Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4481

Caracciol .
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Venalem renuis laudando obtrudere palpum , De nullo eredhis dicere vera times ;
petto maggiore ho i fuccefii poco felici deH' armi Venetiani repre - fentato , havendo nelle cofe dubbie fempre nella piü benigna inter - pretatione inclinato . In inaniera , che le noftre opre fono publica -
Gallus et Hifpanus nullo difcrimine habentur ;
Nec tibi traöatur mollner Emanuel .
Alltin , so würdig « sich auch dieses Lobes gemacht hätte , so würde sol - che« dennoch ein mir Borurtbeilen eingenommener Leser nicht gewahr werden ; und wenn man bey Verfertigung einer Historie von alier Lei - denschast entblößt seyn muß , so kann man solches auch von einem Leser fordern , welcher von der Arbeit des Geschichtschreibers gehörig urthei - len will . Es ist kein Buch , welchem das : pro captu le & oris habent fua fata libelli mehr zukömmt , als einer Historie .
( v ) Die Venetianer beklagten sich über seine - Historie , u . fa> . ] Andreas Balbo , ein venetianilcher Edelmann , befand sich zu Genua , al« der I Theil seiner Historie des Capriata das Licht sah . Er brachte bey dem Verfasser seine Beschwerden sehr höflich an , der unter andern zur Antwort gab : man kann sich nicht beklagen , daß ich die Ehrerbiethung gegen die Republik Venedig , in Ansehung ihrer weisen Regierung , nicht beobachtet habe ; ( Capriata in der Vorrede zum IlTH . seiner Historie ) wenn ich aber von dem Fortgange der Kriege auf eine Art geredet , die nicht angenehm gewesen , so ist solches meine Schuld nicht : denn ich habe ihn so vorstellen müssen , wie er geschehen ist ; und man darf nicht vermu , then , daß die Beschreibung der'Dinge , die uns Bekümmerniß gemacht , da sie geschehen sind , mir Vergnügen gelesen werden kann : Quanto poi a fucceifi delle Guerre tanto di mare , quanto di terra , non ha - vendole recato gufto quando fuccedettono , e impoflibile che glie' 1 recchino quando fi defcrivono , onde non v' ha colpa lo Scrittore , fe conforme al vero i rapprefenta . Dieses wäre ohne Zweifel eine ordnung , wenn un« die Begebenheiten unangenehm wären , und die Hi - storie , die man davon giebt , uns Freude erweckte . Dieß sind nur lügen - haste Scribenten , die dergleichen Unordnung in der Natur der Sachen hervor brinqen können . Sie sind den Köchen gleich , welche über die unschmackhästesten und unverdaulichsten Speisen eine Brühe von so gu - tem Geschmacke machen , daß man sie mit Vergnügen ißt . Ein schichtschreiber , der ein unehrlicher Mann ist , unterdrücket den bösen Fort - gang , oder verstecket ihn unter einer so großen Beschreibung , von klei - nen vorrheilhaften Umständen , daß er den Lesern unmerklich wirb : sie können die Wunde unter der Menge von schönen Pflastern nicht sehen , die er darauf leget .
Capriata stellet auch vor , daß er , ungeachtet er weder ein Uncerthan der Republik Venedig wäre , noch in ihrer Besoldung stünde , sie dennoch mehr verschont habe , als etliche venetianische Schriftsteller , welche sie sowohl an ihren Personen als in ihren Schriften gestraft hät - ten . in währender Zeit sie die Verkaufung seiner Historie erlaubten . E fe V . S . andera paragonando i noftri fcritti con quei d' alcuni Ve - neti Scrittori ; trovera , che , come con niaggior verita , cofi con ris -
mente , nella ftefl'a Citta di Venetia , vendute , lette , et con applaufi non minori , che altrove , ricevute , dove quelle de loro Scrittori ri - man endo aftato fterminate , non compaiono in luce , e gl' Autori ne ftati fono puniti , e puniti ancora i Capitani , che mal fi diportarono ne ( iniftri incontri dell' arme , e delle publiche fattioni . Ebendaselbst . Alles dieses ist geschickter , den Verfasser zu rechtfertigen , als den Ver - drnß zu vertteiben , den die Aufrichtigkeit seiner Feder den Venetianern verursachet hatte . Man höret seine Wahrheiten nicht gern öffentlich sagen . Obfequium amicos , veritas odium parit . Terent . And . A6h I . Sc . I .
( E ) Er befürchtete , daß eine Znschrist an einen Machtigen da» Vorurcheil erwecken würde , Saß er den Regeln der hisiorijche» Runst nicht wohl gefolget wäre . Z Er hat den ersten Theil seiner Historie dem Ottaviano Raggi , Kammerauditorn Urbans des VIII , und den andern dem Carlo Emanncle Durazzo , Reserendario beyder gnaturen zugeschrieben , und die Ursachen erkläret , die ihn abgehalten , dieselben einem Prinzen zu zuschreiben . Es ist kein Prinz , saget er , der nicht Theil an denen Dingen hätte , die ich vorbringe ; man könnte sich also einbilden , daß dasjenige , was ich zum Vortheile dessen gesaget , dem ich mein Buch zugeschrieben hätte , eine Schmeicheley wäre ; oder daß ich ihm durch die Erzählungen , die nicht vortheilhaft für ihn sind , ihm ein« Beschimpfung erwiese . Man könnte auch muthmaßen , daß die De , gierde , die Gnade eines Prinzen zu erwerben , mir zum Kappzaume de« Schweigens , oder zum Sporne gedient hätte , die Wahrheit zu schreiten . Eflendovi tutti ( Princifi ) o tanto o quanto interefläti , non parefce adulatione quel , che il corfo ordinario delle cofe fucce - dute portalle di poco loro gufto , e fodisfattione : E per che ancora nefluno havefl'e occafione di far concetto , che il defiderio d' acqui - ftartni la gratia di quel Principe , havefle fervito di Ireno , per farmi tacere , o di ftimolo per efcrivere piii abondantemente , contra quel , che l'obbligo di fedele , e fincero Scrittore mi potefle perfcrivere . Capriata in der Zuschrift de« ersten Thtil« seiner Historie . Nichts kann scharfsinniger , al« diese« , seyn ; denn so sehr die Austichtigkeit eine« Ge« schichtschreiber« zu loben wäre , welcher die Aufführung eines Monarchen mit Rechte getadelt , und den schimpflichen Fortgang treulich erzählet hatte , der dieselbe begleitet , um so viel mehr wäre sein Unverstand zu ta - deln , wenn er ihm sein Buch zugeschrieben hätte . E« ist außerdem die Gewohnheit , große Herren zu locken , welchen man ein Buch zuschreibt . Man trachtet nach einem Iahrgelde oder nach einer Begnadigung ; also weis man , was man sagen darf , und was man verschweigen muß . Man richtet sich durch das ganze Werk darnach , wo man von ihren Verl ich - tungen redet . Was thut man ander« , wenn man ihnen ein solcheSWerk zuschreibt , als gleich beym Anfange des Spiels bekannt zu machen , daß man der Freyheit gute Nacht gegeben hat , und einen Herrn suchet ? Giebt man nicht zum wenigstens zu diesem Vorurtheile Anlaß ?
»er Caratttolt . Moreri hat von vielen berühmten Personen dieser Familie geredet ; allein er hat den Neapolis vergessen , der vielleicht der erste große Herr von seiner Linie gewesen ist . Er hieß Johann
Caracciol oder Caraccioli
Großseneschall von Neapolis vergesse , _ J , _
Caracciol : er beschäftigte sich beym Anfange seiner Jugend mif der Feder " : die Armuth zwang ihn , diese Partey zu erarei - fen , ob er gleich ein guter Edelmann war . Er hatte das Glücke , der Königinn von Neapolis , Johannen , der II dieses Na - mens , zugefallen : dieß war für ihn der Weg zum Glücke . Man blieb bey dieser Königinn nicht bey den schönen Regungen der Freundschaft ; man schritt zum Genüsse , und hierauf erhielt man große Bedienungen , wenn man sich ihrer zu bedienen und
besonnen gewesen , dieser Prinzekinn grove Salerno nicht von ibr erhalten rönnenb aben : denn er
. . ^en , und so gar eine Öhrfeige zu geben , da er das Fürstenthum e Ursache , ihn wegen vieler bösen Streiche wider den Nutzen des Staats
im Verdachte zu Häven ; denn er hat dem Konige von Arragonien , Alphonsuö , den Anschlag eingeblasen , wieder nach Neapolis zu kommenc , von da er bloß aus der Ursache weggieng , weil er die Königinn Johanna , seine angenommene Mutter , nicht hatte entführen können . Man kann leicht urtheilen , w«e sehr diese Königinn seit dieser Zeit die Partey dieses undankbaren Sohnes gehasset haben muß . Gleichwohl unternahm es Caracciol , dieser Partey die Oberhand in dein Königreiche Neapolis zu verschaf« fen . Man wußte seine verrätherischen Anschläge , und dieselben zu Wasser zu machen , stellte man ' ' - -
von Frankreich zu Rache .
m ) Brantome Vies des Darnes illuftres , pag . m . zyz . b~ ) Spondanus ad ann . 1432 . nutn . 18 . pag . m . 816 . c ) Mariana Libr . XXI . cap . V . d~ ) Ebendas . e ) Simulat rex valetudinem . Ioannes Caracciolus Senefchallus maiori apud reginarn gratia et auäoritate , quam honeftum eilet , ad inuifendum accedens capitur . Mariana Libr . XX . cap . XIII . f ) Ebendaselbst .
CA ) Die Art , womit ihm die Roniginn von V7eapolis Johanna ie II , den ersten Antrag getban , ist seltsam . ^ Brantome erzählet ! . „ Die erste Gelegenheit , welche die Königinn gehabt , ihm zu erkennen zu geben , daß sie ihn liebte , ist gewesen , daß er sich sehr vor den Mäusen ge -
„ fürchtet . Eines Tage« , da er in dem Kleiderzimmer der Königinn Schach „ gespielt , hatte die Königinn selbst eine Maus vor ihn sehen lassen , worauf „ er vor Furcht hin und wieder gelaufen , und nachdem er einen dahin , „ den andern dorthin gestoßen , nach derThürevon der König nn Zim - „ mer geflohen , und über sie weggefallen : und also hat ihm die Königinn „ durch dieses Mittel ihre Liebe entdecket , und sie haben ihre Sachen so „ gleich mit einander gemacht , und nach diesem hat es nicht lange ange - „ standen , daß sie ihn zu ihrem Großseneschall gemacht . , , Krantomeva . nies illuftres pag . m . 339 - Es maq dieses Mährchen glauben , wer da will : allein es ist nicht ohne alle Wahrscheinlichkeit , daß unter allen Lie - beserklärungen die mündliche einer Person von diesem Geschlecht« und Range am schwersten ankömmt .
Man darf sich nicht darüber verwundern : man ist eher Herr über seine Zunge , als über andre Zeicheii , welche das Feuer zu erkennen aeben , das man im . Oerzen nähret . Vulnus alit venu , et coeco carpitur «gtie . Virg . Aeneid Libr . IV , v . 2 . Dieserwegen verhindert die Schamhaft tigkeit eine Frauensperson viel leichter , zu vernehmlichen Worten , dieein Zeichen ihres Vorhabe . ? - sind , Zuflucht zu nehmen ; als durch natürliche Zeichen auf ihrem Gesichte die Begierden zu bemerken , die sie e , ngmom .
II Vand .
men haben . Und weil die Mannspersonen gemeiniglich sehr geschickt sind , diese Zeichen zu entdecken , und sich derselben aar geschwind zu be - ihm zu erkennen dienen wissen ; so hat man nicht leicht nöthig , >hn^'dasjenige münd - lich zu bezeugen , was man von ihnen haben will - also ist die Nothwen , digkeit , sich auf diese Art zu erklaren , eine so^ seltsame Sache , daß man
durch verschiedene Versuche die Fertigkeit nicht erlanget , seine Zunge bev dergleichen Umständen zu gebrauchen . Sollte man gewahr werden , daß die andern Zeichen nicht wohl verstanden wurden , so ergreift man eher die Partey , zu schreiben , als die Partey zu reden . Wir haben in der An - merkung ( B ) zu dem Artikel Äyblis , ein Verspiel davon in der Be , schreibung gesehen , die uns Ovidiu« von der Liebe der BybliS gegeben hat . Es ist anzumerken , daß bey dergleichen Geschafften eine Koinginn den Vortheil nicht hat , den andere Frauenspersonen haben ; denn sie ist mit lauter solchen Leuten umgeben , die sich wegen ihrer Niedrigkeit nicht unterstehen dörsen , Liebeserklärungen zu rhun : also muß sie den ersten Antrag thun , und am ersten entdecken , was sie leidet . Die andern Frauenspersonen , gemeiniglich zu reden , lassen sich angreifen ; und wenn sie auch gleich wünschen , überwunden zu seyn , so bleiben sie doch im Ver - theidigungsstande , und machen sich eine Ehre daraus :
Pngnabit primo fortafll« , tt , Iniprobe , dicet :
Pugn & ndo vinci fed tarnen illa volet .
Ouid . de Arte aoiandi Libr . I , v , 667 .
G a Hingegen

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