Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10264

Grandier .
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1 ich guten Verstand gehabt , und überdieß mit vielen natürlichen und erworbenen Vollkommenheiten begaber gewesen ; der aber durch doppelt so viele außerordentliche Laster , namentlich durch - Hurere^ und Unreinigkeiren - - - die ( B ) Es wurden etliche Ursulinernonnen , nach der gemeinen Meynung des pobels , für besessen gehalten . ^ Menage in den An - Merklingen über da« Leben Wilhelms Menage , saget es nicht nur mit die - fem Zusätze ; er setzet auch die ganze Folge dazu ; denn was die Ge - lehrten betrifft , so haben die meisten darunter behauptet , daß diese Nonnen nur krank waren , und sich nicht das geringste , man mochte Sa» Gegentheil sagen , wie man wolle , von den dreyen Merkmaalen bep ihnen befände , welche das römische Rimal als rvahre Kennzeichen der Sesittung erfordere , nämlich die tt ? cis> sagung . die Verstanvisse der Sprachen , die man nicht gelernet hat , und die übernatürliche Starke des L . cibcs . Er führet zwey Bücher an . die wider diese vorgegebene Besitzung geschrieben worden , nes durch den Duncan , einen berühmten Schottländer und Arzt zu Sau - mur , das andre durch den Jacob Boutmix , Herrn von Etiau . einen ge , lehrten Mann in der Stadt Anger« : und führet an . was Claudiu« Mcnard , Lieutenant des Gerichts zu Angers . von diesem Buche Ja - cobs Boutreux , in seinem Verzeichnisse der Scribenten von Anger« ge - saget hat : Laudunenfis theatri ftenani aggreflus , Parochi Granderii tepidatas filentio longo fauillas memorianiquc fcripto vindicarc au - fus , dnbiae quaeftionis thema renouauit , vt triftes virgininn male traätarum poenas , vel cxercitae potiiis trophaea virtutis ad fcurrilia planoruin Iudibria , vindicandique et fuppofiti in Granderium , vtcre . di vult , nialeficii minifteria perfonata traduceret , grandi certe menti« fiducia , calami feriptique libertatc , nefcio an ceffura fcliciter . Siehe hier unten die Anmerkung ( I ) .
Beobachtungen über die Wissenschaften der Sprache» bey den besessenen .
Allein dasjenige betreffend , was Menage beobachtet , daß sich die Wis - senschaft der Sprachen , welche eine von den dreyen Merkmaalen einer wahrhaftigen Besitzung ist , nicht bey denen Nonnen befunden , ist dienlich , dasjenige zu bemerken , was Seguin . ein Arzt zu Tours . bemerket , daß sie in einer Hottentottischen Sprache geantwortet hatten , darin - nen sie der - Herr von Launai Razilli angeredet , welchem ich , saget er , mehr als mir selber glaube , und den ick euch deswegen anführe , weil ihr ihn als einen glaubwürdigen Mann kennet . Mercure Francois , Tom . XX . p . 777 . Weil aber Menage , dem der In , halt dieses Briefs , und die andern Mahrchen nicht unbekannt gewesen , die man von der diesen Nonnen beygelegten Wissenschaft der Spra - chen ausgestreuet hatte , gleichwohl bekräftiget : sie härten hierdurch nicht zu erkennen gegeben , daß sie wahrhaftig besessen waren ; so sieht man , daß man den Berichten bey dergleichen Dingen nicht sehr trauen darf . Da« - jenige , wa« Balzac in feinen Gesprächen gesaget , verdienet hier einen Platz . XOmn man ihn deswegen , saget er im XVII Gespräche , weil er prophezeiet , als einen - Herenmeister angeklagt - , < , so müßten die Teufel , mit welcken er Gemeinschaft gehabt , nur Trosbuben von ^ucifers Rriegsheere gewesen fepi . Sie ten weniger gelehrt , als die zu K . oudun gewesen seyn , die doch nicht einmal Tertianer waren , wie einer von den Schmeichlern des Cardinals Rickelieu gesaget . Sie müßten endlich von der Ordnung der Schülerteufel gewesen ( cyn , welche in den bethen Theodors , grammatische Schniyer machen , und wider da« S^lbenmaß , und die Regeln der Wortfügung sundigen . Siehe die Nouvellen aus der Republik der Gelehrten im Märzmonate 1634 / P - l0 - andre Ausgabe . Wir wollen einige Beweise von der senheit der Teufel zu Loudun sehen . Nach gccndigrer Messe näherte sich Sarre der Priorinn , um ihr das Nacktmahl ju geben , und sie zu beschworen , und redete sie . mir dem Sacramente in der - Hand , mit diesen Worten an : AdoraDeum tuum , Creatorem tuum . Bethe deinen Gott , bethe deinen Schöpfer an . Sie antwortete , adoro te , ich bethe dich an . Quem adoras ? Wen bethest du an , fragte sie der Erorciste verschiedenemal , leü» Cbriftu , , verseyte sie , mir einigen Bewegungen , al» wenn sie Gewalt litte . Daniel Dro - uin / ein Beisitzer von dem Älurgerickte , konnte sich nicke cnthal - ten , ziemlich laut zu sagen , dieser Teufel ist nickt Regelfeste . Barre veränderte die Redensart und fragte die besessene , qms eft ilke , quem adoras , wer ist derjenige , den du anbethest / Er hoffte , daß , sie noch einmal antworten sollte . lefus Chriftus ; allem sie tete , Iefu Chrifte . - Hierauf hörte man verschiedene Stimmen der gegenwärtigen ausrufen , dieß isk Rüchenlatein , Barre be - l'auptere verwegen , daß sie gesaget hatte , adoro te Iefu Chrifte , ich bethe dich an , „ Jesu Christ . Siehe die Historie der Teufel von Loudun , Zu Amsterdam 169z gedruckt , 57 S -
Dieß ist eine fehr f»ifciac Spötterey wider den Capuciner , den Aufse - her über die vorgegebene besessene Martha . Man hat gesaget , daß sie zween Teufel im Leibe hätte einen Beelzebub genannt , den andern Astha - r°rh . Die Richter zu Angers haben fie griech'lch und lateinisch befragt .
Beelzebub hat im Zorne geantwortet : „ daß er eben so wohl auf das »Griechische al« Lateinische antworten könnte , wenn er wollte . DerCapu - „ einer , um ihm eine Entschuldigung an die Hand zu geben , hat zu ihm „ gesaget : mein Freund Beelzebub , es sind Ketzer hier , darum wollet ihr „ gewiß nicht reden ? Man hat mit dem Astharoth lateinisch zu reden an , „ gefangen , der sich mit seiner Jugend entschuldiget ( « ) . Beelzebub „ har sich mit dem Vorgeben entschuldiget , daß er ein armer Teufel wäre . „ Hierüber ist unter den Gerichtspersonen ein großer Streit entstanden , „ ob die Teufel gehalten wären , in die Schule zu gehen ? Die Rechtsge - „ lehrten haben behauptet , daß es ein Proprium in quarto modo der „ Besessenen wäre , alle Sprachen zu reden ; als wie der zu Cartigni in „ Savvyen , der in 16 Sprachen versucht worden : als man gemerket , „ daß sich die reformirten Prediger zn Genf nicht unterstanden , die Be - „ schwörung vorzunehmen . Die zu Angers sind unter andern viel knh - „ ner gewesen , welche auf diese Art angefangen : Commando tibi , vt „ exeas Beizebub et Aftharot , aut ego augmentabo veftras poenas , et „ vobis dabo acriores . Zum andernmale hat er es verdoppelt : Iubeo , „ exeatis , fuper poenam excommunicationis maioris et minoris . lich hat er in vollem Zorne darzn gesetzet : Mifi vos exeatis , vos rs - „ legoetconfino in infermim , centum annos magis , quam Dens ordina - „ uit „ Confeffion Catholique de Sancy , Liv . I . cap . VI . Ich jweifle nicht , daß dieses eine Erfindung des Schriftstellers ist .
( - - ) Die Anspielung über diese Worte Lucifers an den Astharoth , wird auf dem 4 ; Blatte , als eine Profopopöie angeführet :
Astharoth , rede niemals :
Du bis ? noch allzujung . Trit . Anm .
( C ) Denn wenn sie ihn für vermögend gekalten , daß er Leute» den Teufel in den / leib schicken könne , so Hauen sie sich fürchten sollen , ihn ju reizen . ] Menage hat diesen Gedanken so schön gesun - den , daß er seine Noten damit bereichert hat , nachdem er sich desselben in dem Leben Wilhelms Menage , 8 z S . bedient hatte . De Maleficio fingit fe allen tiri ( Armandus Richelius ) nam vt vere Apuleius et ipfe maleficii reus poftulatus , id genus crimen non eft eins accufare . qui credit , accufare e'nim eo crimine is cum timeret , quem vi cantanii . nmn pollö tantum fateretur . Es ist dienlich , die Woi te deutsch zu hö - ren : Sie haben , saget er , den Grandier wegen Hexerey angeklagt , eines gewöhnlichen Verbrechens derer , die nichts davon vcrste , hen , und welches nach dem vortrefflichen Gedanken des Apule - , us , der ehmal» wegen gleichen Verbrechens angeklaget wor - den , von denen selbst nicht geglaubet wird , welche die andern deswegen anklagen : denn wenn ein Mensch recht überzeugt wa - re , daß ihn ein andrer Mensch durch - Hexerev ums £ . rben gen könnte , so würde er sich ja scheuen , ihkfdurck d^e Anklage eines so abscheulichen Verbrechens ; u reizen . Alle» , so gmndlich auch diese Art zu schließen scheinen möchte , so glaube ich nichts destowe - niqer : daß eS allezeit Leute gegeben hat , welche diejenigen für ftratfw halten haben , die sie wegen der Hexerey angeklagt . Denn erstlich darf man gar nicht erwarten , daß der Mensch nach einem richtigen Sc ! Insse handelt : nberdieß bildet man sich ein , daß der Hexenmeister nichts tose« mehr thun kann , so bald sich die Obrigkeit seiner bemächtiget hat . End - lich glaubet man , daß ein Zauberer nichts wider seine Ankläger unterneh , men wird , weil er dadurch Beweise wider sich selbst darbiethen würde .
( v ) Man schrieb an den P . Joseph - - - daß Grandier der Verfasser von einem Buche wäre , die Schusterinn von^ou , dun betitelt . ] Die Ursache dieses Titel« war daher genommen , weil man in diesen , Buche eine Schusterfrau reden laßt . Menage hat die ungereimten Possen , womit diese Satire angefüllt ist , für einen starken Beweis genommen , daß sie Grandier nicht gemacht hätte : Granderii non eflc , tot ineptiae , quibus fcatet , arguunt . Ebendaselbst ; und er hatte von Bouillaud sagen hören , es sey gewiß , daß Grandier nicht der Verfasser von diesem Buche wäre . Rem . fiir la Vie deGuiU . Menage , p . 34 ? . Bouillaud , der von Loudun gebürtig war . hatte diesen Maim sehr genau gekannt . Ebend . z^i S . Man sehe in der zu Amsterdam qedruck , ten Relation . 99 Seite , mit was für Arglist man sich dieser Saure } U Grandiers Untergange bedieltet hat .
( E ) - - Da sich der Cardinal einmal überreden lassen . 1 Ich habe irgendswo gelesen , daß er diese Alfanzerey unterhalten , um Lud - wigen den XIII , durch die Erzählungen von Hexer« ) en , damit er ihm be - ständig in den Ohren lag , furchtsam , und seinen Absichren desto unter - würfiger zu machen . Dieß ist nicht wahrscheinlich , ob man gleich «ste - hen muß . daß die allererhabensren Geister gemeiniglich diejenigen Gele - qenheiten am wenigsten verabsäumen , die am lächerlichsten und abge - schmacktesten zu seyn scheinen . Ich rede von denjenigen großen Geistern , die einen Staat regieren . Der Umfang ihrer Scharfsinnigkeit läßt sie auch da Triebfedern entdecken , wo man sagen sollte , daß keine wären . Dar , nm , weil sie besser , als die andern Menschen allen Nutzen kennen , dazu man eine nichtswürdige Sache gebrauchen kann ; darum , weil ihnen die Schwachheit des menschlichen Geschlechts besser bekannt ist ; fie wisse» besser , ms die Schwachheit und Unwissenheit einiger , und die Bosheit andrer hervorbrigen kann . Man darf aber nicht allezeit also schließen . Eine solche Sache ist so abgeschmackt , so niederträchtig und so auslchwei - send , daß ein verständiger und kluger Äkmsch niemals Acht darauf geben sollte ; folglich ist e« falsch , daß sich ein so großer Staatsmann derselben bedienet , sie erdichtet und unterstützet hätte . DerVersasser der Historie des Edictö von Nantes , beobachtet in des II Band . X B . ; z« S . auf« 1634 Jahr , daß es Leute gegeben , welche die Comodie für ein Re« ligionsgeschaffte genommen , die verschiedene Jahre durch , bey den Ursulinerinnen zu Lot»dn» gespielet worden . Ich glaube , er will fa - gen , daß sich diese Leute eingebildet , man habe dieselbe gespielt , da« Edict von Nanre« dadurch zu untergraben . Er erzählet da« Lächerliche der Antworten dieser Besessene» , auf eine angenehme Art . Man merke , daß er saget , es habe Grandier das Kloster der Ursckinerinnen regieret : allein in den Druckfehlem meldet er , daß man lesen müssen , er hätte diese Nonnen manchmal besucht . Dieses letzte ist der 169z zu Amsterdam ge - druckten Relation , nicht gemäßer , als das erste . Man sehe daselbst die - 5 S . wo man die Worte findet : So viel ist wenigstens gewiß , daß diese Jungfern sieben bis achr labre , u Loudun gewohnt haben , ohne daß er einen einzigen Äesucl ) b . y ihnen abgestat , ttt und I6J4 , da sie ihm unter die Augen gestellt wor . - Kk kk i den ,

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