Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10286

Grapaldus . Graßis .
6z i
memand sfeht ihr bey , sie martert sich , nickt« tröstet sie , sie ruft , kcmer antwortet , sie jcbveyet , niemand kömmt , sie gittert , sie schwitzt , sie wird ohnmächtig , sie ruft den heiligen Namen Je - »US an , endlich verschwindet das Gespenste . Ich bekenne dem Me - nage , daß dieses sehr geschickt ist , seinen Urban Grandier , wegen der Zau - verey zu entschuldigen , aber nicht wegen anderer Absichten zu gen . Hätte er nicht , ohne daß ihm der Teufel Cedon die Thür ? wacht , ( * ) die Pförtnerinn gewinnen , sich als ein Geist in die mer der Nonrie schleichen , und sich mit einer Larve bedecken können , die ihrem verstorbenen Beichtvater ahnlich gewesen . Diese Erzählung der Nonne schmecket sehr nach derVollbringung der venerischen That . Me - nage saget auch 341 Seite der Anmerkungen , es könne keine einzige vernunftige Person glauben , Saß Grandier die Macht gehabt , Teufel nach seinem Willen zu bestimmen , und sie cken , um unschuldige und Gott geweihete Jungfern ; u mar . rern . Endlich lobet er die Klugheit und Gerechtigkeit Ludwigs des XIV , „ daß er dem Laufe der peinlichen Processe , wider diejenigen Einhalt ge - „ than , die man der schwarzen Kunst undZauberey beschuldiget , indem er „ die Todesstrafe vieler Privatpersonen , in die Verbannung verwandelt , „ die durch einen ParlementSspruch von Rouan , als dieses Verbrechens „ Schuldige , verbrannt zu werden , verurtheilt gewesen , und daß er dar - , , aus durch einen Befehl seines Staatsraths , vom 26 April 1672 verord« , » ? et ; in der Provinz Normandie allen Personen die Gefängnisse zu er - „ offnen , die wegen dergleichen Verbrechen darinnen gefangen gehalten „ würden ; und daß in Zukunft diejenigen , die deswegen angeklaget wur - „ den , nach der Erklärung beurtheilet werden sollten , welche seine jestät durch diesen Befehl verspricht , in alle Gerichte von Frankreich , " iur Einrichtung des Verfahrens zu schicken , welches von den Richtern „ bey der Anstellung der Hexenprocesse beobachtet werden soll . . .
. ( ^ . Man will , baß er bey der dritten Besitzung , nächtlicherweile durch eine Thür« gegangen , die ihm dieser Teufel eröffnet hätte . Ivlercuro Francis , Tom . XX . p . 76 - .
. ( L ) - , , Dieß bieß , sick aus einer Verwirrung durch eine andre herauswickeln . 1 CS ist gewiß , daß die allerunglaubigsten und subtilesten Philosophen , bey den Erscheinungen , welche die Hexerey betreffen , nicht ohne Verwirrung bleiben können . Allein ich weis nicht , ob man in Ansehung GrandierS nicht dasjenige sagen könnte , was Olym - pias gesagct , da sie eine Beyschläserinn ihres Gemahls gesehen , die sie ungemein schön und geistreich fand : man beschuldige sie ja der Zau - > bercy nicht weiter ; alle ihre Zauberey befindet sich an ihrer Per , son . Man sehe die Anmerkung ( I ) des Artikels Apulesus , wo ich die griechischen Worte Plutarchs anführe . Der Pfarrer zu Loudun war ein schöner Mensch , geschickt , und ein Schwätzer ; dieß ist vermutlich die . Hexerey gewesen , mit welcher er die Priorinn derUrsulinerinnen inVer , suchung gesetzt , ( Monconis , Voiagcs , P . I . p . 9 . ) und welche die Nonnen eine heftige und unkeusche Drunst ausstehen lassen , k^ercure cis , Tom . XX . p . 761 . Da das Gelübde der Keuschheit und Andacht diese Unordnung nicht vertreiben können , so hat man sie für übernatür - lich gehalten . Dieser Gedanke ersparet der Eigenliebe die Schamhaft tigkeit , daß man eine natürliche böse Leidenschaft lange behalten hat ; also hat man sich für bezaubert gehalten ; die ganze Maschine ist in ordnung gerathen , und die ersten Vergebungen haben zur Ehre dieser Ge - nmnschaft nicht widerrufen werden dürfen . Es ist nichts gefährlicher für Personen , welche glauben , daß ihr guter Name der Kirche noth - wendig sey , als wenn sie sich zu einem Fehltritte verleiten lassen . Diese Priorinn derUrsulinerinnen kann anfanglich auftichtig gewesen seyn ; al - lein bey dem Bestich : des Monconis , ist sie es nicht mehr gewesen : gleichwohl hat sie die Comödie fortsetzen müssen , um das Vergangene zu retten . Diejenigen , denen die Charte der kleinen Stadt Loudun , zur Zeit , da diese Teufeleven angegangen , vollkommen bekannt gewesen ist , hätten sie viel besser erklären können , als man itzo thun kann .
Einige Monate , nach dem ich dieß geschrieben , habe ich erfahren , daß ein Mensch aus diesem Lande eine richtige Erzählung von diesem Abetv theuer zu Amsterdam drucken lassen . Zch habe die Bekräftigung deöje - nigen darinnen gefunden , was ich gemuthmaßet ; man erzählet die abson - verliehen und persönlichen Leidenschaften , welche diese seltsame Mummerey eingeblasen ; und wenn man dem Verfasser der Relation glaubet , so ist die Priorinn nicht eine Minute redlich gewesen .
CM ) macht . )
worü I
Fragen auch diese vorgebracht : TVddbca ist die geschickteste Stelle in der heiligen Schrift , das Fegefeuer ; » beweisen 1 Die Refor , mitten haben , nebst einer großen Anzahl Katholiken , gemeinschaftlich wi - der diese gottlose Neubegierde geschrieen , und diesen Beichtvater Heinrichs des IV , sowohl , als den ganzen Jesuiter Orden , heftig angefallen . Unter - dessen ist es doch wahr , daß dieser Beichtvater lediglich dem Gebrauche seiner Kirche gefolget ist ; wenn man einige Fragen ausnimmt , die er über einige Staatsfachen , hat gethan haben wollen . Hat der Befchwö - rer von Loudun , nach der Historie der Teufel von Loudun . 571 Seite , den Teufel nicht gefragt : welches der beste IWeg wäre , durch welchen die Crearur , die sich von Gott verirret harte , am besten wieder 5» ihm käme ? Hat er ihn nicht nach der 372 Seite gefraget , ob er seit seinem Falle niemal« dicSüfiigkeit der göttlichen / liebe geschme - cker - : - - und welches das stärkste unrer allen Bändern wa - re , die den Menschen an die Lreamr hefteten ? - - , Ebendas . 373 S . Gb es Personen in der - Hölle gäbe , die auf dem Erdboden die göttliche Liebe stark geschmecker hatten 1 Der Teufel hat sehr weitläuftiq auf alle diese Fragen geantwortet , und auch einige Ge - Heimnisse von seiner Staatskunst , und die Mittel entdecket , dieselbe zu vernichten . Dergleichen Dinge sind nicht allein zu Loudun vorgegangen ; sie sind die geläufige Schreibart der Exorcisten , wie solches die piotestan - tischen GotteSgelehrten , den Römischkatholischen vorwerfe , ? . Si qui» attente legerit nupera Exortiftariim feripta , vt Monachi Michaelis , Hiftoriam Ludouici Gaufridi , et obfeflärum miilierum , non fatis mi !

adigunt , vt preces 1 gionis et pietatis externa munia obeant . Heideggerus , Diflert . Se - leöar . Triaeade , p . 98 . Siehe «1lchV0et . Difp11t . T0ra . III . p . 622 6sj . Also ist der besondere Haß , den man gegen die Jesuiten gehabt , Ursache gewesen , daß man wider eine Aufführung des P . Coton . ein solche« Ge - schrey angefangen hat , da man diejenigen in Ruhe gelassen , die es eben so qemaclm . Ich rede nicht von den Protestanten . Man wird das Laster des Ansehens der Personen niemals heilen
( N " ) Ick werde jwey Dinge anfuhren , davon eines sehr er , staunlich ist . ) Sie sind mir weiter nicht , als nach des Cousin AuSzü - gen bekannt . Hier ist dasjenige , was ich in seinem Tagebuche der lehrten an derjenigen Stelle gelesen , wo er des Lebens von dem P - ringedenket , den9 May 1689 , Z " S . holl . Ausg , Sey Gelegenheit der Rampfe , die dieser Pater mit den Teufeln qehaken , beweist der Versaster von seinem Leben , welcher - Heinrich Maria Boudon geheis - sen , sehr weitlauftig die Wahrheit von der Besitzung der Non - nen ; u loudun , vornehmlich durch das 5cugniß der ; wcen größten Geister derselben seit . Der eine ist der Cardinal Ricke , neu , welcher Exorcisten nack Loudun geschickt , die auf Rosten des Röniges unterhalten worden , und der andre der tNylord
dcnpat .
Renerev abgeschworen , und sich , in seioe - Handc , ; u dem karholi , schen Glauben bekannt bar . Folgendes ist noch viel seltsamer . 33 ? Gmpaldus , ( FranciscuS Marius ) ein gelehrter Mann , hat im XVI Jahrhunderte gelebt . Er war von Parma , und wurde , da sich sein Vaterland , nachdem es von dem Joche der Franzosen befreyet war , wieder dem Gehorsame Julius des H unterwarf , zum Haupte der Gesandtschaft erkiest , die an diesen Pabst geschickt worden Seine Beredsamkeit und schöne Lei - besgestalr waren Ursache , daß er zu dieser Verrichtung erwählet worden b . Er hat sehr wohl vor Julius dem II geredet , und Verse über die Materie herausgegeben , die er zum Grunde feiner Rede geleget hatte . Der Pabst hat ihn mit eigner Hand und mit vielem Gepränge , im Vatican gekrönt . Grapaldus , der durch diese poetische Krone angefeuert worden , hat viele Verse ge - machet , die gedruckt worden sind f . Das Werk , worinnen er seine Gelehrsamkeit am meisten blicken lassen , ist dasjenige , darinnen er alle die Theile eines HauftS erklaret ( A ) . Er ist an einer VerHaltung des Urins , über fünfzig Jahre alt , ge - storben d . —
a ) Iouius , in Eloe . cap . LXII . V ) A praeftanti facundia et infigni corporis proceritate legationis prineeps . Ebendas . c ) Eben , daselbst . Ebendaselbst .
( A ) Das Werk , worinnen er scine Gelehrsamkeit am meisten Werk ist vielmal gedruckt worden . Die erste Ausgabe ist von Parma blicken lassen , ist dasjenige , darinnen er alle die Theile eines - Hau , bey Anton Quintianus , Ich weis das Jahr davon nicht : ich weis nur , ses erkläret l * t . ] Paul Zooms , in Elog . cap . LX1I . urtheilet sehrver - daß der Verfasser siebenJahredarnach eine andre machen lassen : sie war viel nünftia davon . Sed miilto vberius , saget er , et latins ingenii famam weitlauftiger , als die erste . Siehe den Vorbericht an den Leser . Gesner prov3L2uit , eäito libro de partibus aediuni , quo per optimas difcipli - zeiget nur die baselischen Ausgaben von 15ZZ und 1541 , in 6>8 in 8 .
( StflßifJ / ( Paris von ) verdienet viel Tadel wegen des Betrugs , den er der Welt gefielet hat . Er hat die Grabschrift
. ' v r . ' . . ä . / an r : . . r . 5 ro - » S / »t» ov in SU ( 'S>r=
. vjriuutrwuny wrauja ; nji intiuat , »w w pv uuv ywu / t uuo . uie
eselö Man lachte einige Zeit nur darüber , und machte sich nicht viel aus diesem Mannorstücke ; allem
nach vielen Jakren wurde es ansehnlich , und m den Gedanken vieler Leute , für ein Alterthum gehalten ( B ) j so daß Thomas Porcacchi diese Grabscbrift als ein ächtes , und aus den alten Zeiten gekommenes Stuck , in ein Buch eingerucket batParis von Graßis ist nicbt der einzige gewesen , der den Alterthumöliebhabern dergleichen Fallstricke geleget hat ( C ) . Ich glaube , es

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.