Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10425

Gregorius der VII .
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de l'Enip . p . 248 . „ 3dj finde auch , baß , als Hermann , Bischof zu Metz , dem „ Gregorius seine Schwierigkeiten über diese Materie schriftlich vorgetragen , . und ihn unter andern Dingen gefragt hat , was er denjenigen antworten sol - „ le , welche behaupteten , daß der Pabst den König weder absehe» , noch dessen „ Unterthauen den Eid der Treue erlassen könne , wie er in den letzten Syn - «odo zn Rom gethan hätte , er ihm rund heraus und ohne Bedenken geant , „ worret , ( Lib . 4 . ep . - 5 . ) daß er es mit dem größten Rechte nach dem „ Gebrauche und den Gewohnheiten seiner Vorfahren thun können , wel - „ che Könige und Kaiser in den Bann gethan , und sie des Kaiserthums und „ ihrer Königreiche beraubet hätten . Gleichwohl versichert uns Otto „ von Freysingen , ein sehr gelehrter und heiliger Bischof , der vollkommen „ wohlgesinnt gegen die Pabste gewesen , und oft vom Cardinale Baronius „ gelobet worden , mit großer Aufrichtigkeit , daß er ( * ) nach sehr genauer „ Durchlesung der Historien niemals gefunden , daß ein einziger Pabst „ vor diesem dergleichen unternommen hätte . „ Siehe den P , Alexan - der Seledt . Hiftor . Cap . See . XI et XII , P . II , wo er voraus setzet , daß Gregorius der VII von seinem Secretär betrogen worden , der ihm falsche Urkunden angeführet hätte .
( * ) Lego et relego Romanoriim Regum et Imperatorum gefta , et «liisquam inuenio quemquam eorum ante hunc a Romano Pontifice vel exeommunkatura vel regno priuatuni . Otto Frifing . Chron . lib . 6 , c . 35 .
( I ) Der Raiser hat sich den allerunerhortesten Niederträchtig , keiten unterwerfen müssen . ] Er ist ja Anfange des ^Vinters mit feiner Gemahlinn und einem von seinen Rindern nebst einem klei , nein Gefolge abgereist , und in der härtesten Witterung Oer Iah - reszeit mir Sen größten Beschwerlichkeiten , welche gegen einen gemeinen Reisenden hatte Mitleiden erwecken können , ge denn gegen einen so großen Prinzen , der in einen so elenden Zu - ( tanö verseyt war , über die Alpen gegangen . Maunbourg , De - »dlich Durch das beständige Anhalten dieser Prinzen mehr beschweret «ls beweget oder nur gerühret fand , so hat er ihnen tet , daß er sich endlich entschließen wolle , p ? eil sie es so verlang - een , ihn loszusprechen : jedoch unter der Bedingung , damit es vor aller XVelt erscheine , daß er von einer wahren Reue wegen sei - ner Empörung gerühret fey ; so müsse er ihm vor allen Dingen feine Rrone und die andern königlichen Rleinodien überschicken , nach seinem Millen damit zu schalten , und öffentlich bekennen , daß er , nach demjenigen , was er auf der schandbaren Xvinkelver - sammlung zu Worms gethan , unwürdig fey , weder Rönig noch Raiser zu seyn . Die Prinzen sind vor dem Pabste auf die Knie ge - fallen , ihn im Namen Gottes zu beschwören , mit etwas erträglichem vergnügt zu seyn . Sie haben mit vieler Mühe erhalten , daß er end - lich immerhin kommen könne , wenn er losgesprochen seyn te ; aber zur lLrhalmng dieser Gnade sich entschließen müsse , au - Oer diesem puncte alles zu rhun , was man ihm zur Buße aufer - legen würde . Ebendas . S . Der Kaiser ist alles eingegangen . „ Er hat sich vor dem ersten Thore der Festung gemeldet , und mit einer „ ungemeinen Demmh erwartet , was man von ihm verlangen wurde . „ Erstlich hat er ganz allein hinein gehen , und alle seine Leute draußen „ lassen müssen , auf ihn zu warten , und ihn zu begleiten , wenn er wieder „ zurück kommen würde ; welches in Wahrheit eine sehr kutzliche Sache «war , die nicht leicht ein anderer Prinz eingegangen seyn wurde . Denn „ kurz , dieses war eben so viel , als wenn er sich denen mit gebundenen „ Händen und Füssen überliefert hätte , die nach ihrem Gefallen mit ihm „ umgehen , und ihn in einem Platze gefangen behalten konnten , der für „ unüberwindlich gehalten wurde , und woraus ihn feine Leute niemals , , wieder hätten retten können . Ueberdieß hat man ihn , da er durch die „ erste Befestigung durch gewesen , bey der andern angehalten , wo er alle „ Merkzeichen der königlichen Majestät ablegen , und nach Beraubung „ seiner Kleider , einen schlechten langen wollenen Rock , wie eil , Harnes „ Bußhemde ( * ) , anziehen , und in der strengsten Winterkälte in bloßen „ Füßen , denn es ist zu Ende des Jenners gewesen , , und nüchtern , ohne „ das geringste zu sich zu nehmen , von Morgen bis an den Abend bleiben , „ und mit großem Wehklagen um die Barmherzigkeit Gottes und des „ Pabstes flehen müssen . Das allerseltsamste dabey ist gewesen , daß die - „ ser arme Prinz in einem so kläglichen und beschwerlichen Zustande drey „ Tage hinter einander bleiben müssen , ohne daß man durch häufige , . THränen und Bitten von dem Pabste hätte erhallen können , ihn eher „ zu seinem Tröste vor sich zu lasse : ? . Ja , die Sache ist so weit gegangen , „ daß , wie er selbst in seinem Briefe an die deutschen Fürsten bekennet , „ wo er sich aus dieser außerordentlichen Scharfe eine Ehre machet , alle , „ die bey ihm gewesen , darüber gemurret , und sich über diese außerordent - „ lich ? Gemüthshärte nicht sattsam verwundern können ; und einige dar - - „ unter haben so gar öffentlich gesaget , daß diese Aufführung mehr der „ barbarischen Grausamkeit eines Tyrannen , als der gerechten Scharfe ei - „ nes apostolischen Richters gliche . ( * * ) Dieß sind die eignen Worte , „ des Gregorius , wie sie vom Cardinal Baronius angeführet worden .
t - ( Ebend , 260 S . ) Es hat wenig gefehlet , daß die Geduld die - „ ses Prinzen , zu Ende des dritten Tageseiner so harten Buße , nicht aus - „ gerissen ist , und er hat im Begriffe gestanden , alles zu brechen , - - „ als die Gräfinn Mathildis die Sache mit mehr Eifer unternommen , qls „ sie gethan hatte : denn damals hat sich Pabst Gregorius , der dem instän - „ digen Anhalten einer so großen Prinzeßinn , gegen welche er so viele „ Verbindlichkeit hatte , nichts abschlagen konnte , endlich entschlossen , „ Heinrichen des vierten Tage« Vormittages vor sich zu lassen , und ihn „ mit der Kirche unter diesen Bedingungen zu versöhnen ; daß er sich „ Sem Urtheile des pabstes unterwerfen , zu der Zeit und an dem , . ( * ) Malmesburiensis sehet dazu , mit einer Sckeere und Ruthe in ver - Hand , als wenn er sich unterwürfe , bescheren und gepeitscher zu wer -
den . Du Plcflis Myftcre d'Iniqu . p . 242 , 243 .
( * * ) Vt pro eo multis preeibus et laerymis intercedentes , omnes quidem infolitam noftrae mentis duritiem mirarentur , noniiulli vero in nobis non apoftoticae feueritatis grauitatem , fed quaii tyrannicae feritatis crudelitatem efle claiuarent . Greg . L . IV , Ep . 12 et ap . Bar . An . 1077 , n . 17 .
( K ) Alle seine Anhänger haben fast eben dieselbe Scharfe fahren . ] „ Er hat sich nicht viel gelinder gegen die deutschen Bischöfe „ und die andern , so wohl Geistliche als Layen bezeiget , die ein wenig zu , „ vor angekommen waren , sich zu seinen Füßm zu werfen , und die Los« „ zählung von dem sich zugezogenen Banne zu erhalten . Denn er hat „ sie vor der Lossprechung , jeden absonderlich in kleine Zellen , als in Ge , „ fängnisse , verschließen , und sie darinnen ziemlich lange , wider die wohnheit ihres Landes , sehr strenge fasten lassen , wo das Fasten wegen „ der Kälte viel schwerer zu halten ist , als in Italien . „ Ebend . 259 S . Das Fasten ist ohne Zweifel , eine von den beschwerlichsten Kasteyungen , die man den mitternachtigen Völkern , und vornehmlich reichen Personen auflegen kann , welche von Jugend auf gewohner sind , sich gm zu nähren , und lange Mahlzeiten zu halten , wobey man , wenn man viel isser , noch mehr trinket . Wenn die christliche Religion in diesem Lande den fang genommen hätte , so dünkt mich nicht , daß es eben dieselben Regeln der Mäßigkeit und des Wachens in die Levanre geschickt haben würde , die aus dem Morgen nach Mitternacht gekomme» sind . Man sehe die
Klagen , die wider den Cardinal Alamandus geführet worden , in der
Anmerkung ( A ) feines Artikels .
( L ) Er hat den Raiser ganz von neuem in den Bann gethan , und abgesetzt . ] Gr entsetzet ihn durch diesen donnernden Bann - spruch t^Conc . Rom . 7 , 1 . 10 , Concil . par . Ausg . ) des Raiserrhums lind der Ronigreiche Deutschland und Italien , er spricht alle seine Ünterrhanen von dem Gide der Treue los , den sie ihm geleistet haben , und , welches er bis hierher noch nicht hatte thun wollen ; er bekräftiget die Xvahl Rudolphs , welchem er eine reiche goldene Rrone zugeschickt , um welche eine Schrift in Versen gestanden , des Inhalts - daß Jesus Christus , welcher der mystische Eckstein ist , und welcher dem Petrus den königlichen - Hanptschmuck gege» ben , denselben durch die Person des Gregorius dem Rudolph gebe . Petra dedit Petro , Petrus diadema Rodoljpho . Dieß sind die Worte des P . Maimburgs p . 278 in dem Verfalle des Kaiferrhums . Wenn es wahr ist , baß der P . Hildebrand ein Zimmermann gewesen , so haben wir hier einen Beweis , daß die alleraufgeblasensten Herzhaftigkeiten aus den He , fen des Volks entstehen können . Was kann man aufgeblaseners , als un» sern Hildebrand sehen ? Hatte er sich es nicht angelegen seyn lassen , die Ronige zu erniedrigen , weil sie , saget er , sich allzuhochmürhig auf , führten , und er ihnen durch seine Scharfe Mittel darbierhen le , demüthig zu werdend k - regor . Epift . ad Heriman . Epifc Met . de Excomnnmic . Henrici IV , beym Maimburg , im Verfalle des Kaiser , thums , 259 S . Imperatoribus et Regibus , caeterisque Principibus vt elationes maris , et fuperbiae fludlus coinprimere valeant , arma humi - litatis , Deo auöore , prouidere curamus : proinde videtur vtile , nia - xime Imperatoribus , vt cum mens illorum fe ad alta erigere , et pro fingulari vult eloria oble & are , inueniat , quibus fe modis humiliet , at - que vnde gaudebat , fentiat plus timendum . Man merke , daß Maim - bürg dasjenige verwirft , was man von Gregorius des VII Vater gesagt hat . Hier sind seine Worte p . 218 . Die gemeine Sage , daß er eine« Zimmermanns Sohn gewesen , und da er als ein kleines Rind ge - spielt , durch die zusammengelesenen Spane Buchstaben gemacht , die von ungefähr diesen Vers des Psalms zusammen geseyet : Do - minabitur a mare vsque ad mare , er wird von einem Meere bis zum andern herrschen ; ist eine bloße Label .
( M ) Man hat dem - Hildebrand unter andern Verbrechen die Zauberey schuld gegeben . ] Dieß erhellet aus dem wider ihn gefpro - dienen Urtheile . Du Plegie ? Mornai gedenket desselben weitläuttig . Damals , saqet er , Myfte're d'Iniquite , p . 244 , im 1080 Jahre haben sich auch die Bischöfe aus Italien , Deutschland und Gallien zu Bri , fett in Bayern , ( oder vielmehr in Tyrol ) versammlet , und den - Hilde - brand »regm Herrschsucht , Retzerey , Gotteslästerung und Rir - chenraub von neuem verdammer ; „ weil er , sagen sie , ein falscher „ Mond ) , Zauberer , Wahrsager , Traum - und Zeichendeuter ist , übel von „ der christlichen Religion »«heilet , das Pabstthum wider die Gewohn - „ beit der Borfahren , und wider Willen aller Redlichen angenommen hat , , , u . s . w . Ein geschworner Feind des Kaisers und des Reichs , ein Ver - „ fälscher des göttlichen und menschlichen Rechtes , der an statt des Wah - „ ren das Falsche , das Böse an statt des Guten lehret , u . s . w . Der Lärm - „ Maser aller Bosheiten , der Gönner eines Tyrannen , der Zwiespaltsstis - „ ter unter Brüdern , Verwandten und Freunden ; da dieser schöne Mann „ leugnet , daß die Priester , welche rechtmäßigeEhweiber haben , keine wahren „ Priester sind , und gleichwohl Hurenjäger , Ehbrecher , Blutschänder , u . d . „ m . zu den Altären treten läßt . Wir erklären ihn , vermöge der Gewalt „ Gottes des Allmächtigen , des Pabsithums entsetzt , und befehlen , wenn „ er nicht von sich selbst davon abtritt , daß ihm der Zutritt dazu auf ewig „ verschlossen seyn soll . Sigonius , der diests Urrheil auch erzählet , „ brauchet in Ansehung desselben diese Ausdruckungen , manifc - „ dum Necromanticum , pythonico fpiritu laborantem , ctneit off - nba - „ ren Zauberer , und Der von einem pytbonifeben Geiste beflffcit »ist . , »
( N ) Der Raiser hat ungeachtet der Prophezeyunaen des pab - stes zwo Schlachten - , - gewonnen . ] Hildebrand hat um Rudolphen und den Sachsm einen Muth zu machen , versichert , er wisse vermittelst der Offenbarung , daß dieses ^ahr ein Afterkonig umkom - men sollte , welches er auf den Kai , er Heinrich den IV ausgelegt ; und trenn dieses nicht wahr wäre , hat er dazugesehet , und nicht noch vor dem petrusfeske geschähe , so wolle er nicht pabst seyn . Dn PIeßiS p . 244 entlehnet dieses vom Sigebert , und bemerket , daß Ru - dolph auf das rvort dieses Orakels die Schlacht bis zu vierma - len , andere sagen sechsmal , wieder versucht , und dieselbe nicht al , lein nebst der rechten - Hand , womit er dem Raiser den Eid der Treue geleistet , sondern auch das Jlebei» darüber verlohren . Coeffeteau , Reponle au Myftere d'Iniquite , p 692 , antwortet , es scy der CardinalBaroniusdieser Verläumdung zuvorgekommen , und babe bewiesen , daß Gregorius die Offenbarung , die ihm seine Feinde vorwerfen , gehabt zu haben , niemals gesagt , sondern nur in ganz allgemeinen Redensarten , in dem Vertrauen auf die M m m m z Barm ?

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