Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10229

Gournai .
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M lasten , weil sie darinnen eine - Herumläuferinn genenner wird , die dem gemeinen Viesen gediener har ; so sagte er , ich glaube nicht , daß der Lieutenant befehlen wird , sich ihrer Person zu sichern : es würden sich sehr wenige finden , die diese Mühe wür - den über sich nehmen wollen ; und was die Sage betrifft , daß sie Vem gemeinen lvesen gedienet habe , so ist diese» so besonder» wesen , daß man nur Muthmaßungsweise davon redet . Sie darf sich nur das Gegenthcil zu beweisen , vor ihr Auch malen lassen : dieß habe ich cinsmals zur Fräulein von Surgeres gesagt , die mich bey dem Herrn von Ret» geberhen , einen Vers vor Ron - sards Ü>erke zumachen , und darinnen zu zeigen , daß er kein Liebhaber der unzüchtigen Liebe wäre . Ich sagte zu ihr , an starr dieses Verse« darf er nur euer Bildniß davor setzen lasten . Ich bin versichert , daß die Fräulein von Gournai diese Spötterey für eine rödtliche Beleidigung aufgenommen haben würde ; denn obgleich die Na - tur an ihr die Mängel des Gesichtes durch die Vollkommenheit de« Gel - stes überflüßig ersetzt hat , und sie also , im Falle man sie in Ansehung des Körpers verachtete , einen ganz fertigen Trost , ja gar eine große Hülfe des Ruhms hatte : so ist eö doch mcht die geringste Wahrscheinlichkeit , daß sie jemals so demüthig gewesen , der Hochachlung ihrer körperlichen An - nehmlichkeiten so weit abzusagen , als es die Vernunft erfordert . Ich zweifle , daß die Tugend der allergrößten Heiligen , bey einer so beißenden Beschimpfung , die Probe gehalten hätte , als diese seyn würde . Der Lä - sterung dieser satirischen Geister da« Maul zu stopfen , welche sagen , daß ihr keine genaue Keuschheit beobachtet hättet , so dörst ihr euch denselben nur in Person oder im Bildnisse zeigen . Es ist gewiß , daß der Cardinal du Perron die Beschimpfung zu hoch getrieben , und ich glaube , daß das Frau - lein lieber nicht« wissen^ und nur wenig Verstand wurde haben besitzen wollen , als für eine Person gehalten zu werden , die aller ten dermaßen beraubt wäre , als ein Weibsbild seyn würde , das ihre Jungferfchast behalten hätte , weil sie niemand finden können , der sie hätte haben wollen .
( C ) f t - Bey Gelegenheit einer Satire , darein man sie mengt , und welche eine von den Folgen des Anricoron gewesen . ] Man nennet diese Sarire in den Perronianen die Verteidigung der Vurcerhökerinnen . Ich wollte lieber glauben , daß dieses nicht der rech - te Titelsey , und daß er hätte sagen sollen , die Danksagung der Butter - Hökerinnen . Denn ich habe eine zu Niort >610 gedruckte Satire gelesen , welche den Titel hat : Danksagung der Butterhökerinnen zu Paris , gegen den - Herrn vonTourbouzon Monrgommery , in welcher man auf der z S . diese Worte sieht : Und insonderheit wegen der präck» tigcn Vcrcheidigung der Jesuiten , die ihr nach den Fußstapfen und den Nachrichten des Fräulein« von Gournai , die allezeit dem gemeinen Xvesen wohl gediener har , seil acht Tagen habet heraus gehen lasten . Einige Seiren drauf liest man folgendes : Unlängst , es «st eine Butlerhökerinn , die den Herrn von Courbouzon anredet , haben sich ungeschickte Leute aufgeworfen , die Eingriff in cuern - Handel thun , und euch eure Rundleure wegnehmen wollen , wie ein ser pelletier , und das Fräulein Gournai , eine Jungftr von fünf und fünfzig Jahren , welche sich auch indieVercheidigung der Je - suittn Mischer , als wenn sie Theil an der Sache hatte , unter dem Vorwande , daß sie auf die Rlage , Bitte und Anhalten des Gene - ralpostmeistexs der Venus , wicdcrzurückbcrufen und herzesteUel worden , 8 S . Wir wollen übrigen« diese Stelle noch dazu sügen : der P . Toton hat sich erstlich zu einer Jungfer Tarabinerinn det , welche zur Verrheidigung dieses Ehrwürdigen gar bald das Pulver aus ihrem f ? ulverhorne verbraucht : und dann hat man ! hn , nachdem man , hn zu dem - Herrn von Courbuzon , dem Rauft marine von dergleichen Rriegsvorrathe , gewiesen , den verlohrnen Sohn spielen lasten ; ( ebend . >i , iz>S . ) so wird es gewiß handgreiflich seyn , daß alle Klagen , welche dieß Fräulein für den Nichter bringen wol - ten , die Danksagung der Butterhökerinnen betroffen haben . UebrigenS Hiebt uns dasjenige , was ich ans dieser Satire angesühret habe , zu ecken - neu , daß das Fräulein von Gournai , welches der P . Richeome die Amazone nennet , ( . siehe die Anti des BnifIet , Tom . I , p . 146 ) etliche Schriften für die Jesuiten und wider den Anticoton herausgegeben hat . Hier ist der Titel des Gedruckten , darüber man in der Danksagung der rinnen spottet : Die Geißel de« Aristogiton , oder wider den Laste - rer der P . Jesuiten , unter dem Titel des Anticoron , durch Lud - wig von Monrgommery , - Herrn von Courbouzon . Eine Sache kann man versichern , die Baillet im I Bande der Anti 146 S nicht sichert , daß nämlich der Urheber von der Geißel des Aristogiton unter sei - nem wahrhaftigen Namen erschienen ist . Baillet glaubet , die Schrift de« Courbouzon wäre nach der Geißel des Aristogiton erschienen , p . 145 . allein sie sind nicht von einander unterschieden . Die Widersacher der Jesuiten haben nicht nur unsere Jungfer in der Dankl>gung der But - terhökerinnen beschimpfet , sie haben auch ein Buch wider sie gemacht , wel - ches sie Ami Gournai betitelt haben : Baillet redet davon , aber nicht ivenn er das Verzeichnjß der Stücke giebt , die bey Gelegenheit des Anti - Coton herausgekommen sind . Siehe den l Band der Anti , 176 S . Er scheint auch nicht gewußt zu haben , daß das Fräulein an diesem Anti Theil gehabt hat .
( v ) Der Cardinal Du Perron - - - ist in dem Verzeich , niste derer , die sie gelobt baben . ] Dieses zu beweisen , will ich eine sehr lange Stelle anführen , die in den Denkschriften de« Abts von Ville - loin auf sie geht . Diejenigen , die dafür halten mochten , daß ich nur ein Theil davon abschreiben sollen , werden Leute seyn . die sick nicht viel dar - um bekümmern , besondere Umstände von dem Leben berühmter Männer »u erfahren . Allein für Leute von solchem Geschmack ? arbeite ich nicht ; >ch thue meine Erklärung ein für allemal . Dieses gute Magdchen , also redet der Abt von Marollee , Mernoires , paz . ? 8 aus« 1623 Jahr , von unserm Fräulein von Gournai , die ich allezeit sehr bock gebalren , und für mich ins besondere sehr ossr besuchet habe , batre eine red - l>ck ? e und großmütbige Seele . Sie hatte mehr Schöndelt des Geiste . „ Jg de« Leibes , und wußte viele Dinge , die bey Personen von ihren , Geschleckte nickt gemein sind . tt»r haben viel N ) er - ke von ibrer Arbeit in Pcose und in Versen , S , e - n einen Band gesammler sind den sie zu seiner Zeit drucken lasten , und betitelt bat , Geschenke von dem Fräulein von Gourna , . D^icnigen , die sie durelizieben wollen , haben keine Ehre davon gehabt , und melc große Lcute baben ihr bey ihrem Leben und nach ihrem Tode II Band .
Lobsprücke gegeben , und unter andern Michael von Montagne , IustusLipsius , die CardinaleDu Perron und Richelieu , Cofpean , Bischof zu Nantes , Rockeposai , Bischof zu poitiers , Seguicr , Kanzler von Frankreick , und die - Herren Oberaufseher , die alle« zeit Sorge getragen , ihr ein sehr mittelmäßige» Iahrgcld zu be - zahlen , da» ihr der Rönig gab . und sie har mem : ls mehr ver - langt , wofern sie eine Ruiscke halten sollte , wie ick weis , daß es ihr im Namen des Cardinal« Rickelieu angeborhcn worden . Viele gelehrte Männer haben sie sehr ofte besucht , und das gute Fräulein hat unter ihre besten Freunde den - Herrn de la Morre le Vahier , den Prior Ogier , und seinen Bruder , die - Herren - Ha - berr« . Terisai , Lesrolle , Boisrobert , Revol , Tollerer , Malleville gerechnet , welche in der Republik der Gelehrten alle bekannt nug sind , und wenn ich mich nickt irre , so har sie auck nur die lthre erwiesen , mich in diese Zahl zu siyen . Man sehe auch was er auf der , 05 S . aufs 1636 Jahr saget : er saget , daß er sich eine Woh - nung auf der Straße S . Honore in der Nachbarschaft dieses Fräuleins nehmen wollen , welckes damals die erste Ausgabe ihrer Werke drucken lasten .
( E ) Sie ist bey prir . zeßinnen wohl aufgenommen gewesen . ] Ebenderselbe Abt Marolies belehret uns dieses , wenn er von dem Herzoge von Notelois , dem ältesten Sohne des Herzogs von Nevers redet . Das Fraulein von Gournai , saget er , pag 5$ . ebendas , ist eines von sei - nen größten Vergnügen gewesen , und ob er gleich von einem sehr galanten Gemüthe war , so ist doch gewiß , daß er alle Damen gern verlassen hatte , um sieb mir dieser zu unterbauen : er mochre sie bey seiner Prinzeß , ! » : Schwester sehen , cOet bey der Frau von Longueville , seiner Tante , oder sie bey der Grafinn von Soistöns finden , wo sie zuweilen hin gieng .
< F ) Sie ist viel älter vorgestellt worden , als sie gewesen . ] Mai , sehe in der Anmerkung ( C ) die Stelle aus der Danksagung der
Butterhökerinnen , wo man ihr js Jahre beyleget , da sie doch erstlich 45
gewesen . Sie ist 1645 , achtzig Jahre ' ~ L
fünf und vierzig Jahre alt gewesen .
( G ) Man har zwey Mahrchen - , - herausgegeben , die einander wegen des Äacan und Oes Fräuleins von Gournai nichr sehr gleichen . ] DaS erste findet sich in den Menagianen , i6y3 zu Paris gedruckt , und das andere in der Sammlung sinnreicher Sprü - che , 169z zu Paris gedruckt . Das erste stellet uns den Herrn von Raean , und das Fräulein von Gournai , als zwo Persoiren vor . die ein - ander sehr oft besuchen , und offenherzig mit einander reden , wenn eines des andern Verse verachtet hat . Dieß ist unter Schriftstellern , die Freunde sind , der Gipfel der Vertraulichkeit . Die andere Erzählung hingegen ist ganz geschickt zu überreden , daß diese zwo Personen leine gute Freunde gewesen . Man giebt uns diele andere Erzählung als ein Mährchen vom Boisrobert , und betitelt sie , die drey Racans . Man saget , daß , da das Fräulein ein Verlangen gehabt , den von Raean zu kennen , ein aufgeweckter Kopf qeweien , der ihn soweit gebracht , diesen Besuch abzustatten : allein da er den Tag und die Stunde ersah - ren hatte , so war er so leichtfertig , e , n , ge Zeit zuvor einen Menschen vom - Hofe zum Fräulein zu schicken , der sich gestellt , als wenn er der Marquis von Raean wäre . Nachdem dieser Besuch vorbey wesen , so >st er selbst zu dem Fraulein geaangen , und hat sich den quis von Raean genennt . Nach geschehenem Empfange har er sich ge - gen da« Fräulein sehr verwundert bezeigt , daß man die Kühnheit gehabt , seinen Namen zu borgen , um ihr einen Besuch abzustatten . So bald er weggegangen , ist der wahrhafte Herr von Raean angekommen . „ Man „ meldete es so gleich dem Fräulein von Gournay : sie war eine Gases , „ nimm , ( * ) , und von Natur gallenrcich ; sie ward bey Erblickung die - „ ses dritten Raeans zornig , und sagte , ohne Erwarrung , bis er sie angere - „ det . mit Wuth ; und soll ich denn meine ganze Lebenszeit nichts „ awRacans sehend worauf sie sich mir ihren 'Vanrosseln bewehrt machte , „ und so hitzig auf ihn lo« gieng , daß sie ihn , ohne ihn anhören zu wollen , »aus ihrer Kammer jagte , und ihm alle Schimpfwvrre sagte , die ihr der „ Zorn eingab : worüber der arme Marquis von Raean so crschrack , daß „ er nicht wußte , was er antworten sollte , und eilig in der Meynun^dar , „ von gieng . daß dieses gelehrte Fräulein eine Närrinn geworden wäre . „ Recueil des Konz contes et des bons niots , p inj . Holland . Ausgabe . Ich wollte dieses ohne Mühe für eine Fabel halten ; und ich urrheile die - se« vornehmlich wegen der Panroffelschläge . Vermutlich ist dieses eine pure Erfindung oder eine Verbrämung des Boisrobert gewesen , um zu - gleich über beyde , nämlich über den Marquis von Raean , und dieß ge« lehrte Frauenzimmer zu spotten . Allein allensalls setzet dieses Abentheuer die Freundschaft außer aller Wahrscheinlichkeit , die Menage unter diesen ge , lehrten Frauenzimmer , und dem Marquis von Rae«« , ' voraussehet . In den Menagianen pag . 138 . erster holländischer Ausgabe findet man sol - gendes : „ Herr ven Raean besuchte eines TageS die Fräulein von Gour - „ nai , dir ihm die Sinngedichte zeigte , die sie gemacht Karre , und ihn um „ seine Meynung ftagte . Raean sagte ihr , daß nichrs gutes darinnen „ wäre , und daß sie nichts scharssinniges hätten . Das Fräulein von „ Gournai antwortete ihm , daß er darauf nicht sehen müsse : es waren „ Sinngedichte nach der griechischen Arr . Sie gingen hierauf mit ein - „ ander zu dem Herrn von Lorme , Arzte bev den Wassern von Bonrbon , „ zur Mittagsmahlzeit . Nad'dem ihnen der Herr von l . orme eine Po - „ tage auftragen lassen , die nichr gar gut war , so wendere sich das Fräu - „ lein von Görnai , zu dem Herrn von Raean . und lagte zu ihm : Mein „ Herr , was ist das für eine schlechte Suppe ? ^raulein , erwiederte der „ Herr von Raean , dieß ist eine Suppe nach griechischer Art . Bey - länfia will ich sagen , daß es diesem kleinen Mahrchen gegangen , wie es fast allezeit de» Erzählungen vondieser Art gebt ; man verändert die Umstände derselben entsetzlich . Man lese diese Stelle der Vertheidigung des Voiture vom Costar . paß . - 74 . . . Man hat einmal für einen von „ unsern Poeren ^dieß ist Raean gewesen ) . - - - der kein griechisch „ verstanden , etliche Sinngedichte aus der Anthologie überseht .
- - er har sie albern und so platt gefunden , daß er , da er des an - „ dern Tages an der Tafel eines Prinzen zu Mittage gespeiset , wo man „ eine Porage vor ihm anftrnq . die nach nicl'te als Wasser schmeckte , „ sich gegen einen von seinen Freunden gewendet , der diese Sinngedichte „ mir ibm gesehen hatte , und zu ihm gesagt : dieß ist eine wahrhafte „ griechische porage . . .
Man merke , daß man in der Fortsetzung der Menagianen , zu Pari« , 169 ; gedruckt , das Mährchen von den dreyen Raean« tingerückrt hat ;
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