Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10241

Grain . Grammont . Gramond .
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GMttl f ( Baptista le ) ordentlicher Requetenmeister desPallastes der Maria von Medicis , Königinn von Frankreich , hat etliche Historien aufgefeßet , die ziemlich gut sind ( A ) . Er war ungefähr 156z gebohren a . Er hat keine Bitterkeit gegen die Reformir - ten bezeuget ; vielmehr hat er sich sehr stark für den Befehl erkläret , den man ihnen verwilliget hatte ( B ; .
<0 Siehe seine Decade de Henri le Grand , Livr . I . p . 80 . Ausgabe vonRouen , 1633 , in 4 .
CA ) Er hat etliche - Historien aufgefegt , die ziemlich gm sind . ] Man hat zwo Deeaden von ihm : die erste ist die Historie Heinrichs des großen , die andere , die Historie Ludwigs des XIII' , vom Anfange seiner Regierung , bis an den Tod des Marschalls von Anere , , * 17 . , , An einigen Orten hat er besondere Umstände ein - «geri'icket , die man anderswo nicht findet , und man urlheilet , daß diese „ Historie aufrichtig , als von einem wahren Franzosen , geschrieben wor - „ den . „ Sovel saget dieses Bibl . Fran$ . p . m . Z52 . von der ersten De - trade ; in Ansehung der andern saget er p . z ; z , 354 . weil diese rie jhc Feit und unter Oer Gewalt dererfenizen herausgegeben rvorden , davon sie reder , so sind die vorhergehenden Sacken darinnen sehr versckrieen . Dem Marsckalle von Ancre und de - nen von seiner Parrey wird darinnen sehr übel begegnet . Die redlicken Diener der königlichen Frau Mutter sind auck darin« nen nickt gesckonet : so , daß dieses J & ud ) ehmals deswegen sehr gesucket worden , weil es einige aus Neubegierde bewahren woll - ren und andere den Vorsatz hatten . es «t unterdrucken . nehmlich bemerket man , daß dieser Sckriststeller bey demjenigen , was den Bischof von - Fusion , den hernackmaligen Cardinal Ri - ckelieu betrifft , einen Brief von ihm an den Marschall von Ancre
anführet , welcker , wie man vorgiebt , in sehr demütbigen Aus« drückungen abgefaßt ist . Man hat Grund , dieses vorzugeben . Siehe Le Grain , Livr . X . p . 411 . aufs 1617 Jahr .
( B ) Er hat sich stark für den Befehl erkläret , den man den Protestanten verwilliget hattet Man sehe das VIIB . die 704 S . seiner DecaS , Heinrichs des IV , man wird darinnen eine schöne Schul ; « schrift dieses Prinzen , wegen des Edicts von Nantes , finden ; eine Schutz - schrist , sage ich , die durch Er«npel und Gründe unterstützt ist . Aublgne hat den Auszug davon dem III Bande , V B . 1 ! Cap . 631 0 . seiner storie eingeschaltet . Le Grain halte die Grundsätze nicht verändert , da er seine Deeas Ludwigs des XIII geschrieben ; denn er machte im VIII B . 299 S . eine Schuhschrist der öffeiAichen Briefe , welche den 4 Au - gust , 1616 , in die Geschichtsbücher des Parlements eingetragen worden , und kraft welcher Se . Majestät sich . erkläret hatte , daß er seine Unter - thanen von der vorgegebenen reformirten Religion nicht unter dem , bey seiner Krönung gethanen Eide und der geleisteten Versicherung begriffen haben wolle , daß er seinen Degen und alle Mittel , zur Ausror« tung der Reyereyen , anwenden wolle . Diese zwo schönen Stellen , zum Besten der Religionsduldung , finden sich in einem Werke des Co - lomies , das protestantische Rom betitelt , auf der 65 u . f . S .
Grammont , ( Gabriel von ) ein französischer Cardinal im XVI Jahrhunderte . Ich rede nur von ihm , daß ich etliche Fehler des Moreri verbessern will ( A ) .
CA ) Ich rede nur von ihm , daß ich etliche Fehler des Moreri verbessern will . ] I . Ist die mündliche Besprechung Clemens des VII , und Franeiseus des I , zu Marseille , nicht 155 - , sondern >552 geschehen .
II . Der Cardinal Grammont ist nicht mir dem Bisckofthume von Poi - tiers belohnet worden , weil er den Pabst zu dieser Zusammenkunft über - redet harre ; denn er hat diesen Bischofshur schon gehabt , als er nur aus Frankreich abgereist , mit Clemens dem VII zu unterhandeln . III . Diese Worte : der Ronig hat ihm das LLrzbiscksfthum von Bourdeaux und Toulouse gegeben : er ist hingegangen , Besitz davon zu neh - men , müssen getadelt werden ; weil sie nach dem naturlichsten Verstan - de bedeuten , daß man diesem Cardinale diese zwo Hauptkirchen auf ein - mal und zu gleicher Zeit gegeben . Dieß aber ist falsch . Ueberdieß wei« man nicht , ob er das Erzbischofthum Bourdeaux oder Toulouse in Be - sifc nehmen wollen . Der Ausdruck des Moreri bestimmt uns zu nichts .
IV . Ist e« nicht wahr , daß dieser Cardinal eher gestorben , als er Besitz von dem Erzbischofthume Toulouse genommen hatte . Er hat den 27 des Weinmonats , > ; zz , durch einen Gevollmächtigten , und den 15 März darauf in Person Besitz davon genommen . V . Das Schloß Balnra ist eine Hirngeburt ; er hatte sagen sollet , , Balma . Er , der Cardinal , ist da -
selbst , nach dem Buchet , den 26 Marz , 1534 , gestorben ; Moreri saget den - 4 März . Dieses Schloß gehöret den Erzbischöfen von Toulouse , und ist nur eine kleine halbe Meile von der Stadt entlegen . VI . Wenn der Cardinal von einem langsamen Fieber befallen worden , so »st es nicht damals geschehen , da er von dem Erzbischofthume Besitz nehmen wol - len ; er hätte sagen sollen : daß ihm seine Reise von Rom eine lange Krankheit verursachet , wvrgn er , » Tage nach der Besitznehmung , ge« sterben . Stirbt man wohl an einem langsamen Fieber in so wenig Ta - gen ? Dieß ist aber befremdlich , daß mir Catel , Memoires de l'Hittoirc du Langucdoc , Livr . V . p . 945 . einer von den Schriftstellern , die Mo - rer , anführet , die Verbesserung aller der Schnitzer darbiechec , die hier be - merket worden sind . Wo denket doch dieser Mann hin , daß er uns Schriftsteller anführet , die er nicht einmal gesehen hat ? Cacel eutde - cket einen Fehler des Johann Du Bouchet , wegen des Namens de« Schlosses ; also hatte Moreri den wahren Namen dieses Gebäudes un« fehlbar wissen können . Du Bouchet saget : es sey der Cardinal zu Abal - me gestorben , einem Orte , welcher zu dem Erzbischofthume gehöret , und zwo Meilen von Toulouse liegt .
Gramond , ( Gabriel Bartholomäus von ) lateinisch , Grarnondus , Präsident bey dem Parlemente zu Toulouse , und ein Sohn des DechantS von diesem Parlemente ( A ) , hat eine Historie geschrieben , die hoch geschähet wird ( B ) . Ich habe in ei - nem deutschen Schriftsteller eine besondere Sache gelesen , daran ich sehr zweifle ( C ) , und welche , wenn sie wahr wäre , dem Präsidenten von Gramond sehr rühmlich seyn würde . Patins Briefe bekräftigen das Vorgeben des deutschen Schriftstellers nicht sehr ( D ) .
( A ) Gr war der Sohn des Deckants , von dem parlemente ; u Toulouse . ] Dieser Dechant der Rathe hat Bartholomaus von Gramond geheißen . Er ist ein sehr frommer und redlicher Mann ge - wesen . Sein Sohn giebt ihm dieses Lob , wenn er eine That erzählet , die vielmehr einem Hofmanne , als einem für die gute Zucht eifrigen Rathsherrn anständig ist . Er saget . Hiftor . Galliae , Lijar - III . p . m . 213 . aufs 1619 Jahr , daß Mommorenci , Statthalter von Languedoc , ge - wollt , daß seine Gemahlinn in allen den Städten seiner Statthalter - schaft , mit bisher ungewöhnlichen Ehrenbezeigungen empfangen werden sollen . Er hat in« besondere gewünschet , daß ihr die Obrigkeiten zu Toulouse , zu ihrer Einholung bewaffnete Leute entgegen schicken sollten . Man hat diesen seinen Vortrag etlichemal verworfen , und ihm vorgestellet , daß die Spiele , Tänze , Musiken , die wahren Zubereitungen zum Empfange einer Dame wären ; allein die kriegerischen Ehrenbezeugungen müßten denen vorbehalten werden , welche die Gerichtsbarkeit über die Waffen hätten . Bartholomäus von Gramond aber ist anderer Meynung gewesen : denn sein Gutachten gieng dahin , daß man die Herzoginn von Mommorenci auf die Art empfangen sollte , wie eS ihr Gemahl wünschte ; er ist an die Schoppen , ( so nennet man die Rathsherren der Stadt Toulouse , ) im Namen des Parlements abgeordnet worden , und hat sie vermocht , dem Verlangen des Statthalters von der Provinz eine Genüge zu thun . Dies ; hat sich 16 , 9 eräuget . Man findet bierinnen nicht die geringste Spur der alten römischen Ernsthaftigkeit . Unser Ge'chichtschreiber wur - de viel besser zum Ruhme seines Vaters gearbeitet haben , wenn er hätte sagen können , daß der Abgeordnete des Parlements die Schöppen in dem Vorsabe bestärker hätte , die Neuerungen zu verwerfen , die der Her - zog Mommorenci für seine Gemahlinn von ihnen forderte . Diese führung hätte einen Mann gezeiget , der sich des weisen Raths Tibers , rnoderando» tocminarum honores ( Tacit . Libr . I . cap . XIV . ) und der Rede des Severus Cäcina , eines römischen Rathsherrn , unter die - sem Kaiser , sehr wohl zu bedienen gewußt . Sie ist steylich verworfen worden • allein , darf man sich darüber verwundern ? Rom hatte alle seine schönen Grundsätze verlohren . Man merke , daß die Meynung die . se« Rathherrn dahin gegangen : man solle denen . die in den Provinzen geböthen nicht erlauben , ihre Ehstauen mir dahin zu nehmen . Ebendas . VI B . XXXIII Cap . Er hat davon sehr gründliche Ursachen ange , führet . , . ^
begreift in XVIII» dasjenige , was in Frankreich , seit demTode Heinrichs des I V , bis auf das 11629 , vorgegangen ist , und nicht bis '£9 , wie reri saget . Sie ist »u Toulouse gedruckt worden . Die Fremden ha - ben sie , s° wohl in Holland , als in Deutschland , . hrer Pressen wurd . g
geschäht . Man merke daß sie die deutschen Schriftsteller oft anführen . Man jehe unter andern den Pelleruö in seinem PoUticus fccleratus im - II Band .
pugnatus . Die Schreibart dieses Schriftsteller« ist ein wenig zu kurz , und nicht naturlich genug ; allein sie bezeuget , daß der Präsident von Gramond die lateinische Sprache sehr wohl verstanden hat . Er hat 162z die besondere Historie des Krieges , welchen Ludwig der gerechte ge - gen seine reformirten Unterthanen geführet , zuToulouse herausgegeben .
( C ) Ick habe in einem deurjckcn Sckrifrsieller eine besondere Sacke gelesen , daran ick fthr »weifle . ] Christian Funecius giebt vor , daß der Präsident von Gramond , weil er in der Kühnheit die Wahrheit zusagen , und die Fehler der Regierung und der großen Herren zu entdecken , den Fußtapfen Thuans gefolger , sich viele Feilte gemacht habe , und mitten in seinem Vaterlande nicht in Sicherheit gewesen sey . In eo Thuano par quod intrepidc dicat , quid fentiat , non ditfimulan» grauiflima aulac et magnatum peccata , indeque idem quod Thuanus , fatum expertus . Simul enim ac prima pars hiftoriae prodiit mtiL tornni ineurrit odia : ita vt vix Tholofae tnto viuere potucrit . Quare non prodiit tenus hac , nifi pars prima : fi altera fuccederet , opus eilet incomparabile , vel non nifi cum ipfa antiquitate compa - randum . Arcanifiima enim reip . Gallicae autor penetrauerat . Chr . Funecius , Tom . I . Orbis Imper . p . 44z . beym König , Biblioth . p . Z5» . Graverol , Sachwalter zu Nimes , welcher große Bekanntschaften zu Tou - louse hatte , und den ich wegen dieser Sache zu Rathe gezogen habe , hat mir viele Dinge beantwortet ; aber nichts , das mir zu erkennen gäbe , daß er jemals etwas dergleichen hatte reden hören .
( D ) Parins Briefe bekräftigen das Vorgeben dieses deutfcken Sckriftfsellers nickt sehr . ] Es ist weit gefehlet , daß uns Veit Pa - tin den Gramond , als einen Märtyrer der Wahrheit vorstellet ; er hält ihn vielmehr für einen niederträchtigen Schmeichler , . jch glaube , daß er die Sache vergrößert ; und höchstens wäre die Ausschweifung des beut - fchen Schriftstellers nicht so strafbar , als Veit Patins seine . Dem sey , wie ihm wolle ; hier sind die Worte des letztem : Lcttr . XC . Tom . I . p . , 55 . „ Ich habe die Historie des Herrn von Gramond , Präsidentens zu Tou - „ louse , davon ihr mir schreibt . Ich habe mich vielmal mit ibm unter - „ redet , so lange er in dieler Stadt gewesen . Er war ein ehrlicher Greis , „ aber sehr schwach und abergläubisch . Er hat sich ohne Noth bemühet , „ Nachrichten zu erhalten , und seine Historie bis auf den Tod des fei . „ Königes fortzuführen : allein der Cardinal Mazarin hat ihm die Ver - „ richtung nicht geben wollen . Er ist unlängst zu Toulouse gestorben ( * ) • „ Sein Buch will nicht viel sagen , und kömmt der Historie des Präsi - „ dentens Thuanus bey weitem nicht bey Es ist mit Falschheiten und „ Schmeicheleyen angefüllet , die einem ehrlichen Manne unanständig „ sind . Da es im Drucke fertig gewesen , und zum Verkauft feil aus - „ geleget werden sollen , hat der Herr von Gramond fünfzehn halbe Bo - „ gen Umdrucken lassen : um dem Cardinale Richelieu stärker zu schmei - „ cheln , der damals auf dem höchsten Gipfel der Gnade stund . Dieser
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