Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10439

646
Gregorius der VII .
Barmherzigkeit Gottes und die Gerechtigkeit ver Sacke , die ihn fein Eifer zu vcrtheidiaen angetrieben , versichert hatte , daß Gott feine N ? : dersackerzu Grunde richten würde , und daß die von sei - nerpartey in kurzem siegen würden , dock ohne Bestimmung eines Tages , wie ihm die Abtrünnigen vorgeworfen haben . „ Hiervon , „ sager Baronius , haben des Gregorius Feinde Gelegenheit genommen , „ ihn zu lästern , und einen falschen Propheten zu nennen : als wenn er „ hätte voraus sagen wollen , das , Heinrich bald sterben sollte , und viele „ andre solche Sachen mehr , ob er gleich niemals willens gewesen , noch „ Profeßion davon gemacht , dieses aus einem prophetischen Geiste zu sa - „ qeii . sondern nach dem gemeinsten Laufe der Sachen geredet , indem es „ sich sehr oft zuträgt , daß der Mensch dasjenige erndtet , was er gesäet „ hat : und dabey sich Gregorius , der sich auf die Gerechtigkeit seiner „ Sacke verlassen , gleichwohl gewiß versprochen , daß sie Gort siegen lassen „ würde : welches alles zusammen genommen , saget er , die Wahrheit zei - „ gen wird , wenn man betrachtet , was Heinrich und seine Anhänger für , . ein erbärmliches Ende genommen haben . , . Man hat demCoesseteau folgen - desqcantwortet . - Er solle betrachten . daß Baronius dieses bey Gele - qcnheit eines Briefes sage ( Regift . lib . 8 , c . 7 . ) den Gregorius an die Bischöfe , seine Brüder , und andre Glaubige gesckrieben . von wel - ckem es wahr ist , daß die rvorre seine Auslegung leiden können . Allein dieses beweist nickt , daß der pabst nickt an einem andern Örte ander« geredet habe . Und überhaupt ist dasjenige , was man ihm vorwirft , etwas ganz anders , nickt in einem Briefe , sondern in einer öffentlichen Predigt gesagt , die er in päbstlichem Schmucke gehalten hat , mit diesen Ausdructungen : Haltet mich in Zukunft nicht mehr für Pabst . sondern stoßet mich von dem Altare , wenn diese Prophezeyuug nicht auf das St . Pemisfest in ihre Wirkung geht . Das schlimmste war , daß die mir Gelde bestockenen Meuchelmörder ihren Srreick nickt hatten anbringen können , so . daß er 5» seiner Rechtfertigung seine Sage umkehren , und seine Vorhersagung auf den Seelentod des Raiser - Hemricks ten müflen , weil er ihn OemRorper nack nickt hatte rödren kon - nen . River , Remarques für la Reponfe au Myfte're d'Iniquite' , II Part . p . 182 .
Es ist leichtlich zu sehen , daß der Einwurf des Du Pleßis feine ganze Stärke behält , weil die aus dem Baronius abgeschriebene Antwort des Coeffeteau gar nichts tauget . Man muß also sagen , daß sich Hildebrand darein gemischet hat , solche Dinge zu prophezeyen . welche der Ausgang gar bald beschämet hat . Man betrachte diese Worte P . MaimburgS wohl , Decad . de l'Empire p . 281 . Er harCircularbriefe ( L . 8 . Ep . 7 . ) an alle Gläubige gesckrieben , und insonderheit an die aus der Provinz Ravenna . sie zu vermögen , mir den normandiscken zen einen Bund wider den Gegenvabst zu macken . Er hat dre dergleicken an die Fürsten inDemsckland gesckickt , sie aufzu - muntern , wider - Heinn'cken zu feckten , und beyden versprocken . daß sie einen herrücken Sieg erhalten würden . Allein es hat sick zum Unglücke für ihn eräuget , daß der Erfolg seinen Ver - spreckungen ganz zuwider gewesen : denn drey Wocken nack der Untersckrift 'seiner Briefe , die vom ; wey und ranzigsten des - Herbstmonats sind , haben die zwey Rriegsheere - Heinricks und Rudolphs , an dem Uftr der Aelster bey Merseburg in Sackst» sick hirzig herum gescklagen , ( L . 8 , Ep . 9 . ) Rudolph ist in dieser Schlackt erschlagen worden . Hier ist ein Dilemma : Entweder Hilde - brand hat geglaubet , daß seine Prophezeyung erfolgen wird , oder er hat es nicht geglaubet . Wenn er es geglaubet hat , so muß nian ihn einen falschen Propheten nennen - . allein , ist seine Absicht bloß gewesen , die Auf - rübrer aufzumuntern , so muß er ein Betrüger heißen , der aus cilier fluchten SraatSkuiist die Heiligkeit der Prophezeynng , und die Ehre de« Namens Gettes seinen zeitlichen Absichten aufgeopfert hat . Wir haben in unsern Tagen einige Ausleger der Offenbarung Johannis gesehen , wel - che in di° Verwirrung eines gleichen Dilemma verfallen können . Hilde - braudS Betrug erinnert mich des Artikels Deiorarus in der Anmerkung CK ) Wenn man sich einlaßt , zukünftige Dinge vorherzusagen , so versieht man sich vor allen Dingen mit einer ehernen Stirne und mit einem un - erschipfiichen Vorrathe von Zwehdeutigkeiten , damit man die Begeben - Heiken , sie möge» sich wenden , wie sie wollen , auf sich ziehen kann . Sind die Feinde nach der Welt glücklich , so versichert man , daß sich ihre Verstockung vermehret , und dieses sey das wahrhafte Unglücke , das man zuvor gesagt habe . Hier ist Hildebrand . der dasjenige auf Heinrich« Seelentod deutet , was er sich von dem zeitlichen Tode dieses Kaisers vor - herzusagen erkühnet batte . Worzu konnte es Rudolphen dienen , daß Heinrich der I V nach Verlauf vieler Zahre verdammet werden sollte , da Rudolph zuvor in einer Schlacht erschlagen werden sollte , die dieser Kai - fer gewinnen würde 1 Was war für ein Sinn in der verkündigten Ver - dammung Heinrichs des IV , eines Prinzen , der ehstens über seinen Ne - benbuhler siegen sollte ? Dieser Sieg wäre die erste Sache gewesen , die man hätte zuvor sagen sollen , wenn man ein wahrhafter Prophet sen Jd ) bemerke dieses , damit man die Eitelkeit von der Ausflucht des Pabstes , Gregorius des VII , sehen möge .
( 0 ) Die Sckriftsteller , die von ihm reden , widerlegen ein - ander 1 Es ist gewiß , daß sie auf zwo Ausschweifungen versallen sind . ' einige wider den Pabst Gregorius den VII , die andern wider dm Kaiser Heinrich den IV . Maimburg beschreibt dieses so glücklich , daß ich besser thue , wenn ich mich seiner Ausdrückungen bediene , als wenn ich deswegen erst andre suche . Dieser Streit , saget er in dem Verfalle des Kaiserthums p . 116 , 217 welcher ganz Europa zcrtheilet , und einen Theil davon wider den andern in die Xvsffen gebrackt , hat die Geister der Sckriftsteller , die davon gesckrieben haben , dermas - ftn getbeilet und erhitzet , daß ick versickern kann , man habe nie - mals so viele - Hitze , so viele Bitterkeit , und so viele - Heftigkeit , nock so viele unordentlicke Bewegungen gesehen , als in den N ? er - ken derer ersckienen sind , die eine oder die andre partey zu ver - theidigen und zu unterstützen unternommen , und wegen der & . ei - densckait und Meynung . davon sie eingenommen gewesen , nickt einmal haben leiden wollen , daß man dieselben unrersucket , dern allezeit auf da« äußerste verfallen sind . Denn außer , daß sie Sie allerbeftigsten Sckimpfworte nickt sparen , damit sie ein ander , wider alle Regeln ick will nickt sägen des Christen rhums , sondern der 'bürgerlichen Ehrbarkeit und so gar der Mensckli'ckkeit / erbärmlicher weist überhäuft» : so lasten , die ei ,
nen , nack dem sckismatiscken Cardinale Benno , den Nackruhm Gregorius des VIl auf die entsetzlichste Art von der XDtlt , und macken den allerboshaftesten und verfluckenswürdigsten unter allen Menschen aus ihm ; die andern hingegen wollen , daß er in allen Vollkommenheiten vortrefflick gewesen , die sick für einen großen Pabst schicken , und können nack ihrem Erackren nickt L . o - beserhebungen nock prächtige - Lobsprücke genug für ihn finden . Von den Geschichtschreibern desftlben Jahrhunderts desto besser zu urthei« len , ist dienlich , dasjenige zu Rache zu ziehen , was für und wider die Ligue unter Heinrichen dem Iii , und unter Heinrichen dem I V geschrieben wor - deii . Wie viele Fabeln und wie viele Verleumdungen hat man nicht da - mals herausgegeben ? Ich enthalte mich der allzufrischen Deyspiele , uud bin gewiß versichert , eS werden die allereingenommensten Geister mit mir einig seyn ; daß die zukünftigen Zeiten höchst ungerecht handeln würden , weiin sie von unsern vornehmsten Personen nach den Schmähschriften unheilten . die alle Tage von dieser Partey gedruckt werden z worinnen ein jeder mit der äußersten Kühnheit alles vorbringt , nicht allein was er weis und selbst erdichtet hat , sondern auch was er auf den Straßen zu - sammen raffet . Ich habe dieses 169 ; geschrieben .
( P ) Dasjenige , was sie wegen seiner Zauberey vorgegeben ha» den , hat da» vollige Ansehen einer - Hirngebuct . ] Der Cardinal Benno saget davon , ( Siehe duPleflis Mornai , Myftere d'Iniquite , p . 248 , - 249 - ) daß er die Zauberkunst vom Theophilakrus , welcher der Pabst Benedi - ctuö derIXgewesen , vom Laurentius , seinem Gefährten , vom Erzbischofe von Melfis und vom Johann , dem Erzpriester von St . Johann Porta Larina , welcher der Pabst Gregorius der VI gewesen , gelernet : welche sick darauf gelegt , vermittelst de« Umganges mit den Teufeln , und des Fluge» und Gesanges der Vogel ( ♦ ) Zeitungen aus den ferntesten Landern von Sem Ausgange der Rriege und dem Tode der Prinzen vorher zu sagen . Daß er , so lange als sie geleber , auck selbst bey der pabstlicken XVürde , der vornehmste Diener und Mitgehülfe ihrer ? auberey gewesen > - Daß er , da er einsmals nack Alba gekommen , eines von seinen Bückern der schwarzen Runst vergessen gehabt ; ohne welches er selten wegzu - reisen pflegen , und solckes bey seinem Eintritte in dem Thore des Laterans wahrgenommen , zween von seinen vertrauten Dienern zurückgeschickt , dasselbe zu hohlen , mit dem ernstlicken Verbocke , es zu eroffnen ; daß aber dieselben aus Neubegierde es gelesen , und daß sick so gleick die Engel des Sarans in großer Anzahl vor ihnen gezeigt , worüber sie in solckes Sckrecken gesitzer wor - den waren , daß sie fast die Sinnen darüber verlohren hätten . Es wäre ihm was gewöhnliche» , rvenn er seine Aermel te , daß Feuer und Flammen heraus führen , » , sw . Coeffeteau klaget sich p . 704 über das u . f . w . des Du Pleßis : „ er vergißt das Beste , . . sagt er , denn Benno setzet dazu , daß die bösen Geister in die zwee» „ Diener gedrungen : sie sollten sagen , warum sie sie gerufen harten , „ und warum sie ihnen so viele Besckwerlickkeiten machten« „ Befehlet uns gesckwinde , was ihr von uns haben wollet haben „ diese manierlichen Teufel zu den Dienern gefaaet , sonst werden wir „ uns an euck halten , und ihr werdet Verdruß davon habe» . „ Der jüngste hat zu ihnen gesagt : Gesckwind werfet diese tNau - „ ern um ; und indem er dieses gesagt , hat er ihnen die hohen „ Mauern von Rom gewiesen , welches in der Nahe war . So „ gleick haben diese Geister die Mauren von Rom niedergerissen , „ und die zween Diener sind mit Vorscklagung des Rreuzes ganz - „ ersckrocken zu ihrem - Herrn zurückgekehrt . , , Coeffeteau will , daß sichDuPleßi ? qeschämet hätte , dieses letzte Mährchen in sein Buch zu schreiben , da kein einziger Sckriftsteller von der Umwersung der Mauer» zu Rom geredet hat . Gort behüre mich , daß ich den Du PleßiS , unter dem Verwände einer Arglist beschuldigen sollte , daß er das - jenige mit Fleiß unterdruckt hätte , was in dieser Stelle des Benno am handgreiflichsten erdichtet ist : allein ich getraue mir wohl , zu sagen , daß es nicht übel gethan gewesen wäre , wenn er sich bey dieser Ge legenheit des u . s . f . enthalten hätte . Sein Vertheidiger will , daß Coessetean bier der Verfälscher fey : Rivetus , Remarques für la Reponfe au Myftere d'Iniquite p . 193 . P . II . Er hätte nickt auf den Rand setzen sollen , saget er , daß kein einziger Schriftsteller desselben Jahrhunderts von Umwer - fung der Mauern zu Rom geredet harte . Benno hat eben so wenig davon geredet ; er saget nur von diesem jungen Menscken , often - dit illis muros altos vicinos Roniae , qnos j» momento maligni fpiri - tus deiecerunt - daß er ihnen die hohen Mauern nahe bey Rom gewiesen , welche diese bösen Geister in einer Minute zur Erde geworfen . Also har er nickt von den Mauern Roms gereder , bey welcker Stadt ja wohl einige alte Gemäuer umgefallen seyn können , ohne daß die Gefthicktsckreiber derselben erwähnet ha - ben . Die Aufrichtigkeit , daraus ich mir eine Ehre mache , erlaubet mir nicht , mich hier wider den Coeffeteau zu erklären ; denn ich bin versichert , daß man ihn ohne genügsamen Grund tadelt : muros altos vicinos Ro - mae , sind die Mauern Roms selbst , von welchen diese Leute nicht weit waren , und keine Mauern , die in der Nachbarschaft Roms gewesen . Solche Zweydeutigkeiten sind in der lateinischen Sprache ! Was ist dieß nicht für eine Quelle der Streitigkeiten .
( * ) Coeffeteau . Reponfe au Myftere d'Iniquite p . 704 saget , es habe Benno von diesem Laurentius »ngesühret , daß . da eines Tages ein Sperling in Gegenwart vieler Prälaten gesungen , ihn einige gefragt hatten : was dieser Vogel sage ? und daß er ihnen zur Antwort gegeben ; dieser Vogel saget zu andern Vögeln , daß sie eilends nach der großen Pforte fliegen sollten , wo jetzo gleich ein Bauer seinen Wagen zerbrochen , der mit Hirsen beladen gewesen , welche verschüttet worden : er habe sie also eingeladen , dahin zu gehen , und ihren Theil davon zu fressen ; und daß sich hierauf verschiedene nach dieser Pforte begeben , und die Sache so funden hätten , wie er gesagt gehabt .
Ich will hier das Urtheil des Naude über die Erzählungen des Carbi - nals Benno anführen . „ Ich würde mich schwerlich überreden , daß man «so seltsame Dinge von dem allergrößten Bösewichte sagen könnte , als „ dieser Schriftsteller von einem foichen Pabste , und bey dessen Gelegen - „ heit vom Sylvester dem II , Johann dem XX . und XXI und BenedictuS „ dem IX gesaget hat , die nach seinem Vorgeben vermittelst der schwarzen „ Kunst zu wege gebracht , daß ihnen die Frauenspersonen durch Wälder „ und Berge nächgelaufen , und viele zukunftige Dinge wahrhaftig vorher „ gesaget haben ; obgleich diese Fabeln nichts gegen dasjenige sind , was er
V

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.