Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10406

Gregorius der VII .
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1 vielen Schwierigkeiten da - >ach Salerno fliehen mußte .
. . umständlichen Beschreibung
ner Verrichtungen , nicht leicht zur Gewißheit gelangen ; denn außer , daß die Scribenten , die von ihm reden , einer den andern widerlegen ( O ) , so kann man nicht leugnen , daß seme Feinde , wegen allzugroßer Feindseligkeit , nicht verdächtig wären , und daß ihr Vorgeben wegen seiner Zauberey , nicht das völlige Ansehen einer Hirngeburt hätte ( P ) . Dem sey wie ihm wolle , so kann ich versichern , daß niemals ein Pabst gewesen , von dem man sovieljBöses / und so viel Gutes gesagt , als vom Gregorius dem Vil . Man eignet ihm viel Wunderwerke zu , und seßet ihn in die Zahl der Heiligen k . Man giebt vor , daß sein Körper fünfhundert Jahre nach seinem Tode , fast ganz unverweset gefunden worden ( Q ) , und man hat Ursache , die Ungewißheit der Historiejzu bewundern , wenn man die Schuhschriften liest , die seine Verfechter geschrieben haben ( R ) .
Ein Ungenannter , der alle Monate den Efprit des Cours de l'Europe heraus giebt ' , hat eine Betrachtung gemacht , die billig zu untersuchen ist . Sie betrifft dasjenige , was ich in der Anmerkung ( Bj , von den Eroberungen derPabste sagen werde . Er will , daß sie nicht so schwierig hatten seyn können , als ich mir dieselben vorstelle ( 8 ) , und daß man sich vielmehr darüber verwundern müsse , daß sie nicht noch größer gewesen . Ich werde ein Wort von einem Buche sagen , das seit einigen Monaten unter dem Titel : Historie von den Aebeohändeln Gregorius des VlI , herumgeht ( F ) .
a ) Denn ob er gleich endlich durch den Kaiser aus Rom verjagt worden , so hat er doch den Päbsten , seinen Nachfolgern , den Entwurf dargebothen , der sie bey so vielen Vorfällen den Sieg erhalten lassen . b~ ) Dieß ist Kaiser Heinrich der I V gewesen . <• ) Siehe Maimbourg , Dccadence de 1'Empire , Liv . III . pag . 228 . Holland , Ausgabe . d~ ) Ebendas . 236 © . e ) Im 1076 Jahre . / ) Er hat Rudolph geheißen , und ist von den Deutschen zum Kaiser erwählet worden , g ) Maimbourg , Decadence de 1'Empire , pag . 251 . b ) Diese Stadt «egt in Tyrol , zwischen Trident und Jnspruk . , ' ) Man ziehe die Schriftsteller zu Rathe , die vom Pater Maimbourg . in seinem Verfalle des Kaiserthums , angesühret worden . Ich habe mich seiner Erzählung bedienet , k ) Siehe Hiftoire des Ouvrages des Savans , April 1 * 89 p . 166 . 167 . in dem Auszuge Afta Sanäorum Maii , Tom . VI . et VII . wo das Leben Gregorius des VII ist . / ) Seit demBrachmonate 1699 . '
( A ) iTTan kann ihm die Eigenschaften eines großen Mannes nicht streitig machen . ^ Hier ist dieAbschilderung , die uns ein neuerer Schriftsteller von ihm gegeben hat . „ Er ist ein Mann von einer weit klei - „ nern , als mittelmäßigen Leibesgestalt , gewesen , der aber in diesem kleinen „ Körper eine sehr große Seele , einen ungemeinlebhaften und erleuchteten „ Geist , eine unerschrockene , und bey seinen Unternehmungen , zum weichen „ unvermögende Herzhaftigkeit gehabt ; er mochte nun auch so viele Schmie - „ rigkeitendabey finden : von einem feurigen , herrschsuchtigen , geschwinden , „ kühnen und unternehmenden Naturelle ; der ohne Zweifel ein wenig zu eilig „ zur Ausführung geschritten , und die Sacken leichtlich auf das äußerste ge - » . trieben , ohne daß er sich vor den verdrießlichen Folgen gefürchtet , welche „ seine , in der That beherzten , aber auch manchmal allzugewaltsamen Ent - „ schließungen haben konnten : übrigen« , trotz allen Lasterungen , damit ihn „ seine Feinde anschwärzen wollen , in seinem Leben unsträflich , indem er „ den andern ( * ) das ersteBeyspiel von allem dem gegeben , was er von „ ihnen gefordert , und sehr gelehrt , vornehmlich in den göttlichen Wissen - „ s . haften ( * * ) , dem Rechte , den Regeln und Gewohnheiten der Kir - „ che , wie die Geschichtschreiber , auch die Deutschen , die ihm nicht allzu , „ gewogen seyn dürfen , darinnen einig sind . Wenn endlich sein hitziges „ und unbiegsames Gemüthe ihm hätte erlauben können , den Eifer mit „ derjenigen schönen Mäßigung zu begleiten , die seine fünf Vorgänger ge - „ habt - - so ist es gewiß , daß er der Christenheit viel Böses uiid viel „ Blut ersparet hätte , und die Historie hätte ihm nichts , als große Lobes - „ erhebungen beyzulegen gehabt . „ Maimbourg , Dccadence de l' Empire , Liv . III . pag . 220 . Holl . Äu«g . Willel . Malmesb . Lib . III . de Geft . Reg . •Angl . Petr . Dam . Man erwäge dasjenige wohl , was Nande , Apologie des grands Homines , p . 577 . von ihm saget , so wird man darinnen den Begriff eines sehr großen Mannes finden . Er ist einer von den größten Pfeilern gewesen , welche die Rirche jemals gehabt ; und aufrichtig und ohne Leidenschaft von ihm zu reden , so ist er es gewesen , der sie zuerst in den Besitz ihrer Lreyheiten gesetzt , der die unumschränkten Pabste aus der Zdienstbarkeir und der ve« ) ? der Raiser gezogen hat . Die Freyheit erlangen , das Joch ab - Wersen , sich unabhängig machen , und seine eigenen Herren unters Joch bringen , das sind ja wohl höchstlasterhafte Tbaten ; allein nicht das Werk einer Person , der es an großen Gaben , an Geist und an Herzhaftigkeit mangelt .
Forma gregis faöus , qnod verbo doeuit , exemplo demonftra - uit . Otto Frifing .
( * * ) Virum facris litteris eruditiflimum , et omnium virtutum genere celeberrimum . Lambert . Schafhab .
( B ) - , so wenig als gewisse Helsen , die außerdem ganz mir Lastern bedeckt sind . ) Ich bediene mich dieser Vergleichung mit so viel mehrerer Kühnheit , da ich versichert bin , daß die Eroberung der Kirche ein Werk gewesen , welches nicht weniqer Herz und Geschicklichkeit erfordert hat . als man zur Eroberung eines Reiches braucher . Die Ge - walt , wozu die Pübste gelanget sind , ist weit bewundernswürdiger , als die weitläustlge Monarchie des alten Roms : so daß man versichern kann , es habe die Vorsehung diese Stadt bestimmet , auf zweyerley Art ( t ) die Quelle und große Bewcgungsursache der allererhabensten Eigenschas - ten zu seyn , welche zur Stiftung eines sehr großen Staats nöthig sind . Wenn dieses nicht beweist , daß die Römer , in Absicht auf die sittlichen Tu , genden , den andern Völkern gleich gewesen , so ist es wenigstens ein Beweis , daß sie entweder mehr Herzhaftigkeit oder mehr Arglistigkeit gehabt . Man kann es nicht ohne Erstaunen betrachten , daß eine Kirche , welche , wie sie sa - get , nur die geistlichen Waffen des Wortes Gottes hat , und ihre Rechte nur auf das Evangelium gründen kann , wo nichts als Demuth und Ar - muth geprediget wird , die Kühnheit gehabt , nach einer unumschränkten Herrschaft über alle Könige des Erdkreises zu streben : allein es ist noch weit erstaunlicher , daß ihr dieser ungereimte Anschlag so wohl gelungen ist . Daß das alte Rom , welchesin nichts als in Eroberungen und der Kriegs - rügend seine Ehre gesucht ( ff ) , so viele andre Volker unters Joch ge - bracht hat ; dieß ist zwar nach der Welt schön und rühmlich ; allein man erstaunt nicht darüber , wenn man deswegen eine kleine Betrachtung an , stellt . Es ist eine weit größere Ursache zur Verwunderung , wenn man das neue Rom , das bloß in dem apostolischen Amte seinen Ruhm su - chet , ein« Gewalt erlangen sieht , unter welche sich die allergrößten Mo - narchen biegen müssen : denn man kann sagen , daß fast kein einziger Kai - ser den Päbsten die Slirne gebothen , der sich bey seinem Widerstände , endlich nicht sehr übel befunden hätte . Noch heutiges Tages endigen sich die Irrungen der mächtigsten Prinzen mit dem Hofe zu Rom , fast allezeit zu ihrer Beschämung . > Die Exempel davon sind so ftM , ( dieß ist 169 ; geschrieben . ) daß es nicht nöthig ist , sie zu bemerken . Nach Art der Wdr , ist diese Eroberung ein viel rühmlicher Wert , als Alexanders und
II Sand .
Cäsars Thaten ; und also muß Gregorius der VII , welcher der vornehmste Beförderer derselben gewesen , unter den großen Eroberern , welche die erha» bensten Eigenschaften besessen , einen Platz haben .
Man wird in der Anmerkung ( 8 ) meine Antwort auf einen Ein - wurf sehen , der über dieses gemacht worden .
( t ) Da es die weltlicheHerrschaft verlohren , so hat es die geistliche erlanget .
Sedes Roma Petri , quae paftoralis honoris Fadla caput mundo , quiequid non poflidet armis ,
Religione tenet .
Profper Aquitaniens , Lib . de Ingratis et Lib . II / devocatione Gentium cap . VI .
( ■ft ) Excudent alii fpirantia mollius aera
Tu regere imperio populos , Romane , memento ,
( Hae tibi erunt artes ) pacique imponere morem ,
Parcere fubieöis et debellare fuperbos .
Virgil . Aeneid . Lib . VI . v . 848 . 852 .
( C ) Er hat die alten Satzungen wider die Simonie , und die Geistlichen , die Rebsrvciber hatten , erneuert . ^ Niemals hat sich ein Pabst so strenge wider die Priester , welche den ehsosen Stand nickt beobachteten , bezeigt , als unser Hildebrand , und diese« hat ihn sehr verhaßt gemackt . Hier sind Lamberts von Schafnaburg Worte , nach der Uebersehunq des Coefftreau . Der pabst - Hildebrand , der sich oft mit de» 25ifcbofcn Italiens , in einem Synodo versammlete , hat verordnet , daß nadi der Einrichtung der alten Satzungen , die
Kricster keine Ehweiber haben , und diejenigen , die'derglcichen
Uten , sich von denselben scheiden , oder abgestnt werden sollten / auch weiter niemand ins priesierthum aufgenommen werden sollte , der mchr verspräche , in ein , r immerwährenden Emhal , tung zu leben . Nachdem diese Sanung in Italien kund macher war , so hat er seine Kreven an die gallischen Äijchofe geschickt , und ihnen empfohlen , in ihren Rirchen dergleicben zu thun , und bey Straft des Bannfluches , die Frauen von der Ge , sellscbafr der Priester auszuschließen . Xvider diese Satzung hat sich so gleich die ganze Parte / der Clerisey empöret , und ge« schrieen , vaß er ein Rener wäre , und daß er eine unvernünftige , und dem NVorre Gottes zu widerlaufende Lehre vortrage , wel , che« saget : Nicht all« fassen diesesN ? ort ; der es fassen kann , fasse es : die auch dem Apostel zuwider , welcher anpreist , daß sich derjenige , der sich nicht enthalten kann , verehlichen solle ; denn es
ist besier freyen , als Brunst leiden , nebst dem Zusage : daß dieser ^ gewaltsames Erpressen die Menschen zwingen der Engel zu leben , und durch diesen Xvea allen Arten der Unkeuschheiten den vollen Zügel lasse , um den Laus
der Natur zu verhindern . Diese Rottirer haben überhaupt be , schloßen , daß , wenn er halsstarrig bey seinem Vorsane bliebe , sie lieber dem Priesterthumc absagen , als ihre Ekweiber lassen wollten , und daß man nach diesem sehen würde , wo derje , nfc^e , zur Regierung der Rirchen , Engel hernehmen wollte , der sich in diesem Dienste , der Menschen zu bedienen rveigerte . Lainb . Schafn . de Rebus German , aufs 1074 Jahr , denm Coeffeteau , Re'potife , au Myftere d'Iniquite , p . 677 . Coeffeteau setzet nach dem Berichte des
r Pabst hat tn einem ^ . / nooo verordnet , daß kein einziger Cbriff bey einem verehlichren Priester Messe ho , ren sollte . Siehe die Anmerkung bey dem ? lrrikelMutius ( Huldrich . )
Ich will eine Sache bemerken , die mir der Aufmerksamkeit würdig zu seyn scheint : daß nämlich die Päbste ungleich mehr Mühe gehabt , die nordiscken Geistlichen dem Gesetze des ehlosen Standes zu unterwerfen , als die südländische Clerisey . Da sich bereits die Geistlichen in Italien und Spanien diesem harten Joche schon längst unterworfen hatten : so hiel - ten die in Deutschland und andern kalten Ländern noch standhaft aus , und verfochten das Feld für den Ehstand , tanquam pro aris ac focis , und ich weis nicht , ob man nicht mit Recht sagen könnte , daß zu Luthers Zeiten , die Kebsweiberey der Priester in Deutschland viel sichtbarer und ärgerlicher gewesen , als in Italien . Deswegen darf man nicht schließen , daß man gegen den Mittag keuscher ist ; es scheint vielmehr , daß sich die mitternächtigen Priester lieber an gewisse Beyschläserinnen halten , cils ihre Unkensckheit durch flüchtige Liebeshändel zeigen wollen . Sie haben also viel redlicher gehandelt , und haben vielleicht ganz treuherzig geglaubt , daß dieses ein geringer Laster wäre .
Mm mm - ( v ) Dep

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