam ( quamuis priuatim reeepturus ) pro quibuscunque diuitiis fibi negabat efl'e venaletn ; praeterea tarn humanum feiebat esse inui - dere alienae felicitati , quam alienae virtuti ; et hanc quidern proptec inuidiam non esse deferendam , illum vero feliciorem esse , qui non fit infclix , quam qui cum inuidia feliciflimus . Ebendas . 239® . ses ist bey einem Kunstrichter viel verdienstlicher , als bey vielen andern . Ich finde , daß Gruterus nach Dännemark berufen worden , daß ihn der Conncstabil von Esdiguieres schriftlich gebethen har , in seine Dienste zu kommen , und daß ihn Claudius von Expilli und Carl Pennet , Herr von Maugarniac ermahnt haben , hierinncn dem Verlangen dieses Connesta , bels eil , Genüge» zu thun . Ebendas . 275 S - Die Vorsteher der Aka - demie zu Franecker haben ihm >624 die Profeßion der Historie angeba - then . Gruter . Epift . ad Hofinann . unter den Richterischen , 549 S -
( I ) Sr rvar ver arbeitsamste Mann von der U ? elt . 1 Wieviel« grundgelehrte Leute giebt es nicht , die man Jaullenzer nennen konnte , wenn man ihre Arbeit mir des Gruterus seiner vergleicht ? Cum quo etiam doftillimi huius aeui , fi laboris emenfi refpeftu comparentur defidiofifllmi vocabuntur . Spizelius . in Felice Litterato pag 1042 ! SpizeliuS , hat es dem Flayder abgeborgt , welcher noch dazu setzet - Cum etiam illi , qui totafua vita ütteris affident huic collati , quafi fomno ac inertiae dediti erubefeere cögantur , nifi Gruteri Iabores callidius dif - fimulare velint , quam candidius aeftimare . Eben derselbe SpizeliuS beobachtet , daß Gruterus fast jeden Monat ein Buch herausgegeben ha - be : Nullus fereauthor fiueGraecus fiueLatnuis exftabat ex antiquis , quem non notis ac commentariis fuis aut illuftrauit , aut illuftrare po - tuerit ; nemo plura veteriim recenfuit monumenta etreftituit , imo fingulos fuae vitae annos , ac propemodum menfes , libris fingulis a fe editis diftinxit . Er hat den ganze» Tag und einen guten Theil der Nacht studiert , und allezeit stehend : Die toto maximam fiiepe nodtium
partem ftans ütteris operam nauabat ftans feribebat ; ftans
legebat , ftans ftudebat . Flayd . in Vita Gruteri . Man wird diele ordentliche Aufmerksamkeit leicht glauben , wenn man die Anzahl Bücher betrachten will , die aus seiner Feder geflossen sind , oder die er in eins zu - sammen getragen har . Sein Thefaurus Criticus ist von dieser letzten Classe ; der Titel ist : Lampas fiue FaxArtium liberalium , hoc eft faurus Criticus . Er hat in 6 großen Octavbänden unzählige Tractate der vortrefflichsten Wortsorscher zusammen getragen , die man iu finden tausend Äiühe haben würde , wenn er sie nicht gesammlet hätte . Glei - chen Dienst hat er viele» neuern Dichtern geleistet , deren Werke er unter dem Titel , Deliciae Poetarum Gailorum , ItalOrum , Belganim , in neun Bänden gesammlet hat . Sie sind . 608 . 1609 und , 6 , ? gedruckt wor - den . Er giebt sich auf dem Titel dieser Sammlung den Namen , Kanu , tius Gerus , welche« der seinige durch Versehung der Buchstaben ist ( « ) . Wir haben ein bopeltes Florilegium von ihm . Das > ) in dreyenOetav - bänden enthält einen großen Haufen von Sprüchwörtern , fast aller Na - tionen mit Noten . Das 2 ) ist eine Fortsebung der Polyanthea des Langius . Der erste Band dieser Fortsetzung ist zu Straßburg >624 in Folio gedruckt werden . Compofuit , dieft Worte sind in dem Verzeich -
nisse

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