Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10589

Gruterus .
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„ kann dem pofybros noch einen neuern berühmten Historienschreiber „ beyfügen , welcher , nachdem er durch die Ungerechtigkeit eines großen „ Prinzen sehr viel erlitten , nicht unterlassen hat , seine schonen Thaten mit „ so vieler Sorgfalt , als irgend ein anderer Geschichtschreiber , zu erzählen ,
„ und durchgängig so von ihm zu reden , wie es seine großen Eigenschaf - „ ten von ihm verdient haben ; ohne daß er sich das geringste entfahren „ lassen , welches zu erkennen gäbe , daß er gerechte Ursache gehabt hätte ,
„ sich über ihn zu beklagen . Ich verstehe den unvergleichlichen HugoGro - . . tiuö , welcher in seiner Historie der Niederlande von dem Prinzen Moritz „ von Nassau geredet hat , als wenn er niemals die geringste Irrung mit „ ihm gehabt härte . Dieß ist ein merkwürdiges Beyspiel der Uneigen - „ nützigkeit , welches zeiget , daß es keineswegs unmöglich ist , seine schaft zu besiegen und gutes von feinen Feinden zu reden : wie sich viele „ Leute einbilden , die von andern nach sich selbst urtheilen . , . Ebendaselbst 160® . Wenn der Schriftsteller , der also redet , sich gefallen lassen , diese schöne Stelle in dem Werke des Grotius zu bemerken , so ist es nicht aus Schmeicheley geschehen ; denn er tadelt ihn kurz darauf wegen einer Sa - che , deswegen er zu tadeln gewesen : er billiget des Grotius Schreibart nicht - dieß zeiget , daß er einen guten Geschmack hat . Niemand , saget er , pag . 179 - von denen , die wohl geredet , haben rveder in Athen noch in Rom so dunkel geredet , Äs Thucydides und Tacirus ge - schrieben haben . Ohne Zweifel sind sie dadurch , weil sie sicb über den gemeinen Gebrauch erheben wollen , in das Dunkle ver - fallen , das man mir Recht an ihrer Schreibart aussetzet . Man kann nicht leugnen , daß diese Schreibart nicht gezwungen wäre , und daß diese Schriftsteller ihre - Historie durch eine männliche redsamkeit , so ; u sagen , nicht geglaubt hätten schätzbar ju machen , rvorinnen man viele Zvinge in wenig Xvorren auszudrucken scheint , und die über den Versrand des gemeinen Mannes ist . Ich weis nicht , was für einen Geschmack geschickte Leute darinnen gefun - ven haben können , welche ihn nachzuahmen unternommen , als - Hugo Grotius , und Disn / sius Voßius in seiner - Historie von der Rheidt . Denn kurz , die gucen Gedanken dürfen gar nicht verdun
Gruterus ( Peter ) gebohren in der Pfalz . Sein Vater Thomas Gruterus , der wegen der in den Niederlande» verfolgten protestantischen Religion dahin geflüchtet war « , ist Professor zu Duisburg gewesen ( A ) , und hat drey oder vier Söhne gehabt , die alle Gelehrte gewesen ( B ) . Peter Gruteruö , von dem hier die Rede ist , hat die Arzneykunst in ver - schiedenen flandrischen Städten , zu Dixmuiden , zu Ostende , und a . m . geübet , und die Flamänder nicht sehr gelobt K Er hat 1609 zu Leiden ein Hundert lateinischer Briefe drucken lassen , die von dem Buchdrucker und den Kunstrichtern sehr übel empfangen worden ( C ) . Er Hat sich darinnen zu einer Schreibart gezwungen , die von alten Wörtern und veralterten Redens - arten wimmelt . Er hat Ostende 1620 verlassen , und sich nach Middelburg begeben . Ich weis nicht , ob er lange daselbst geblieben ist ; allein ich glaube , daß er an verschiedenen Orten sein Glück gesuchet , ehe er sich zu Amsterdam feste gesehet hat , wo ihm der Rath viel gutes erwiesen c . Er hat ein neues Hundert von Briefen 1629 herausgegeben ( D ) , und da - ftlbst das Ende seines Lebens 1654 gefunden K SwertiuS e läßt ihn zu Ziricsee in Seeland gebohren werden , und einige Jahre in Italien wohnen .
s ) Valer . Andr . Bibl . Belg . pag . 741 . b ) Siehe das zweyte Hundert seiner Briefe . O Siehe die Zuschrift vor dem jweyten derte seiner Briefe . <0 Valer . Andr . Bibl . Belg . p . 741 . e ) Athen . Belg . pag . 618 .
kelt werden , um den Rennern gut ; u scheinen ; und der Leser , der alle Minuten innehält , den Sinn ; u verstehen , danket e» dem Geschichtschreiber sehr schlecht , der ihm diese Mühe machet . Die , serwegen werden die vortrefflichen - Historien , in Ansehen der Materie , nur von wenig Leuten gelesen ; an statte daß . wenn man sich vorsetzet , diesenigen ; u unterweisen , welche die lateinische Spra« che zur Giiüge verstehen , daß er eine - Historie mir Vergnügen lesen kann , sie sich bemühen sollen , sich allen denen leicht und lich zu machen , die diese Sprache so weit getrieben haben , und den meisten . so viel als möglich ist , Nutten ; u schaffen . jet mehr eine - Historie wegen der Begebenheiten , die sie enthält , le - senswürdig ist , semehr verdienet sie ansqebrcitet ; u werden . Das Ansehen der Alten , welclie die Deutlichkeit der Schreibart hind» ttngeseyer haben , kann ihre neuern Nachaffer , weder vor denen von mir angeführten Gründen , noch vielweniger wider die ge - sunde Vernunft in Sicherheit setzen . Taeirus verdienet in keinem Stücke wenigere Nachahmung , al« in der allzugedrungenen Sprache , bic dadurch nochwendiger weise dnnkel wird . Gleichwohl äffen die meisten diesem großen Historienschreiber nur hierinnen nach . Es verdrießt mich recht , daß Grotius diesen Fallstrick nicht hat vermeiden wollen . Der große Bignon , der diese Schreibart gemisbilliget , hatte den Urheber redet , dieselbe zu verbessern . Amauit { Grotius ) vbique orationein pref - fain , et quadam dignitate grauem . A qua nec in hiftoria fibi tem . perauit . Satis conltat , virum noftri faeeuli fummum , omnisque do - flrinae et auftorem et cenforem grauiflimum , Hieronymum Bigno - nium , cum ineditas adhuc Grotii Hiftorias et Annales lesiflet , non probafle breuitatem orationis , oblcuritati obnoxiam , in illo genere feripturae quod a perfpieua venuftate potiflimnm commendationern caperet ; peneqiie Grotio perfuafifle , vt referiberet . Boeder . Praefat . Comment . in Orot , de Iure Belli et Pacis , jvui . 30 . Neusville versichert in der Borrede zur Historie von Holland , daß GrotlUS auch wirklich sein Werk umzugießen angefangen hätte .
( A ) Sein Vater , Thomas Gruterus - - - ist Professor ju Duisburg gewesen . ] Er ist es 1560 und 1561 gewesen . Cent . II . Epift . Petri Gruteri , pag . 197 , 198 . Man erfährt dieses aus etlichen Briefen , die zu Ende des jweyten Hunderts Peter Gruters , seines Sohnes , an - gedruckt , und davon einige von diesem Thomas Gruterus sind . Er hatte verschiedene Werke , und unter andern die Historie des David George , und die Widerlegung seiner Kekereyen aufgesetzt : sie sind niemals ge - druckt worden . Das Verzeichnis : davon , sieht man in dem zweytm Hunderte der Briese Peter Gruters auf der 200 S .
( B ) - - - und drey oder vier Sohne aehabr , die Gelehrte gewesen . ] Jacob Gruterus , des Thomas Sohn , ist Professor der Historie auf der berühmten Schule zu Middelburg 1604 gewesen . Man hat einige von seinen Briefen zu Ende des zweyten Hunderts seines Bru - ders , Peter Gruterus , nebst dem Verzeichnisse einiger Bücher gedruckt , die er gemacht hat , die aber niemals gedruckt worden sind . Reinier Gruterus , ein Sohn desselben Thomas , ist Aufseher des easimirischen Collegii zu Heidelberg gewesen . Einige Briest , die er an seine« Bruder Peter geschrieben , finden sich zu Ende des zweyten Hunderts , davon ich so gleich geredet habe . Man hat das Verzeichnis seiner im Manuskripte vor - Handenen Schriften nicht vergessen . Johann Gruterus , ein «»»derer Sohn des Thomas , hat die Studien verlassen und eine Reise nach Italien gethan , die ihm nicht glücklich gewesen ; denn da er so unweise gehandelt , wegen des Nachtmahls zu disputiren , so hat er die Flucht ergreifen müssen , da - mit er nicht in die Hände des Ketzergerichts fiele . Er ist des Nachts nach Neapolis geflüchtet , und hat sich kurz darauf auf den Rückweg in fein Va - terland gemacht ; allein er ist vor Vollendung semer Reise an einer Krank - heit gestorben . Petri Gruteri Epift . Centur . II , pag . 234 . Man hat ge von seinen Briefen nebst seiner Brüder ihren herausgegeben .
( C ) Seinen lateinischen Briefen ist von dem Buchdrucker und ven Runstrichtern sthr übel mit gespielt worden . 1 Hier ist die Klage , die er zu Anfange seiner zweyten Centlirie auf der 4 S führet : Externa quoque fata faepe eas inuoluunt ; Typographo alibi ftertente , et cor - re & oris ignauia vacillante : quae fors meas certe obruit , nusquani
praelo magis famae autoris inuidente , quibus fi defidiam illius ailb . cio , cuius fidei typorum curara adferipferam , omnem exeufationis cu - inulum confeci . Diese Klage erscheint an hundert andern Stellen de« Werkes . Die Klagen »vider die Beurtheiler des ersten Hunderts sind eben so stark und häufig . Sein Sohn hoffet , daß das andere Hundert günstiger werde aufgenommen werden . Vario fato prima Centuria fluäuäuit , ini - qui fubinde Cenforis aciem experta , prout nidi manu libram hanc vitio creati Iudices verfarunt . Sed qui felices adolefcentiae tuaepri - mitias non benigne ventilarunt , foecundae virilitatis mefiem admirari dilcant . P Gruter . Cent . il , p . 184 . Man hat freylich ein Recht gehabt , diese Briefe auszuzischen ; und gleichwohl haben eine große Anzahl Per» sonen dem Urheber , wegen dieses Werkes tausend schöne Complimente ge , schriebe»» , welche er vor dem zweyten Hunderte bekannt zu machen nickt vergessen hat . Dieß muß zur Warnung dienen , daß man seine Worte wohl er , vägen soll , »venn »nan an einen ruhmsüchtigen Schriftsteller schrei« bet , dessen Werke nicht gut sind . Man muß allezeit in Furcht stehen , daß ein solcher Mensch das Lob bekannt mache , das man ihm beylegt , wenn er die Urschrift davon in Händen hat . Peter Gruterus hatte eS wohl vorher gesehen , daß man an seiner gezwungenen alten Sprache keinen Ge / schmack finden würde : dieser»vegen machte er zum voraus eine Schuk - schrift und ließ sie mit den ersten Briefen drucken . Centuria Epiftola - rum et Apologia pro eadein , qua inftituti fui et ftyü abufu et lati - nifmi puritate abhorrentis rationem reddit . Valer . Andr . Biblioth . Belg pag 741 .
CD ) izt hat e»n neues - Hundert von Briefen herausgegeben . 1 Valerius Andreas bekriegt sich , wenn er sager , daß es ^saae Gruteru« , der Sohn des Urhebers herausgegeben hat . Es erhellet augenscheinlich so wohl an« der Zuschrift , als aus der Vorrede , und dem Briefe de« Aegidius Snouck , der an der Spitze der andern steht , daß Peter Gruteru« dieses zweyte Hundert hat drucken lassen . Es erbeller auch aus einem Briefe seines Sohnes Jsaacs . der zu Ende des Buchs nebst einem Glück« wünschungsgedichte , das er auf diese Ausgabe gemacht , und einigen an - der»» von verschiedenen Personen geschriebenen Briefen , gedruckt ist .
Gruterus ( JanuS ) eingeschickter Schulgelehrter , und einer von den arbeitsamsten Scribenten seiner Zeit , war zu Antwerpen den z des Christmonats 1560 gebohren . Er war noch ein Kind , da ihn seine Aeltern " , die von der Herzogin» von Parma , Stadthalterinn der Niederlande , wegen der protestantischenReligion in die Acht erftarf waren , nach ( land uberführten . Seine Mutter , die gelehrt war ( A ) , ist seine vor . , ehmste Lehrinei , ier . . »n gewesen . Er blieb einige Jahre aus der Akademie zu Cambridge , worauf er die hohe Schule zu Leiden vesuchre ( k ) , die ^echrsgelchrfamkeit allda zu studie - rc . . M - fifolt daselbft die TWfruWirhi>' allein nachdem leate er sich bloß auf die
ren Er erhielt daselbst die Boctorwürde ; allein nachdem legte er sich bloß auf die schonen Wissenschaften , und gab gar bald critiftbe Werke heraus ( C ) . Ob man gleich überhaupt weis , daß er gereist ist , so kann man dennoch die Umstände und Ordnuna seiner Reisen nicht bemerken . Er war in Preusseu , als ihm Herzog Christian von Sachsen das öffentliche Lehramt der Historie bey der hohen Schule zu Wittenberg antragen Ueß . ^ Er , nchine^an , behielt es aber nur etliche Monate ,
Lehramt der Historie l ? ey oer yoym < ? cyuie zu '^vircenoerg »v«« « nur erncye vjwmu * ,
weil H - rioa Christian bald starb , und diejenigen , die nach ihm regierten , alle Professoren zwangen , ein Formular zu unter , schreiben oder ibre Aemter fahren zu lassen . Gruterus wollte das seine ieber entbehren , als wider sein Gewissen Glaubens - vekenntnisse unterschreiben ( D ) . Ich finde , daß er auf der hohen schule zu Rostock öffentliche Vorlesiingen gehalten hat * : allein ich weis weder wann , noch wie er von da weggegangen ist . Der Ort , wo er mit dem größten Ruhme gelehrt hat , ist die Universität Heidelbera wo er auch die Aufsicht über die weltbemhmre Bibliothek gehabt die einige ^ahre darauf nach Rom gebracht worden Diese Bedienung schickte sich unvergleichlich für ihn , und hat ihm viel zur Herausgebung einer
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