Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10398

642 Gregorius der VII .
, seS h . Lehrers ausgeübt , da sie sich an ihm selbst nicht rächen können , Begebenheit verlohren gegangen sey , sondern alle durch des DiakonuS Pe»
„ und einen guten Theil darvon verbrannt . Allein da sie im Begriffe tru« Fürbitte erhalten worden . Der Jesuit bejahet , es habe Sigcbert
„ gestanden , die übrigen zu verbrennen , so hat ihnen Peter der Dia - im XLI und XLIII Cap . des Buches , äe Viris Illuftribus , gerade das
„ konus , ein Jünger dieses Heiligen , vorgestellt : es wäre unnühlich , daß Gegentheil gesagt . Zum dritten bemerket er , daß der h . Gregorius Wer -
„ sie diese Bücher ins Feuer würfen , um das Andenken dieses verhaß - - ke verfertiget , davon man nicht die geringste Spur habe . Praefertim
. , ten Pabstes zu verdunkeln : weil sie bereits durch die Begierde , die cum idem Ioannes fequtnti capite LXX . ex ipfismet Sanfti Gregorii
^ , man bezeugt hatte , dieselben zu haben , IN der ganzen Welt ausgebreitet epift . ad Ioannem Rauennae Subdiaconum , demonftret , plerosque li -
„ wären . Ueberdieß wäre es ein Kirchenraub , mit den Schriften dieses dros a Sanflo Gregorio fuifle confcriptos , quorum nullibi extant
„ H . VaterS , auf eine so unanständige Art zu verfahren , über dessen Haupte veftigia ; vt expolitionis in Prouerbia , et in Prophetas , et in libros
er sehr oft eine Taube gesehen ( * ) , die den heil . Geist vorgestellt , der Regum , neque enim pauca , quae habemus in I Regum , et Ezecbielem ,
„ sich vertraulich mit ihm unterredet hatte . Hierauf ist Petrus , die menfuram implent titulorum illonim . Zum vierten brauchet er eine
„ Wahrheit desjenigen zu bekräftigen , was er gesager , mir dem Evange - Schlußrede , ad bominem , welche er aus dem Bekenntnisse des Baro -
„ lienbuche in der Hand , auf das Chor gestiegen , auf welches er geschwo , nius gezogen hat , daß die Schriften dieses großen PabsteS Gefahr ge -
„ ren , daß dasjenige wahr wäre , was er gesaget hätte : mit dem Zusätze , laufen , und daß die Rvttierer , da sie ihre Wuth nicht an dem bereits
„ daß er Gott bäthe , ihn auf der Stelle sterben zu lassen , wenn er die verstorbenen Gregorius ausüben können , dieselbe gegen seil« Bücher ,
„ Wahrheit gesaget hatte . Sein Wunsch ist erfüllet worden ; denn er hat und zwar ohne Scheu , und auf dem öffentlichen Platze in Rom , gewen -
, . in derselben Minute ohne Schmerzen den Geist aufgegeben , und ist an det hätten . Es ist gewiß , daß Baron in» , da er eine solche Sache be -
„ dem Fuße desselben Chors begraben worden , wo sich diese erstaunliche kennet , sein Vorgeben selbst zu Grunde richtet ; denn worzu dienet es ihm
„ Sache zugetragen hat . „ Der Schriftsteller , der mir diese Stelle darbie - nach diesem , daß kein einziges Buch des heil . Gregorius verbrannt wor«
thet , hat sich nicht überreden können , daß man eine so große Boshcir den ? Hat man nicht zureichende Beweise der Verachtung , oder desHas«
rviver die XPetrEe eines solchen Bischofs von Rom , begehen können : fes der Römer , gegen diesen Pabst , in dem Entschlüsse , alle seine Schriften
und er beobachtet , daß der Cardinal BaroniuS die jafrUmg , als eine öffentlich zn verbrennen ; in einem so hitzigen und halsstarrigen Entschlüsse ,
lautre Lade ! , verworfen hat , die vonnickts als einer falschenSa - daß man eines so ausnehmenden Wunderwerks nöthig gehabt , um die
ge unterstützet worden , rvcil kein einziger alterer Schriftsteller , Wirkung desselben aufzuhalten ? Man merke , daß Johann Rubens , in
als Johann , derselben gedenket . Ebendas . 614 Seite . Der Jesuite dem Leben Bonifatius des VIII , 246 S . versichert , wenn er den DiakonuS
Theophilus Raynaud , ( de bonis et malis libris , num . ; 8s . p . m . z - 7 . ) wi - Johann anführet , man l'abe den PabstGreqorius derKetzerey besckuldi ?
derseket sich dieser Meynuna des Cardinals Baronius . Er bestreitet get : Accufatus fuit effufi fanguinis et Malchi Epifcopi in cuftodia
dieselbe so : Zum ersten beobachtet er , daß daS Stillschweigen deS Pate - occi« , thefauri Ecclefiac dilapidati , do & rinae non fanae , contendenti -
rilrä , des JsidornS und des JldephonsuS , ein verneinender Schluß ist , und bus semiiliz W , « libros , tanquain reos haereticorum doginatiun Vul -
fc«ß die Stärke solcher Schlußreden , unzureichend und ohne Kraft ist , cano debere tradi .
wie die ganze Welt bekennet . Quod ( argumentum ab autoritate ne - ( * ) Der h . Ephräm , Diakonus der Kirche zuEdessa , hat bezeuget , daß
gatiiia , ) omnes agnofeunt , efle infiifficiens et eneme . Zum andern , er eine weiße Taube auf der Achsel des großen Basilius gesehen , welche
daß das vom BaroniuS angeführte Zeugniß SigebertS , nicht wider den ihm alles dasjenige eingegeben , was er zu dem Volke gesaget hätte .
Diakonus Johann dienen kann . Dieser Cardinal saget , es habe Sigebert Ephraem . Orat . in Bafil . beym Coteler . Tom . III . Monum . Graec .
förmlich geleugnet , daß kein einziges Werk des h . Gregorius , bey dieser pag . 59 . '
Gregormö der VII , zuvor Hildebrand genannt , ist derjenige unter allen Päbsten gewesen , der am kühnsten und glück - lichsten an der Vermehrung der päbstlichen Gewalt gearbeitet hat a . Er mag so boshaft gewesen seyn , als er will , so kann man ihm doch die Eigenschaften eines großen Mannes nicht streitig machen ( A ) ; so wenig , als gewissen Helden , die außer die - fem ganz mit Lastern bedecket sind ( B ) . Er war von Soane , einer kleinen Stadt in Toscana , und hatte sich in dem Kloster Clugny ein solches Ansehen erworben , daß man ihn deswegen zum Prior machte . Er hat verschiedene Sachen bey den Päbsten und für die Päbste unterhandelt , und ist endlich zum römischen Pabstthume 1073 erhoben worden . Er beschloß ohne Zeitverlust den Kaisern das Recht zu entreissen , welches sie genossen , die Bischöfe einzusetzen : wie er aber anfänglich unüberwindliche Hindernisse be - fürchtete , wenn man ihm vorwerfen könnte , daß er sich eher als Pabst aufgeführet hätte , als seine Wahl von dem Kaiser bestätl - get worden war h : so hat er in sehr demüthlgen Ausdrückungen an diesen Prinzen geschrieben , und sich geaen ihn erkläret , daß er sich weder einweihen noch krönen lassen würde , bis er seinen Willen erfahren hatte . Die deutschen Bischöfe riethen dem Kaiser , diese Wahl zu verwerfen ; allem alles , wa6 sie erhalten konnten , war , daß er sich erkundigen ließ , auf was für Art dieselbe ge - schehen war , und sie , sobald , als er die guten Antworten erfahren , die sein Gesandter von Hildebranden erhalten hatte , bekräftig - te . Er hatte Ursache , sich solches bald reuen zu lassen : denn der neue Pabst erneuerte in dem ersten Consistorio , das er hielt , die alten Saßungen wider die Simonie , und die Geistlichen , welche Kebsweiber hatten ( 0 ) , und machte eine ganz neue , kraft deren er so wohl diejenigen , die die Einweihung in eine Pfründe von einem Layen annehmen , als welche dieselbe ertheilen würden , in den Bann that . Er schloß niemanden davon aus : und daher kain es , daß seine Legaten dem Kaiser erklärten , der ihnen bis Nürnberg entgegen gegangen war , daß sie Befehl hätten , ihm als einem Verbannten zu begegnen , und nicht mit ihm zu unterhan - deln , bio er die üoozahlung von dein Danne erhalten , den er sich wegen deo Verbrechens der Simonie zugezogen hatte , weshalber er bep dem vorigen pabste angeklagt worden c . Er that alles , was sie verlangten ; er erhielt die LoSzählung , und fthrieb an den Gregorius , daß er ihm allezeit unterthänig seyn würde . Gleichwohl erlaubte er den pabstlichen Gesandten nicht , eine Kirchenversammlung zu berufen , und behielt diejenigen von seinen Staatsbedienten bey sich , die der Pabst namentlich in den Bann gethan hatte . Wegen dieser und vieler andern Ursachen , ließ ihn der Pabst fordern , vor den , nächst bevorstehenden Gpnodo zu Rom zu erscheinen , und that ihn , in dessen Entstehung in den Bann . Der Kaiser lachte über diese Dro - hung , und ließ die Legaten , die sich erkühnet hatten , ihm dieses zu melden , alle Arten der Beschimpfungen ausstehen . Er berief eine Kirchenversammlung nach Worms , wobey sich der Cardinal le Blanc , zum Angeber wider den Pabst Gregorius auswarf . Er klagte ihn wegen so vieler Verbrechen an ( D ) , daß die Versammlung die Wahl dieses Pabstes für nichtig erklärte , und ihm , in sehr schimpflichen Briefen , diese Entscheidung meldete . Diejenigen , die dieselben überreichten , rhaten es mit großer Grob - heit , und nichts destoweniger nahm sie dieser pabst , welcher , ungeachtet er von geschwindem und hitzigem Naturelle rvar , stch dennoch sehr wohl zu zwingen wußte , ganz kaltstnnig und ohne etwas zu sagen an d : allein den Tag darauf , nach - dem er dieselben seinem Synodo mirgerheilt , sprach er - den Bannfluch seyerlich wider den Kaiser aus ( E ) , und erklärte , ich weis nicht wie viel Prälaten in Deutschland , und in der Lombardey , für Verbannte . Diese letztem erschrocken so wenig darüber , daß sie sich eiligst zu Pavia versammleren , und ihn in den Banntbaten . Weil er voraus gesehen hatte , daß ihm seine Aufführung große Feinde zuziehen würde , so hatte er nichts verabsäumet , seine Partey zu verstärken ; und vor allen Dingen hatte er drey Prinzeßl'nnen in seine Angelegenheit gezogen ( F ) , davon sich die eine , Namens Mathildis , ihm auf eine solche Art ergeben , die der Welt viel zu schwatzen gemacht hat ( G ) . Ueberdieß verhetzte er die Sachsen zur Empörung ; er machte mit dem Herzoge zu Schwaben einen Bund f , und streuet« viele Circularschreiben aus , welche eine große Wirkung thaten : denn er that alle die - ienigen in den Bann , die es mit dem Kaiser halten würden ; er verboth allen Bischöfen , ihn loszuzählen , und geboth den Fürsten , ihn entweder zu zwingen , daß er sich dem h . Stuhle unterwürfe , oder zur Wahl eines andern Kaisers zu schreiten . Etwas sehr merkwürdiges ist , daß er so kühn war , es zu behaupten , er habe durch seine Absetzung nichts gethan , als was dem Gebrauche des römischen Hofes gemäß wäre ( H ) . Der Bund , der sich zu seinem Vortheile in Deutschland bildete , wurde so mäch , tig , daß man nach einer langen Beratschlagung erklarte , man muffe einen neuen Ronig , vermittelst der Gewalt des pab . sieg wählen , der ihn , die Raisirkrone gäbe s . Der Kaiser konnte mit allen seinen Niederträchtigkeiten , deren er sich gegen die verbundenen Fürsten bediente , weiter nichts , als sehr harte Bedingungen erhalten ; welches ihn nöthigte , selbst nach Rom zu gehen , und bey dem Pabste um die Lossprechung zu bitten . Solche zu erhalten , mußte er sich den unerhörtesten ten unterwerfen ( I ) . Seine in den Bann gerhanen Anhänger empfunden fast alle eben dieselbe Schärfe ( K ) . Dieses erkältete den Eifer sehr , den die Longobarden für ihn hatten , und er konnte sich in ihren Gemüthern durch nichts , als durch die Begierde wie - der beliebt machen , die er zur Rache bezeigte . Die Kriege , die er in Deutschland führen mußte , wo Rudolph , Herzog von Schwaben , zum Könige erwählet worden war , verhinderten ihn , den Pabst anzugreifen ; wie er aber große Vortheile über seinen Reichsbuhler erhielt , so bezeugte er wenig Neigung , dasjenige auszuführen , was Gregorius von ihm verlangte . Dieferwegen that ihn dieser Pabst in einer zu Rom 1080 gehaltenen Kirchenversammlung wieder in den Bann , und setzte ihn ganz von neuem ab ( L ) . Dieser letzte Bannstrahl brachte die Sachen vollends auf das alleräußerste . Der Kaiser berief eine Versammlung erst - lich nach Maynz , und dann nach Briren h , wo man den Gregorius der päbstlichen Würde verlustig erklarte , und Gilberten von Parma , Erchischos zu Ravenna an seine Stelle erwählte , der den Namen Clemens der III annahm . Diese Versammlung be - schuldigte Hildebranden unter andern Verbrechen der Zauberey ( XI ) . Der Kaiser , welcher ungeachtet derProphezeyungen des Pabstes ( dl ) , zwo Schlachten gewonnen harte , die eine über Rudolphen in Deutschland , die andere bey Mantua , über das
Kriegs

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