Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10418

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Gregorius der VII .
sv ) Der Cardinal le Vlanc - - - hat ihn wegen so vieler Verbrechen anzeklagr . ^> Um seine einklagen zu erkennen , darf man nur das Urtheil sehen ; welches die Versammlung zu Worms wider den Pabst gesprochen hat : ich führe es nach der Übersetzung des Du Pleßis Mornai an . Myftere d'Iniquite' , p . 240 . Er führet an , Avent . Anna ! . Bojor . Lib . V ; Lambert . Schafnab . de Rebus Germ . ; Carol . Sigon . de Regno Italix , Lib . IX ; Autor . Vitae Henrici . - HilvebranS , der sich ( Bteaothia nennet , ist der erste , der sich ohne unsere Emwilli - gung , wider den rvillen des von Gort eingesetzten römischen Kaisers , wider die Gebräuche der Vorfahren , und wider Sie Gesetze , durch seine von langer Hand fortgesetzte bloße - Herrsch - - suckt jur pabstlichen Würde geschwungen ; er will alles thun , was ihm in den Ropf kommt , per fas netasque , es sey recl ) t oder unrecht . Er ist ein abtrünniger Mönch , der die Gottesgelahrt - heir durch neue Behren verdreht hat , der Sie heilige Schrift Durch falsche und gezwungene Auslegungen nach seinen Absichten bequemet , die Eintracht desCollegii trennet , geistliches undwelt - liches unter einander wirft , den Teufeln und den - Lästerungen der boshaften die Ohren eröffnet , selbst Zeuge , Richter , Anklager und Part ist : er scheider die Ehmanner von den Khweibern , er zieht die - Huren den ehrlichen Frauen , die - Hurereien , Slutschan - Sen und Lhbrüche den keuschen Ehebetten vor ; er wiegelt vie Volker wider die Priester , den Pöbel wider die Bischöfe auf , er will überreden , daß keiner tüchtig geiveihet ist , als der das Priesterthum von ihm erbettelt , und ab eius Aunfugis von feinen Blutegeln erkaufet hat ; er h , «ergeht , berrie« , und locket Sie Gemeine durch eine ver , kellte Religion , er handelt in fenatulo nuiliercularum , in einem Staatscabinette der xveiblem , d , e ge - heiligten Geheimnisse der Religion ab ; er hebet das Gesetz Gor - tea auf , er übernimmt zugleich das pabstrhum und das thum ; er ist ein Verbrecher der beleidigten göttlichen und weit - lichen Majestät , der einen gesalbten Raiser , einen sehr gütigen Prinzen so wohl des Staats , als des - Gebens berauben will : wegen dieser Ursachen erklaren ihn der Raiser , die Bischöfe , der Rath und das christliche Volk für abgesetzt , und wollen die Schafe Christi nicht langer unter 0er - Hut eines solchen XZ ? olfes lassen .
( E ) Er sprach den Bannfluch wider den Raiser aus . ] „ Und „ dasjenige , was noch kein einziger Pabst jemals gethan hatte , er hat ihn „ der Kaiserwürde , und seiner Königreiche Deutschland und Italien be - „ raubt ; er hat alle seine Unterthanen , kraft der pabstlichen Gewalt , des „ Eides der Treue , den sie ihm geleistet , entbunden erkläret , und nach die - „ fem ( Greg . Lib . III . Lp . VI . und Lib . IV . Lp . II . und III . ) noch Eircu - „ larschreiben an alle Bischöfe , und an alle Fürsten in Deutschland ge - „ schickt , in welchen er , auf den Fall , wenn Heinrich in seiner Empörung „ wider den H . Stuhl halsstarrig beharrete , ihnen , vermöge derselben päbst - „ lichen Gewalt erlaubet , einen andern König zu erwählen , der die Kai - „ serkrone annehmen , und das Reich nach den Gesetzen zu regieren , recht - „ mäßiger weise annehmen könnte . , » Maimbourg . Dccad . de 1 Empire ,
t " g - - Z7 . .
( F ) ÜZt hatte drev prinzeßinnen m seine Angelegenheiten gen . ) „ Nämlich die Kaiserinn Agnes , Kaisers Heinrichs des IV Mut - „ ter , die Herzogin» Beatrix seine Muhme , und die Gräfinn Mathildis , „ sein Geschwisterkind . Die Kaiserinn betreffend , so konnte sie ihm durch „ ihre Bitten und Vorstellungen nützliche Dienste thun . Sie nahm auch wirklich ( Lambert . Gregor . Lib . I . Ep . LXXXV . und Lib . II . „ Epift . XXX . ) die Reise nach Deutschland Mit den Leaaten , die Grego - „ rius das erstemal dahin geschickt , nnd der Kaiser hat ihr in allem Ge -
nüqe zu thun versprochen , was sie im Namen des Pabste« verlangt , " unterdessen aber nichts gethan . Allein von den Gräfinnen Beatrix " und Mathildis . weil sie sehr mächtig in Italien lvaren , wo sie große Staaten besessen , hat Gregorius noch viel kräftigem Beystand , als ' . bloße Vorstellungen , daraus sich Heinrich nicht viel machte , ziehen kon - , nen Diese zwo Prinzeßinnen , die sehr andachtig waren , hatten sich „ einen hohen Begriff von des Gregorius Tugend geinacht , der in der „ That in großen , Ruhme gestanden , ein Heiliger zu seyn , und zwar ein „ sehr strenger Heiliger , von welchem man auch sagte , daß er Offenba - „ rungcn und Entzückungen , nebst der Gabe der Prophezeyung uud Wun - „ derwerke zu thun , hätte , welche« eine große Reizung ist , einem die Seel^r - „ ge auszutragen . Nach diesem hatten sie sich seiner Führung völlig unter - „ geben : und er seiner Seits , hat sich diesem großen Vertrauen , daß sie auf „ ihn gesetzt , gemäß bezeigt , und sehr große Sorge getragen , sie durch „ Briefe auf dem Wege der Tugend zu führen , und ihnen viel Zuneigung „ nnd gegenseitiges Vertrauen bezeuget : Also daß sie , da dieser berühmte „ Bruch zwischen dem Pabste nnd dem Kaiser . Deutschland in zwo Parteyen „ qetheilct hatte , sie sich nicht da« geringste Bedenken gemacht , sich lich für den Gregoriu« zu erklären , welchem sie , und vornehmlich die Grä - finn Mathildis , mit allen Kräften beyzustehen , beschlossen . „ Maimb . Decadencc de 1' Empire , p . - zg . Ich bediene mich mir Fleiß der Worte dieses Jesuiten , damit alle meine Leser ein ruhiges Gemüthe haben kön - nen , und keinen Verdacht haben dürfen , als wenn man Willens wäre , sie durch arglistige Uebersetzunqen zu hintergehen . Man muß bekennen , daß dieser Pabst sehr fein gewesen , und daß ihn seine hitzige Gemuthsart nicht gehindert , sich der allerwirksamsten Kunstgriffe zu bedienen - er hat sich des weiblichen Geschlechte« versichert , und er hat die niachtlgsten Damen ausgelesen .
( G ) Mathildis hat sich ihm auf eine solche Art ergeben , sie in OerXvelr viel zu schwatzen gemacht . ^ Der allerfriedfertigste und durchgängig geliebteste Pabst , würde den Stichen der Verleumdung nicht
entgangen seyn , wenn er mit einer Dame eine so sehr vertrauliche Freund - fchaft gehabt , al« Hildebrand mit der Mathildis hatte . Man urtheile , vb ein so hitziger Pabst , wie dieser , und der sich so viele Feinde gemacht , hat vermeiden können , daß er wegen der gegenseitigen Ergebenheit , die zwischen ihm und der Mathildis war , nicht gelästert worden wäre . Wir wollen uns noch einmal der Worte eines Jesuiten bedienen , die bey die - ser Gelegenheit nicht verdächtig seyn können . „ Die Gräfinn Machil - „ dis , die sich damals ganz allein , und al« unumschränkte Beherrscherin» „ ihrer Staaten befand , weil die Herzoginn Beatrix , ihre Mutter , den »8 „ April 1076 , fast zu gleicher Zeit gestorben war , da man den Tod Gott - „ fried« , der Mathildis Gemahls , erfahren hatte : so hat sie sich stärker , „ als jemals zuvor , demselben ergeben , den Rathschlägen deö Gregoriu«
„ zu folgen , den sie zum völligen Meister ihre« Gemüthes , ihrer Aussah - „ rung und ihrer Güter machte . In der That hat sie nach der Gewohn - „ heit derjenigen andächtigen Schwestern , welche alle« für sich , für verlohreu „ halten , wenn sie ihre Führer entbehren sollte , , , gegen welche sie zuwei - „ len allzuviel Ergebenheit haben ; alles gethan , was sie gekonnt , ihn nicht „ aus dem Gesichte zu verlieren . ( * ) Sie ist ihm überall unverdrossen „ gefolget : sie hat ihm tausenderlei ) Gefälligkeiten , mit einer unglaubli - „ chen Zuneigung , erwiesen . Sie hat lediglich nach seinen Befehlen ge - , , handelt , welche sie mit einer wunderbaren Achtsamkeit ausgeführer : und „ ungeachtet sie die größte Prinzeßinn in Italien gewesen , so hat sie nicht« „ destoweniger dieser Eigenschaft , den Titel seiner demüthigsten Magt» „ und liebsten Tochter vorgezogen ; indem sie ihn als ihren Vater und „ Herrn angesehen , und in der Wahrheit mit vieler Ehrerbiethung . vielem „ Eifer und Andacht , aber vielleicht auch mit etwa« zu weniger Klugheit „ und Behutsamkeit begegnet , als sie gesollt , wenn man es ohne Vermin - „ derung des Nachruhms einer so großen Prinzeßinn sagen darf . Denn „ mit einem Worte , so haben die Anhänger des Kaisers , und die Feinde „ deö Gregorius , und insonderheit die Geistlichen in Deutschland , weichen „ er durchaus ihre Ehweiber genommen haben wollen , die sie unverschäm - „ ter weise wider die allerheiligsten Gesetze der Kirche , geheirarhet hatten , „ daher Gelegenheit genommen , wider ihn auf eine seltsame Art zu lä - „ stern , ihn eines allzuvertrauten Umganges , mit dieser Gräfinn , zu be - „ schuldigen , ( * * ) und davon die verdrießlichsten Dinge von der Welt „ auszustreuen , die nicht den geringsten Glauben verdienen , da sie der „ Wahrheit und der bekannten Tugend des einen , und der andern ganz - „ llch zuwider sind . Es setzet auch der deutsche Geschichtschreiber , der zu „ gleicher Zeit gelebt , und diefte erzählet hat , dazu , daß damals keine ein - „ z>ge , nur ein wenig scharfsinnige Person , die nicht von einer ungerechte» „ Leiden , cha , t eingenommen und verblendet gewesen , nicht so klar , als an , „ hellsten Mittage gesehen , daß es bloße und unverschämte Verleumdungen „ sind , die als schwache Nebel durch die einzige apostolische Art , mit weh - „ cher der Pabst vor den Augen des ganzen römischen Hofes gelebt , der - „ maßen zerstreuet worden , daß auch deswegen nicht der geringste Schat - „ len des Verdachts in dem Gemüthe derer zurück geblieben , die ihn ge - „ kannt haben . „ Maimb . Decad . de 1'Empire , p^ ? qz .
( * ) Lamb . Schafnab . Port cuius mortem Romani Pontificis laterl pene comes indiuidua adhaerebat , eumque miro colebat affedhi . Cumque magna pars Italiae eius pareret imperio , et omnibus , quae prima mortales dueunt , fupra caeteros terrae iltius Principes abunda - ret : vbicumque opera eius Papa indiguiflet ocius aderat , et tanquan» patri et domino fedulum exhibebat officium .
( * * ) Vnde nec euadere potuit incefti amoris fufpicionem , pafiirn iattantibus Regis fautoribus , et praeeipue Clericis , quibus illicita , et contra feita Canonum coniugia prohibebat , quod die ac nofte im . pudenter Papa eius , etc . Sed apud omnes , fanuin aliquod fapientes , luce clarius conftabat falfa effe , quae dicebantur . Nam et Papa tan» eximie tamque Apoftolice vitam inftituebat , vt nec minimam iiniftri rumoris maculam conuerfationis eius fublimitas admitteret , et illa in vrbe celeberrima , etc . Lambert . Schafnab .
Die Billigkeit erfordert , daß ich hier eine Klage des Coesseteau , widev den Du Pleßis Mornai , anführe . Dieser Mönch nimmt es sehr übel , daß Du Pleßis nur den ersten Theil , von der Stelle Lamberts von Schafnaburg , anführet , weswegen sie auch den Argwohn einer blutschänderischen Hiebe nicht vermeiden können : denn SieGon - ner des Roniges , und vornehmlich die Geistlichen , welchen er sie wiver vie Satzungen geschlossenen Ehen verbotben , haben überall au«gestreuet , Saß er sich Tag und Nacht nnverscliämter weise in ihr«» Uumarmungen herumgervalzer , und Saß sie von lener ü . iebe des pabstes eingenommen , nach dem Verluste ihre« Gemahls , nicht wieder zu Ser ander» Vermahlung habe schrei - ten wollen . Di , Pleflis Mornay Myfte're d'Iniquite' , pag . 246 . Hiec ist es , wo Du Pleßis stille sieht : uud dieß ist die Klage des Coesseteau . Reponfe au Myftere d'Iniquite , pag . 695 . Allein was wirst du sa - gen , mein / User , wenn ich vir zeige , daß Sieser Schriftsteller , dieser ansehnliche Geschichtschreiber , wie er ihn nennet , an eben vie - sem Wir wollen mit einem Gedanken des P . Maimburg beschließen : Die - ses sind nichts , saget er , Decad . de 1' Empire , pag . sqs . als gan ; sicht - bare Falschheiten gewesen ; weil aber gleichwohl die lvelr au» einer gewisien Soshert , vie ihr natürlich ist viel liebet dasBose als da« Gute , glauber , vornehmlich bey Personen , die einen Ruhn» der Tugend haben , si> bringer es gleichwohl böse Wirkungen her - vor , und war Sem Gregorius Samals schädlich : welches vie Gewissensführer belehren sollte , daß die allerkürzesten Unterre - vungen , die sie mit ihren Andächtigen haben können , ohne fel allezeit die besten seyn werden ; und daß für - Leute von ihrer Proftßion , es zum wenigsten wegen des guten Namens , mehr Gefahr als Nutzen bringt , wenn man sich so oft und so lange ? eit mit Frauenspersonen in Gesprächen aufhalt .
( . H ) ( Jüt hat sich zu behaupten erkühnet , - - daß er nicht» gerhan , als was dem Gebrauche Ses romischen - Hofes gemäß ware . Z Dieses lehret , daß man denen nicht trauen darf , die sich bloße Nachahmer der Alten zu seyn rühmen . Die größten Neulinae ha - den die Kühnheit gehabt , dieses zu jage» . Hier haben wir ein großes Exempel . Wir wollen es nach den Worten eines Jesuiten anführen , da - mit niemand vorgeben darf , daß ich es vergrößere . Maimbourg . Dccad

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