Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10596

662
Gruterus .
großm Anzahl von Auslegungen geholfen . Eines von seinen nützlichsten Werken , die er Herausaegeben , ist eine große Samm - lung von Aufschriften ( E ) . Nichts hatte einem Menschen von seiner Gemüthsart kläglicherS begegnen können , als der lust , dm er durch die Plünderung seines schönen Büchervorraths erlitte ( F ) . Dieser wurde 1622 mit in die allgemeine rung der Stadt Heidelberg verwickelt . Ehe diese Stadt erobert wurde , mar er zu seinem Eidame nach Bretten geflüchtet von da er weiter nach Tübingen giena . Er kam wieder nach Bretten zurück , als die Sachen in der Pfalz envas weniger in Ver - wirrung waren ; allein weil er daselbst von den Romifchkatholifchen beunruhiget ward ( G ) , so begab er sich in die Stille auf ein Landhaus , das er bey Heidelberg kaufte . Er gieng öfters in diese Stadt , und war denselben Tag aus derselben weggereiset , da er in eine Krankheit verfiel , daran er starb . Er reiste den 10 des Herbstmonats 1627 , von da nach Berhelden zu gehen * all - wo er nach Verlauf von zehn Tagen gestorben . Er ist zu Heidelberg in der Peterskirche begraben . Gleich da er gestorben war , lief die Nachricht ein , daß ihn die Akademie Groningen zur Profeßion der Historie und griechischen Sprache berufen hatte - ^ '~u~ * / I_n Wie ich bereits zu Anfangest saget habe , so ist er der arbeit -
{ YM * - w - " C [ " V c
weggeliehen , ohne daß er sich scharf erkundiget , ob sein Schuldner in zahlbarem Stande wäre ( X ) . Er hat die Widerwartia - retten standhaftig ertragen , und wenn man ihn gleich bey dem Tode seiner vier Ehsrauen nicht unempfindlich aesehen' so hat man doch . bemerkt , daß er sich m diesem Hauskreuze sehr wohl trösten lassen ( L ) . Seinen heftigsten gelehrten Streit hat er mit dem Philipp Puraus gehabt , ^ch rede anderswo davon / . Derjenige , den er mit dem Dionysius Godofredus gehabt , war wie ein Stroms ) , heftig , aber nicht von langer Dauer . Er hat die Widerwärtigkeiten seiner letzten Lebensjahre zu einem guten Gebrauche angewendet . Man kann ihn aus seinen herausgegebenen moralischen Betrachtungen erkennen l So groß auch [ eine Neubegierde gewesen , so hat sie sich doch ganz allein an die Materien der Gelehrsamkeit gehalten ; er hat seine Zeit nicht mit tz - tadt Zeitungen verderbet , w . e so viele andere Gelehrte thun CN ) , die sich nicht eher niederlegen . als bis sie alle Manchen , die herumgehen , aus dem Grunde eingenommen haben . Auch hat er sich in keine Religionsstreitigkeiren gemengt * und dich ist ohne Zwcttel eine von den Bewegungsursachen geweftn , die e . nen von seinen Widersachern angeftischet hat , ihn des Unglaubens zu beschuldigen Nichts desiowen^ger hat er solche Merkmaale von sei . , er Ergebenheit gegen die ^otestantische Kir^e«b^ . daß eö v . cle hch . ge und schmahsucht . ge Religionsstre . rer g . ebt , die bey weitem nicht Gottesfurcht genug u d ? gleichen Pr fungen besitzen ( U ; . ° 3 ' *
<0 Ich rede von ihm in der Anmerkung ( 1B ) zu Ende . / ) Siehe die Anmerkung ( 0 ) . Er hat sie im . 6°» Jahre zu verwalten angefangen . - / ) Das Landhaus des Ohvaldus Smendius , seines Schwiegersohnes , eine Meile von Heidelberg Moren hatte nickt saa« , sollen , daß er zu Heidelberg gestorben wäre , t ) Aus Balthasar Venarors Lobrede des Gruterus , oder Friedrich Herrmann Flavder de Vit» et Morte ( Zruteri . / ) In der Anmerkung ( C ) des Artikels parau» ( Philipp ) . g ) Unter dem Titel , Bibliotheca Exulum , fiue En chiridion diumac hiimanaeque prudentiae . s ) Siehe die Anmerkungm ( 0 ) und ( < ? ) .
( A ) Seine Mutter war gelehrt . ] Sie ist eine Engländerinn ge - Wesen , ( Er . Herrn . Flayderus0 in Vita et Morte Iani Gruteri ) und hat Catharina Tishem geheißen . Balth . Venat . in Panegyr . Gruteri , beym Henning Witte , Meinor . Philofophor . Orator . etc . p . 327 . Die griechische Sprache ist ihr so geläufig gewesen , daß sie den Galenus grie - chisch lesen können . Gewiß es giebt sehr wenig Aerzte , die dieses können .
Is ficut rebus duris couftantiae doöores vtrumque parentem , ita ma - trem praeeipue ftudiorum ma^iftram , votum fnnul Agaficlis confe - cutus eft , vt eorum difcipnlus diceretur , quonun et filius eflet . ter enim praeter Gallicam , Italicam , Britannicam linguam , Latinaslit - teras optinie , Graecas ita callebat , vt et Galenum , quod inillefimus Medictis vix folet , lingua Galeni legerit . Ich fürchte , daß diejenigen , welche Verzeichnisse von gelehrten Frauenspersonen herausgegeben ha , bcn , diese ein wenig zu oft vergessen .
( B ) blieb einige Jahre auf der Akademie ; u Cambridge , worauf er die hohe Sckule ; u beiden besucbre . ] Er hat sieben Jahr daselbst studiert , wenn man dem Valerius Andreas , in Bibl . Belg , pag . 438 . glauben darf , der eine eigene Vorrede des Gruterus anfährer , und dazu setzet , daß er von seinem vierten Jahre an , bis in sein neunzehn - tes Jahr in England gewohnt , und , da effich in seiner Vaterstadt lassen wollen , dieselbe so gleich , nach erhaltener Doetorwürde der Rechte , wieder verlassen ; weil man erfuhr , daß sie von dem Herzoge von Parma belagert werden würde . Sein Vater , der ein n^zesehener Mann war . und unter währender Belagerung Bedienungen in dieser Stadt hatte , hat nicht haben wollen , daß sein Sohn bey einer so verdrießlichen Zeit darinnen bliebe : er hat ihn nach Frankreich reisen lassen . Diese Rechnun - gen sind nicht richtig : denn sie sehen voraus , daß der Herzog von Parma Antwerpen 1586 belagert , aber dieses ist höchst falsch : er hat es 1584 lagert : so daß , wenn Gruterus Leiden verlassen hätte , um sich vor der Belagerung nach Antwerpen zu begeben , es falsch wäre , daß er bis in daS neunzehnte Jahr seines Alters in England , und dann sieben Jahre in Lei . den studiert hätte . Uebrigens hat der Vater unsers Gruterus , Gual - therus geheißen : er ist Bürgermeister in Annverpen gewesen : ( Flay - derus , in Vita et Morte I . Grutcri . ) er bat diejenige berufene Bittschrift unterzeichnet , welche der Herzoginn voii Parma überreichet worden , und den> Worte der Gijeux oder Äettler , den Ursprung gegeben hat . Nach seiner Verbannung hat er viel Widerwärtigkeiten ausgestanden , ehe er zu Norwich in England angekommen , wo er sich ziemlich lange aufge - halten hat : Nach diesem ist er von da nach Middelburg gekommen , und dann nach Antwerpen gegangen , da die General - Staaten Meister davon waren . Er hat be» ? dem Rache um den Erlaß aller Bedienung angehal - ten , welche ihm auch verwilliget worden , bis zur Zeit , da man mit einer Belagerung bedrohet ward . Damals ist er nickt allein Hauptmann in seinem Viertheile , sondern auch einer von den vier Aufsehern über die Le - bensmittel gewesen . Gualtherus vici fm Magifter deleftus eft ; cui nuineri minus grani fucceflit deinde granins , cum Parmenfis obfidio - nem fecifl'et . Rei namque frumentariae quatuoruir , collcgis Aide , gondio , Lefdale , et Rofa , adfeitus in partem gloriae illitis mittendus eft , quod annonae confcientiam fic inter paueos feptarn tenuiflent , vt citra deditionem nec ciui , nec hofti conftare pofiet , tantum tridui fru - mentum fuperfuifle . Venator , in Panegyrico Gruteri , p . 234 .
( C ) Er gab gar bald xverke heraus . ] Die ersten Früchte seines
f leißes , die er der Welt mittheilte , sind einige lateinische Verse gewesen .
r war ungefähr zwanzig Jahre alt : Eamae fuae iuimortalis ianuam circa annum vigdfimum aperiebat , verfibus quos Ocellos vocabat .
Flayderus , in Vita et Morte Gruteri . Hierauf hat er zu Wittenberg 1 * 91 Sufpicipntim Libr . IX , in quibus varia Scriptoruni loca ejnen - data et explicata , und dann gleich hinter einander Noten , fast über alle alten römischen Schriftsteller herausgegeben ; über die zween Seneca , über den Martial , über den Cicero , über den Titus LiyiuS , über den Florus , über den VcllejuS Paterculus usw .
( v ) Er hat lieber sein Amt fahren lassen , al» wider sein ( Sc wisse» Glaubensbekenntnisse unterschreiben wollen . ] Er hat da»
Concordien - Buch unterschreiben sollen : er hat geantwortet , er wisse nicht was dieses wäre ; er hätte dieses Buch niemals weder gelesen , noch gese - hen , und es wurde eine unerhörte Verwegenheit seyn , etwas zu billigen , was man nicht untersuchet hätte . Gruterus cum Librum Concordiae nec vidiflet nec legiflet vnquam , abftinuit a fubferiptione , quyd teinerariuiii efl'et et fatuum , iudicare de re , quam non videris , approbare librum , quem non legeris , firmare fententiam , quam non confideraueris , fub - feribere diuinis , quae cum diuinis nondum contuleris . Miflionem igitur practulit . Venator , Paneg . Gruteri , pag . 244 . Er hat also nebst zween andern seine Erlassung bekommen , die sich zu unterschreiben gewei - gert ; allein es kam diesen nicht so hoch zu stehen , als ihm . Sie sind noch mit einer halbjährigen Besoldung begnadiget worden , wie man in diesem Lande qegen diejenigen zu thun gewohnt ist , die mit Ehren erlassen wer - den . Er aber hat , an statt , diese Gnade zu erhalten , nicht einmal seine Reisekosten wieder bekommen . Er ist der schlechteste Hofmann von der Welt gewesen ; er hat an nichts , als an seine Bücher gedacht , und sich nicht bemüht , die Gnade der Günstlinge durch Unterrhänigkeiten und listige Besuche zu gewinnen ; er hat am Ende gefunden , daß es ihm vor» theilhafter wäre , diese Summe Geldes fahren zu lassen , als sich in die Ver - wirrung eines Anhalten« zu verwickeln , welches ihn auf die lange Bank gezogen hätte . Caufa fuperius iudicata , quod purpuras Aulicas rare nefeierat , Principi vero tornientum , aut fupplicationis continuae fidiculas adhibere fibi interdixerat . Minus enim moleftiae ineile vi . debatur difpendio expedito , quam ftipendio aut praemio intricato . Venator , in Panegyr . Gruteri , pag . 244 . Dieß ist der Natürliche Cha - racter eines wahren Gelehrten . Alleiii ich weis nicht , ob man es nicht bey einem so belesenen Menschen ffir etwas seltsames halten muß , daß er gar nicht gewußt , was das Concordienbuch gewesen . Ich glaube nicht , daß der Geist unsers Gruterus von einem allzuweiten Umfange gewesen : allein sein außerordentlicher Fleiß , seine unersättliche Begierde unzählige Dinge zu wissen , sein erstaunlicher Fleiß , Sammlungen zu häufen , haben ihn eine Art der Allgemeinheit erwerben lassen , die ihm die Natur nicht gegeben hatte . Warum hat er es denn verabsäumet , sich von einer che zu unterrichten , welche die Kirchen theilte , und so viel Aussehen unter den Gottesgelehrten machte ? Vermuthlich hat ihn seine Neigung von dem Studio der Religionsstreirigkeiten entfernet gehalten . Wir wollen unbedingter reden : er hat wohl gar die Streitigkeiten der GotteSgelehr - ten gemisbilliget . Erat nofter alienus ab iftis velitatianibus , qua» nec in aliis probauit . Ebendas . - 69 S . Er hat sich niemals darein Mi - schen wollen ; er hat sich keine Religionsstreitigkeiten mit den Römisch - katholischen gemachet : und daher ist es gekommen , daß man ihn wegen der Religionsveränderuiig im Verdachte gehabt . Venator , sein Lobredner , erhitzet sich ein wenig wider diejenigen , die dergleichen Verdacht aufge - bracht . Er begegnet ihneii also : Ebendaselbst . Huc accedit quaedam alia dementia , quae frigere eos dicit in Religionc , quos in contentio - nes non vident ardefeere . Pontißdo non oblocutus es ? Pontificius ha - beris . Lutberano non reluäatus ? Lutheranus audis . Caluinißae non infultafti ? Ca / uinißa es . Iftis enim nominibus inuicem difeedimu * . Noui qui de grvtero propter hanc ipfam caufam Tranfitionein fparferant . Sicut et Deuid Chytraeus , quod in Academia Rojßocbiena grvtero , qui tunc ibidem Suetonium legebat , coniundlior erat , et ftudium rixandi auerfabatur , Caluiniani nominis inuidiamfuftinuit . Der Lobredner hatte sehr veniünftig wider diejenigen , welche das Disputi - reii lieben , und von der bösen Wirkung des Streitgeistes geredet . Mai» wird dadurch nicht besser , saget er , man wird dadurch nur noch mürrisch« gegen seinen Nächsten . Certamina talia femper fere iftis euentibti» finiuntur , vt acerbius fiat odium inter partes , et nemo per illa melior . Mira res eft , quod commifTionibus faäiomim , argumentorum verfu - tiis , clamoribus , conuitiis , mutuis execrationibus Deo nos gratiores fieri putamus , cum amor et pax , et manfuetudo , et praecedentium mater Fides nobis rem conficiant , quorum tarnen poftrema cura ha - betur , et inter difeeptandum nulla . Haerefes odifti ? Dicam quae niaxima fit , Hypvcrifis . Hanc prius exuainus . Qiioties enim quisque de gloria Dei prius cogitat , quam de fua ? Quotusquisque melius vi vit , quam difputat ? Ebendaselbst . Ich will meinen Leser warnen , daß
er

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.