Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10339

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Gregorius .
„ die andere des Constantius , und die dritte des Valens Gemahlinn „ gewesen , die . arianische Ketzerei ) in Morgenlande auszubreiten : sich „ Gott , um die Maschinen seines Feindes zu Grunde zu richten , und ihn „ mit seinen eignen Waffen anzugreifen , auch dreyer erlauchten Königin - „ nen bedienen wollender Clotildis , des Clodoväus Gemahlinn , der Zn - „ gonde , des heil . Ermenegildus , und der Theodelinde , des Agilulphus „ Gemahlinn , die Abendländer durch die Bekehrung der Franzosen vom „ Heidenthume , durch Ausrottung der arianischen Lehre in Spanien und „ Italien , und durch die Bekehrung der Visigothen und Longobarden zu „ heiligen . , , Zn einem andern Werke hat er von nichts , als den Dien» sien geredet , die die Frauen der bösen Sache geleistet haben . Hirt , du grand Schifmc d' Occidcnt , Livr . II , pag . ni . , 8z . bey Gelegenheit der Prinzeßinn von Wallis , Wicklest Beschüherinn . Man sehe auch , was er in eben diesem Werke IV B . 79 S . saget . Wie es das Schicksal einer seden Rcncrey gewesen , jaget er , dergleichen aus hundert LLxempeln erhellet , allezeit ihre 25efd>üt$nng zu finden , und wenn ich mick so ausdrucken darf , ihre Starke in der Schwäche ger Prinzeßinnen anzutreffen , die entweder aus Eitelkeit , ( ich eine Ehre daraus zu machen , oder aus Verblendung , vielleicht in der Meinung , sich ein Verdienst dadurch zu erwerben , das - Haupt einer partey ftyn wollen , die , da sie sich nicht erhalten kann , fallt , und durch ihren eignen iLinsall elender Xveise zu #oöcn gen wird .
( E ) ( Bc ifi zuweilen in eine grofie Gelindigkeit gefallen . ^ Di« wenige Uebereinsiimnmng seiner Grundsähe erscheiiu offenbar^ daraus , daß er es nicht erlaubt , die Juden zu zwingen , sich taufen zu lassen , und es hingegen genehm gehalten hat , die Ketzer zur Zurückkehr der Kirche zu zwingen . Als der heil . Avitus , Bischof von Tlermont in Au - vetrgne - - - da er seiner Tlerisey in einem Umgange in gleitung alles Volkes durch die Stadt folgte , - - so hat es auf einmal die Synagoge der Juden angefallen , und sie dergestalt von Grund aus zerstöret , daß nichts , als der leere pla ? und kein Stein aufdem andern geblieben ist Maimb . Hift . du Pont . 'de S . Greg , pag . 359 . Der Pralare^ der sich einer so vonheilhaften Gelegen - heil bedienen wollte , hat den Juden sagen lassen , daß sie sich entweder bekehren oder seinen Kirchensprengel räumen sollten . Dreyhundert der , selben haben sich bekehrt , und die andern sind gezwungen worden , wegzu -
fielen . Diesem Beispiele ifi bald darauf in Spanien und in Jra - ien , und vornehmlich in der Provence gefolgt worden , wo man noch mehr tbar , als er bereits gethan hatte . Denn ohne daß man sich die Mühe nahm , sie durch heilige Unterweisungen und gute iLxempel zu Annehmung des Glaubens zu bewegen , so hat man sie aezrvungcn , sich w , der ihren Willen taufen zu lassen : welches so viele Entheiligungen einer so heiligen Sache , und so viele Rirchenraube verursacber , als geraufte unter den Juden waren . Ein so großes Uebel zu verhindern hat der heil . Grego - rius an den Virgilius , Erzbischof von Arles , und an den Theo - vor , Bischof von Marseille , zwcen redliche große Manner , ge , schrieben ( * ) , und ihnen befohlen , es in solche rvege zurichten , Saß man die Juden nicht zwange , sich taufen zu lassen ; weil Zt , befürchten wäre , daß die heiligen Tauf»reine , wo man durch die Taufe zu einem göttlichen ^ . eben wiedergebohren würde , ihnen eine Gelegenheit zu einem viel kläglicher» andern Tode seyn moch , ten , als der erste wegen des Abfalls . Er hatte kurz zuvor eben das , selbe an den Bischof von Terracine geschrieben . Ebendas . - 40 S . Er hat ihm befohlen , den Juden ihre völlige Freiheit zu lasten , sich «n dem , ihnen verwiegten Orte , zur Fe / rung ihrer Festtage zu versammle» . Ebendas . 241@ . Dieses hat er auch noch einige Zeit her - nach an den Bischof von Cagliari in Sardinien geschrieben . „ Die Ge - Fetze , saget er zu ihm , verbiethen wohl den Juden , neue Synazogen zu bauen , allein sie erlauben ihnen auch die alten zn besitzen , ohne daß mau ' . sie deswegen beunruhigen kann . Qiiia ficut kgalis definitio ludaeo» . nouas non patitur erieere Synagogas , ita quoque eos fine iiiquietu - dine veteres habere pernüttit . Und er setzet dasjenige dazu . waS er «auch wegen der Jüden zu Marseille saget , daß man sie durch die Pre , „ digr und nicht durch Gewalt zum Glauben bringen müsse ; Gott wolle , „ daß das Spftr freywillig seyn solle , das man ihm im Geiste und in der „ Wahrheit bringet , und er setzet dazu , daß diejenigen , die sich aus Zugang „ und Roth bekehren , wieder zu ihrem Gespiehenen zurückkehren , jobald » . sie können . „ Ebendas . - 4 - S - Dieß klingt lehr schön ; allein es ist ei - ne seltsame Unterscheidung , welche eine nngeheure Vermischung in einem Lehrgebäude machet . Ebendas . 24z , 244 S „ Gleichwohl ist , nach ihm „ selbst , hierinnen ein großer Unterschied unter den Ungläubigen und Ke - „ tzern , vornehmlich zu Anfange der Ketzereyen . Denn diese dürfen als „ Aufrührer , Abtrünnige und Meyneidige gehandelt werden , die den Glau - „ ben verfälscht , welchen Gott und die katholische Kirche gegeben hat , die „ sie verlassen haben ; indem sie sich wider dieselbe empören , und sich bestre - „ ben , sie nach allen Kräften zu vernichten . Man kann sie zwingen , zu »dem schuldigen Gehorsame und ihrer Pflicht zurück zukehre» ; und wenn , sie nicht wollen , sie strafen ; wie es die kaiserlichen Gesetze , die h . Vater , 'und Calvin selbst haben wollen , der eine Schrift hierüber gemacht hat , " um seine Aufführung gegen den Server zu rechtfertigen , den er in Genf SSEilHat . Also ist es nicht mit den Heiden , den Jü - „ den und den Mahometanern , noch auch mit den , enigen Ketzern , die . als in der Ketzerey gebohrne , die sie von ihren Vorjahren erhalten ha - . . den , niemals in der Kirdx , so wenig , als du - Ungläubigen erzogen wor - „ den sind . Man darf sie nicht unmittelbar mit öffentlicher Gewalt „ zwingen , sich zu bekehren ; insonderheit , wenn man sie einige Zeit det hat . Allein Gregorius belehret uns , so wohl durch seine Lehre , als „ durch sein Beyspiel , sie unmittelbarer weile dazu zu zwingen , nach dem „ Evangelio , welches saget : Nöthiger sie herein zukommen . Xvel - „ che« auf diese zwo Arten geschehen kann ; „ erstlich , daß man die halsstarrigen hart hält ; zum andern , daß man denen gutes rhut , die sich bekehren . „ Also will der heil . Gregorius , daß man die in ihrer Ketzerey „ halsstarrigen Manichäcr verfolge : daher er dem Bischöfe zu Cagliari „ befiehlt , die Bauern und diejenigen unter den Heiden , die unter die rö - „ mische Kirche gehören , und Aecker von ihr haben , welche sich bestandig „ auf eine halsstarrige Art weigern , das Christenthum anzunehmen , mit „ Lasten zu beschweren : hingegen will er , daß man den Inden , die sich „ bekehren wollen , den Drittheil erlassen soll , was sie der römischen Kirche „ für die Aecker ihres Erbtheil« zu geben verbunden sind , die sie in Sic ! «
„ lien bauen , damit die andern durch die Hoffnung eines gleichmäßige ? „ Erlasses , gereizt werden , desto leichter Christen zu werden : und denen , „ welche dergleichen eigennützige Bekehrungen für sehr verdächtig halten „ möchten , saget er ( * * ) , daß , wenn diese Leute betrögen und sich nicht „ recht bekehrten , man doch allezeit viel dadurch gewinnen würde , weil „ doch zum wenigsten ihre Kinder gute Kacholiken »Verden müßten . „
( ■ * } Dum quispiam ad baptifmatis fbntera non praedicatione , fed neceflitate peruenerit , ad priftinam fuperftitionem retneans , inde de - terius moritur , vnde renatus efl'e videbatur . Libr . I , Epift . XLV .
( * * ) Etfi ipfi minus fideliter veniunt : hi tarnen , qui d« iis natifue - rint , iam fidelius baptiiantiu * . Aut ipfos ergo , ant corum filios lucra - niur . Libr . IV , Epift . VI .
Betrachtungen über die Grundsätze des heil . Gregorius , de» Gewissenszwang betreffend .
Dieses könnte Materie zu einem langen Discurse darbiethen , ich will mich aber nur mit etlichen J^vten begnügen . L Es ist gewiß , daß die Wahl der Bekehrung und der Verbannung sehr hart , und sehr ge - schickt ist , Heuchler zu machen ; denn was thun nicht LeMe von mittelnias - siger Gottesfurcht , die Annehmlichkeiten des Vaterlandes nicht zu lieren ? Und mit einem Worte , alle diejenigen , die diese Wahl anrathen . verdammen sie als die That eines Tyrannen , wenn sie derselben selbst ausgesetzt sind : ein klares Merkmaal , daß sie die Gerechtigkeit einer Hand - lung nur nach der Richtschnur ihres Eigennutzes urtheilen , qttod volu - jnus , fanctuin eft . II . Heißt dieses der Kirche eineGewalr zueignen , die sie nicht hat ; wenn man vorgiebt , daß sie Mit allen denen , die sie verlas - sen , ss verfahren kann , als wie die weltlichen Staaten mit den Aufrüh - rern verfahren . Die Kirche kann nichts als freywilliqe Unterthanenha - ben ; sie kam , niemals einen Eid verlangen , der dem Gesetze der Ordnung Abbruch thut ; welches haben will , daß man zu allen Zeiten und an jedem Orte dem Lichte des Gewissens folgen solle : und folglich müssen dieje - „ igen , die diesem Lichte zu gehorchen , das Wort brechen , 'das sie gegeben ha - ben , denjenigen verglichen werden , welche die vorhergegangen und unl'eding - ten Eidschwüre , den nachfolgenden und bedingten vorziehen ; denn es wäre eine Gottlosigkeit , sich zu einem Glaubensfvrmulare zu verbinden , ohne vorauszusetzen , daß es gut sey . Und also sind alle Eidschwürt bedingt , wodurch man sich der Kirche verbindet : allein die Verbindung gegen das Licht des Gewissens ist natürlich , wesentlich und unbedingt . Was man von denjenigen sagen kann , welche ihrem Gewissen zu gehorchen den Eid brechen , den sie der Kirche geleistet haben , ist , daß sie aus Erleuchte« ren Un , vissende geworden sind . Allein wo sind die wohl eingerichteten Staaten , welche Strafen wider diejenigen verordnet , die ihre Ge» lehrsamkeit vergessen , und wider diejenigen , die sich Begriffe erwerben , die sie überzeugen , daß dasjenige , was sie für Jrrrhum gehalten . Wahr , heit ist ? Man muß also sagen , daß die Kirche , wenn sie Gewalt hätte , diejenigen , als Rebellen zu strafen , die sie verlassen ; vielmehr Gewalt haben würde , als die aller unumschränktesten Prinzen haben : nämlich nur als Regenten betrachtet ; denn man merke , daß die Regenten , welche dl« Ketzerev strafen , solches nur vermöge ihrer Religio , , thün , und also ist es eigentlich die Religion , welche strafet : qvoD notandvm . Sie könnte als ein Hauplverbrechen , dieVeränoerung einiger Begriffe bestrafen . III . Es ist nicht schwer das Hirngespinnste der Unterscheidung zu begrei - fen : denn ein Mensch , der in einiger Kirche erzogen worden , hat sich'nie - mals von dem Vermögen lossagen können , dieselbe zu verlassen , so bald ihn sein Gewissen zu einer andern Gemeinschaft antreiben würde : und also hat er eben so viel Recht dieser Gemeinschaft zu folgen , als diejeni , gen , die darinnen erzogen worden ; denn alles Recht der letztern besteht darinnen , daß sie überzeuget sind , ihre Rtllgion sey gut . I V . Meine Grundsätze sind so gewiß , daß ihnen eine jede Partey Beysall geben wird , wenn sie nicht ihren eignen Grundsatz voraussetzet . Ein Jude , anstatt daß er denjenigen einen Abtrünnigen und Rebellen nennen sollte , der dem Christenthume gute Nacht giebt , um das Iudemhum anzunehmen , wird ihn vielmehr einen getreuen Knecht Gottes , der Wahrheit , und der wah - ren Kirche nennen : er nennet nur diejenigen Abtrünnige , die den , ^nden - thume absagen . Eine jede Religion aber verfährt also . V . Was die zwo Arten des Compelle intrare betrifft , so wollen wir sie in die phi - losophische Auslegung darüber verweisen . Ich will nur sagen , daß das Beywort der Verfalscher des NDorres Gottes , 2 Cor . II , v . 17 . vorzugsweise denen znko , innen muß , welche diese zwo Arcen bey dem Bekehrungshandwerke anwenden ( * ) , und daß e« sittlicherweife unmög« lich ist , daß die Regenten , welche sie billigen , nicht durch die Beförderer der Sache zu solchem Verfahren verleitet werden sollten , wobey nickt al , lein viel Ungerechtigkeit , sondern auch viel Niederträchtigkeit ist ( * * ) . VI . Die Ursache , warum unser Gregorius nicht gewollt , daß man die Juden mit Zwange bekehren sollen , ist sehr gut ; darum , saget er , weil diejenigen , die auf solche Art bekehret werden , leicht zu ihrem Gespiehe - nen zurückkehren , wenn sie können . Allein er hat doch groß Unrecht ge , than , daß er gewollt , man solle die Halsstarrigen durch Vermehrung der Lasten bekehren , und denen , die Christen würden , das Drittheil der Be - schwerungen abnehmen : denn es ist handgreiflich , daß diejenigen , die man auf diese Art bekehrt , wenn sie können , zu ihrem Gespiehenen zurnckkeh - VII . Und wenn die Ursache , warnm er will , daß man die Jüden durch Vermehrung der Abgaben bey den Halsstarrigen , und Linderung bey den Bekehrten , bekehren soll , gut ist : so hat er Unrecht , zu misbilligen , daß man sie zur Taufe zwingen sollen ; denn dieß ist seine Ursache ; wenn diese Bekehrte betnegen , so wird man doch allezeit viel dadurch ge - wmnen , weil wenigstens ihre Rinder gute Katholiken werden . Kann man nicht ebendasselbe von denen sagen , die man durch Zwang taufet ? Man kann ihn also von einem erbärmlichen Widerspruch» nicht retten * .
( * ) Dieses errinnert mich dieser zween Verse de« Ennius :
Nee mi aunirn pofco , nee rni prcfitim dederitis , Nec cauponantes bellum , fed belligerantcs .
Cicero de Offic . Libr . I , cap . . XII .
( * * ) Man sehe die neuen Briefe wider Maimburgs CalvinismilS , Tom . I , pag . cos . und f . und dasjenige , »vas man von den BekehrungS - arren gesaget , die von der Koniginn Maria von England det worden . Nouv . delaRepubl . de» Lettre» , Wiiuermonar , 1685 , pag . I2LZ .
* Di«

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