Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10560

Grotius .
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„ wenn er etwas saget , daß dem Urheber des Efprit d'Arnauld dienet , et - »was widev jemand zu schreyen . der nicht das Glücke hat , ihm zn gefal - „ len : so ist alles gut , und dieses hilft den Band größer machen , und dern , daß man nicht unter die Zahl der kleinen Schriftsteller gesetzt wird . „ Sentimens de quelques Theologien« de Hollande p . 39s .
Wir müssen nicht vergessen , daß Arnauld den lutherischen Prediger ta , delt , daß er den Grotius nicht gefragt , in welcher Gemeinschaft er habe sterben wollen V Arnauld , Calvinifmeconvaincu , p . 147 . Zdieß ist , saget Arnauld , in Ansehung eines Menschen wesentlich , «on welchem man gewußt , daß er seit langer Feit mit keiner ein - ) ige» Rirche der Protestanten die Communis» halten wollen , und in seinen legten Büchern vie meisten Lehren widerleget hat , Sie sie behaupten . Der Vertheidiger , 8entimens etc . p . Z98 , saget hierauf , es sey dasjenige , was Arnaulden und den Urheber seines Efprit betrogen , dieses , daß sie sich einbilden , dasjenige heiße gar keine Religion ha - den , wenn man keiner von denen Parteien zugerhan ist , welche alle das menschliche Geschleckte verdammen , und davon eine jede die Rirche Jesu Christi alleine scyn will . Groritis hatte sich ent - Kalten , da« Nachtmahl weder mir den Protestanten , noch mit de» Romischkacholijchen ; u genießen , weil das Nachtmahl , welches von Iesu Christo , als ein Mcrk ; eichen des Friedens und der i£v nigkeit , eingeftyer worden , in welcher seine Jünger leben sollen , in diesen Gesellschaften für ein Zeichen der Uneinigkeit und der Tren - nung gehalten wird - - - Ebend . Z99 S . Guistorpius hat sehr weislich gehandelt , daß er ihn nicht gefragt hat , in welcher Gemeinschaft er sterben wollen , weil er ihn in der Gemeinschaft Jesu Christi sterben gesehen , kraft welcher man allein selig wird ; und nicht kraft derjenigen , die man mit dem Bischöfe 5» Rom , oder mit den verschiedenen Gesellschaften der Protestanten habe» rann .
Ohne zu untersuchen , ob Quistorpius Recht oder Unrecht gehabt , daß er diese Frage nicht an ihn gethan hat : so beobachte ich , daß ein Mensch , der von den Grundartikeln des Chrisrenthums überzeuget ist , der ( ich aber des Nachtmahls enthält , weil er diese Thal als ein Zeichen ansieht , weSwe - gen man die andern Secten des Christentums verdammet , für keinen Gottesleugner gehalten werden kann ; es wäre denn in dem Verstände ei - nes Kindischgewordenen , der sowohl die Begriffe der Dinge , als die rungen der Wörter vergessen hat . Ich gehe weiter unv sage , daß man einem solchen Menschen die Eigenschaft eines Christen nicht versagen kann . Ich gebe zu , daß man seine Meinung , daß die Thüre des Heils in allen Gemeinschaften offen ist , die das Evangelium annehmen , für eine Ketzerey hält ; ich gebe zu , daß man versichert , es sey diese Lehre schädlich und gefährlich : allein kann dieses wohl verhindern , daß diejenigen , wel - che glauben , daß Jesus Christus , der Sohn des ewigen Gottes , dem Va - ter an Wesen und Natur gleich ist ; daß er für uns gestorben ist ; daß er auferstanden ist ; daß er zur Rechten Gottes seines himmlischen Vaters si - Het ; daß man durch den Glauben an seinen Tod und an seine Fürbitte selig werden muß ; daß man seinen Gcbothen gehorchen , und wegen der begangenen Sünden Reue haben mnß . u . s . w . kann dieses , sage ich , ver , bindern , daß dergleichen Leute keine Christen wären ? kein vernünftiger Mensch kann dieses vorgeben : allein niemand könnte bey dergleichen Vorgeben unvernünftiger seyn , als derjenige , der den Efprit d'Arnauld geschrieben hat ; weil er ein ander Werk gemacht hat , das wahre <3y - - stema der Rirche , betitelt , worinnen er beweist , daß alle diejenigen , welche die Grundartikel glauben , zur wahren Kirche gehören , sie mögen nun in einer Secte leben , in welcher sie wollen . Ich rede nicht von vie - len andern Maximen , die er gesetzt hat , woraus folget , daß man in allen Arten der Religionen selig werden kann , wie ihm ein Ungenannter ( Ca - rus Larebonius in Ianua coelorurn referata ) durch demonstrativische Deweise gezeiget hat . Ich rede nur von den Lehren , die er nicht zn leu -
Snen vermocht , und nach welchen er bekennen muß , daß Grotius durch en einzigen Glauben der Grundlehren , ohne daß er in allen Stucken , weder dem Calvinismus , noch dem Pabstthume u . s . w . Beysall gegeben , ein Glied der wahren Kirche gewesen ist .
Uebrigens wäre es etwas seltsame« , wenn GrotinS einem Menschen entwischet wäre , dessen Werk als eine Satire über da« ganze menschliche Geschlecht angesehen wird . Homo ifte procacifllmus in illo fuo Ar - naldi Spiritu , vniuerfum genus humanuni impetit nec Sacris parcens nec profanis , nec Ecclefiaftico , nec Ciuili Statui , Regem fuuni , Regem Chriftianiffimum , fingula regiae familiae capita , familiäres Miniftros - que Regis tarn foede , tarn impudenter carpit : vt vel in fuo Hollan - diae afylo vix tutus ipfe , ( dieß ist eine Lügen ) tutum praeftare id libri monftrum nequiuerk . Siehe das Buch Querimonia cathohca telt , ? . 9 . Man sehe die erste angeführte Stelle in dieser Anmerkung , wo man versichert , daß dieser Schriftsteller das ganze menschliche Geschleckte lästert . Ein andrer drucket sich also aus : Die Abschcullchkcir dieser Satire besteht nicht hauptsachlich darinnen , daß sie dasNverk eines Menschen ist , der nach dem Beispiele des bösen Gastes überall herum acht , und suchet , welchen er verschlinge u . s . w . Chimere de laCabale de Rotterdam demontree , in der Vorrede 173 S . Siehe auch la Cabaje chimerique p . 281 . Man urtheile , ob ein solcher Schriftsteller fehlen können , den Grotius zu finden , da er besondre Ursa - chen gehabt , die ihn wider denselben angefeuert haben : diejenigen , welche die Charte zu Rotterdam kennen , verstehen mich wohl .
* Diesem Wunsche des Herrn Dayle ist durch ein vollständige« res Werk ein Genügen geschehen , welches hier in Leipzig , von einem gelehrten Manne , der sich aber nicht nennen wollen , geschrieben und ans Licht gestellet worden . Der völlige Titel heißt : Hugoms Gro - tii Belgarum Phoenicis manes ab iniquis obtreöationibus vin - dicati accedit fcriptorum eins tum editorum , tum ineditorum confpeftus triplex . Pars prior et pofterior . Delphis Batauo - rum cia 13 ccxxvii , in 8 mai . Es ist dieses Werk nicht nur sehr vollständia und in einer schönen Schreibart abgesasset , sondern auch sehr schön und sauber gedruckt , und mit artigen Kupferzierathen sehen worden : so daß es eine Probe von dem Le . pz . ger Drucke ab - geben kann . Des Grotius sauber gestochenes Gemälde steht vor bey - denTheilen . und nach einer kurzen Vorrede steht folqmdes S . nn d'chte . 1» Effigiem Hugonis Grotu , mamumque Grotianorum iiobilem vna vindicem , exclamatio Admiratoru cuiusdam Gro -
N Sand .
Hic ille eft GROT1VS , inaius quo doflior orbis Nil habuit , credo nil habiturus erit .
Gallia quem ftupuit , ftupuit quem Suecia verus ,
Qui Phoebus Delphis orbe Pharusque fuit .
Non magnant magni Leftor venerare tabellam ,
Et maiora tibi maxitna fcripta dabunt .
Cetera et illa viri fatis contraria fata ,
Quam bene cun & a dedit , qui dedit huncce librum !
Hierauf folget ein Inhalt des ganzen Werkes , und das ganze Werk ohne die Bibliothecam Hug . Grotii , füllet 654 Selten ; die Biblis - thek selbst aber - 00 Seiten . Und den Schluß machet ein sehr aus - führliches Register der Sachen , Wörter und Schriftsteller . Man wird nicht leicht eine ausführlichere Lebensbeschreibung eines gelehr - Mannes aufzuweisen haben , als diese ist , und selbst des Herrn Des - maizeaux baylisches Leben wird davon übertroffen . G .
( M ) Man hat einen Brief des Salmasius bekannt gemacht , worinnen ihm sehr übel begegnet wird . ] EreniuS hat diesen Brief »n dem I Theile seiner AnimaduerC Philolo« . etHiftoricarum zu dam 1695 herausgegeben . SalmasiuS hat ihn an denSarravius den 10 des WintermonatS , 1645 , geschrieben . Er giebt nicht nur dem VoßiuS den Vorzug vor dem Grotius ; sondern er geht noch weiter ; er schlagt das Verdienst des letzter . , mit aller Macht darnieder : kaum machet er ihn mittelmaßig in der Philosophie , und in der Stärke der Beurthei - lungskraft setzet er ihn gar unter die ganze Welt . In Philofophicis , fi difpi . tandi folertia fpeftetur , vix niediocribu« par eft : nec vnquani vidi , qui minori cum vi ratiocinetur . Ein Professor aus gen , setzet er dazu , der wider das Buch de Iure Belli et Pacis geschrieben hat , will darinnen auf jeder Seite grobe Schnitzer zeigen , adfirmauit fe oftenfurum efle , nullam paginam vacare infignibus erratis . Grotius «st ein armer Knnstrichter ; viele von seinen Noten über das alte ment sind so kindisch , daß nichts drüber ist ; ich möchte meinen Namen vor kein solches Werk setzen . 8cimus etiam in Critica quam infelix fuerit et 2fo%ot vir alioquin fummus Grotius - - - NoUem meuin nomen adfcriptt . m efle aanotatis in Vetus Teftam . nihil his in multis pueri - lius inuenio , et tanto nomine indignius . Wie wollen wir dieses mit den Briefen vergleichen , die SalmasiuS an den Grotius geschrieben ? Es ist einer darunter , wo er ihn fupereminentiflime nennet , und wo er ver^ sichert , daß er ihm lieber gleich seyn , als alle Ehre und Güter des Cardi . nalSeollegii genießen wolle . Non folum Cardinalibus , fed ctiam mihi rem minime gratam facis , qui me dones eo titulo , quo tu dignior , fupereminentiffime Groti . Quid enim te non fic appellem , cufus me inulto fimilem efle malim , quam omnes purpurati illius gregis diui - tias et honores poflidere . Epift . Salmaf . XXI , Lib . I , p . 45 . Man sehe hier unten die Stelle des Justus PaciuS . Es ftagte mich unlängst je - mand , vb die Briefe , welche große Männer an einen Schriftsteller schrei , ben , denen ähnlich sind , die sie von demselben an andre Personen schivc - den ? Ich antwortete ihm , daß ihre Sprache selten in diesen Gattunqen von Briefen einander gleich wäre . Wenn sie an einen Schriftsteller schreiben , so loben sie sein Buch ; wenn sie an andre schreiben , so loben sie es nicht leicht , sondern tadeln es manchmal . Wenn sie ihre Briefe selbst heraus gäben , so würden sie sich angelegen seyn lassen , diese doppelle Sprache zu unterdrücken : allein meistenthcils erscheinen sie erstlich nach ihrem Tode . Wenn Salmasins seinen Brief vom - 0 des WintermonatS , 645 , herausgegeben hätte , so würde er die andern unterdrücket haben , worinnen er dem Grotius so erhabene Lobsprüche beygelegt hat . Er ist sein Freund gar nicht gewesen , und er hat es deutlich gezeiget , da er sich unter der Larve des Gimplicius Verinus versteckt har , wider ihn zu schreiben Grotius war schon gestorben . Siehe das Buch , welches auf dieses Werk des Salmasius zur Antwort dienet . Man sehe , sage ich , lufti Pacii Re . uif . onem iiidicii : wo er dem Salwasius seine Unbeständigkeit also vor - Wirft . Illutn phoenicem fui fecuK in tuis litteris praedicares , quid te igitur modo iinpulit , virum adeo in te benignum eanino dente per . ftringere ? p . 3 .
( N ) ( Er hat drey Sohne und eine Tochter hinterlasscn . 1 Diese ist an einen französischen Edelmann , Namens Mombas , verheirathet worden , von dem man bey Gelegenheit einer Sache viel geredet hat , die man ihm kurz darauf , da der König von Frankreich 167 * über den Rhein gegangen war , erregte . Der älteste von den Söhnen und der jüngste sind dem Kriege gefolgt , und nnverheirathet aestorben . Der mittelste mens Peter van Groor , hat sich durch Gesandtschaften berühmt ae - macht . Der durch den münsterischen Frieden wieder hemestellte Cbur , fürst von der Pfalz hat ihn zn seinem Residenten ben den Generalstaaten gemacht . Er ist . 660 Pensionarins der Stadt Amsterdam geworden , und hat diese Bedienung sieben Jahre geschickt verwaltet . Er ist als Abge - sandler an die nordischen Kronen 166S geschickt worden . Nach Verlauf eines Jahres hat man ihn zur Gesandtschaft nach Frankreich bestimmet , welche er mit vieler Geschicklichkeit und Klugheit verwaltet hat . Als der Krieg 1672sich entzündete , ist er in seinVaterland zurückgekommen , und des Amtes eines Pensionarius der Stadt Rotterdam beraubet worden , das er seit seiner Zurückkunft von der Gesandtschaft i» Schweden besessen hat - te ; er ist desselben , sage ich . unter währendem Ausstande des Pöbels be> raubet worden , der so viele Veränderungen in den holländischen Städten verursachte . Er hat sich nach Antwerpen ni . d von da nach Cölln bege - ben , in währender Zeit man daselbst einen Frieden unterhandelte , und sich des Besten seines Vaterlandes , so gut als er konnte , angenommen Nicht« desto weniger hat man ihn bey semer Zunlckkunft in Holland we - gen Staatsverbrechen angeklaget . Die Sache ist entschieden und er frey - gesprochen worden . Er hat sich auf ein Landhaus begeben , und ist da^ selbst in einem siebenzigjährigen Alter gestorben . ( Aus dem Leben des Hugo Grotius . ) Sein Lob sehe man in des Wicquefort , Traite' de l'Ambafladeur , Liv . II , p 454 , siehe auch p . 411 .
( 0 ) Es ist billig , ein wenig wcitläuftig von dem Z5uck ? e d« Iure Belli et Pacis ju reden . ] Es ist zu Paris 1625 gedruckt , und wigen dem XIII zugeschrieben worden . „ Da es der König Gustav von „ Schweden gelesen und bewundert hatte , so beschloß er , den Urheber in „ seine Dienste zu nebmen , den er wegen dieses Werkes für einen großen „ Staatsmann gehalten : und der Kanzler Orenstim , erster Staatsbe - „ dienter dieses Eroberers , hat ihn in dies ? . » Vorhaben bestätiget ; welcher „ außerordentlicl ) en Staat von seinem Werke de Iure Belli et Pacis mach - „ te , und es beständig in Händen hatte . Allein da dieser Prinz in der O 0 0 0 t Schlacht

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