Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4463

Capnata .
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haben wollen , und den Ariobarzanes bekommen . Diese ganze lung ist aus dem XXXVlll B . Justins genommen . Nach diesem allen ist es unmöglich , daß seine Erwählung iin 644 Jahre der Stadt Rom geschehen seyn kann . Ich hätte alle diese Umstände nicht wiederholet , wenn ich nickt gesehen , " daß uns dieselben , außer daß sie zu einem Be - weise des zwanzigsten Fehlers des Moreri nöchig sind , eine Materie an die L>and geben könnten , den Justin zu tadeln .
Er sager , daß Laudice , die Witwe dieses Ariarathes , welcher in dem Kriege des Aristonicus ums 622 Jahr Roms , erschlagen worden , funse von leinen Söhnen vergifttt bat , und daß dem jüngsten em gleiches be - gegnet seyn wurde , wenn die Verwandten ihn nicht vor der Gewaltthä , rigkeit dieser ni , menschlichen Mutter in Sicherl>eit gebracht häcten^ Er beobachtet , daß sie aus Furcht , die Regierung nicht lange zu genießen , an - gesehen einige von ihren Söhnen bereits erwachsen gewesen , zu dieser Uiv Menschlichkeit angetrieben worden . Timens , ne non diutinam regni adminirtrationem adultis quibusdani potiretur . Iuftin . Libr . XXXVII . cap . I . Es ist schwer zu entdecken , ob er wohl geschlossen hat ; denn wenn sie sich wegen dieser Furcht bemüht hat , den jüngsten davon umzubringen , so müßte er nicht weit von seinem mündigen Alter gewesen sei ? , ? ; und , in diesem Falle , wäre der älteste Sohn mündig gewesen , und Härte Lmibtcen von der Regierung ausgeschlossen . Will man sagen , der alte • Sohn wäre noch nicht mündig gewesen , aber daß nicht vielmehr tcirc ; - irchlt hätte : so wird man mir zugestehen müssen , daß das Alter de alten , Laudieeus Herrschsucht keine Furcht hat erwecken können , - cittc
eine ziemlich lange Verwaltung der Regierung hoffen können , oaß man nöthig gehabt , ihn so bald zu tödten . Also hat Justin vv : i den BewegungSursachen dieser grausamen Frau nicht richtig geurthe - . lt . ' . ' . " an würde eine unendliche Menge solcher Fehler in diesem Schriftsteller und in den besten Schriftstellern finden können , wenn man sich die Mühe geben wollte , dieselben zusammlen . Ich für meine Person glaube , daß alle Söhne der Laudice erwachsen gewesen , und daß dieß die Ursache qe - Wesen , warum sie dieselben alle , zu einer Zeit , aus deni Wege räumen wollen . Dasjenige , was mich von ihrem Alter also zu urtheilen bewegt , ist , daß der jüngste zween Söhne hinterlassen , die in Kappadoeien regiert , und nach der Art , wie man von ihnen redet , wenigstens zwanzig Jahre ge - lebt haben müssen . Nun ist e« gewiß , daß Ariobarzanes bereits im 659 Jahre Roms vertrieben gewesen ; denn in diesem Jahre hat ihn Sylla wieder eingesetzt . Siehe Sigon . in Faftis aufs Jahr 659 fol . m . 106 verf . Es ist einige Zeit zwischen dem Tode des letzten Ariarathes und der Wabl des Ariobarzanes verflossen ; man hat unter dieser Zeit die Ansprüche der beyden untergeschobenen Kinder zu Rom getrieben ; cö ist ein Urlheil des Raths dazwischen gekommen . Wir wollen auch sagen , daß einige Zeit zwischen der Wahl des Ariobarzanes und seiner Absetzung , und zwischen dieser Absetzung und seiner Wiederherstellung verflossen ist . Weil er aber im Jahre 659 wieder hergesteller worden , so ist es sehr wahrscheinlich , daß der lekre Ariarathes , ungefähr zwanzig Jahre alt , nicht vor dem Jahre 654 gestorben ist : und also urtheile man , ob es wahrscheinlich ist , daß sein Vater nur ein kleines Kind gewesen fty , als ihn Laudiee ums Jahr 6 - z hat wollen hinrichten lassen .
Hier wollen wir beleuchten , ob Appian die Ebentheuer des Ariobarzanes so erzählt hat , wie es seyn sollen . Dieß ist seine Erzählung : Die Römer ben dem Mithridates befohlen , dem Ariobarzanes Kappädocien abzutreten : rr hat gehorcht , allein Mithraas und Bagoas haben den Ariobarzanes verjagt , und das Königreich dem Ariarathes gegeben . Die Römer haben zur . Verstellung des Ariobarzanes eine Gesandtschast in dieses Land geschickt . Manius AquiliuS ist das Haupt dieser Gesandtschaft gewesen : Lucius CaßiuS , welcher in Asien commandirre , und Mithridates , haben von Rom Befehl erhalten , dem Gesandren mit gewaffneter Hand beyzuiw hen . Mithridates , welcher mit den Römern übel zufrieden war , hat solches nichr gethan . Nichts destoweniger haben Caßius und AquiliuS den Ariobarzanes wieder eingesekt , und ihm so wohl als Nikomedes , König von Bithynien , den Rath gegeben , in die Staaten des Mithri - dares Einfalle zu thun . NikomedeS , welcher dem Anhalten der Abge - sandten nicht länger widerstehen konnte , hat Feindseligkeiten verübt . Appian . in Mithridat . pag . 118 . Mithridates hat sich darüber beklagt , u - d kein Recht gefunden ; dieserwegen hat er zur Gewalt gegriffen , Kap« padocien erobert und eS seinem Sohne Ariarathes gegeben . Ebendas . >20 Der Abgesandte , den er an die römischen Kriegshäupter ge , schickt , redete ziemlich hochmüthig , und erhielt eine noch hochmiithiqere Antwort . Ebendas . >21 S . Die Folge ist gewesen , daß Mithridates die Römer geschlagen , und das Haupt ihrer Gesandtschaft selbst , den Manius AquiliuS , zum Gefangenen gemacht ; und daß ihn Sylla überwunden und gezwungen , einen nachtheiligen Frieden anzunehmen . Ebend . 122 S . Die Herstellung des Ariobarzanes ist eine von den Bedingungen des Vertrags gewesen . Ebendas . 141 S . Sie wurde anfänglich nur unvoll - kommen , ( ebendas . >qzS . ) und nachgehendS auf eine gute Manier er - füllt . Ebendas . 144 S . Des TigraneS Einfall in Kappadoeien ist einigt Jahre darauf geschehen . Ebendas . Sylla ist nicht mehr am Leben qe - wesen . Lucullus hat Kappadoeien wieder gewonnen , ( ebend . 150 , 151S . ) Mithridare« hat es wieder erobert , ( ebendas . 156 S - ) und endlich hat Pompejus den Ariobarzanes darinnen wieder eingesetzt . Ebendaselbst 163 , 168 S .
Ich beobachte I , daß Appian nicht zu entschuldigen ist , wenn er uns von dem Einfalle des Mithraas und Bagoas etwas herschwatzet , ohne zu sagen , wer sie , und wer dieser Ariarathes gewesen , dem sie die Regie - rung in Kappadoeien übergeben haben . II . Er verdienet getadelt zu werden , daß er nichts von der dem Sylla aufgetragenen Verrichtung saget , den Ariobarzanes wieder herzustellen . Dieß ist im Jahre der Stadt Rom geichchen , Sylla hat damals in Cilicien commandirt . Er saget es selbst bey dem Appian , in der Unterredung mit dem Mithri - datcs . In Cappadociarn ego reduxi Ariobarzanem ex S . C . cum prae - eflfem Ciliciae : idque feci te cedente autoritati populi . Ebend . 139 0 . Dieses machet diesen Geschichtschreiber noch schuldiger ; denn weil ihm
die Rede des Sylla nicht unbewußt gewesen , so war er verbunden , sich nach der Herstellung des Ariobarzai , es zu erkundigen , und sie in die Ord - nnng zu sehen , die eine gute Zeitrechnung erfordert . Seine Auslassung würde kein so großer Schnitzer seyn , wenn er nicht gewußt hätte , was Sylla zum Mithridates gesaget . Man merke die Beobachtung Plu - tarchs , daß Sylla , nach seinem Prätoramte , nach Kappadoeien geschickt worden , unter dem scheinbaren Verwände , den Ariobarzanes daselbst her - zustellen ; allein im Grunde , den Mithridates zu demüthigen , welcher große Anschläge gehegt . Plutarch im Sylla pag . 453 . Man ziehe den Sigonius in Faftis aufs Jahr 659 zu Rathe , so wird man die Erlaute , rung von diesem allen finden . Allein man verlasse sich nicht auf ihn , wenn er versichert , daß Mithridates den König von Kappadoeien , Ana - rathes , imd den Sohn eben dieses Ariarathes , der noch ein Kind gewe - sen , durch den Gordius umbringen lassen . Man erinnere sich , baß Mi» rhvidates selbst diesen Sohn getödret , der bereits ein männliches Alter erreichet hatte . Meine III Anmerkung gegen den Appian , daß er sich , aller Vermuthung nach , im Absehen auf den Einfall des Mithraas und Bagoas bekriegt : er setzet voraus , daß Mithridates keinen Theil daran gehabt , und daß ihm die Römer befohlen , den unrechtmäßigen Besitzer zu verjagen , und den Ariobarzanes herzustellen ; und daß Mithridates aus Mißvergnügen gegen das römische Volk , dieser Beiordnung nicht nachgekommen ist . Ich zweifle nichr , daß dieser Einfall nicht von den Kriegsobersten des MirhridareS , zum Vortheile seines Sohnes Ariara - thes , geschehen ist , welchen die Kappadocier verjagt hatten . Justin sa - get , daß sie den Bruder ihres letzten Königes zurück qernfen , und daß die - ser Bruder vom Mithridates überwunden worden . ( Justin im XXX VIII Buche . II Cap . ) Dieß heißt , wenn ich mich nicht bekriege , vom Mithraa« und Bagoas welche den Ariarathes , ihres Herrn Sohn , nach Kapvado , cien zurück gebracht haben . Wir wollen zum IV sagen , daß die Gesandt - schaft des ManiuS AquiliuS ins 6 * 3 Jahr der Stadt Rom , oder da - herum , gesetzet werden muß ; und daß sie also die erste Wiedereinsetzung des Ariobarzanes nicht betroffen hat , wie Appian vorgiebt . Der Aus« zug des Titus Livius gedenket im LXX B . der Herstellung dieses Prin , zen durch den Sylla , «ndimLXXIV B . einer andern Herstellung . Wir wollen ein Worr wider den Justinus sagen , welcher voraussetzet , daß Tigranes auf Verbetzung dcS Mithridates der erste gewesen , welcher den Ariobarzanes verjagt , und daß dieses die Ursacke von der Gesandtschaft des Aquilins gewesen . Dieß ist falsch : diese Gesandtschaft ist vor den großen Kriegen des Sylla und Mithridates hergegangen , welche erstlich im Jahre Rems 665 angefangen haben . Vor der'Kriegsverrichruna des Lucullus erscheint Tigranes niemals . Man Muß also'sagen , daß er sich Kappadociens nicht eher bemächtiget , als nachdem Sylla den Ana - barzaneS zum andern male daselbst wieder eingesetzet hat .
Man wird mir vorwerfen , daß ich mich allzusehr an Kleinigkeiten halte ; es ist mir lieb , wenn man weis , daß ich solches thue : nicht weil ich glaube , daß diese Dinge an sich selbst wicktia sind , sondern nur durch augenscheinliche Beyspiele zu zeigen ; daß man sich wider dasjenige , wa« man liest , mit Mistrauen waffnen , und seinen Witz zur Unterfti - eidung der Sachen anstrengen muß : dieses vermehret un " stärket dieKraRedeü Seele . Ich glaube also nicht , daß meine Mühe dem Leser unnüf * lich ist .
Man findet sowenig Zeitrechnung in den meisten griechischen und latci - nischen Geschichtschreibern , daß die alte Historie nöthig hätte , umgegossen zu werden . Ich wollte mich wohl unterstehen zu sagen , daß ich , wenn man heutiges Tages alle Hülfe hätte , die sie im Ueberflusse gehabt , eine viel bessere Historie zusammen tragen würde , als sie uns hinterlassen haben .
( L ) Man bat geglaubt , daß die Rappadocier stbr ungescbickt gewesen , Redner ja werden . ) Hierdurch hat KühniuS den Ge - danken derjenigen bestätiget , welche sagen , daß Paulanias , der Urheber von der Beschreibung Griechenlands , von dem Sophisten PausaniaS nicht zu unterscheiden ist , dessen Leben Philostratus beschrieben hat , und welcher einer von den Schülern gewesen , welche Herodes Atticus zusei - ner größten Vertraulichkeit zugelassen . Diesem ist die Beobachtung des Philostratus , daß dieser Sophist das Griechische nicht wohl ausgespro - chen , nicht zuwider ; denn dieß ist der Fehler der Kappadocier und ein unverbesserlicher Fehler gewesen , daß man gesaget , ein Redner aus die - sem Lande sey seltsamer , als ein weißer Rabe und eine fliegende Schild - kröte . Cui non repugnat , dieß sind die Worte des KühniuS in der Vor , rede zu der neuen Ausgabe des Pansanias von Leipzig 1696 , quod Phi - loftratus tradit , quod Graecam linguam durius proniinciarit , quam delicata eius rotunditas patiebatur . Hoc enim toti Cappadocum na - tioni commune vitium , orisque fiiit inulla exercitatione emendandum , vti clare indicat notum Epigramma :
©5tt0v stfymvk«s$ XO ? «K« ? t»
£»' ? «< * » 1 ioKifio - j ^Ttga .
Rarius alata teftudine , rarius albo
Inuenias coruo Rhetora Cappadocein .
( M ) Die Pferde aus Rappadocien wurden mir dem Alter best fet\ ] „ Oppian hat bemerket , daß sie sehr schwach sind , wenn sie jung sind , „ und daß sie desto geschwinder laufen , je älter sie werden .
„ XlcumiTt ? o$ Si trfatstiv isp fiJtKK i .
Suite du Menagiana , p . J3 - holländische Ausgabe .
Ich will diesen Worten der Menagiane» eine Stelle des Brantome bey - fugen . Der Cardinal von Guise i ( ? Oer einzige gewesen , bey chem da» Sprücbworr des verstorbenen Roniges Franciscus , eingetroffen bat , welcber gesaget , daß die lothringischen Prinzen den pferven aus dem Ronigreicke Neapolis glichen , tntlcbe in ihrer Jugend sehr langsam und faul , aber wenn sie alt würden , sehr gut waren . Brantome , dam 1'Eloge de Mr . de Guife , Tom . IIL des Memoir . pag . m . 139 .
Capriati ( Peter Johann ) ein Rechtsgelehrter und Geschichtschreiber , war von Genua , und hat im XVIl IahrhllN - derte gelebt . Man findet keine Eigenschaft eines vortrefflichen Sachwalters , die ihm nicht zukömmt ; wenn man sich hierinnen auf das Zeugniß des AmantiuS verlassen darf ( A ) : allein man muß sich erinnern , daß dieses Zeugniß in einem Gedichte vor einem Buche des Capriata steht . Man giebt ihm in diesem Gedichte alle Lobeserhebungen , die ein vollkommener Geschichtschrei - ber verdienen kann . Man muß die Ausdrückungen nichr nach dem Buchstaben nehmen , deren man sich meiner Lobeserhebung , von dieser Art bedienet ; allein es ist gewiß , daß die historischen Arbeiten dieses Scribenren sehr hoch zu schätzen sind ( B ) . Er trägt die Sachen mit einer großen Zierlichkeit vor : er entwickelt die BewegungSursachen , die Werkzeuge und die Folgen ; und er llVand . G verfällt

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