Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10559

6z8
Grotius .
Bls , non intelligo ; und als sie weiter kein XVort geredet , habe er ju ihnen gejagt : hortare nie , vt Chriftianum morientem decet . LLr - mahnet mick , wie ein sterbender Christ ermahnet werden soll . III . Daß auch das gleick nack seinem Tode «usgestreute Gerücht , daß er nämlick abgescklagen , einen Prediger ; u hören der mit ihm den wollen , eine andre Fabel ist . Siehe da« Buch Arnauld« , Le Cal - viriifme convaincu de nouveau , pag . 145 . IV . Daß es falsch ist , daß , da ein lutherischer Prediger mir ihm von seiner Religion reden wollen - f - der Rranke ihm nur diese ; wey XDorte geanr - xsortet habe , non intelligo - wodurck er ihm 5» erkennen geben wollen , daß ihm seine Predigren und Ermahnungen nickt len , und daß der Prediger auck in der That weggegangen sey . Ebend^ 146 S . V . Daß man in einem kleinen englischen Buche , welches eine Sammlung von verschiedenen Historien enthält , siehe die Sentimens de quelques Theologiens de Hollande p . 40a , eine Lügen eingeschaltet hat , rvenn man hinein geseyer , daß Grotius bey stimm Tode gesager : mul« agendo , nihil cgi , ick habe Surck Unternehmung vieler Din - ge nickts gefordert . Vl . Daß diejenigen , die kur ; nack dem Tode dieses großen Mannes ausgesprenger - - - es sey dieser Mann vom Donner erschlagen worden , ( ebend . ) eine Unwahrheit vorgegeben haben , die noch mehrThorheir , als Bosheit , in sich hat .
Ich beschließe diese Anmerkung mit einer Stelle des Andreas RivetuS , eines von den hitzigsten und parreylichsten Widersachern des Grotius . Er hat öffentlich vorgegeben , Grotius sey unter den Ausstoßungen von lauter Drohungen , im alten Sauerteige und der bittersten Galle , ohne das geringste Merkmaal der Buße gestorben . Nichts desto weniger , setzet er dazu , wollen wir eines ander» Knecht nicht beurtheilen . Dieseletzren Worte enthalten eine Behutsamkeit , die einem arminianischen Professor lächerlich geschienen hat ; weil die gesunde Vernunft nicht erlaubet , einen Grundsatz zuzulassen , ohne daß man Folgerungen zuläßt , welche ger Weise daraus fließen : nun ist die ewige Verdammniß eine unvermeidli - che Folge der am Ende bezeugten Unbußfertigkeit ; so daß es nichts , als ein plumper Kunstgriff ist , wenn man saget : dieser ist ohne die geringste Reue über die Abscheulichkeit seiner Missethaten gestorben ; gleichwohl will ich kei , nenAuSspruch über sein Schicksal tbun . Also hat dieser Professor die Sache genommen , und ich will nicht untersuchen , ob er Recht habe . Stephanus Curcellaeus , in Praef . Apolog . praefixa Anacrifi Dauidis Blondelli de Io - anna Papilla , beym Maresius , in Ioanna Papilla reftituta , p . 5 - 9 . Allein hier ist die Stelle , die ich versprochen habe . Paulo apertius egit A . Ri . ■uetus , de illußri viro Hugone Grotio loquens ; ipirvtm inquit , et
totus in fermento iacens , imo in feile amaritudinis , videtur ad plu - res abiifle , nullo poenitentiae , quod fcianius , figno exhibito etc . Vbi nihil aliud fuperfuit , nifi vt adderef . Aflum ejl dt eius falute . Licet ad emolliendam tarn inclementem fentcntiam , ita concludat : Sed tarnen non iudicanuis feruum alienum , qui Domino fuo ftetit et cecidit . Sed quorfum moderationis fpeciem prae fe ferre circa confequens , cum tota difficultas fit in antecedente \ Ego contra , fimihi conftaret , vel Grotium , vel BlondeUum , in aüquo grau ! deliflo fine poenitentia obiiffe , non vererer , etfi dolens , dicere , Damnatus eß . Non enim ipfe fenten . tiamferrem , fed Dem in verbo fuo , quod coelo et terra firmius eß . Ich
habe im Arnauld einen dergleichen Stich wider die Behutsamkeit des Dalläus für den h . Ambrosius gelesen . Siehe den I Band der Perpctuue defendue 128 u . f . S . Arnauld hält die außerordentliche Höflichkeit des Dalläus und feine übermäßige Mäßigung gegen den heil . Ambrosius für etwas seltsame« , vermöge welcher er sich zu sagen b . 'gnüget ; daß er ver - scklagen gewesen , nachdem er solche Griindjake gesebet , nach welchen er ihn einen Sckelm , Betrüger und Verführer hätte nennen sollen . Allein dieß ist die Frage nicht . Wir wollen nur sagen , daß RivetuS von der erdichteten Unbußsertigkeit des Grotius eine Sache vorgiebt , die durch den Bericht des lutherischen Predigers Lügen gestraft n ird . Maresiu« , wenn er die von mir angeführte Stelle widerleget , miebiltiget die rung des Riverus in nichts .
( I ) Niemand hat die Sacke hoher getrieben , als der Urheber von dem Efprit de Mr . Arnauld . ] Er saget nicht nur , daß Gro - tiu« ein hibiger Arminianer , Soeinianer und Papist ist , ( Efprit de Mr . Arnauld , Tom . II , p . 307 ) als welche Eigenschaften in einer Person nicht beysammen stehen können : Er setzet auch pag . so» dazu , daß Grotius ge , storben ist , obne daß er sick ju einer einzigen Religion bekennen wollen , und demjenigen , der ihn 5um Tode ermahnet , nickt« an - ders geantwortet : als non intelligo , ick verstebe euck nickt , und ihm den Rücken jugekehret . Dieses findet sich nicht in dem Briefe , den Arnauld in dem Calvinifine convaincu p . 145 vorgebracht hat . Es ist ein Zusatz und eine Verfälschung des Urhebers von dem Buche Efprit de Mr . Arnauld . Er führet , statt aller Zeugen und statt aller Beweise , den Arnauld an , das heißt , einen Menschen , dem er in eben demselben Werke so ungeheuer abschildert , daß kein billiger Richterstuhl einen Men - schen strafen würde , der durch - »solche Zeugen eines Todtschlage« beschul - diget würde . Kann man auch wohl eine entsetzlichere Blindheit sehen ? Muß man nicht bekennen , daß die Lästersucht unter allen Leidenschaften am vermögendsten ist , die Begriffe der gesunden Vernunft zu vertreiben ? Allein wir wollen die Zeit nicht mit dergleichen Sittenlehren verlieren , und uns mit dieser Anmerkung begnügen ; daß die Beschuldigung , als ob er als ein Gottesleugner gestorben , in Anschuß des Grotius , in dem Efprit de Mr . Arnauld , ganz handgreiflich ist . Mit Verwerfung aller Arten der Religion sterben , sterben , ohne daß man sich zu einer einzigen Religion bekennen will , als ein Gottesleugner sterben , das sind drey gleichviel bedeutende Sätze ; so daß , wenn man dem Ankläger den Proceß machte , man die Sache auf diese kurze Frage bringen müßte : Ist Grotius als ein Gottesleugner gestorben 1 Der Ankläger hauptet es klärlich und unbedingter muß es also beweisen , und es wurde ihm zu nicht« dienen , daß Grotius weder ein Lutheraner , noch ein Calvi - niste , noch einPapiste , noch ein Arminianer gewesen ist . Denn wer soll» te nicht vor Abscheu zittern , wenn man bedenket , daß ein Mensch , der auf die Art gestorben ist , die Quistorpius öffentlich bezeuget hat , als ein Got - resleugner angeklager worden ? Ist die Unverschämtheit eines solchen Ver - leumder« nicht erstaunlich ? Muß man sich , wenn man sie durch Lesung sei - neS Buches glauben will , nicht ganz von neuem dasjenige vorstellen , was man von der unendlichen Verderbniß des menschlichen Herzens hat ersah - «n können , und sich aus diesen Worten der h . Sckrist einen Glaubensar - tikel machen : des Mensckcn Her ; ifi ein troyig und verzagt Ding , wer kann es ergründen . Jerem . XVII , 9 . Ich habe bereits in der
kung ( « ) im ersten Abstitz« gesagt , daß man nicht dm geringsten Grun» hat , an Quistorps Aufrichtigkeit zu zweifeln , und hier setze ich noch dazu : daß die Sache , welche er bezeuget , von solcher Art «st , daß er dabey mcht hat betrogen werden können . Er hat alles gehöret , was ihm Grotius geantwortet hat ; er hat die Bewegungen der Hände und Lippen lerne« Bußfertigen gesehen , da - er ihm ein vortreffliches Gebeth vorgejaget . Die Ohren und Augen sind bey dergleichen Dingen glaubwürdige Zeugen . Ich bekenne , daß er nicht gewußt , ob Grotius heimlich etwas anders nachgesprochen , als was ihm QuistorpiuS ganz laut vorgejäget hat : dich ist ein Einwurf , den Arnauld sich erkühnet hat , vorzubringen . ( nifine convaincu p . 147 ) aber er verdienet keine Antwort ; denn konnte man auf diese Art nicht an dem Glauben aller Sterbenden zweifeln ?
( X ) Vernünftige JLeute billigen gar sehr - - * daß man keine gericktlicke Untersuckung angestellet hat . ] Das Beylpiel von den Anvenvandten des JanseniuS , dem die Familie des Grotius , wie einige gewollt , hätte folgen sollen , ist eines von denen Dingen , welche die Aufführung am besten rechtfertigen kann , die man durch Verachtung der Verleumdung gehabt hat . Die janfenistische Partey hatte sich Hoffnung gemachet , den P . Hazart , einen berühmten Jesuiten , zu kränken , der ine , - nem von seinen Büchern gesaget hatte , daß des JanseniuS Vater ein Protestant gewesen , und daß JanseniuS bis zu einem gewissen Älter in dem Bekenntnisse der calvinistischen Lehre gelebet hätte . Man hat jchö - ne Aussührungen der Sache gemacht ( * ) , zu beweisen , daß dieser Mit ein großer Verleumder gewesen^und man hat ihn nach allen Formen heraus - gefordert , seine Beschimpfung durch eine förmliche Widerrufung zu erse , tzen . Man hat sich an die Richterstühle gewendet , die das Recht hatten , über dergleichen Streitigkeiten zu urtheilen ; allein man hat nach vielen Schriften , nach vielen Bemühungen , das Misvergliügen gehabt , die gcnv je , Sache scheitern zu sehen . P Hazart hat Ansehen genug gehabt , und Streiche genug zu erfinden gewußt , alle Unternehmungen der Klagenden zu vernichten . In Ansehung dieses Beispieles haben sich die Nachkom - mm des Grotius glücklich schätzen müssen , daß sie die Widerrufung , der Verleumdung nicht gerichtlich gefordert haben ; denn der Urheber von dem Efprit de Mr . Arnauld hat dem P . Hazart an Erfindung der Spibfin - digkeicen nichts nachgegeben , und würde eben so wohl als jener , Stutzen gefunden haben , sich von der verdienten Strafe zu besreyen . Man hätte ihn nach dem Gesetze , fi quis famofuni , vor den weltlichen Gerichten be - langen können . Man hätte sich auch an die geistlichen Richter wenden können . Allein er würde so starke Pattonen , und in Absicht auf die welb - lichen Richter , so mächtige Fürbitter gefunden haben , daß alles wie ein Rauch verschwunden seyn würde . Es wäre noch schlimmer gewesen , wenn man sich an die geistlichen Richter gewendet hätte : daselbst wären seine Zungendreschereyen ein Irrgarten gewesen , daraus man sich niemals zu finden gewußt hatte ; daselbst würden seine Freunde alle ihre Arglist er - schöpft haben , um ihn vor aller Bestrafung in Sicherheit zu setzen . Hat wohl der Verfasser von den Gedanken über die Cometen das geringste Recht wegen einer Verleumdung erhalten können , die derjenigen ganz gleich ist , davon hier wegen de« Grotius die Rede ist ? Hat nicht der Ankläger , welcher Berriegereyen auf Betriegereyen gethürmet , die gerechten Bitten allezeit zu Wasser gemacht , die von dem Angeklagten bey ihren ordentli - chen Richtern gemachet worden ? Was haben die Prediger erhalten , wel - che die Lehren dieses Schriftstellers gerichtlich angegeben haben ? Haben sie ihn nicht mächtiger , als die Gesetze der Zucht , gesunden , so viel Mühe sie sich auch gegeben , und so offenbar sie auch seine Jrrrhümer gcmcichet haben ? Aus diesem neuen Grunde müssen sich die Anverwandten des Grotius Glück wünschen , daß sie sich des gerichtlichen Verfahrens ten haben .
( * ) Siehe les Nouvelles de la Republique des Lettres 1686 , p . 68 , 209 , ; o - und IZI4 . Diese Ausführungen sind in dem Vlll Bande der Morale praclique desjefuites wieder gedruckt worden .
( L ) Ks ist auf dl'cst Stelle von dem Bücke Efprit d'Arnauld eine sehr starke Antwort ersckiencn . ^ Hier ist der Ansang des Der - theidigers . „ Allein , mein Herr , alles dasjenige , was dieser Schriftsteller „ und P . Simon vom Grotius sagen , ist in Begleichung desjenigen » . nichts , was der ungenannte Verfasser einer ärgerlichen Lästerschrift „ l'Efprit de Mr . Arnauld saget . Es ist wahr , daß er in diesem Buche daö „ ganze menschliche Geschlecht lästert , und daß die offenbaren Lügen' , die „ man darinnen findet , alles übrige unglaublich machen müssen . Weil „ es aber schwache Leute giebt , die sich durch die kühne Art rühren lassen , „ mir welcher er redet , und weil einige von denjenigen , denen ihr meine „ Briefe mitgetheilet habet , eine üble Meynung von dem Grotius , wegen „ desjenigen gefasset haben , was er von ihm saget : fo werdet ihr mir wohl „ erlauben , sie aus dem Jrrthume zu bringen . Vielleicht wird es ihnen „ nicht verdrießlich seyn , hier ein Exempel der entsetzlichsten Verleumdung , die „ jemals gewesen , in einem Schriftsteller zu filü en , gegen den sie so große „ Hochachtung haben . Dieses wird ihnen begreiflich machen , daß man „ wider diejenigen auf seiner Hut seyn muß , welche einen so großen Eifer „ für die Wahrheit bezeigen , und daß dieser Eifer manchmal eine unglaub - , . 1'ch« Bosheit und Lästerung unter dem schönen Verwände , die Kirche „ Gottes zu vertheidigen , verbirgt . , , Sentimens de quelques giens de Hollande p . ; ? o Nach diesem untersuchet der Verteidiger die v>er Hauptpunete der Beschuldigung , eine nach der andern Ich will reich nicht bey denen Dingen aushalten , die er wegen , des ersten Punctes saget , daß nämlich Grotius ein hitziger wenn

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.