Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10538

6 ; 6
Grotius .
„ than hatten ; ihren . Manne gerathen , sich in diesen Kasten zu legen , in „ welchem sie mit einem Bohrer an dem Orte Löcher gemachet harre , wo „ er sich mit dem Kopfe hinlegen sollte . damit er Athem holen könnte , „ und nicht erstickte . Er ist ihr gefolget , und also nach Gorcum zu ei - „ nem von seinen Freunden getragen worden , von da er mit der ordent - „ lichen Landkutsche »ach Antwerpen , und über den öffentlichen Platz , als „ ein Zimmermann verkleidet , mit dem Winkelmaaße in der Hand , gegan - „ gen . Diese listige Frau gab vor , damit er Zeit zur Rettung hatte , und „ die Nachsetzung verhinderte , ihr Mann fey lehr krank : allein da sie „ ihn in einem sichern Lande zu seyn geglaubet , hat sie den Wächtern mit „ einem Gelpötte eröffnet , daß die Vogel ausgeflogen wären . Anfing - „ lich hat man peinlich wider sie verfahren wollen ; und es haben so gar „ einige Richter beschlossen , sie . anstatt ihres Ehmannes , gefangen zu halten : allein endlich hat sie durch die meisten Stimmen die Freyheit „ erhalten , und alle Welt hat sie gelobt , daß sie , durch ihren Witz , ihrem „ Ehmanne die Freyheit wieder verschafft hatte „ vu Maurier , Memoi - res de Hollande , p . m . 404 . Siehe auch Epift Ecclefiaft . et Theolog . 654 n . f . Seite . Eine solche Frau hat in der Republik der Gelehrten , nicht allein eine Bildsäule , sondern auch die Ehre der Heiligmachung verdienet ; denn ihr hat im» so viele vortreffliche Werke zu verdanken , die ihr Ehmann ans Licht gestellet hat , und welche niemals aus dem fin - steru Louvestein hervorgekommen seyn würden , wenn er seine Lebenszeit darinnen bleiben müssen , wie die von seinen Feinden erwählten Richter haben wollen . ( * ) Eorumque ( nouem nienfiunQ fix elapfi efient in conquircndo infenfifllinos quosque , quibus iucficum nuintis tuto coftimitterent . Vita Grotii , p . 42z . Siehe die Anmerkung ( ? ) bey dem Artikel Granvier , was Menage von dem ttrtheile dieser erwählten Richter saget .
* Weil Herr Bayle sonst von den Exempeln lasterhafter Weibs - bilder , so viel nmständliche Nachrichten zu geben pflegt , so hätte er freylich auch von dieser tugendhaften Gemahlinn des GrotinS , et - was ausführlicher handeln können . Er hätte z . E . melden sollen , mit was für List , sie die Zeit ergriffen , als der Befehlshaber über die Wache des Gefängnisses verreiset ; zu seiner Fran zu geben , und ihr zu klagen , daß ihr Mann sich in den arminianischen Büchern ganz krank studiere ; und daß sie also entschlossen wäre , ihm alle dieselben weg zu nehmen . und in einem Kasten fortzuschaffen . Ferner , wie sie ihren Gemahl den Versuch thun lasse» , ob er indem viectehalb Schuh langen Kasten , etliche Stunden unbeweglich lie - gen könne ; indem sie sich darauf gesetzer . und eine Sanduhr etliche - mal auslaufen lassen : und da sie geinerket , daß er sich gereget und ausgestrecker . ihn gewarnet , es ja unrerwegens auf dem Schiffe nicht so zu machen , weil sich leicht jemand daraus sehen , und ihn darinnen wahnehmen könnte . Wie sie endlich die Wache geberhen , diesen Bücherkasten herauszuheben , nnd als dieselben gesaget : es wäre derselbe so schwer , als ob ein Arminianer darinnen steckte , be - herzt geantwortet : daß es nur arminianische Bücher waren . Auch das wäre wohl werth gewesen , angcsühret zu werden , daß diePrin - zeßinn von Conde , deren Gemahl gleichfalls in Frankreich ein lan - „ es Gefängniß ausstehen müssen , diese Art der Befrenuug sehr ge - lobet , und zu des Grotius Frau selbst gesaget : Es thatc ihr leid , daß sie es mit ihrem Gemahl nidbt eben so gemacher . Wäre ferner des Grotius eigenes Zeugniß von dieser Thar seiner Ehgat - nun nicht werch gewesen , aus einem Briefe an den Puteanus an - geführet zu werden , wo er so schreibt : Fidem in Patriam praeftiti , in Vxore innen ! . Ego publica ? Libertati dum ftudeo , amifime - ani . Illa hoc tantum gnara , elatum nie : quod reftabat cuentus , anxia animi conieftura reuoluens , vota fecit , quae ab amantiili - nia coniuge nemo exfpeäaret , vt maritiis a fe quam longiflime abeflet . Ego , tum denuim intelligens , a quali vxore difcefliflem , tarn grauiter ferebain eins abfentiam , vt potius quam ea diu ca - rerem , carceri nie fuerim redditurus . Was kam , schöner klin - qen , als diese Zärtlichkeit eines so aroßen Mannes ; aber was ver . diente dieselbe auch mehr , als die Treue einer solchen Ehgattinn , , 6je selbst im Gefängnisse blieb , als sie ihren Mann befreyet hatte ; , md willig Gefahr lief , Lebenslang darinnen bleiben zu müssen .
Ich will hier nicht der scl ) önen Gedichte gedenken , die theils Gro - tiuö selbst über den Kasten , darinnen er gestecket , theils Heinsius über seine Befteyung gemacht . Sie sind mir zu einer solchen Nach - lese " Nwas zu lang . " als daß ich sie hersetzen könnte . Allein das - jenige Sinngedichte kann ich nicht übergehen , welche« von einem Ungenannten auf den Träger dieses schweren Kastens gemachet wor , den . Es heißt :
Cum grauidam ferres arcano pondere Ciftam ,
Infolitum nuinquid te male preflit onus ?
Credo equidem . Nam qua latitabat Grotius arca , Hac Latium atque omnis Graecia clausa fiiit .
Mehr besondre Umstände von dieser glücklichen Flucht eines so großen Mannes , sehe man in den Manibus Grotii vindicatis , die , dem ? itd nach , Delphis Batauorum , in der That aber hier zu Leipzig 17 - 7 , in groß 8 herausgekommen , auf der - 07 u . f . S .
( C ) Ludwig der XIII hat Ver Tugend dieses erlauchten Flüchtlings . ein rühmliches Zeugniß gegeben^ Grotius hat , ve - der das Angedenken , noch die Liebe seines Baterlandes vergessen , das ihm so übel begegnet war . Dieses ist es , was Ludwig der XIII bewundert hat : und ohne Zweifel ist dieses eine von den Ursachen gewesen , welche ilm bewogen , die bösen Rathschläge der Gesandten der Republik , des Grotius besonderer Feinde , zu verwerfen , die sich bemühten , ihn an dem französischen Hofe verhaßt zu machen . Semper intenttis patriae et popu - laribiis fiiis , vbi quid negotii illis apiid aulam eam eflet , confilio , ope - ra , et qua pollebat apud nonnullos Miniftros regios gratia infertur« ac prodefle ; quamuis non ignoraret , eos , qui ibi res Foederatorum cnrabant , nihil intentatum relinquere , quo Rcgis animum ipli infes - tum redderent ; fed fruftra laborabant apud Principent nihil ignoran - tantem eonim , quae annis c 13 13 c xv 111 . et cid c xix . in HoIIandia adb crant : quin dixifle non fcmel fertur , mirari fe virtu - tem hominis , qui tarn male in patria habitns , non defineret tarnen ei , fubditisque eius ber . evelle , imo qttocunque etiam poilet modo benefacere . Vita Grotii , beym BatesiuS pag . 415 . GroliuS hak durch diese Aufführung bezeuget , daß er sich seine Belesenheic und die großen
empel des altm RvmS , nicht übel zu Nutz , gemachet hatte . Siehe den Brief , den er an den Erycius Puteanus geschrieben hat . ES ist der CCCLXXXVIII unter den Epift . Ecclef . et Theol . in folio . Man sehe auch was ich vomCamilluS . bey dessen Artikel im Texte , zwischen den An - führungen d und e , bemerket habe .
( D ) Das erste Such , das er herausgegeben , seit dem er siel ? in Frankreich niedergelassen , ist die Gchutzschrist der Obrigkei - ten in - Hollandgewesen , die abgesetzt worden waren . ^ Dieses Buch hat der widrigen Paney ungemein misfallen . Sie hat geglaubet , Grotius habe sie der Uebertretuug der Gesetze überführet , und von neuem ihre Kräfte angespannet , ihn zu verderben : allein der Schutz des sran - zösischen Hofes hat ihn vor ihren Unternehmungen gesichert . Ich habe nur einen Auszug von diesen lateinischen Worten , aus deö Grotius Leben , auf der 4 - 4 S . gemacht . Primutn operum , quod poft reeeptam über - tatem edidit , fiiit Apologeticus ( lue Defenlio , non tarn fua , qui non potuerat peccare in cxfequendis iis , quae fibi a Superioribus fuis mandata erant , quam eorum . , qui legitimo modo creati , legitimo iure
- Reipub . Hollandicae , annis deeimo oöaiK ) et nonopraefuerant . Quo compcrto Foederatorum Delegati , neque ignorantes fuas in eo libro artes , iilatamque Hollandiae vim ( * ) detegi , cum nihil haberen , quo exprefiam in eo veritatem redarguere , aut refutare poflent , vh - tata iam diu violentia vtentes , proferiptionibus eum perfecuti fimt : quod brutum fulmen , cum per Chriftianidimi Regis tutelam , qui eum in fidem fuam reeeperat , enanuilfet , nihil aliud eo actum eft , quam quod , etc .
( ^ ) Man saget p - 4 - z . worinnen diese Gewalt bestanden : velegs . tos illis iudices dare , illegitime modo accufare , indefenfos dainnare ; Oldenbarneucldium feptuagefimum fecundum aetatis annum agentetp capitali fupplicio pleöere , reliquos duos ad perpetuos carceres mit - tere , et omnia eorum bona pubücare : nitentibus contra , et vim au - «Soritati fuae inferri fruftra clamantibus , ipfis Hollandiae Ordinibuä , donec optimis quibttsque a muneribus fuis dimotis , nouisque in rum loca contra leges iinpofitis , omnia pro libidine eorum agi coc - pere , quiiftius nouitatis auflores erant .
( E ) Seine Feinde machten alle gute Wirkungen derselben krebsgangig . ^ Der Brief , welchen der Prinz Friedrich Heinrich 1622 an den Grotius geschrieben , ist voll dienstfertiger Anerbiethungen - Man hat ihn zu Ende des Lebens des GretiuS angedruckt : und es ist sehr wahrscheinlich , daß sich dieser . Prinz einen Ruhm daraus gemacht haben würde . diesen großen Mann wieder herzustellen , wenn man ihm nicht vorgesteller hatte , daß es gefährlich wäre . Hier sind die Worte , welche dieses alles erklären . Mortuo Mauritio Araufionenfnim Principe , fra . ter eius Fridericus Henricus ad gubernaculum Reipublicae admotus , non mitioris tantum regiminis , fed et priftinae in adminiftranda Re - publica libertatis fpem dederat , ipfique iam pridem Grotio animi fui afFedlum per litteras teftatus erat , credebaturque a non paucis , quae - fiturus tibi gloriam ex tanti viri tarn iniufte damnati in integrum re . ftitutione ; fed vt plerumqife apud animos eorum , qui Principiun confiliis praefunt , vtilia honeftis praeualent , neque deeflent qui ipli ante oculos ponerent , quam periculofum rebus fuis foret , hominem , tarn pertinaciter libertatis ac patriae fuae amantem , iterum ad Rem .
fiublicam admittere , potentiae fuae quam exiftimationi confulere nia - uit , et Proceribus fuper manfione Grotii , in Hollandiam reuerfi circa finem anni eis iz c xxxii . deliberantibus , iis acceffit , qui in - terdicendamilli in patria habitationemopinabantur . Vita Grotii , p . 424 .
( F ) Er hatte viel Leinde an dem schwedischen Die Kö» niginn hat ibrn keine gewisse Antwort auf seine Bitte , wegen seiner Er - lassung , gegeben ; und dieses hat einigen Großen nicht gefallen , die sich befürchteten , daß sie ihn bey Hofe in ihrem Rache behalten möchte . Er hat dieses MiSvergnügen wahrgenommen , und so inständig um seine Erlajiui^g angehalten , daß ihm endlich diese Gnade ertheilet wurde . que dubitauit hoc vnum fufficere ad irritandam inuidiam illam , quam a prineipio aduentus fui in nonnullis Regni Proceribus animaduer . terat . Qiiare , cum nihil minus propofitum ei eflet , qtiam in ea ter - rarum parte habitationis fuae federn figere , vbi non minus cum in . geniis hominum tarn male fibi volentium , quam cum aeris inclemen - tia luöandum quotidie foret , non deftitit coram Regina , quoties ad eam accederet , dimiffionem fuam et veniam ad fuos reuertencli effla - gitare . Ebendas . 4 - 6 S . Maurier , Ivlemoire , pour fervir a l'Hift . de Hollande , 412 u . f . S . erzählet , daß der Kanzler Oxenstirn , die fchwe - difche Gesandtschaft den , Grotius viel eher genommen haben würte , wenn er es nicht dem Cardinale Richelieu zum Possen gethan hätte . Dieser Ceirdinal ( ebendas 409 S . ) hatte das Jahrgeld von dre» tausend Pfunden ausstreichen lassen , das Grotius zehn Jahre genossen hatle , wel - ches diesen erlauchten Flüchtling genvthiget , Frankreich zu verlassen . Der Urheber dieser Beschimpfung ist auf die erhaltene Nachricht , daß Gro - tius mit einer schönen Bedienung wieder kommen würde , sebr verdrieß - lich darüber gewesen , und hat hundertmal wegen der Zurückrusung ei , nes Gesandten Borstellungen gerhan , von dem er nicht geliebt würde , und deu^rr nicht liebte . Oxenstirn , der den Cardinal kränken wollte , hat ihm niemals diese Gefälligkeit erweisen wollen : allein so bald der Cardinal todt war , hat er sich nicht viel darum bekümmert , den Gesand - ten zu beschützen , und er hat ihm im Gegentbeile viel Verdruß verur - fachet , der ihn nöthigte , um seine Erlassung zu bitten , worauf man ihn beyn , Worte genommen hat . Du Maurier setzet pag . 430 . darzu , vaß Grotius , da man in Schweden nichts aus ihm gemacht , von Stockholm weggegangen , ohne daß er bev der Roniginn , oder ihren Staatsbedienren , Urlaub genommen , nnd bereits xu Dalles gewesen , an Bord zu gehen ; daß ihn aber die Roniginn , urüek gerufen , und ibm »och zwölf tausend Reichsthaler gedenket habe . Dieses kömmt mir dem Leben des Grotius nicht überein . Ich will etwas aus den Mmaziamn pag . 404 . anführen . Es ist erstaun« lich , daß die Königinn Christina , die sich so öffentlich für die Beschütze , rinn der Gelehrten' erkläret hatte , ihre Regierung mit der Zurückrusung des Grotius , der damals schwedischer Abgesandter in Paris war , »nd mir Abuehmung seines Amtes augefangen hat : eine u»dankbare Frau , eine Frau , dergleichen man niemals gefthen . Zlrnauld hat einen Brief vorgebracht , welcher enthält , daß Grotius , der mit dem schwedischem - Hose schr übel zufrieden , ob er gleich vollkommen vergnügt mit der Roniginn gewesen , von da weggereiser sev , um wieder nach Frankreich ) » gehen , wo er Gesandter von Pohlen seyn sollen :
Saß

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