Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10447

Gregorius der VII .
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„ von dem Erzbischofe Laurentius , der sich sehr wohl auf den Gesang der „ Bogel verstanden , vom Gregorius dem VII , der die h . Hostie ins Feuer „ geworfen , den Tod des Kaisers beschworen , sechs Päbste durch seinen „ Verlrauten , Gerhard BrazutuS , mit Gifte vergeben , und die Zauberey „ von dem TheophylaktuS und Laurentius , Sylvesters Schülern , so wohl „ gelernct hatte , daß er durch Bewegung seiner Arme , Feuer und kleine „ Donnerknalle aus seinem Aermel hervor gebracht , gesagt hat . Allein «dieser Schriftsteller hat allzuviel gesagt , als daß man ihm glauben „ kann ; und wenn er ja Lust gehabt hätte , die Päbste zu verleumden , so „ hatte er es wenigstens mit mehr Bescheidenheit und Urtheilskraft thun „ sollen „ Apologie des grands Hoinines p . 555 . Diese letzten Worte sollten den satirischen Scribenten zu beständigem Nachdenken dienen . Indem sie allzuviel thun wollen , so thun sie nicht genug , ipfa fibi obftat magnitudo ; Florus in prooemio . Siehe die Anmerkung ( II ) zu dem Artikel Achillea . Sie bringen ihre Wahrheiten durch die untermischten Fabeln um alle Wahrscheinlichkeit . Sie würden viel weislicher handeln , wenn sie lieber etwas wegließen , als daß sie sich mir übersiüßigen Din - gen überladen . Hier darf man den Grundsatz der Rechtsqelehrten , Su - perflua non nocent , nicht anwenden . Der Grundsatz , dimidium plus toto , in der Anmerkung ( H ) des Artikels Achillea , sollte ihrer Feder zur immerwährenden Richtschnur dienen . Maimburg , Decad . de PEmpire p . »yv , bemerket , daß die wider Gregorius den VII herausgegebenen leumdungen ftch von sich selbst vernichtet hätten , rveil sie allzuheft tig und allzugrob durch eine blinde / Leidenschaft erfunden gerve - fen , die nichts saget , weil sie allzuviel saget / und von aller Xvahr» schemlichkeik allzuweit abgeht .
( QJ ) Man giebt vor , daß sein Rorper fünfhundertJahre nach seinem Tode fast ganz unverweset geftmden worden . ] Er war zu Salerno in der Kirche de« h . Matthaus begrabe» worden , die er kurz vor seinem Tode eingeweihet hatte . Man hat seinen Korper 157z sucht , und ihn mit dem pabstlichen Schmucke bekleidet gefunden . Hier ist die Grabschrift , die man dazu gesetzet hat . Siehe P . Jacobs , Biblioth . Pontific , Lib . I , p . 93 . Hier scheinen viele Fehler gemacht und von den Buch - druckern viele Worte in dieser Stelle vergessen , zu seyn . Gregorio VII Soan^nfi Pont . Opt . Max . Ecclcfiafticae Iibertatis vindici acerrimo , af - fertori conftantifiiino , qui dum Rom . Pontifkis audloritatem aduerfus Henrici perfidiain ftrenne tuetur , Salemi fandte decubuit , anno Dom . 108J , g Kai Iunii . Marcus Antonius Columna , Marfilius Bononienfis , Archiepifcopus Salernitanus , cum illius corpus , quingentos circitcr annos , facris amichim , ac fere integrum reperiflet , ne tanti Pontificis fepulchrum diutius memoria carcret . Gregorio XIII , Bononienfe fedente , anno Doniini 1578 pridie Kalendas Qiiintilis . Er ist >584 in das römische Märtyrerverzeichniß gesetzet , und sein Fest >59 ; gefeyert wor , den . Hiftoire des Ouvrages des Savans , Aprilmonat 1689 p . 166 .
CR ) Die SchuNschriften , die seine Anhänger geschrieben ha - ben . ^ Derjenigeder sich für diesen Pabst am meisten hervor gethan hat , ist ein deutscher Jesuit ? , Jacob Gretser ; er hat das gute Zeugniß her - vorgebracht , welches fünfzig sehr heilige und sehr gelehrte Schriftsteller , Gregorius dem VII gegeben haben . Unter diesen sind Paulus Bernrie - dentis und Gerochus , oder Gerhohus Reicherfpergenfis . Du PleßiS , Myfterc d'Iniquite , p . 246 , hat geglaubet , daß dieser Gerochus das Leben Gregorius des VII aufgesetzet , und etwas auf das Wort Johann Aven - tins darau« angeführet . Man will , daß er sich doppelt betrogen habe . Man behauptet gegen ihn , ( CoefFeteau , Reponfe auMyftere d'Iniquite p . 696 . Gretferus in Examine Myfterii PlelT . p . z ; 6 . ) 1 ) Daß chus dieses Leben nicht geschrieben , sondern in primo Libro de inueftiga - tione Antichrifti nur von verschiedenen Dingen geredet habe , welche die Streitigkeiten dieses PabsteS und des Kaisers betreffen ; 2 ) daß er dasje - nige nicht gesaget , was Du Pleßis angeführet hat . Man beweist eS durch das eigne Werk des Gerochus , welche« >611 zu Ingolstadt herauSge , geben worden . Rivet , Remarques für la Reponfe auMyfte'rc d^Iniqui - te p . >86 , antwortet , daß man sich auf diese Ausgabe nicht verlassen kön - ne ; um so viel weniger , da sie von dem Jesuiten Gretser verschaffet wor - den , der alles darinnen weglassen können . was er gewollt hätte . Dieser Jesuit behauptet ( in Proloquiis ad Gerochianum Syntagma , siehe ! auch fein Examen Myfterii Plefl . ' p . z ; ? ) daß die dem GerochuS beygelegten Worte , vom Aventinus sind . Man hat niemals hochmülhigere Minen gesehen , als die er sich wider diejenigen Leute giebt - , die sich nach seiner Schukschrift , und nach denen v ? m Sebastian Tegnagel , kaiserlichen Bu - cheraufseher , herausgegebenen Stücke^ noch erkühnen wollten , an der Un - schuld Gregorius des VII zu zweifeln . Quis Benno et Sieebertus , gor» VII calumniatores 5 fi conferantur cum tot fanch ( Tunis et dochf - fimis Scriptoribus a parte Gregorii VII ftantibus , «juorum in Apolo - gia pro eodem Pontifice , quinquaginta protulimus , recitatis eorum verbis ; ex quibus nonnulli interea integri in lucem venerunt , vt Paulus Bernriedenfis , et Gerochus , feu Gerhohus Reicherfpergenfis : vt taceam praeclara Hla antiquorum moniuiienta , quae in defenfionem Gregorii Vll iain olim fcripta , nuper ex tenebris eruit vir Clarifli - mus Dominus Sebaftianus Tegnagel , I . V . D . Caefareus Viennae Bi - bliothecarius - quorum fulgore tarn prifcorum , quam recentium in Gregorium VII conuicia adeo obnubilantur , vt iam non nifi a no - ßuis , vlulis , vefpertilionibus et nyöicoracibus , et fi quae funt alias huius generis caliginis patientes , lucis impatientes aues , confpician - tur . Gretf . in Exam . Myft . Flefl " . p . «9 , 360 .
Sollte es wohl möglich sxyn , daß Avemin dasjenige gethan hatte , was man ihm beymißt' ! Man giebt vor , daß er , um die Päbste desto boshafter verleumden zu können , voraus gefebet hatte , er habe die Satiren in alten Büchern gefunden , die von ihn , selbst geschmiedet worden . Quis vel obiter in Auentinö verfatus nefcit , Auentinum fine fronte in pontifi - ces maledicta iacere , et ne impudentia accufetur mentiri , talia a vete - ribus vel difta vel prodita de pontificibus , cum ipfe ex haeretico fuo cerebro omnia huius generis exfculpferit , et quae olim di & a vel pta voluiflet , difla vel fcripta fuifle , cynico prorfus ore affirmet . Ebendas . 354 S - Man will ihn dessen wegen des Gerochus überzeugen ; den er über Sachen angeführet hat , die nicht in dem Manuskripte dieses Schriftstellers sind . Dieses wäre stark : wenn den Verfechtern Aven - tins nicht eine lekte Ausflucht übrig bliebe ? nämlich , daß Gretser seine Ausgabe des Gerochus verfälschet hat . Rivet versichert es , n der oben angeführten Stelle Man kann wider diese Antwort Gretsers sagen , es sey nicht sehr wahrscheinlich , daß Aventin seine eignen Satiren Wer dem Namen eines alten Schriftstellers vorgebracht haben solm , weil er eine
sehr gute Anzahl alter Schkkftsteller finden können , die von dem römi - schen Hofe alles Böse gesagt haben , was man nur davon sagen kann . Man hatte nur diese Scribenten auftreten lassen dürfen ; die ehrlichen sten wissen sich so wohl zu beklagen , daß die Feinde des h . Stuhls , sich täglich bemühen , die Beweise und Verleumdungen , die ibnen in den guten Scribenten fehlen , unter den Gräbern und alten Rloa» Iren der Schismatiker zu suchen , und wie der Rccdtszelehrte chael Ritius , I^ib . de Eide Gallica , sehr wohl bemerket , Antiquos et manufcriptos libros in iatebrofis locis laboriofe euoluunt , et ex foe - tido puluere auctores quosuis excitant , quos licentiofe in ipfos Pon - tifices fcripfifle deprehendunt : ick beziehe mich dießfalls auf die Sammlung , die Matthias Flacius Illvricus in demjenigen gro , ßen rverke , welches Catalogus teftium Vcritatis , betitelt , davon gemachet hat : welches ich nicht bester , als mit dem Poneropolis des Philippus von Macedonicn vergleichen kann ; denn wie diese Stadt von nichts als Landesverwiesenen . Taugenichten , Ohnoh , richten , Seutelschneidcrn und allem Abschäume des Landes be , wohnet worden : so kann man aucl ? mit Wahrheit sagen , Saß , wenn man die verfälschten Stellen der Väter und Rirchcnver« sammlungen ausnimmt , dieses so weitläufige Verzeichniß mit nichts als alten mangelhaften Stücken und Brocken derjenigen groß gemacbet worden , die sich ehmals gegen die Rirche wider - späns^ig erzeuget haben , oder als faule und krebsartige Glieder von dem Rorper derselben abgeschnitten worden , dergleicben unter einer Million anderer auch der falsche Cardinal Benno ge« wesen . Naude , Apol . des grands honunes , p . zz i .
( 8 ) Der Urheber desEfprit desCours de l'Europe giebt vor , daß die «Lroberungli» der päbste nicht so schwer se^n können , als ich mir vorgefkellet habe . ^I Man kann seine Betrachtung in Zween Thei« le eintheile» und sagen , daß er in dem ersten die Gewalt der Pabste unvergleichlich und sehr fein durä>zieht , und daß er in dem andern die Leichtigkeit , sich groß zu machen , ohne Umschweis und im Ernste fest setzet , die sie seinem Vergeben nach gehabt haben . Die sinnreichen Ironien des ersten Theil« sind so beichaffen , daß ein Lehrer jenseit der Alpen leicht» lich dadurch erwischet werden , und sie im rechten Ernste als Beweise brauchen können . Dieserwegen wird eS nicht undienlich seyn , dieselben ein wenig genauer zu untersuchen . „ Istes nicht geschrieben , daß sich alle „ Knie auf Erden im Namen des unsichtbaren Oberhauptes beugen sol - „ len ? warum sollte das sichtbare Haupt nicht alle seine Feinde zur Erde „ werfen ? warum sollte es nicht alle diejenigen beschämet haben , die sich „ unterstanden haben , ihm zu widerstehen ? Das sichtbare Haupt handelt „ nur durch die Macht des unsichtbaren Haupts : wenn der Herr allezeit „ sieghaft ist , so muß es der Statthalter auch seyn . Dieß Wunderwerk „ ist ein Glaubensartikel : ja dieß ist noch zu wenig gesagt , es ist die gro - „ ße Triebfeder der Religion : die Religion muß nicht weniger den Kör« „ per , als den Geist , ihrem Reiche unterwerfen - kein Mensch bestreitet die - . „ ses : sie hat Recht über den ganzen Menschen : wie die Belohnungen „ nach dem materialischen Wesen , so wohl als nach dem aeistlicben , einge - „ richtet sind ; so müssen auch beyde das Joch der Gesetze über sich „ eh , „ men , und die Drohungen gehen auf alle beyde zugleich . - wenn dieser „ Grund einmal umgestoßen wäre , was würde aus dem h . Ketzergerichte „ werden ' ! Dieses göttliche Gerichte würde keine andere Stühe haben „ als eine barbarische Grausamkeit z und dieses heilige Rüsthaüs würde „ keine Waffen ' " sich lassen , die nicht bey dem Feuer der Hölle geschmie , „ det worden . Der Pabst ist also der Herr , sowohl über die Körp ! ? als „ über die Seelen ; und wie seine Gewalt über die Gewissen keine „ Schranken hat , so muß auch seine Macht über die Körper unüberwind - „ lich jeyn . Gehöret eö außer diesem nicht zu der wichtigen Oekonomie „ des Heils , daß die Macht von keinem geringer , , Umfange sey , als das „ Licht' ! Wozu würde es einem von Gott eingesetzte» Haüvre dienen , al , „ leS zu erkennen ; wenn es nicht die Gewalt hätte , auch über alles zu be - „ fehlen : fo wäre es diesem Herkules sehr » „ nützlich , die Ungeheuer des „ Jrrthums zu zerschmettern , wenn er nicht das Recht hätte , die Unge ? „ Heuer der Gottlosigkeiten zu Boden zu sd ) meißen . Dieses Recht begreift „ die Könige und Kaiser unter sich , welche , ob sie gleich über die Völker „ herrschen , nichts destoweniger Unterthanen der Kirche sind : die PäMfe „ haben diesen vornehmsten Unterthanen die Stirn gebothen so oft als sie „ sich wider diese gütige Mutter empöret haben ; sie haben ihnen eine „ unendliche Macht entgegen gesetzt : wie hätten die Päbste unterliegen „ finnen ? und dieß ist die Enrwickelung der rühmlichen und »nbeg e£ - „ chen Erfolge von der neuen römischen Monarchie . „ L'Efprit des Cours de l'Europe Nov . 1699 , p . 66z . Dieser ohne Ironie aenommene Discoure wurde diesen ernsthaften Vernunftschluß machen - so bald die Bischöfe zuRom als Statthattet Jesi . Christi angesehen wordm deren Gewalt über die Körper und Seelen keine Schranken hat ; so hat ihre Herrschaft über die Volker , und auch über das Zeitliche der Könige , sehr leicht eingesuhret werden könne , , . Allein eine Unterscheidung wird zu - reichend seyn , diese Schwierigkeit aufzulösen . Man setze immerhin vor - aus , daß Jesus Christus einen Statthalter in seiner Kirche eingesetzet hat ; so belehret uns dennoch die gesunde und richtige Vernunft , daß er ihn nicht als einen unumschränkten Herrn , und als den Schöpfer aller Din , ge , sondern als einen Mittler zwischen Gott und den Menschen , oder als den Stifter einer Religion , eingesetzet , welche den Menschen den Weg des Heils zeiget , die den Gläubige» dasParadieS verspricht , und den Unbuß - fertigen den Zorn Gottes drohet . Dieß sind also die Grenzen der walt des Statthalters , den Jesus Christus eingesetzet haben würde Dieser Statthalter würde aufs höchste nichts Mehr , als die «'ebre scheiden können , die selig machte , oder verdammte . Er würde " nachdem er die Verheißungen des Paradieses , und die Strafen der Hölle digt hätte , und nachdem er die Unterweisungen , die Verweise und deralei - - che» andere Wege der Ueberzeugung und der geistlichen Führuna ange - wendet hatte . Gott allein die Vollstreckung der Drohunqen , nicht allein in Absicht auf die Strafen des andern Lebens , sondern auch in Absicht auf die körperliche Züchtigung dieser Welt überlasse» . Jesus Christus selbst hat nicht ander ? verfahren . Er ist dem wahren Geiste der Religion mit der au ßersten Sorgsalt gefolgt , welcher in der Erleuchtunq und Heiligmachuna der Seele , und in der Führung zum £ci ( e durch die Ueberzeuguna besteht , ohne day er sich nach der Staatskunst der Gewalt anmaßet , die Halsstarrigen und Ungläubigen körperlich zu strafen , davon er eine' un> endliche Menge gesunden hat ; den» es ist nicht wahr , daß das Hauet und der Herr der Kirche in diesem Stücke allezeit sieghaft ist . Siehe

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