Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10322

Gregorius .
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kommen : bey den Lobeserhebungen , die er dem Phocas und der Brunehauld gegeben , bey der Leichtgläubigkeit , mit welcher dse - ser Pabst so viele Wunderwerke »n seinen Gesprächen bekannt gemacht ( R ) , und über die Unbeständigkeit seiner Gmndleh - ren wegen der Religionsversolgungen u . s . w . Er schlagt sich zu der Parrey derer , welche leugnen , daß Gregorius die Seele Trajans auö der Hölle erlöst hat * . Wenn es wahr wäre , daß man nach dem Tode dieses Pabstes einen Theil seiner Schrift
gliche , welche , so klein sie bey ihrem Ursprünge sind , in der weiten Entfernung sehr groß werden . Es wäre wider diese Ve» gleichung viel einzuwenden ; allein es ist , überhaupt zu reden , gewiß , daß die Gegenstände des Gedächtnisses von ganz an« derer Art sind , als die Gegenstände des Gesichts . Diese verkleinern sich nach dem Maße ihrer Entfernung , und jene wer« den gemeiniglich größer , je weiter man von ihrer Zeit und ihrem Orre entfernt ist
a ) Maimbourg , Hift . du Pontificat de St . Gregoire . b ) Andere nennen ihn Valentin , r ) Maimb . Hift . du Pontif . de St . Greg , pag . 7 . 8 . <0 Er ist den z des Weinmonats 590 eingesetzt worden , e ) Maimb . Hift . du Pontif . de St . Greg , le Grand . / ) Siehe die Anmerkung ( D ) . g ) Ein Bmedittiner der Congregation von St . Maur . / - > ) Zu Ronen 1697 in 4 . » ) Der Urheber von der Auegabe der Werke des heil . Gregorius , 675 . k ) Siehe die Anmerkung ( A ) bey dem Artikel Trajan . / ) Siehe den Piutarch im Leben de« Ro« muluö z ; S . " 0 Oninia poft ODitum fingit maiora vetuftas .
( A ) Er hat sieb in ein Kloster eingeschlossen . ] Dieß ist das St . Andreas Kloster gewesen : er hatte es zu Rom in seinem väterliche» Hause gestiftet : ( Maimbourg in der Historie des heil . Gregorius 7 S . holländischer Ausgabe ) und die Aufsicht darüber dem Valentins gegeben , den er aus einem Kloster vom Lande geholt hatte . Monafterio fuo vr . bano Vaientium ex Monafterio S , Equitii in prouincia Valeria acci - tum praefecit . Caue , Hift . Litterar . Scriptor . Ecclefiaft . pag . 430 . Er hat »och sechs andere Kloster in Sicilien gestiftet , und den ganzen Rest von seinen Gütern verkauft , davon er den Werth den Ar - men gegeben . Siehe den Maimbourg an angezogenem Orte .
( B ) iLr kam nach vem Tode des Raisers wieder in Rom an . ^ Dieser Kaiser hatTiberiuS geheißen : Er ist den 14 August gestorben ; ( Chronic . Alexandr . Siehe P . Pagi , viir H^patica , pag . zz6 . und Oenys de St . Marthe , pag . ioo , 101 . die Historie des h . Gregorius , ) imd dieses zeiget einen großen Schniker Maimbourqs . Er saget in der Hi - storie dieses Pabstes , pag . 8 . daß Gregorius , welcher nicht den geringsten Beystand erhalten können , gleichwohl der Rirche sehr nützlich ge - dient habe , weil er zu Eonstautinopel sein vortreffliches Buch der Sittenlehren über ven - Hiob , aufgesetzt , und durch seine gelehrten Un - terredungcn den Patriarchen Eutychius vermocht , seine Jrrtbumer we - gen derAuferstehung zu widerrufen , vorauf er , da seine Nuntiatur durcl , Absterben de« Raisers TiberiUs sich geendiget , welcher im - mittelst gestorben war * - , nach Rom zurück gekehrt ist . Er setzet diese Unterredungen ins ; «6 Jahr : also muß er glauben , daß Tiberius nicht vor diesem Jahre gestorben ist , und dieß ist ein grober Zeit - rechnunqsichnitzer . Cave sehet eben diese Unterredungen und den Tod diese« Kaisers ins Jahr . Hiftor . Litterar . Scriptor . Ecclefiaft . p . 430 . Er hat also gleichen Fehler begangen . Baroniu« selbst in seinen Jahr« büchern setzet den Tod diese« Kaisers in dasselbe Jahr . Seine falsche Zeitrechnung ist dem Du Pin nicht bekannt gewesen . Nouv . Biblioth . des AiKeurs Ecclefiaft . Tom . V , pag . 102 . holländischer Ausgabe .
( C ) ( Jzv hat alle crsinnlicheMittel angewendet , dieses Amt nicht zu haben . ] Er hat an den Kaiser einen sehr nachdrücklichen Brief ge - schrieben , worinnen er ihn beschwort , seine Xvahl nicht zu betraft tigen und n» befehlen . daß man eiligst eine andere Person le» sollte , die mehr Fähigkeit , Rräfte unv Gesundheit , als er , hane . ( Maimbourg in dessen Historie 10 S . ) und als er erfahren , daß fein Brief durch den Statthalter von Rom aufgefangen worden , und^ sich vorgestellt , daß seine Wahl vom kaiserlichen Hofe bestätiget werden wurde , so hat er die Flucht genommen , und sich mitten im Xvalde m eine - Höhle verborgen , mir dem Vorsatze , so lange daselbst m leben - - - bis man an seiner vviedersinvung zweifelte , und eine andere tvahl vornähme . Ebendas . 13 S . Er hat durch himmlische Zeichen offenbarlich erfahren müssen , es wolle Gott , daß er Pabst wur - de ; er hat , sage ich , dieses durch diesen übernatürlichen Weg erfahren müssen , ehe er sich entschlossen , daS Pabstthum anzunehmen . Man giebt vor , es habe eine Taube , die vor denen hergeflogen , die ihn gesucht , ihnen den Weg gezeigt , den sie nehmen sollen ; aber daß ein rvunder« thätiges Hiebt denselben den Ort seines Aufenthalts angezeiget habe . Dieß ist der Begebenheit der Weisen aus dem Morgml»nde lehr ähn , lich , welche sich , den neuqebohrnen Meßia« anzubethen , auf den Weg mach - ten . MaimbourgS Ausrufung über den Widerstand unserS Gregorius ist fthr billig . Großes Beispiel , ruft er auf der 14 S . au« , welches den rasenden lLhrgeiz derer beschämen muß , weichend» sie nichts haben , das der - Heiligkeit , der Lehre , und der Fähigkeit dieses großen Mannes gleich käme , der sich lebendig unter die Lrdebe , graben , um sich vor der päbstlichen würde , als vor einem Don - nerstrale , zu verwahren , durch ihre ärgerlichen Rotten dem beil . Geiste gleichsam Gewalt anthun , sich durch bloß menschliche und uncanonische Vvege bis zu der obersten Stelle der Rirche zu erheben . Man sehe die Nouvellen der Republik der Gelehrren im Hornunge 1685 , pag . , 79 . m dem Auszuge eine« Buches de Clerico renitente . Ich muß eine andere Stelle de« Maimbourg , die Autworten des heil . Gregoriu« auf die Briefe betreffend , nicht vergessen , damit er von allen Seiten überhäuft worden , ihm das Antkeil zu bezeugen , das man an der Freude nähme , die die ganze Xvelt über / eine * £ & > höhung hatte . - - - Er hat mit nichts als mir der äußersten Betrübniß geantwortet , die er empfände , daß man ihn aus seiner itinsamkeit gezogen , und in den Abgrund der Geschärfte gestürzt hätte , rveil aber die Erfahrung in allen Jahrhunderten gezeugt hat , dieß ist MaimbourgS Betrachtung , daß die schonen Dinge . die ein witziger Mensch sagen und schreiben kann , nicht allemal ein guter Beweis von seiner richtigen Absicht und Tugend sind ; und daß man aar viele siebt , die ganz das Gegentheil von demjenigen denken und thun , was sie predigen und schreiben : so will ich das - I - niae hj^ abschreiben , was dieser große Pabst in diesem Stücke in seine» Schriften von sich selbst gesaget hat . Allein die D'lliqke . r erlaubet nicht , daß ich einen Fehler de« berühmten Du Moulin vergesse , welcher " om Maimbourg geoffenbaret worden Damit sich nie - niand beklagen darf als ob ich die Sache verkleinerte oder größer machte , so will ich mM'ei ' en Atte rs »e . , «Keilers bedienen . ( bourg in d , r Vorrede zu der Historie des hGrezorm« . )
Il£fuid .
Der reformirte Prediger Du Moulin will in einer kleinen Schrift , die er unter dem falschen Titel , Leben des heil . Gregorius des l , zugenannt , der Große - - - weis machen , - , daß dieser römisch« pabsi von einer Religion gewesen , die der unsrigen zuwider ist . Allein ohne daß man sich die Mühe geben darf , eine so elende Schmähschrift zu widerlegen , so ist es genug , um zu zeigen , was er für Glauben verdienet , wenn ich beweise , daß er mir dem al lerabscheulichsten und gröbsten Berruge , der jemals gewesen , den Anfang machet . Denn also redet er im ll Cap . auf der 9 gegen das Zeugniß de« Gregorius v«n Tours , zu beweisen , daß sich der heil . Gregorius seiner Erhebung zum Bischöfe nicht im geringsten wider« setzt hat . Diejenigen , saget er , welche da« Leben des Gregoriu« nament« lich Gregoriu« von Tour« , geschrieben haben , sagen : daß er einigen Wi» verstand gethan ; allein diese« kommt mit demjenigen übel überein , was Gregorius selbst im IV Briefe de« I B . saget , wo er spricht : daß er sich der Erhebung «im Bischöfe nicht im geringsten widersetzt , und er füh , ret auf dem Rande diese U ? orte an , tibi vt imponeretur Epifcopa . tus non reftitifle , daß er nicht widerstanden habe , da man ihm das Bischofthum ausgetragen habe . ? yo lese man diesen Brief , so wird man gleich das Gegentheil darinnen finden . Jn der Thar beklager sich Gregorius gegen seinen Freund Johann , den Patriarchen von Constaminopel , darüber , daß er durch seine gu - ren Dienste , die er ihm bey dem Raiser leisten sollen , Sie Bestati , gung seiner Xvahl nicht verhindert har ; hier sind seine tt>orre : Wenn man uns befiehlt , unsern Nächsten al« uns selbst zu lieben ; wohe» kömmt es , daß eure Heiligkeit mich nicht al« sich selbst lieben ? Denn ich weis , mit was für Eifer sie die Bischofswürde geflohen haben ; und gleich« wohl haben sie sich nicht dawider geseht , daß man mir diese« Amt auf - gelegt . Gregorius beklaget sich mir ausdrücklichen tvorten dar , über , daß man sich nicht dawider gesetzt har . daß er zum Sischo - fe von Rom gemachr worden ; und der reformirte Prediger Du Moulin will , daß Gregoriu» an eben diesem Orte bekenne , er b ( U be nicht den geringsten Widerstand gerhan , und eignet also diesem pabste dasjenige zu , was er selbst von dem Patriarchen zu Con - stannnopel sager , indem er sich über ihn beklagt .
, W ) «r hat die Bekehrung der Engländer unternommen . 1 Er hat etliche Mönche aus jemem Kloster , wdches er zu Rom in seinem Hause gestiftet harte , unter der Anfuhrnng ihre« AbtS AugustinS , nach England geschickt , ( Maimbourg in der Historie dieses Pabst« 301 S . ) daß die Bischöfe in Frankreich den ersten Bischof von der englistl , en X7a * tion , nach der ihnen von dem heil . Gregorius errheilten Gewalt , geweiher haben . Ebendas . 206 S . Damals herrschte Ethelred in land , und hatte Aldenbergen oder Berthen die Tochter EharibertS , KöniqeS von Frankreich , eine junge sehr kluge Prinzeß«'»» , die in den schönen XVissenschaften unterwiese» und jehr eifrig für den katholischen Glauben war , zur Gemahlinn . Ebendas . 207 S . Si» hat ihn vermocht , die Glaubensbekehrer de« Pabstes zu hö - en . Er hat sie vor sict ? kommen lassen , und sie nach einem alten Aberglaube«» des Volks , nicht anders , als in frevem Felde , hören wollen : damit , wenn sie sich einiger Zauberkunst oder verborgenen Bosheit be , dienen wollten , ihn zu bekriegen , selbige verschwände und in freve» Luft alle ihre Rraft verlöhre . , , - Nachdem er sie sehrru - hig angehört , so hat er zu ihnen gesager . daß alles dasjenige , was er gehört , , hm sehr wohl gefiele ; daß ihm aber gleichwohl diese schonen Sachen und vornehmlich die prächtigen Versprechunze«» von eineni ewigen K . eben nicht allzugcwiß schienen , daher er e» mcht dienlich fände , dasjenige zu verlassen was er von seinen fahren erhalten hatte , um etwas ungewissem nachzulaufen . Ebend . - 08 S . auf« 597 Jahr - Er hat ihnen erlaubt , in seinem Königreiche zu predigen ; er hat auch allen denen , die Geschmack an ihrer Lehre fänden , erlaubt , dieselbe anzunehmen . Er hat sich selbst bekehrt . Ebend . zu S . auf« 600 Jahr , und wie das Beispiel der Rönige gemeiniglich so wohl in Zlnsehung des Guten als Bösen sehr wirksam ist : s» haben die meisten Engländer nach ihm den christlichen Glauben angenommen . Und was sie vollkommen gewonnen , i ( f diejenige gleich leutselige und wirksame Arr gewesen , damit er sie einzu« nehmen gewußt . Denn er dar niemand mit Gewalt gedrunge«» und gezwungen , ihren alten Aberglauben abzusagen ; da^er von sei , nen L . ehrern gelernt harte , daß der Dienst , den man Iesu Christ» leistet , freiwillig feyn soll . Man sehe die Nouvellen der Republik der Gelehrren im Hornunge , 686 , pag . 193 , 201 . wider die Vergleichung , die Maimbourg unter der Bek<'hrung«art de« Ethelredu« und Ludwig« de« XIV gemacht hat . Die Königinn hat ungemein viel , u diesen kehrungen beigetragen ; sie hat ihren Gemahl nicht allein bewogen , den Glauben«bekehrern freundlich zu begegnen , sondern sich auch selbst zu be« kehren . E« ist fast keine einzige gute oder böse Neligionsveränderiinz vorgegangen , welcher die Frauenspersonen nicht einen großen Schwung egeben hatten . Maimburg wird uns auf der 65 . 0 . in der Historie de« * il . Gregorius einige Beyspiele davon geben . „ Man kann sagen , daß , , wi ? sich der Teufel ehmal« der Kunstgriffe dreyer Kaiserinnen , der Eon - , stantia , Eusebia und Dominica bedient hat , davon die eine de« Liciniu« , Ll ll & „ dir
C

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