Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10349

* Die Unbilligkeit eines solchen Verfahrens ftflttf zwar nicht erst erwiesen werden : doch wer sie etwa noch nicht einsieht , der sey so gut und bedenke , ob nicht alle Römischkatholischen >ehr über Be - drückungen und Verfolgungen klage« würden , wenn die evangeli - schcn Prinzen in Deutschland es mir ihren Glaubensgenossen so chen möchten , als sie eö mit den Unsrigen machen , wo sie die Ober - Hand haben ? Wenn man nämlich auch niemand zu der geringsten Bedienung nähme , und wenn es der Dienst eines Schuhputzers oder Stubenheizers wäre , als der evangelisch ist , oder werden will ; wenn man keinem katholischen Handwerksmanne was zu arbeiten gäbe , bis er aus Hungerönoth entweder die Stadt räumen , oder evange - lisch werden wollte ; wenn man keinem Bettler , der katholisch wäre , ein Allmosen gäbe ; wenn man keinem katholischen Freyer eher eine Tochter gäbe ; oder wenn kein evangelischer eher eine Papistinn hei - rathete , bis sie dieReligion ihrer Vater abgeschworen hätten u , d> gl . Ja wenn man in allen diesen Stücken gelinder wäre , als sie , sie aber nur nöthigte , ihre Kinder evangelisch taufen zu lassen , in evangelische Schulen zu schicken , evangelische Kirchen zu besuchen und nach evan - gelischer Art die Sacramente zu gebrauchen : c . welches eigentlich kein Gewissenszwang heißen könnte , da es bey jungen Kindern durch Unterricht , und in aller Güte geschähe : was würden , sage ich , die Katholiken wohl dazu sagen ? Indessen thun sie laglich in ihren Län - dern vielmehr , als das : wir aber sind in den protestantischen Lan - den viel zu , soll ich sagen , gewissenhaft , oder nachläßig ? als daß wir ihnen Gleiches mit Gleichem vergelten sollten . G .
CF ) Seine Sittenlehre in Absicht auf die Reuschheir der Geis ? , «chen , ist sehr strenge gewesen . ] Wenn ein Bischof erwählt werden sollte , so hat er den Wählenden vornehmlich anbefohlen , sich zu erkundi - gen : ob der Vorgeschlagene des Ehbruchs oder auch nur einer bloßen Hu - rerey schuldig wäre ? „ Er hat auch gewollt , daß man ihn besonders und , , m geheim befragte , ob er nicht in diese Unordnung gefallen wäre , mit , , Vermelden , daß , wenn er dieses Lasters schuldig wäre , obgleich niemand et - „ was davon wüßte , und man keine Beweise hätte , ihn deswegen zu über - „ zeugen , er mit gutem Gewissen die Orden nicht annehmen könne ; daß „ man sie ihm aber nichts destoweniger geben würde , wenn er versicherte , „ daß er davon befteyt wäre ; wenn er es aber bekennte , ihm freundlich „ vorstellen sollte , daß er eher ins Kloster , Buße darinnen zu thun , als „ an das Priesterlhum denken sollte , dazu ihn sein Verbrechen , ob es gleich „ verschwiegenwäre , unfähig machte . , , Mainib . Hift . duPont . deS . Greg , pag . 351 . Da dieser große Pabst erfahren , daß einige Geistliche in Sardinien in diese Unreinigkeit gefallen waren , nachdem sie bereits die Orden erhalten harren : so har er nicht allein befohlen , daß sie «hgeseyer werden sollten , ohne die geringste - Hoffnung , jemals wieder in die Verrichtungen ihres Amts hergestellet zu werden ; sondern auch , daß man , einem so großen Uebel vorzubauen ( * ) keine Personen mehr zu den Orden und vornehmlich zum JS>y schofthume zulassen sollte , wenn man nicht versichert wäre , daß sie allezeit keusch gelebt , und sich auch viele Jahre vor der Un - reuschheir bewahret hätten , nach dem sie sich von ihren Ehwei - bern abgesondert , damit man sie zum priesterthume zulassen könnte .
( * ) Sed nc vnquam ii , qui ordinati fünf pereant , prouideri debet quales ordinantur , vt prius afpiciatur , fi vita iHorum continens , in an - nis plurimis fuerit etc . Libr . III , Epift . XXVI .
Da die Stimmen bey der Wahl eines Bischofs in Neapolis getheiltwa . ren , so hat sich dieser Pabst rund heraus erklärt , daß er den Diaconus Io - Hann , einen von den zween Erwählten , nicht haben wollte : weil er . ge - n«ue Rundschaft erhalten , daß er ein klemes Cochrerchen harte . Und was denkt er wohl , hat er dazu gesetzt , daß er sich unterste - hen darf , Bischof zu werden , da er durch dieses kleine Rind , das er hat , der wenigen Seit offciibarlich überzeuget ist , da er die Reuschheir bewahrt hat i Nam qua praeftiintione ad Epifcopatum audet acc«dere , qui adtiuc longatn corporis fui continentiain , filiola teste , conuincitur non habere . Libr . VIII , Epift . XI . Er hat nach den Sa - Hungen unverbrüchlich beobachten lassen , daß ein jeder Geistlicher und pfründner , er mochte Unterdiaconus , Diaconus , Priester , Abt , oder «Bischof feyn , der in eine Unkcufthheitsstmde verfiele , rvenn man gewisse Berveise seine . - , Verbrechens hätte , abgesetzt und zur Buße in ein Rloster gesteckt würde , ohne daß er jemals wieder in sei - nen Orden oder in seine Würde zu kommen anhalten durfte . - . Nachdem er erfahren ( * ) , daß der Abt Secondin , ein sehr böser Mensch , cntscnlicheVerbrechen begangen hatte : so hat ergesaget , daß man sich keine Mühe machen solle , Beweise deswegen zu su - chen , wodurch man ihn nach rechtlichem Gebrauche überzeugen konnte ; denn es wäre genug , daß er selbst vielleicht aus Eitelkeit , da er sich desjenigen gerühmt , was dergleichen Unkeusche gutes Glück nennen , bekannt hätte ( * * ) , daß er Wollust mir Frauens - pcrsonen getrieben , und dennoch Abt geworden wäre ; worauf er ihn absetzen lassen . Ebendas . Z54 S . Eben auf solche Art hat er mit dem Bischöfe von Zvocleaune , einer Stadt in Illyrien verfahren , die man itzo Eataro nennet , und feinem Metropolitan befohlen , daß , wenn dieser bose Mensch , den man rechtmäßiger Weise abgesetzt , weil er sei» Amt durch diese« schandbare Laster besudelt Härte , sich jemals unterstünde , nack dem Bischofthume zu streben^oder sich nur mit einem Worte verlauten ließe , daß er daran gedächte , man ihn in ein Rloster verweisen , daselbst auf Lebenszeit Buße n» thun , und das Nachtmahl bis an seinen Tod entziehen solle ( 10 . Das merkwürdigste hierbe ? ist , daß er den Bischof von Tarenre , welcher nicht angeklagt , sondern nur verdacht wurde , daß er eine Beyscliläferinn unterhielt , seitdem er Bischof wäre , sehr ernsthaft ermahnt , daß , wenn er sich dieses Verbrechens schuldig wußte , ob e« gleich verschwiegen wäre , u . er es lcugnere , man auch deswegen der -
nen überzeuaendenBeweis hatte ; er dennoch im Gewissen verbun ?
den sey , f , d , selbst abzusetzen , und aller priesterlichen Verrichtung zu enthalten , tiefes wird um so viel seltsamer schemen , da er eben sen Bischof dx'x ein ander Verbrechen begangen , welches vor der Welt viel nSßet m fern scheint , mir c . ncr viel gel , ndern Strafe
b - l - z - laSSW >>>«« - Pril« h - - - - »»»
che ihm etwas zu ^eide gech^n hatte , so viele Stockschlagt . geben
m'us .
lassen , daß sie halb todt liegen geblieben . Ss ist gewiß , daß , wenn sie einige Tage nach diesen grausamen Schlägen gestorben wäre , man ihn , als einen Tod schläger sehr harr , nach aller Schär - fever Satzungen , gestraft haben würde : jedoch da sie erstlich acht Monare hernach gestorben , so hat unser Gregorius nkbt ge , glaubt , daß man ihren Tod den empfangenen Schlagen zuschreiben müsse , und ihm nur sein Amt auf zween Monate untersaget . Allein wegen der Unkeuschheitssünde , die nach den Gesetzen der lichen Gerechtigkeit nur einer viel gelindern Strafe zu belegen gewesen wäre , als diese einem Bischöfe so unanständige andere Thar : so har er ihm gesager , daß er , wenn er dieselbe begangen , ob man sie gleich nichr berveistn könne , ausdrücklich seinem Ge , wissen eine Genüge zu thun , seine Bischofswürde niederlegen müsse . Ebendas z ; ; u . f . S .
Mamburg verläßt diese Materie nicht , ohne zu stigen , „ daß die Schärfe „ der Satzungen in diesem Punete heutiges Tages nicht mehr im Gebrau - „ che , und man nicht mehr verbunden fey , in diesem Gewissenssalle der „ Meynung des heil . Gregorius zu folgen . „ Ebendas .
( * ) Qiii poft acceptuni facrurn ordinem lapfiis in peccatum carni« fuerit , facro Ordine ita careat , vt ad altaris minifterium vlterius non accedat . Libr . III» Ep . XXVl . Si Clericus fuerit a fuo remotus otfi - cio , profuis continuo lueendis exceffibus , in Monafteriuin detrudatur L . III , Epift . IX . L . I , Epift . XVIII , XL II .
( * * ) Hoc folum ad eins damnationem poteft fufficere , quod etiam ipfe de fe dicitur fuifle confefllis , quod a ftatu habitus fui in lapfuin carporis ceciderit . L . II , Epift . XXIII , Ind . II .
( t ) Si forte poft depofitionem fuam inoerecunde ac mente peruer - fa aliquid de Epifcopatu loqui , atque rurfus ad hoc qualibet adfpirar« praefunitione tentauerit . L . X , Ep . XXXIV .
( G ) ( Sc ist in Ansehung der Verleumdung scharf gewesen . 1 Alles , was Maimbnrg wegen dieser Marerie vorbringt , scheint mir so gut z» feyn , daß ich mich nicht bemüht habe , einen Auszug davon zu ma - chen , weil ich nichts unnützliches darinnen sehe . Erstlich bemerket er , p . 460 . daß hier eine sehr subtile und um so viel gefährlichere Uncerdru - ckung ( Cahimnia conturbat fapientein . Ecclef . cap . VII , Verf . 8 . ) ist , je schwerer dieselbe zu entdecken , nämlich die Verleumdung , wel - che die allerrveisesten , und auch diejenigen selbst , die sich eine »LH« re daraus machen die erste zu leiden , ( das Heißt das Unglück , von denjenigen unterdrückt zu werden , die regieren . ) so Hart und so uner , träglich sinden , daß sie nichr verhindern können , so große Stärke des Geistes sie auch haben , daß ihre Standhastigkeir nicht er - schütte« würde . Hierauf erkläret er sich also : „ Ich weis , daß die fou „ serlichen und päbstiichen Gesetze ( Dig . I . z . tic . 2 . Grat . c . 5 . q . 6 . cauf . 6 . qn . 1 . ) „ Strafen verordnen , dieses Verbrechen zu strafen , darüber man „ sich so sehr in der Welt beklagt ; allein sie werden in Ansehung der Geist« „ lichen nicht allezeit wohl beobachtet , wie Gregorius bezeuget , und fon» „ derkich in den Gemeinschaften , wo man der Verleumdung nichr viel „ Gerechtigkeit enveiset ; unter dem Vorwande , daß man durch Bestra . „ fung der falschen Anklaqe die Freyheit aufheben würde , die man haben „ muß , wahrhastige Zeugnisse anzudringen , und den Obern die Fehler de . „ rer zu entdecken , welche eine Züchtigung verdienen . Allein diese« ists , „ was der heil . Gregorius keineswegeö leiden will , wie aus verschiedenen „ von seinen Briefen leicht zu sehen ist . In der Thar hat er , ( Libr . z . Ind . 12 . Epift . 24 . ) „ da Epiphanius , ein Priester der Kirche zuCagliari» „ von andern sardinischen Geistlichen , wegen eines großen Verbrechen« „ fälschlich angeklagt worden , welche diese Anklageso gar bis nach Rom „ gebracht hatten ; in Person den Grund dieser Sache erkennen wollen . „ Und wie er gesunden , daß es eine bloße Verleumdung war , wodurch man „ die Unschuld dieses Priesters unterdrücken wollen , so hat er ihn votli« „ fceygesprvchen , seinem Bischöfe zurückgeschickt , und ihm anbefohlen , ihn „ wieder in seinen Orden herzustellen , und denjenigen , der ihn angeklagt „ hatte , von der Gemeinschaft auszuschließen , wenn er nicht bereit wäre , „ durch cauonische und ganz offenbare Proben , die Wahrheit desjenigen „ zu beweisen , was er wider diesen Priester angebracht hatte . Diese« „ ists , was das Gesetze ( Lad . I . 4 et 9 . tit . de probat . leg . knall . Cum caiuumiantes ad vindi & am pofeat fimiliftido fupplicii . Lauf . 2 . qu . 8 . c . III . ) „ erfordert , welches dazu füget , daß derjenige , der feinen Bruder „ falschlich anklaget , mit eben derselben Strafe belegt werden soll , die der „ Angeklagte verdient hätte , wenn er schuldig gesunden worden wäre . „ Hier aber ist noch was mehrers : Da Hilarius , Unterdiaconus bey de« „ Kirche zu Neapolis , wider den Johann Diaconus bey eben derselben Kir« „ che eine falsche Anklage erdichtet hatte , die er wider die vielen Zeugen , „ welche die Unschuld dieses Diaconus bekräftigten , nicht behaupten kön - „ nen : so hat es dieser Pabst sehr übel empfunden , daß PaschasiuS , ih» „ Bischof , den Verleumder noch nicht gestraft hatte . Hierauf hat er dem „ Vettheidiger Anthemius befohlen , ihm in seinem Namen seinen Willen „ zu melden , daß er erstlich ( * ) seines UnrerdiaconatS entsetzt werden „ sollte , dessen er unwürdig wäre : zum andern , daß mau ihn mir Ruthen „ öffentlich streichen lassen sollte ; dem , man brauchte zur selbigen Zeit noch „ dergleichen Züchtigung gegen die Geistlichen , wie man im Augustin ( * * ) . „ sehen kann , ob gleich diese Gewohnheit seit diesem abgeschafft worden : „ und ihn endlich , wenn er auf diese Art gezüchtiget worden , ins Elend „ zu schicken ; wohl zu verstehen , entweder in ein Kloster , daselbst Büß» „ zu rhun , oder auf Befehl der Obrigkeit , welcher , nach den Gesetzen des „ Prinzen , einen Verbrecher mit der Verbannung zu bestrafen , allein „ zu kam . Und wie er einen Abscheu gegen die Verleumdung , durch der - „ selben scharfe Bestraftnrg , blicken lassen , so ist er auch sehr sorgfältig auf „ feiner Hut gewesen , sich dadurch nicht übereilen zu lassen , und hat dem „ Angeber nicht das geringste geglaubt , bis er nach der genauesten Unter» „ suchung der geringsten Umstände , und nach dem er beyde Parreycn zur „ Gnüge gehört , nicht mehr an der Sttasbarkeit des Angeklagten zwei , „ feln können . Er hat sich auch so sehr gefürchtet , obgleich unschuldiaer „ Weise , durch die Kunstgriffe der Verleumduna betrogen zu werden , daß er „ sich , wenn er gekonnt , der Beurtheilung der Anklage entschlaqen . und „ sie einem andern aufgettagen har , von dessen Fähigkeit und Redlichkeit „ er versichert zu ft , ) n glaubte . . .
( * ) L . 9 . Ind . 4 . Epift . 66 . Vt eundern Hilarium prius Subdiaco - natus quo indignus fungitur , priuet Officio , atque verbenbus blice caftigatum faciat in exiliurn deportari , vt vniut poena tnulto . turn poflit eile correöio .
«I tl ) ( * * ) Qyi

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