Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10369

Gregorius .
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schuldigung , folgende« : Neque eft cur patiamur Gregorium hac in
re a quibusdain litterarum ignaris potiflimum carpi , quod fuo man - dato veterum aedificia fint dirupta , nc peregrini et aduenac ( vt ipfi fingunt ) advrbem religionis caufa venientes pofthabitis locis facris , arcus triumphales et monumenta veterum cum admiratione infpice - rent . Abfit haec calumnia a tanto Pontificc Romano praefertim : cui certe poft Deum patria quam vita charior fiiit . Eben bicfet * Ge - schichtschreiber bemerker . daß Sabinianus , der dem Gregvrius gefolger , eine außerordentliche Feindseligkeit gegen seinen Borfahren bezeuget , so , daß es nicht viel gefehlet , er hatte feine Bücher verbrennen lassen . nige Einwohner in Rom hatten den neuei , Pabst dazu gereizet , weil der heil Gregvrius , saget man , die Bildsäulen der alten Römer verstüm - melt oder umqeworfen hatte . Platina verwirft auch diese gung . Paululum etiam abfuit quin libri eius comburerentur , adeo in Gregorium ira et inuidia exarferat homo nialeuolus . Sunt qui fcribant , Sabinianum inftigantibus quibusdam Romanis hoc in Gre . goriutn molitum eile , quod veterum statuas tota vrbe dum viueret , et obtruncaucrit et disiecerit : quod quidem ita vero diflbmim est , vt illud , quod de abolendis aedificiis maiorum in vita eius diximu» . In Vita Sabiniani .
CM ) Man hat ihn beschuldiget , er habe unzählige Bücher der - Heiden verbrennen lassen . ) Die palatinifche Bibliothek , die Augu - stuS angeleget hat , ist , wie man saget , durch den Heil . Gregorius in Asche verwandelt worden . Ich habe diese« nirgends , als im Iohannes Saris , berienfis gelesen ; also kann ich ihm nicht viel Glauben beymessen ; ich will aber seine Worte anführen : Si vero mathematicorum via eilet vsquequaque laudabilis , non tantopere poenltuiflet magnum Augu - ftinum fe eorum confultationibus inclinafle . Ad haec doftor fanöif - fimus ille Gregorius , qui melleo praedicationis imbre totain rigauit et inebriauit ecclefiam , non modo mathefin iuflit ab aula , fed vt tra - ditur a maioribus , incendio dedit probatae leäionis scripta , Pa - latinus
Quaecunque tenebat Apollo .
In quibus erant praecipua , quae caekestium mentcm , et fuperiorum oracula videbantur hominibus reuelare . De Nugi» Curialium , Libr . II . cap . XXVI . p . ii7 . 104 . Er saqet an einem andern Orte : es habe Gregorius die weltlichen Bücher abgeschafft , damit er die heil . Schris - ten beliebter machen wollen . Fertur beatus Gregorius bibliothecam combuflifle gentilem , quo diuinae paginaegratior eilet locus , et jor autoritas , et diligentia ftudiofior - . Libr VIII . cap . XIX . pag .
Dieß ist wohl das gewisseste , daß dieser Pabst einen großen Abscheu ge - gen die Bücher des Heidenthums gehabt . Man kann aus diesem cke seiner Historie davon urtheilen . Didier , Erzbischof von Vienne , „ war ein wohlverdienter , sehr gelehrterund tugendhafter Mann , an wel - „ chen der heil . Gregorius mehr als einmal mit Lobe geschrieben hat ; „ und gleichwohl hat er wider seine Aufführung viel zu sagen gesunden , „ und ihm , als ein großes Verbrechen , verwiesen , daß er e6 übernommen , „ einige von seinen Freunden in der Sprachlehre und in den weltlichen „ Wmen'chaften zu unterweisen , und ihnen die Poeten zu erklären . Er „ versichert , daß ihm diese verdrießliche Zeitung so viel Bekümmermß ver - „ ursacher . daß sich alle seine Freude , die er gehabt , den guten Fortgang „ seiner Studien und seiner großen Fähigkeit zu erfahren , auf einmal in „ Traurigkeit verwandelt hätte : weil . saget er ( * ) , die Ä . obesecHe * , , bringen Jupiters und Jesu Christi nicht in einem Munde fem „ konnten . Denket ein wenig mcIi , rvas er . für einen Bischof für „ eine unanständige Sache ifi , Verse ; u singen , die auch ein am „ dachnger Jiaye und Mönch nicht mit Wohlstände und ohne »Verletzung seiner profeßion hersagen konnte . Er setzet dazu : „ daß , ob er gleich von einem andern Orte die Versicherung erhalten , daß „ nichts daran wäre , ihm solches dennoch sehr am Herzen läge , und daß »er sich um so viel genauer nach der Wahrheit erkundigen wolle , je ab - . »scheulicher und versinchenSwürdiger es wäre , eine solche Sache von ei - „ ncm Priesrer und Bischöfe sagen zu hören . ( * * ) XVannicb aber , saget „ er endlich , ihn zu trösten , offcnbarlich erfahren kann , daß der mir , „ wider euch , erstattete Bericht falsch ist , und daß ihr eure Feit „ nicht mit Vergleichen Rindcreyen der heidnischen tvisienschaf - „ im , und weltlicheit und eitlen Rünste verderbet : so will ich „ Gott danken , daß er nicht erlaubet hat , daß euer >Hcr ; e mit „ ^ . odsprüchrn , die voller Gotteslästerungen sind , besudele wor - „ den , welche diese Schriftskeller den größten Bosewichrern von „ der U ? clt geben . Maimbourg , Hift . du Pont , de S . Greg . pag . 26z . 164 . Dieser Scribent ermangelt nicht , über sich selbst Betrachtungen anzustellen , nachdem er dieses gesaget hat . Man sehe seine Worte in den Nouvellen der Republik der Gelehrten , Herbstmonat , i6g6 , 1034 Seite , und im Seckendorf , 4 S . des I B . der Historie des Lutherthums .
( * ) Qiua in vno fe ore cum . Iouis laudibus Christi laudes non ca - piunt . Et quam graue nefandunique fit Epifcopis canere , quod nec Laico religiofo conueniat , ipfe confidera . Quanto execrabile est hoc de Sacerdote enarrari , tanto vtrum ita nec ne fit diftricta et ve - laci oportet fatisfaäione cognofci .
( * * ) Si posthac euidenter ea , quae ad nos perlata funt , falfa esse claruerint , nec vos nugis et faecularibus litteris studere conftiterit ; Deo r . ostrov gratias agiimis , qui cor vestrum maculari blasphemis nefandorum laudibus non permifit .
( N ) - c t und namentlich den Titus' L . ivius . ] Antonin , Erzbischof von Florenz , ist der älteste Schriftsteller , der deswegen vom Boßius angeführet »vorden . Man giebt vor , daß dem Titus Livius wegen also begegnet worden , weil er allzusehr auf dem abergläubischen Götzendienst der Heiden besteht . At mirificus zelus fiiit S . Grego - »ii , qui vt 8 . Antoninus , et ex eo Io . Hcflelius , ex vtroque Rade , rus ad Martialem tradit , Liuium propterea combussit , quod in fu . perßitionibus et facris Romanorum ßerpctuo verfetur . Voffius , de Hift . Lat . p . 98 . J
Ich hatte bald die Zuneigung dieses pabstes . gegen die t - »almodle der Rirche vergessen . ] Maimbourg . Hift . du Pontif . de S . Grcg - p . z - 7 . Ex hat sich vornehmlich angelegen feyn lassen , das Amt „ und den Gesang der Kirche in Ordnung zu bringen . In dieser Ab - „ sieht hat er sein Buch der Antiphonen aufgefetzt . - = < Ebendas . „ Jjo u f . S . Es ist nichts unvergleichlichcrS , als das , was er bey dieser Ge - » . legenheir gethan hat . Ob ihm gleich alle Geschähst« der allgemeinen
„ Kirche über dem Halse lagen , und er noch mehr von den Krankheiten , ^u Boden gedruckt war , als von der unendlichen Menge so vieler ver , „ schieden ? » Geschaffte , für welche er in allen Theilen der Welt sorgen „ mußte ; so hat er sich nichts destoweniger die Zeit genommen , selbst zu „ untersuchen , in welcher Melodie man die Psalmen , die Lobgesänge , di» „ öffentlichen Gebethe , die Verse , die Antworten , die Gesänge , die Vorle - „ sungen , die Episteln , die Evangelien , die Vorreden und das Sonn - „ tagsgebeth singen sollte ; welches die Tom , das Maaß , die Noten , die „ Melodien wären , die für die Majestät der Kirche am anständigsten „ und am geschicktesten wären , die meiste Andacht zu erwecken ; und er „ hat denjenigen Kirchengesang gemacht , der nichts als ernsthaftes und „ erbauliches hat , den man noch heuriges TageS den gregorianischen Ge - „ sang nennet . Er hat mehr als eine Akademie von Sängern gestif - , . ret ( * ) , für alle Kirchenbedienten , bis auf die Diakonos ausqeschlof« „ sen , weil sich die Diakoni auf nichts , als die Predigt des Evangelii , unl> „ die Auscheilung der 'Almosen unter die Armen legen dörfen , und weil „ er gewollt , daß sich die Sänger befleißigen sollten , sich in der Kunst „ vollkommen zu machen , seinen Gesang richtig nach den Noten zu sin - „ gen , und ihre Stimme wohl einzurichten , angenehm und andächtig zu sin - „ gen , welches nach dem heil . Isidor ( * * ) nicht anders , als durch Fasten „ und Keuschheit erhalten werden kann . Denn , saget er , die Alterr „ haben den Abend zuvor gefastet , wenn sie singen sollen , und zu ihrer „ ordentlichenKost nichts als Hülsenfrüchte gebrauchet , die Stimme reiner „ und klärer zu behalten ; daher eS gekommen , daß die Heiden die Sänger „ Bohnenfresi'cr genenner . Ich weis nicht , ob sich die Sanger heutige sTa - „ ges zu dieser ungewohnten Lebensart so leicht bequemen würden . Denr „ sey , wie ihm wolle , so hat der heil . Gregorius große Sorge getragen , „ sie zu unterweisen , und ihnen selbst Lehrstunden zu halten , sie wohl'sin - „ gen zu lehren , ob er gleich Pabst gewesen . Johann ( f ) der Diakonu« , „ versichert uns , daß man ju seiner Zeit in dem Pallaste des heil . Johann „ von Lateran , das Bette mit großer Verehrung aufbewahret hat , wor» „ innen er bey seiner Krankheit gelegen und doch gesungen , um die San« „ ger zu unterweisen , und die Ruthe , mit welcher er denjenigen Geist - „ lichen und den Chorknaben gedrohet , wenn sie den Ton nicht recht ge - „ troffen , und in den Noten seines Gesanges gefehlet haben . , , Ich „ muß hier eine 'Anmerkung wider diejenigen machen , die ohne Bettach - „ tung der Umstände , Bücher ailführen : der wallonische Prediger , der ein großes Buch von der göttlichen Melodie des heil . Psalmisten , 1644 , herausgegeben , hat sich nicht darum bekümmert , ob sich die Sachen seit der Zeit des Johann Diakonus , de« Urhebers der Historie des heil . Gre« goriu« , verändert haben . Johann der Diakonus , hat im neunten Jahr« hunderte gelebet . Er hat gesaget : daß man noch die Ruthe bewahre^ mir welcher dieser große Pabst den Musisschülern gedrohet hat . Alle ! » daraus folget nicht , daß wir , so , wie er , die gegenwärtige Zeit gebrauchen können , wenn wir die Sache erzählen ; und also hat der wallonischePre - diger den Tadel sehr wohl verdient . Er hat gesaget . lerem , de Po „ r , , Divine Melodie , p . 1070 . T>»r , 5Uvor angcfübrte Gregorius See große , hat eine Schule von Sangcrn gestiftet , und ihnen Collegi» mit guten Einkünften gebauet . Man weist ju Rom noch ges Tages , sein Berte , auf welchen er ruhend g . sungen , die Ruthe , mir welcher er seine Schüler gesirafer , und die achten Antipho« nie» . Mauel . 94 .
( * ) Scholam quoque Cantoruin , quae ha & enus eisdem inftitutio - nibus in S . R . Eccl . modulatur , construit . Lib . IV . Ep . Xl . IV .
( * * ) Ifid . de Eccl . Ostic . L . II . c . XII . Pridie quam cantandum erat eibis abstinebant pfallentcs , legumine in caufa vocis aflidue vte - bantur , vnde et cantores apud gentiles Fabarii diöi funt .
Ct " ) Vsque hodie le & um eius , in quo reeubans modulabatur , et flagellum eius , quo pucris minabatur , vencrationc congrua cum au - thentico Antiphonario referuatur . Io . Diac . Lib . II . c . VI .
( P ) Sammarthan scheint mit Maimburgen nicht sehr jttfrie« den ju seyn . ] Er finde t , daß die - Historie von dem pabstthume de» h . Gregorius des großen , die von diesem Schrifkireilt - r herausgegeben worden , nicht das gan ; e Jtebcn dieses - Heiligen begreift . Denys de S . Marthe , in seiner Vorrede . Er setzet dazu : daß sich Maimburg nur an gewisse Sachen seines pabstthums gehalten , die in seine Absichten eingeschlagen sind , und alle die andern hindangesetzet habe , die sehr wohl verdienet harten , bekannt ju seyn . Ich weis , saget er in der Historie des heil . Gregorius . III B . I Cap . z ; 6 , 337 © . „ daß ein berühmter Scribent , der die Historie von dem Pabstthume de« „ heil . Gregvrius herausgegeben , und der sich einer großen Unparreilicl> - „ feit rühmet , denselben tadelt , daß er sich über eine nichtswürdig» . Sache so erhitzet . Unterdessen zweifle ich nicht , daß , wenn der heil . „ Gregorius , oder ein anderer Pabst sich * vorgenommen hätte , sich einen „ ökumenischenPatriarchen nennen zu lassen ; und wenn sich Johann der „ Patriarch zu Constanrinopei , oder ein anderer Bischof darwider gefetzet „ hätte , nicht eben dieser Scribent den Pabst , wegen dieses Vorha - „ be«s , als einer unerträglichen Einbildung und Gewaltthängkeir gera - „ delt , und die Großmuth des Paniarchen , des Bischofs , und überhaupt „ aller derer , die sich dawider gefetzet hätten , gelobet haben wurde . So „ gefährlich ist es , wenn man die Schreibung einer Historie mit einer» „ von Vorurtheilen angefüllten Geiste unternimmt , welcher sich eben so , , bemühet , seine Meynungen in die Erzählung der Sachen einzuflicken , „ als diese Sachen mit einer vollkommenen Auftichtigkeit vorzutragen . ^ Dieß giebt uns einen sehr nachtheiligen Begriff von Maimburz« Herzen .
( QJ - » , Zzassenige , was er von den magdeburqischen Tenturiatoren beobachtet , »st mir einer falschen Cririk vermischt . XPir wollen es hier unten siben . ] Ein jeder weis , daß der Streit über die Gclubbe des ehlosen Standes , unter den Protestanten und Rö - mischkatholischen sehr groß , und einer von den Gründen der Prorcstan , ten ist , daß dergleichen Gelübde viel Unordnungen und unzählige XOctZt der Finsternis ? nach sich Ziehen ; ( Ephes . V , » . ) die nach dem Sinn» des Evangeli , gänzlich unfruchtbar , aber in ein - m andern Sinne , sehr fruchtbar sind , weil sie einer sehr großen Anzahl menschlicher Geschöpf , das Leben geben . Es ist wahr , daß dieses Fruchte sind , die man nicht reif werden läßt : man ersticket sie vor ihrer Geburt , so viel als man kann ; man muß es so machen , um das erste Verbrechen zu verheelen , und man kam , dieses nicht wohl thun , als durch eine andere Sünde , die noch weit abscheulicher , als die erste ist . Dieses ists , was die Religivnsstrei -
ter

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