Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10299

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Graßis .
im Vorbeygeben zu sagen , daß er eben derselbe ist , der zu Anfange des XVI Jahrhunderts unter verschiedenen Pabsten nienmeister , Bischof zu Pesaro , und der Bruder des Cardinals Achilles von Graßis gewesen . Man führet sein Tagebuch in den Schriften an , das über den Rangstreit zwischen der Republik Venedig und dem Herzoge von Savoyen gemacht worden K Sein Ceremoniel ist gedruckt worden , und man machet was daraus f . Er hat großen Eifer wider einen gelehrten Dieb bezeu - get ; denn von ihm redet der Präsident Cousin an dem Orte , den man hier unten sehen wird ( D ) .
« ) Aus dem Mufeo Italico Mabillonii , Tom . I , pag . 176 .
<• ) Siehe Naude Bibliogr . Politic . p . m . 42 .
( A ) Er hat die Grabsckrift eines Maulesels verfertiget . ] Er hat voraus g ( B Diese Grabsckrift » - - wurde in den Gedanken vieler Ä . eute fi»c ein Alrerthvm gehalten . ] P . Mabillon versickert es : Viris cruditis nonnulüs fucum fecit , saget er , in Mufeo Italico Tom . I , p . , 76 , opinantibus id efie antiquum - - - Thomas Porcacchius inter alios hoc Epitaphium pro genuino et antiquo habuit , in libro funeraliuni : immo Alexander VII in Aduerfariis fuis notat , id reper - tum fuifi'e propc fanchim Petrum . Er belehret uns , daß Sebastian Maecuts die Historie von diesem Betrüge in seiner Sammlung von al - ten Aufschriften erzählet hat , die sich imManuseripte in dem Büchervor - rathe des Cardinals Chigi befindet . Maeeius hat dieses vom Annibal von Gr»W» Bischöfe von Zaeeentia erhalten . Vt Xaccins refert ex Annibnlt de Graflis Bononienfi Iaccentiae Epifcopo . Ebend .
( C > »P - r ifi nickt der einzige gewesen , der öen Alterthumslieb - babern dcrgleicken Fallstricke gelegt bat . ] Ich will nur ein fciel von dergleichen Bekruqereyen anfuhren , ob man gleich derselben eine qrvße Anzahl zusammen bringen kennte ( * ) Den 9 August 1505 bat man drcy Steine bey dem Vorgebirge Roeo von Sintra in Portugal gefunden Es stund auf diesen Steinen eine lateinische Zuschrift in al - ten Buchstaben , die folgende Weißagung enthielt .
Sibylla vaticinium occiduis decreftim ,
Voluentur faxa litteris , et ordine reflis ,
Cum videas Occidens Orientis opes .
Ganges , Indus . Tagus , erit mirabile visu ,
Merces commutabit fuas , vterque tibi .
Soli aeterno , ac Lunae decretum .
Man bat dieses für ein Orakel der Sibylla gehalten , Hos verfus Sybilli - nos cfie Va ! cntinusMoranus , Iacobus Nauarch , Ferdinandu» Lopez in fuisHiftoriis Indiae Orientalis , tibi et aliis perfuaferant . Ith . Eufek Kierenbergius , de Origine Sacrae Scripturae , Lib . III , c . 3 , beym Vof tius Difput . Tom . IV , p . 696 , und es yat Gelehrte gegeben , die sich an der Erklärung dieser Verse geübet haben ; allein endlich hat man entdeckt , daßCajado , ein portugiesischer Poete , der Urheber davon gewesen , welcher diese Steine vergraben , und sie bey gelegener Zeit wieder ausgraben las . fen . Fraudem detexit Cafpar Varrerius ; fcilicet , quo tempore manuel Lufitaniae Rex , per Vafcum Gamam , nauigationes in Indiam Orientalem feliciter tentaflet : Vlyflepone vixit Herrn , cus Crnadus , Poeta celebris , Angel' , Politiani difeipulus ( f ; : hic tria marmora ris antiquis , hoc vaticinium continentibus , incidi , et clam circa oppi - dum Syntra , leuiter terra tegi curanit . Poftquam vtro , tradhi tem - poris , aliquam antiquitatis fpeciem contraxiflent , amicos quosdam , in villa fua , circa quam haec marmora occultata erant , conuiuio excipit ; quibus ftrenue epulantibus nunciat villicus , foflöres marmora , igno - tis littfcris infcripta , inuenifle , proeul dubio thefaurum eo loco defof - funi efie . Aduolant omnes , inueniunt lapides , mirantur vaticinium , non fane foliis inferiptum : Rex , huius fraudis confciu» , ftuporein rnen fimulat , verfus aulicis deferibendos tradit , ipfa vero marmora , tanquam fanftiora * « / * >» * <• , in gazophylacio religiofe feruat . Mon - tamis , Legat . Belg , ad Iapan . p . ij , beymLomeier , de Biblioth . { > . 366 , 367 - Ciiüae saqen , daß sich Cajado dadurch in des Königes Gnade cheln , und einiges Geld zu erpressen gehofft hätte . Poftea tarnen com - pertum , eosdem confictos et impofitos fuilie a quodam Hermo Cha - rado Lufitano , qui illos marmori inferipferat , defoderatque vt fitu humoreque terrae aliqu»ntulum deformati , vetuftatis indicium exhi - berent } rurfusque per mercenarias operas refoderat , vt hoc tarn no - bili atque peregregio antiquitatis monumento , Regis ( Lußtaniae Ema - nuelis ) gratiam anide in Oricntil opes intenti , pecuniamque aueupa - retur : vt teftantur Caetär ürlandius et Gafpar Harrerius , quos refert Ortelius in Thcatro magno tab . 5 noui orbis , et ab eo mutuatus Mal - venda lib . 3 de Antichrifto c^\p . 16 . Torniellus in Annalibus 2 tom . anno mundi 3043 , mim . 7 , pag . 48 . Nierenbergius , de Origine S . Script . Lib . III , c . ? , beymVoetius , Difput . Tom . IV , p . 696 .
f ) Sfticoloo Antonio , Bibl . Hifp . Tom . I , p . 433 saget , es habe Cajadus Hey seiner Ankunft inJralien , denPolitian bereits tod gefunden .
* Der ehrliche Porcaechi ist nicht der einzige , der auf solche Art hinterqangen worden . Eben so ist Äthan . Kircher zu Rom , von et - lieben leichtfertigen Jünglingen betrogen worden . Sie vergruben an einem Orte , darauf nächstens ein neues Haus gebauet werden sollte einen rauhen Stein , darauf sie allerley seltsame Figuren und «üqe Kotten baue» lassen , die sie selbst ausgedacht und aufs winv derlichste vermischet hatten . Kaum finden die Bauleute dieses ehr - - würdige Ueberbleibsel des Alterthums , so eilet man damit zu Kir - chern . Dieser hüpfet vor Freuden , bey dem Anblicke eines so vortreff , lichenStückes , und kann nicht eher ruhen , bis er alle Zeichen , Kreu - zer und Zirkel aufs gelehrteste erklaret , und die herrlichsten Dinge daraus entdecket bar . Wie gieng es dem Gronvv ? Dieser große Kenner und Verfechter des Alterthums bekam von Roberten von Neufville eine hölzerne kleine Puppe , die den Habit eine ? sachsischen Bergmannes anhatte , und womit hier zu üande die Kinder zu spie - len pflegen . Unser Antiquarius aber blieb mit seiner Wissenschaft nicht stecken , und erklarte diese Puppe im III Th . seiner griechischen Alterthümer aufs gelehrteste . Denn nachdem er sie sorgfältig ab - zeichnen , und in Kupfer stechen lassen , so versichert er uns : diese Dergmannspilppe . die wie bekannt , ein Schurzfell vor dem Hintern , und eine Mulde mit Stnffen auf der Schulter hat , sep ein alter deutscher Priester , der das Schiffton der Göttin» Isis trüge . Hic igitur , sind seine Worte , nach einer sehr listigen Beschreibung , eft
f ) Siehe Graswinkel , de Iure Praecedentiae pag . 263 , 320 , ztk .
ille , tarn celebratus , fi graece placet iepo4>opos , fi latine ba - iulus ceremoniarum facra ferens , non ad Mufas , vt caftus Poeta , fed ad horrendum fui luci fecretum . Was noch sonst dem wissenden Scaliger von dem Muretus ; dem unbetrüglichen Boxhor - nius , von dem Michel von Hospital ; ja dem Crenius , und unserm so belesenen Zo . Christ . Wolfen mit einer Fabel , die 1670 von einem suiten gemacht worden , Ranae paludis incolae , begegnet ; und was so vielen andern von dem Sigonius , durch seine Lonfolationo» Ci - ceronis , für eil» lustiger Streich gespielet worden : das sehe man bey - sammen in Io . B . Menkens Reden , de Charlataneria Eruditorum cd . Amftel . ( sie ist in Leipzig herausgekommen ) >727 in 8 , auf der 78 79 und folgenden Seite . So gewiß kann man sich aus diese Lichter der Welt und ihre große Wissenschaft verlassen . G .
( D ) Von ihm redet der PräsidentCousm an dem Dieses ists , was man in dem Auszuge findet , welchen Coufln von dem atpi der» Bande des Mufei Italici gegeben hat . Ich habe diesen andern Band nach der ersten Ausgabe meines Wörterbuches zu Rathe gezogen , und gefunden , daß Ovidius mit vielem Grunde versichert , man trinke all» - mal angenehmer aus derQtielle . Gratiusex ipfo fönte bibuntur aquae . Epift . V , ex Ponto v . j . Ich habe gefunden , daß die Empfindlichkeit des Paris von Graßis wider den Eczbischof von Corsu nicht so wohl daher ge - kommen , daß man sich ein Buch zugeeignet , was ein anderer verfertiget hatte , als daher , daß man Ceremonien bekannt gemacht , die verborgen hat - ten bleiben sollen , und daß man dieselben überdieß mit Veränderungen her - aus gegeben hatte . Er saget in einem an Leo den X gerichteten und >517 ge - schriebenen Briese , er sey seit sechzehen Jahren Ceremonienmeister , und hal - te e« sich für schimpflich , wenn er aeruhig zugäbe , daß sie verfälscht und be ? kannt gemacht wurden , und daß man seinen Vorfahren das ihnen gehö - rige Lob raube . Er verheelet nicht , daß eine von seinen größten Beschwerden darinnen bestehe , daß die Herausgebung dieser Dinge die Verehrung dersel - ben vermindere , und dasjenige verächtlich mache , was die Decke der Ver - schwiegenheit und deö Geheimnisses ehrwürdig machte , ( ^uemadmo - dum iufti cuiusque prineipis eft curare , ne quisquam fuo iure frau - detur : ita , fi diligenter infpexerimus , ad quempiam alium non magis tj»e<3at , qiiamadRomanumPontificem , ne fäcrae fuae ceremoniae ma - culentur , neue aliqua in parte alrerentur , ac praefertim ne corrum - pantur : fed et quod omnium prineipum eft , ne prolatae in vulgns velut proftitutae pontificalium facrorum exiftimationem minuant , flocci faciant , et contemnaiitur . Mufeum Ital . Tom . II , in App . p . 388 . Er führet die alten Heiden an , welche nicht zugeben wollen , daß die Geheimnisse der Götter den Layen bekannt würden . Er führet itiS besondere die Aufführung der alten Römer und den König Tarquin an , der den Marcus Tullius zur Strafe ins Meer werfen lassen , weil er das Buch von den heiligen Ceremonien zum abschreiben gegeben hatte . Un - ser Graßis hat gewollt , daß das Buch des Erzbischofs vonCorsu nebst sei - nem Urheber verbrannt werden , oder der Urheber doch willkührlich gestra - fet werden sollen . Der Pabst hat diese Bitte billig gesunden , und ver - sprechen , sie bey folgendem Consistorio untersuchen zu lassen . Hanc epi - ftolam cum in manibus Papae dediflem , legifTetque libenter et auide , et acceptaflet rationes et argumenta in ea per nie allegata : verfus ad Cardinales aliquos , qui tibi forte adhaerebant , dixit me rationem bere fuper petitionibus ineis : et libmm ceremoniarum nuper im . premim omnino comburi fimul cum falfo au & ore , ficut poftulaflem , aut faltein iptiim auöorem corrigi et caftigari omnino debere , prout praefentibus videretur . Itaque ad primum confiftorium rem et caufam differre . Ebend . p . 592 . Man weis nicht , was diese Sache für einen Ausgang genommen ; denn es mangeln in dem Ceremoniel des Graßis an den , Orte einige Hefte , wo die Folge der Erzäblung seyn soll . Ebend . in Commentar . pag . vj . ES fehlet fehc wenig , daß der P , billon über den großen Eifer des Paris von Graßis nicht kurzweilet , und er beobachtet nicht ohne einiges Vergnügen auf der vij S . ebend . daß des Erzbischofs von Corfu Buch nicht verbrannt worden ist . Er saget , daß sich vernünftige Katholiken nicht desPabstes wegen nach diesen geheimen Ceremonien richten , sondern nach seinem Titel als Haupt der Kirche . Gleichwohl muß man gestehen , daß dieser Eiferer der Verschwiegenheit nicht ohne Grund gesagt , es sey zu befürchten , daß man durch Bekannt - - machung des ganzen Gebeimnisses von dem päbstlichen Ceremoniel den Begriff vergeringere , den die Völker davon haben ; quod fi facrorum ar - cana pandantur , et facrae publicentur ceremoniae , illico futurum eft , vt omnis opinio minuatur , vt pontificia audloritas olanguefeat necef -
fe

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