Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10380

Gregorius .
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m der Anmerkung ( E ) , angeführet habe , voraus setzet , baß die Kopfe in dem Brunnen des PabstS Gregorius des II , gefunden worden . Dieß sind zween Schlüter : der eine wegen des Ortes , der andere wegen des Pabstes . Die Frage , welche Bellarmin , de Llericis , Libr . I . p . inj . chut , wie man erkannt habe ; daß die 6000 Kinder ein Werk der Geist - lichen und nicht der Layen gewesen , kann zwar für einen Einwurf gelten ; allein für keine große Schwierigkeit : denn ob gleich Gregorius der I hat glauben können , daß die Layen Theil an diesen Geburten gehabt , so hat er doch geurtheilet , daß das Uebel durch den ehlosen Scand , den man den Geistlichen ausgeleget , größer würde . Es ist gewiß , daß die Layen unzählige Kinder , zur Bedeckung ihres Fehlers , umkommen lassen . Man sehe die Anmerkung ( C ) , bey dem Artikel Patin . Man merke , daß Udalrich , Bischof vonAugspurg , im X Jahrhunderte gelebet hat , und das ; der Brief , davon die Rede ist , in dem Buche , orthodoxo - logia fanäorum Patrum , zu Basel , im XVI Jahrhunderte gedruckt worden .

Man wende hier dieselben Worte an : Nihil eft , Antlpho , quin Je'narrando poffit deprauarier . Terrent . in Phorm . Aö . IV . Seen . IV . v . 16 .
CR ) Die Leichtgläubigkeit , mit welcher dieser p«bf ? so viele Wunderwerke in seinen Gesprächen bekannt gemacht hat . ^ „ Eini - „ ae Gelehrte , welchen die Erzählung aller dieser Wunderwerke nicht gefällt , „ haben gezweifelt , daß diese Gespräche vom heil . Gregorius waren , weil „ sie dieselben einem so großen Lehrer für unanständig halten . „ Dionysius Sammarthanus , nachdem er Hift . de St . Gregoire , p . 27J . auf diese Art redet , widerleget den Zweifel dieser Gelehrten , durch sehr gute Gründe , und zeiget ihnen , daß diese Gespräche ein wahres Werk vom Gregorius sind . Du Pin hat diese Wahrheit gleichfalls erkannt , Biblioth . des Aute - . irs Ecclefiaft . Tom . V . p . 158 . Holland . Ausg . Allein er bekennt zu gleicher Zeit , daß es scheine , als wenn sie der Ernsthaftigkeit und Einsicht dieses Pabste ; unanständig wären , mit so vielen außerordentlichen U ? un , vermerken und fast unglaublichen Historien sind sie angefuller . f & a ist rvabr , daß er sie auf das N ? ort eines andern bracht ; allein er hätte ihnen nicht so leicht glauben , noch sie nach diesem , für gewisse Dinge , ausgeben sollen . - - - Die - Historien , rvelche in Siefen Gesprächen erzählet werden , sind ters von nichts , als von Erzählung einiger unwissenden Alten , oder von Vem gemeinen Rufe unrerstüner . Man machet darin« nen die Wunderwerke so gemein , so außerordentlich , und öfter« wegen so geringer Dinge , daß man sie alle schwerlich glauben kann . Es giebr viele - - Historien darinnen , die man schwerlich mit dem K . eben derer vergleichen würde , davon er redet , 5 . i6 . die frevwillige Gefangenschaft des beil . Paulinus in Africa , ter dem Ronige der Vandalen . Die Gesichter , die tLrscheinun - gen , die Träume sind darinnen in viel größerer Anzahl , als in irgend einem andern Schriftsteller . iL» bekennet auch der heil . Gregorius ja LLnde , daß man ; u seinerzeit mehr Dinge von der andern rvelr entdecket hätte , als in allen vorhergehenden Jahr« Hunderten . Allein , ich glaube nicht , daß jemand für alle diese lLrzahlungen wird Bürge werden . Dionysius Sammarthan be - kennet p . «75 . 276 . „ basier nicht für alle die Wunderwerke , noch für alle „ Gesichter Bürge seyn wollte , die man m den Gesprächen lieft . „ Nicktö destvweniger tadelt er die Aufführung dieses Pabstes nicht . Un - fer heiliger , saget er , hat einige davon , nach dem Zeugnisse etu - cher Personen , vorbringen können , die etwas leichtgläubig gewe - fen ; er hat e« für seine Pflicht erachtet , dieselben , wegen der er - baulichen Dinge nicht ? u verachten , die er darinnen angetroffen har . Die Rlugheit des Lesers mag bey Durchlest : »« derselben untersuchen , in was für einen Grad der Gewißheit sie der Heu . Gregorius setzet , und wer ihre Urheber sind . Hier findet man handgreiflich die Sprache eines BertheidigerS , welcher behauptet , daß der heil . Gregorius nicht im geringsten tadelnswürdig ist . ES ist nur «in Unglück , daß die Ursachen , die man , solches zu beweisen , anführet , nicht gründlich sind ; dem , wenn es unter dem Verwände , daß sich in einer Erzählung erbauliche Dinge befänden , erlaubet wäre , dieselbe zunehmen . Wie viele Fabeln würde man alsdann nicht seinen Le - fern als andächtige und wahrhastige Historien vortragen dürfen ? Wenn man sich enthält , mit deutlichen Worten zu sagen : ich gebe dieses für ganz gewiß undkiganz wahrhastig aus ? Wenn man keine gleichzeitige und vollkommene glaubwürdige Schriftsteller , sondern nur eine alte Sa - xe anführet , so sind dieß keil» gültige Vcrwahrungemittel , noch eine vernünftige Behutsamkeit , die den Scribenten entschuldiget Er muß ausdrücklich und förmlich sagen : ich gebe dieß für eine ) wc , 'ftlhafce Sache aus , man mag davon glauben , was man will , ich habe keine guren Zeugen davon ; wenn man ihn damit rechtfertigen will , daß er die Geschichre nicht in den Grad der Gewißheit setzet , daß er sei - „ e Leser ernstlich und begierig davon überreden will . Ein jeder , der eine wunderbare Begebenheit erzählet , ohne das geringste einstießen zu lassen , welches zu erkennen gäbe , daß er daran zn>eifelt , oder welches erlaubte , daran zu zweifeln ; erkläret dadurch offenbarlich , daß er dieselbe als eine Wahrheit vorträgt . Man wende mir nicht ein , daß ein Historienschrei - bcr kein Recht habe , alle die Dinge zu unterdrucken , die ihm falsch zu seyn scheinen , und daß ihn seine Pflicht verbinde , diejenigen zu erzählen , die er mit guten Zeugnissen versehen findet , ob er sie gleich nicht für wahrhalt . Man mache mir diesen Einwurf nicht , sage ich ; denn ergreift meinen Satz nicht an . Mein Satz betrifft einen Geschichrschreiber , welcher nicht das geringste einfließen läßt , welches sein Mißtrauen , oder die Freyheit , zu erkennen gäbe , die er zugesteht , seine Erzählung zu verwerfen . Ein jeder guter Historienschreiber , der dasjenige erzählet , was er für fabelhaft hält , setzet ein man saget , oder ein ander Beywort darzu , welches dasjenige noch besser erkläret , was er davon denket ( * ) : und wenn er also seinen Erzählungen nichts von dieser Art beyfüger , so ist solches ein Merkmaal , daß er sie für wahrhaftig ausgiebt , und daß er seine Leser zu überreden wünschet . Dieses ist der allgemeine Endzweck aller derer , dir eine Sa - che erzählen , davon sie überzeuget sind ; sie wünschen , auch diejenigen von zu überzeugen , an welche sie sich wenden , und man würde unhöflich «cgen sie seyn , »nd ihnen Verachtung bezeigen , wenn man sagen wollte , ich glaube es nicht . Allein wenn diese Grundsatze , m Ansehung derer , wahr sind , die eine Historie schreiben , so müssen sie solches , in Ansehung eines Gotteßgelehrten , noch viel mehr seyn , welcher in einem moralischen oder ondüchtigen Buche , »der überhaupt in einer solchen Schrift , wie de« h .
II & and .
Gregorius seine ist , von Wunderwerken redet . Man muß nicht allein voraussetzen , daß dieser Pabst kein einziges Wunderwerk erzählet hat , das er für falsch gehalten ; sondern daß er auch gewünschet hat , es möch - ten alle seine Leser die Wunderwerke für wahrhaftig erkennen , die er er - zahlet . Er ist also wegen allzugroßer Leichtgläubigkeit strafbar ; er hat keine Beurrheilungskraft gehabt , und es hat nicht an ihm gefehler , wenn nicht alle seine Mangel bis in seine Leser übergegangen sind : denn wenn man ja so viel Klugheit har , einen Theil von seinen Erzählungen zu ver - werfen , so hat man sie nickt durch seinen Beystand . Man merke , daß man ihn sehr schlecht rechtfertigen würde , wenn man sich einfallen ließe , zu antworten , daß er selbst nicht alles geglauber , was er erzählet . Hat er aber , diesem ungeachtet , würde ich fragen , nicht gewollt , daß seine Leser alles glaulvn sollen ? Har er dieß gewollt , so ist er ein Betrieger ; hat er es nicht gewollt , warum hat er sich denn die Mühe genommen , solche Dinge zu schreiben ? Seinen Nachruhm zu vertheidigen , kann man nicht' besser thuu , als wenn man saget , daß er allzuleichtgläubig gewesen , und allzuwenig Urtheilskraft gehabt .
( * ) Equidem plnra transferibo , quam credo : nam nee adfirmare fuftineo , de quibus dubito , nec fubdueere , quae aeeepi . Q . Curtius , Libr . IX . eap . I . Man sehe hierüber Freinsheims Auslegung , wo man verschiedene dergleichen Stellen anderer Historienschreiber finden wird . Jmgleichen Tack . Annal . Libr . IV . cap . XI . und Maimbnrgen , im V B . der Historie von den Kreuzzügen , die in den Gedanken über die Cometen angeführer werden . La Motte le Bayer , in seinen : Discnrse über die Historie , sührer verschiedene Stellen an , wo Titus Livius seine Behutsamkeit , bey Erzählung der Wunderwerke , zeiget .
Dieß ist« , was man der Schutzschrift entgegen setzen kann , welche der Benedictiner Sammarthan , in Absicht auf die Wunderwerke , machen wollen , wobey sich dieser große Pabst bekriege» können . Der Vertheidi» ger erkläret sich nicht , ob er glaubet , daß eine große Anzahl dieser Gat , tung von Wunderwerken , sich in den Gesprächen des heil . Gregorius findet ; allein es ist leicht zu errarhen , daß er es nicht glaubet . Er hält sich allzusehr bey den Gründen auf , die er vermögend hält , zu überreden , daß die außerordentlichen Sachen , die in diesen Gesprächen erzählet wer» den , zur selbigen Zeir sehr gemein gewesen . Dereine von diesen Grun« den ist daher gekommen , daß es damals viel Ketzer und Katholiken zu bekehren gegeben , welche die Unsterblichkeit der Seelen und di« Auferstehung der Todten nicht geglauber haben . Ste . Marthe , Hift . de St . Gregoire , p . 274 . „ Dieß ist eine beständige Wahrheit , daß „ man zur Zeit des heil . Gregorius viele Christen , wegen dieser Haupt« „ puncte unserer Religion und Lehre , wankend gesehen . Er ist so demü , „ thig , und bekennet , daß er ehmals selbst wegen der Auferstehung in Zwei» „ sel gestanden hat . Mutti eniin de refurre & ione dubitantes , ficut et „ nos aliquando fuimus . Horn . XXVI . in Euang . Dieferwegen läßt „ er sich in vielen von seinen Homilien sehr angelegen senn , seine Zuhö» „ rer von diesen Wahrheiten zu überzeuge» Wie es allezeit auch in dem „ Schooße und in der äußerlichen Gemeinschaft der katholischen Kirch« „ viel Ruchlose gegeben hat : so haben sich allezeit viel Leute gefunden , „ welche , da ihnen daran gelegen gewesen . daß kein ander Leben , als das „ gegenwärtige , keine Auferstehung und kein Gericht wäre , sich leicht davon „ überredet haben . Denn es ist nicht weit von der Verderbniß des Her« „ zens zu den Zrrthümern und Fehltritten des Verstandes . Dem sey , „ wie ihm wolle , so ist es ganz gewiß , daß Italien , und insonderheit „ Rom . zur Zeit des heil . Gregorius . von diesen Ungläubigen angefüllet „ gewesen . ES ist unnützlich , daß ich solche« zu beweisen , unternehme , „ nach demjenigen , was der letzte Uebersetzer der Gespräche , in einer „ vortrefflichen Vorrede über diele Materie gesaget hat . Gre , „ gorius von Tours , ( Hift . Libr . X . cap . XIU . XIV . ) erzählet den „ Streit , den er mir einem von den Priestern seiner Kirche gehabt , wel« „ cher gelehret , daß keine Auferstehung zu erwarten wäre . Er redet auch „ von einem Diakonus der Kirche zu Paris , der als ein geschickter Mann „ in gleichen Jrrthum verfallen , und sich sehr hitzig über diesen Glau - „ benSartikel zu disputiren , gezeiget hat . Wir können hieraus urtheilen , „ daß es in Frankreich noch viel andere gegeben , welche in diese gefähr» „ liche Ketzerey verwickelt gewesen . Die Leser der Gespräche werden „ darinnen von dem Peter DiakonuS erfahren , daß er viele unter den Chri« „ sten gekannt , welche daran gezweifelt , ob die Seele , nach der Tren , „ tiung von dem Körper , zu leben fortführe . Libr . III . cap . XXXVIII . „ et Libr . IV . cap . IV . Ist es nicht der Barmherzigkeit Gottes qe« „ inäß gewesen , daß er um diese Zeit Wunderwerke geschehen lassen , um „ der Schwachheit dieser armen Ungläubigen zu Hülse zu kommen ? „ Und ist der heil . Gregorius wohl zu tadeln , daß er dieselben aesammlet «hat ? Ich mache zwo kurze Beobachtungen hierüber : die eine ist» daß . wenn diese ungläubigen Katholiken nur gezweifelt , ob die Seele un» sterblich sey , und ob der Leib wieder aus dem Grabe auferstehen werde , so sind es elende Vernünftler gewesen : denn so bald man die Wahrheit des Evangelii einmal zulaßt , so ist man bey den Zweifeln auslachens , und erbarmenswürdig , die man sich über diese zween Artikel machet . Die andere ist , daß es vielleicht niemals mehr Ungläubige , als in dem XVI und XVIl Jahrhunderte gegeben ; ich rede von solchen Un - gläubigen , welche nicht nur das Gebäude , ohne Vernichtung des Grun - des , verwerfen ; sondern welche das Gebäude und den Grund zugleich umwerfen . Außer diesem hat es in diesen zweyen Jabrhunderten . nach der Erklärung d - S Dionysius SammarthanS , viel Ketzer zu bekehren gegeben . Also müßten die Wunderwerke in diesen Jahrhunderten nigsten« eben so häufig gewesen seyn , als zur Zeit des heil . Gregorius . Man schließe daraus , daß der Vernunftschluß des Dionysius Sammar , thans nicht« beweist , da er zu viel beweist .
( 8 ) Wenn es wahr wäre , daß man einen Theil von seinen Büchern verbrannt hatte , und nur vermittelst eines Zufalls sie alle 5» verbrennen verbinden worden . ) Der DiakonuS Johann sa - gel im LXIX Cap . des IV B . von dem Leben des heil Grez»rius , daß Italien m demselben Jahre , da die'er pabst gestorben , von einet abscheulichen - Hungersnoth heimgesucht worden . St . Marthe , Hift . de S . Greg . Liv . IV . chap . VIF . p . 613 . „ Da die Armen , welche „ an die Freygebigkeiten dieses allgemeinen Vaters der Gläubigen qe . „ wöhnet waren , nicht gleichen Beystand vom Sabinian . seinem Nachsol . „ ger erhielten ; weil man angeführet , daß Gregorius alle Güter der rö - „ Mischen Kirche durch ftine Verschwendungen erschöpft hatte : so haben „ sich viele parteyische Leute gestmden , di« ihre Wuth an den Werken die - Mm mm „ ses

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