Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10239

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Gornai .
und also behauptet man , daß sich die Unterredungen des Menage manch - mal widersprechen .
< * ) Ich glaube nicht , daß diese« wahr ist . Ich wundere mich , daß Hilarion von Coste , der im II Bande der Leben von den berühmten Da - mm , 668 u , f , Seiten , so viel von ihr redet , nicht gesaget hat , wo sie her ist . Die Stelle des Pasquier , oben in der Anmerkung ( A ) , set , nach meinem Bedünken , daß sie keine Gasconierinn gewesen .
( H ) Sie hat ficb über diese Veränderung der Sprache mein geärgert . ] Wir wollen die Stelle anführen , wo Sorel eine Unterlassungssünde des P . Bouhours entdecket . „ Von einer Person „ zu reden , die sich zur selbigen Zeit , gegen diese Abkürzungen der Wör - „ ter sehr ereifert , so muß man des guten Fräuleins von Gournai geben - „ ken , welche Ariste , einer von den Personen , in den Gcsvrächen . davon „ die Rede ist , in den Rang der berühmten und mir Geiste begabten „ Frauenspersonen setzet . Gewiß , sie hat dieses sehr wohl verdienet ; „ über ihre Wissenschaft wollte ich annoch ihre Großmuth , ihre Gütigkeit „ und andere Tugenden setzen , die ihres gleichen nicht haben . Gleichwohl „ muß man bekennen , daß sie beständig einige Feindseligkeiten wider die „ neuen Schriftsteller ihres Jahrhunderts behalten : allein dieß ist nicht „ ohne Grund geschehen , weil etliche darunter gewesen , denen e6 das „ größte Vergnügen war , ihr einen Possen zu spielen . Diejenigen , wel - „ che sie vor diesem gesehen , wissen , daß sie abscheulig hitzig gewesen , wenn „ sie von der neuen Bande , oder der neuen Rotte geredet , und daß die - „ ses ihre Schwäche gewesen . Sie würde wegen der Sprache viel Ma - terie zum Gespräche geben können , sowohl in Ansehung dessen , was »man sie hat reden hören . als was sie geschrieben hat . Diejenigen , die nicht so alt sind , daß sie dieselbe persönlich gekannt , müssen sich an ihr ^Buch halten , das den Titel hat : ^Warnungen und Geschenke der „ Fräulein von Gournai . Sie werden darinnen verschiedene Capitel „ von der französischen Sprache , , unter andern das Capitel von den Verklei» „ nerungswörtern . und einige Capitel , die Poesie betreffend , finden , worinnen „ sie die zusammengesetzten Wörter , nach Art der Griechen , in Ansehe» „ bringen , und Ronsards Sprache , ohne die geringste Ausnahme , bestän - „ dig in ihrem Wesen erhalten wollen . , , Sorel de la Connoiflance des Ions Livres , p . m . 419 . Wir wollen sehen , wie Menage mir die - ser Leidenschaft des Fräuleins umgesprungen ist . Er kramet anfänglich die Achtöerklärung aus .
Ces nobles mots , moult , ains , jafoit Ores , adonc , maint , ainfi - foit ,
A - tant , fique , piteux , icelle ,
Trop plus , trop mieux , blandice , ifnelle ,
Pieija , tollir , illec , aincois ,
Comme etant de ma^vats Frangois .
Dan» dichtete ? , daß die Wörterbücher in ihrer Bittschrift sich erklären , daß
. . . Kien que teile outrectiidance ( Soit dit fanf vötre reverence ) filt prcjiidice aux Suppliants Vos bons et fideles Clients ;
Et que de gournay la Pucelle ,
Cette favapte Demoifelle ,
En faveur de l'Antiquite ,
Euft nötre corps follicite ,
De faire fes plaintes publique»
Du decri de ces mots antiques :
Toutefois , etc .
Hhne Zweifel werden viele sagen , daß das von der Krankheit der Greise beschwerte Fräulein von Gournai , die Verbesserung der Sprache nur darum verdammet habe , weil sie eine Frucht der jungen Schriftsteller qewesen : oder weil sie dieselbe nicht billigen können , ohne zugleich zu be - kennen , daß sie bev ihrem hohen Alter nöthig hätte , wieder in die Schule
110 ) etnDUüCu , vap un V£7 ? ; iimic vir rlliztgc znrgti vrv vwicu tsl ) uuet
daß es ihnen schimpflich feyn würde , den Neuankommenden einen Schritt zu weichen , und in seinem Alter die Unnützlichkeit seiner Jugendstudien zu bekennen :
Vel quia nil reftum , nifi qtiod placuit tibi , dueunt :
Vel quia turpe putant parere ininoribus , et quae
Imberbes diaicere , fenes perdenda fatcri .
Allein , wenn man alles wohl bettachtet , so hat dieses Fräulein nicht so Unrecht gehabt , als man sich einbildet , und es wäre zu wünschen , daß sich die allerbernhmtesten Schriftsteller derselben Zeit , der Verbannung vieler Wörter , mit Nachdrucke widersetzet hätten , die nichts hartes ha - ben , und zur Veränderung des Ausdruckes , zur Vermeidung der Gleich , laute , der Verse und Zweideutigkeiten dienen würden . Die falsche Zärt - lichkeit , der man den Zügel allzulang schießen läßt , hat die Sprache sehr arm gemacht . Die besten Scribenten klaqen darüber , ich sage , diejeni - gen Schriftsteller , die die wenigste Beschwerde von dieser Dürftigkeit em - psinden , und welche in dem fruchtbaren Grunde ihres Witzes die Erse - kung derselben antreffen . Man sehe die Betrachtung des la Bruyere , Längeres de ce Siede , in den Cap . de quelques ufages , pag . 635 . paris . Ausg . in 8 . Einige unter ihnen wünschen dem Bischöfe Bossnet , dem Bischöfe Fleschier , und dergleichen andern Scribenten vom ersten Range , tausend Segen , wenn sich dieselben einer veralterten Redensart bedienen . Dieses stellet sie in ihr voriges Recht , und machet sie wieder jung : wenigstens ist es ein Schlagbaum , der der Verbannung vorbauet : und den man den Spitzfindigkeiten der Puristen entgegen sehen kann . Unsere Sprache ist denen viel schuldig , welche certe» in serosa gebrauchen , und sich für ö«f } elbr in ihren Werken erklären . Ebendas . Man könnte eben dieselbe Beobachtung , wegen anderer sehr bequemen Wörter machen , deren uns die falsche Zärtlichkeit einiger Gei - ster , oder der Eigensinn des Gebrauches beraubet haben , und noch lich berauben . Die Quelle des Uebels ist nicht ganz in dieser
digkeit der lebendige» Sprachen , welche die Alten sehr wohl erfahren und beschrieben haben :
Mortalia facta peribunt :
Nedum fermonum ftet honos , et gratia viuax .
Multa renafeentur , qtiae iam cecidere , cadentque Quae nunc funt in honore vocabula , fi volet vfus ,
Quem penes arbitrium eft , et ius , et norma loquendi .
Horat . de Arte Poet . v . 68 .
Es hat sich , ich weis nicht was für eine Rottimng dabey eingeschlichen , und diese Rolle kömmt nicht so wohl von den Lesern , welche Schriftstel - ler sind , als von denen her , die es nicht sind . Diese genießen alles Vergnügen im Tadeln , ohne daß sie die Mühe beym Schreiben empfinden . Diejenigen , die diese Mühe empfinden , sind viel gelinder gegen die Wör - ter : ich nehme zwo Gattungen von Schriftstellern aus , die jungen und diejenigen , die in zwey oder drey Jahren nur eine kleine Schrift aufse - tzen . Ein junger Schriftsteller , der nicht viel anders liest , als die aller - neuesten Bücher , hält nichts fiir die schöne Sprache , als die Wörter unt> Ausdrückungen , die ihm diese darbiethen . Wehe alsdann allen Wo» , tevn und Redensarten , die er anderswo findet ! Dieß ist von dem alten Hofe . saget er , dieß schmecket nach dem alten Gallischen . Diejenigen Scribenten betreffend , die alle Tage eine halbe Seite schreiben , so haben sie nicht die Zeit , die Mühe zu empfinden , welche die Unterdrückung u» - zähliger Ausdrückungen verursachet , die unter der Regierung Heinrichs des IV , und Ludwigs des gerechten , gut waren . Dieserwegen machen sie sich eine Ehre aus dem Ekel , in Ansehung aller der Wörter , die des Alterthums verdachtig sind . Allein , wenn sie ein Werk zu verfertigen hätten , das viel Zeit erforderte , so würden sie nicht so ekelhaft seyn : die Schwierigkeiten der Arbeit , die Verwirrung der Wiederholungen , die» fast unvermeidliche Nokhwendigkeit in ungebundener Rede zu reimen u . d . m , würden ihnen das Unrecht zu erkennen geben , das man den Schriftstellern , durch Armmachung der Sprache , anthut , deren sie sich bedienen . *
* Man muß sich billig wunder» , daß Herr Bayle , der von de» übrigen Satiren auf das Fräulein von Gournai so umständlich» Nachricht gegeben , dennoch von einer der allerartigsteu kein Wort saget , die den berühmten St . Evremond zum Urheber gehabt . Sie steht in der Comodie , die derselbe auf die französische Akadeniie ge - machet hat : Les Academiciens genannt , und die schon im 1645 Iah - re fertig gewesen , und geschrieben in ganz Frankreich herumgegan - gen , bis sie 1650 gedruckt worden . Im 1680 Jahre hat der Ver - fasser sie , der Herzoginn von Mazarin zu Gefallen übersehen , j» ganz umgeschmolzen , und nach dieser Verbesserung haben wir sie in den neuesten Auflagen der Werke St . EvremondS , im I B . bekom , wen . Im letzten Austritte des II Aufzuges , erscheint nun allhie» auch das Fräulein von Gournai , und trifft den Serisay , BoiSro - bert und Silhon , als damalige Mitglieder der französischen mie an : Ich habe euch sehr gesucht , - Herr Präsident , spricht ? sie gleich anfangs : worauf Serisay versehet : - Heber ihr doch den Zahn auf , Doisrobert . Dieser spricht : das ist ein großes Zahn , der euch ausgefalle» ist , ein anderer wurde ihn euch gestohlen haben . Silhon setzet hinzu : dem Montaigne fiel such einer aus , als er fechszig Jahre alt war . Worauf das Fräulein erwiedert : Jch mag gerne dem Montagne ähnlich jeyi» , auch bis aufs Ausfallen der Zähne . Sie beruft sich auf die Gewohnheir in Griechenland . dasAlter zu ehren : c . und rückee ihnen die fruchtlose Arbeit ihres WortforschenS vor ; wobey sie sich der Wörter bedienet : vteil age , cuidt' , los , labeur , jadis , reeoin , aueuper , favanteaux , notoire , moult , jaeoif , blandice , an . golfle etc . welche von der Akademie verworfen wurden : und mey - net , daß solcher alten Wörter ungeachtet , ihr Verstand noch allent - halben beliebt wäre . Boisrobert spottet ihrer , indem er eben der - gleichen Wörter gebrauchet : z . E . VindiÄe , detra6ter ; wie denn auch Serisay , contournable , tout ainfi und arnbulatoire gegen sie braucht . Hier geht sie ab . und saget , daß wenn ja einige Wörter sterblich waren , dennoch die Verst des Serisay noch eher untergehen würden : worinnen denn ihre Prophezeihung ziemlich eingetroffen hat ; indem man den guten Mann kaum aus dieser Comodie und aus Pelissons Historie der ftanzösischen Akademie noch keimet . Eben dieser Pelisson urtheilet von dieser Comödie St . EvremondS , auch nach ihrer ersten Ausgabe schon , sehr vorlheilhaft . Ich muß bey dieser Gelegenheit noch gedenken . daß auch Gombault , dessen Herr Bayle kurz vor diesem Artikel erwähnet hat , in dieser Comö - die nicht geschonet worden . wie denn auch Farel und St . Amant , der Bischof Godeau , Porcheres und Chapelai» ihre» Platz darinnen gefunden haben . G .
( . 1 ) Sie hatte eine Rahe , deren Treue der Abt von Marolles unsterblich gemachet hat . ] Er hat eben diesen Dienst dem ^ ? änflin - ge seiner Wirrhinn erwiesen : Suite des Memoires . ( Bin - Hänfling , saget er 98 , 99 S . den id ) bey der sehr ehrbaren und tugenvhaf - ten Frau von Belleville gesehen , bev der ich in Paris wohne , hac unter ihren - Händen über vierzehen Jahre gedauert : und da» Xvetter mochte so schon gewesen seyn , als es wollte , so hat er doch niemals das Lreye suchen wollen , wenn ibn seine Frau au» seinem Räsichte gelaflen , und auf ihr Rammerfenster geseyer . Der piaillon der Fräulein von Gournai , ( dieß war ihre Katze , ) ist in ) wo ! f Jahren , die sie bey ihr gelebet , nicht eine einzige Nackt aus ihrem Zimmer geblieben , wie andere Ran ? n auf de» Dachrinnen und Forstnegeln herumlaufen . Wenn das Fräulein solche Liebhaber gehabt hätte , wie Carullus gewesen , so wurde ihre Katze so berühmt geworden sey» , als der Sperling der Lesbia . Man merke , daß der Abt von MarolleS weder diesen Sperling , noch dem Papagoi der Melior , ( Stat . Silu . IV . Libr . II . ) noch die Taube der Stella vergeh se» hat . Siehe Martial . Epigr . VIII . Libr . I . Man konnte diese» Bespielen , wenn man wollte , noch das zottichte Hündchen der DeS - Houlieres beyfügen . Siehe dm I Band des Mercur© Galant , 1672 . f . m . 83 . 103 .
Gram ,

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