Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10465

Gregmus . Grenaille .
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Man bat an der größten Geschicklichkeit der Kunst nicht genug em ches Schiff zu regieren ; und wenn die beschwerlichste und geschickteste Handarbeit es endlich in den Hafen bringt , dahin man zielet , so ist es ein Wunderwerk .
( T ) y den zukünftigen Zeiten schwer seyn wird ? Wir wollen dm Fall seben , daß jemand ein solches Buch zur Zeit Gregorius des VII , gemacht hätte : ist es nicht sehr wahrscheinlich , daß Aventin oder Flaeiu« Jllyricus , der es in einem Winkel einer Bibliothek gefunden , sich dessen als einer wahr - basten Historie bedient hatte ? Würde man es nicht alle Tage als ein ' äcl>tes Stück in den Werken der NeligionSstreitigkeiten angeführet sehen ? Wissen wir . was im achtzehnten oder im acht und zwanzigsten Jalxhuw derre geschehen wird ? Vielleicht kömmt eine Unwissenheit und Barbarey : und dann eine neue Auferstehung der schönen Wissenschafren wieder . Vielleicht finden tausend und tausend schöne Werke ihren Untergang , mittlerweile sich dieses erhält . Vielleicht wird es von einem Neubegierigen entdeckt , und für unschätzbare Anekdoten , für ein gewisses Denkmaal der wahren Historie von den Liebeshändeln des Cardinals Richelieu u . s . w . gehalten . Man ist schon mehr als einmal von dergleichen Werken hin - ters Lickt geführet worden : und vermuchlich wird es in den kommenden Zeiten nicht beller gehen . Geduld !
Gre^0vlu6 ( Peter ) gebüttig von Toulouse , lehrte anfänglich zu Cahorö und dann in seiner Geburtsstadt , das Recht . Er blühte im XVI Jahrhunderte . Er war ein sehr gelehrter Mann , welcher seine Bücher mit einer weitlaufrigen samkeit angefüllt hat ( A ) ; allein er scheint nicht allzufcharssmnig in der Wahl der Sachen zu seyn , die er vortragt . Man kann dasjenige auf alle feine Werke anwenden , was von feinem Buche de Republica gesaget worden ( B ) . Er ist auf eine fthr rühmliche Art nach Lothringen , als Professor der kaiserlichen und päbstlichen Rechte zu Pontamousion berufen worden a , wo der Herzog Carl eine Akademie gestiftet hatte . Man sehe unten Er hat dieses Amt bi6 1597 rühmlich verwaltet , welches sein Todesjahr gewesen ( C ) . Er ist bey den Nonnen der heil . Clara begraben worden c . Er hat die hebräische Sprache verstanden ( E> ) . Wenn ColomieS dieses gewußt hätte , so würde er in seiner Gallia Orientali von ihm gere - det haben .
« ) Decani titulo et cum fumma poteftate accitus eft , atque in ea vtrumque ius magna cum laude profefliis . Doujat . Praen . Canon , pag . 6 ; 8 - b ) Doujat setzet dieses unters is8i Jahr ; allein Perer Gregorius in seiner Zuschrift der Syntaxis Artis mirabilis , z« Lion den 4 des Wintermonats 1574 unterschrieben , nennet sich Professor des Rechtes in der neue» Akademie zu Pontamousson . Diese demie ist 157z , durch den Cardinal Carl von Lothringen gestiftet worden , wenn man dem Daudrand aus der 4Z« S - des II Bandes seiner Geographie , glaubet . O Aus des Doujat Praen . Canon , pag . 638 .
( A ) < * t hat Bücher geschrieben , Sie mit einer weitlauftigen Gelehrsamkeit «ngefüller sind . J Hiervon kann man sich überzeugen , wenn man nur das Werk ein wenig durchblättert , das er betitelt : Syn - tagma Iuris vniucrfi atque Legum pene omnium Gentium , etRerum - publicarum praecipuarum , in tres partes digeftum , in quo diumi et numani Iuris totius , naturali ac noua methodo per gradus , ordineque , niateria vniuerfalium et fingularium fimulque iudicia explicantur . Dieß ist ein großer Fvlioband , davon es verschiedene Ausgaben giebt . Ich bediene mich der frankfurter von 1599 - Seine ander«' Werke sind , Syntaris Artis mirabilis . De Republica Libri XXVI . Zween Bande über das canonische Recht : der erste Band enthält , Partitiones totius Iuris Canonici , in quinque Libros digeftae , Scholiis et Annotationi - bus illuftratae , inftar Syntagmatis totius Iuris Ecclefiaftici , quae a thodo Partitionum Ciceronis Oratoriarum diuerfae , Stunniam potius Hoftienfis imitantur : der zweyte Band begreift , Commentaria et An - notationes in Decretaliuin Prooemium . AH Tit . de fumma Trinitate et Ilde Catholica . De conftitutionibus . De referiptis . De Electio - ne enarratio . Ad Cap . conquerente de officio et poteftate Iudicis Ordin . Rei beneficiariae Ecclcfiafticae Inftitutiones . Ad Tit . dcSpon - falibus et Matrimoniis . De Viuris libri tres . Siehe Doujat , Praenot . Canonic . pag , 6z8 . Er hat wider Carl« du Moulin geschrieben zu beweisen , daß die Kircheiwersammlung von Trident in Frankreich ange - nommen werden sollte .
§ ( « ) Unter dem Namen Rämundus Rufus , wenn ich mich nicht irre , und zur Annehmung der Kircheiwersammlung von Trideut in Frank - reich wider dasjenige , was dieser wider sein Confilium fupra fa & o Con - eilii Tridentini , geschrieben hatte . Das Werk des Peter Gregorius ist »6z - einer letzten Ausgabe der Werke Carls Du Moulin eingerückt wor - den , damit e6 dieser kleinen Schrift gleichsam zum Passe dienen sollte ; welche zum erstenmal ? in der Sammlung von den Werken dieses Rechts - gelehrten zum Vorscheine kam . Trit . Anmerk .
( B ) Man kann dasjenige auf alle seine werke anwenden , was von seinem Buche de Republica gesaget worden . ] Hier ist das Ur -
theil , welches Gabriel Naude , Bibliogr . Polit . pag . m . davm fället . Copioiior ( Nico / ao Biefio Medico Lvuanienß ) extitit Gregorius Tho - lofanus , at magis ex arte feribens , quia Iuris peritus : defiderantuf tarnen in eo modus , quem fibi praeferibere non potuit , eruditione vulgari luxurians ; et maieftas , cui non magis indulfit quam iudicio , dum oinnia ingerit , et pauca digerit : caeterum valdc vtilis eft , et di - verfa in fe continet , propter quae thefauri inftar haberi poffit , vbi nicliorum au & orum gemmas ac preciofem variae doörinae fuppel - leöilem poffis inuenire .
_ ( C ) Das >5 ? 7 Jahr - - - , ist siin Todesjahr gewesen . Z Doujat , Praen . Canon , pag . 638 . belehret mich dieses : und da er ein Landsmann dieses Schriftstellers gewesen , so habe ich mehr Vertrauen zu «hm als zu Königen , der unfern Gregorius 158 ; sterben läßt . Der Buchhändler zu Frankfurt , Johann Rhodius , der aus Frankreick ) nach Frankfurt gezogen war , wie er in der Zuschrift saget , redet nicht richtig ; wenn er in seiner den 1 Marz >599 unterschriebenen Zuschrift sager : daß man sich bey Wiederdruckung des Syntagma Iuris vniuerfi , wegen der unglücklichen Zeiten , der Gegenwart und Hülfe des Verfassers nicht te bedienen können . Cum per iniuriam temporis , ipfius auäoris prae . fentia et ope frui non liceret . Jonas Rhodium , Petri Fifcheri Bibliopolae Francofurtenfis Succeßor , Epiß , Dcdu . ad Arcbiep . Mtguntinum . Cum ipfius AudVoris praefentia in hifee deplorandis Gallicarum rerum tu - multibus frui non liceret . Id . Praefat . ad LeCkor . Würde man wohl also von einem Manne >599 reden , wenn man gewußt hätte , daß er >597 bereits gestorben gewesen " > Man könnte dieses nicht gänzlich enrsckuldi - gen , wenn man auch voraussetzte , daß sich der Druck von diesem Werke einige Jahre verzogen hätte .
( D ) Er hat die hebräische Sprache verstanden . Z Dieses hat Fellmann , Libr . I , deTit . Honor . cap . XIII . beymMagirus , EponymoL pag . 403 . ein RechtSgelehrter in Deutschland erkannt : denn er nennet ihn nicht allein virum omni ftudiorum genere cxciiltiffimum , sondern auch im I Cap . Num . z . ebendaselbst : ttebraei Iuris ac fermonis cal - lentilümum .
Grenaille ( FrancifcuS von ) gebohren zu Uzerche im Limouflnifchen 1616 , hat eine Menge französischer Bücher ge - schrieben ( A ) , die nicht viel taugen . Er war zu Bourdeaux ein Mönch geworden , und hatte nach diesen die Kutte zu Agen verlassen " . Er ist Geschichtschreiber des Herzogs von Orleans geworden . Man sehe die Gorderiana ( B ) . Er hat nen Kupferstich nebst einer hochmüthigen Unterschrift , vor den Titel seiner Bücher setzen lassen ( C ) . Er berichtet uns in einer Vorrede * > , daß er wegen Staatsverbrechen angeklaget worden , und sich in Todesgefahr befunden habe .
- » ) Siehe la Guerre des Auteurs , pag . m . 169 . und die Anmerkung ( C ) . b ) Zum II Bande des Sage refolu contre la Fortune .
( A ) ( 5c hat eine Menge französische Bücher geschr«eben . Z Er hat hinter einander herausgegeben : die ehrbare Jungftr ; den ehr - baren Junggesellen ; die ehrbare rvitwe ; den ehrbaren shstand ; Sie ehrbare Liebste ; die Sibliothek der Damen ; das Vergnügen der Damen ; den behexten weisen wider das Unglück ; dieß ist eine Ueberjetzung des Petrarcha , siebe die Anmerkung ( Cj ; die Staats - Veränderung porrugalls ; den Schauplay der MMt ; die Mode oder den Caracrer der Religion .
( B ) Man sebe die Sorberiana . ^ Man findet darinnen pag . 10 ; . diese Worte : Um diese Zeit ist ein gewisser Grenailles , ^err von Charonnieres ( es sollte heißen Chataunieres ) in Paris gavesm , ein Limos«ner , ein junger Mensch von 26 Jahren , der auf einmal eine erstaunliche M^nge Bücher heraus fliegen lasten , davon er einige , die ehrbare Jungfer , die ehrbare A ? itwe , den ehrbaren Iungqesillen , die andern , die Bibliothek der Damen nennet . In den «Lrgenlichkeiten der Damen habe ich daoienige sonderlicli loblich geftinden , daß er als ein Mensch , von diesem Alter in der Studierstube geblieben ijk , und sich vielerUeppigkei . ren entkalken bat , um Bücher zu ftlireiben ; allein übrigens sind die guten Sa - chen darinnen sehr rar , und dasjenige , wag noch gut ist , i«i schon lo oft gefeget worden , daß es nicht die Mühe der Wiederholung belohnet ; die Selireibart ist sehr abgeschmackt , und laßt von dem Versafler l . rtbeilcn , daß er nur geschrieben , um M schreiben . Snn Buch ten den Verqnügungen der Damen . st m funf Thcile e . n . serhe . lt , den Bluinenlkrau^ den Ball , den Hof , die Muf . k , uns
die Gasterey . Anfanglich handelt er die Frage ab , ob der Blu» menstraus die Brust siere , oder ob er vielmehr alle seine Annehm , lichkeit von derselben entlehne ; worauf er ; um Vortheile des letz - tern urcheilet , daß aus den ; woen - HalbkUgeln der Dame ein Ein - fluß entspränge , welcher den Blumenskraus belebte , und ihn nicht allein viel ftböner , sondern auch viel dauerhastiger machte .
( C ) <£r hat seinen Rupferstich nebst einer hochmüthigen Unrer - schrift vor dem Titel seiner Bücher seyen lasten . ] Wir wollen den Sorbiere noch weiter hören . . . Von diesen schonen Gedanken hoffet er „ die Unsterblichkeit , und dieses laßt ihn den Sinn'pruch seines . Kupfer - , , stichs erklären , womit er den Titel seiner Werke schmücket , hac morta . „ les euadinius immortales . „ @iKWt , Güerre des Anteurs , geht noch übler Mit ihm um : Man laßt , sager er , auf der >6« , , 69 Holland . Ausgabe , zu ihm , euren beherztentpeifen , wegen desPetrarcha , gehen , den wir verehren ; imgleichen auch euren Berich : von der Staarsveränderunq Porrugalls : nur daß ihr euer Bildniß da - vor wegnehmet , deflen Unterschrift für einen Schriftsteller , wie ibe sevd , allzupralerisch ii ein Artikel , der nichts von der Wahrheit der drey vorhergelienden hat und nach des Apollo Willen sttszekrayr werden muß .
Nnnn Gretsen^

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