Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10143

Gosselin . Goudimel .
627
Streitigkeiten . Man saget , daß er hierzu eine ganz absonderliche Gabe gehabt , die Sache war würdig , in seiner Grabschrift be - merket zu werden , tirulo res digna fepulcri : auch hat man sie darinnen nicht vergessen a . Die Secretariateqeschäffte , die er über vierzig ^ahre verwaltet , haben ihn nicht abgehalten , verschiedene Werke herauszugeben ( A ) . Er ist in Mayland den 12 des Hornungs 1587 , fast 62 Jahre alt , gestorben \
a ) Componendis difcordiis nato . b ) Aus des Ghilini Teatro d'Huomini Letterati , Part . I . p . 134 . Stehe auch Profp . Mandofio , Biblioth . Roman , p . 26 .
( A ) hat verschiedene Merke heraus gegeben . ^ Hier sind die Titel von einigen : Rime : Difcorfi : Lettere : Ragionamento fopra i Componimenti del Borghefi : Dichiarazione di alcuni Compoiümen - ti : Vita di Don Ferdinando Gonzaga : Tre Congiiire , cioe de Pazzi c Salviati contra i Medici , del Conte Giovan Luigi de' Fiefchi contra la Republica di Genova , et d' alcuni Piacentini contra il loro Duca Pietro Luigi Farnefe . Er hat auch lateinische Verse und Briefe ge - macht , und ein französisches Buch ins Italienische überseht , welches den Titel hat : Recit veritable des chofes , qui fe font paflees auxPais - Bas
depuis 1' arrivee de Don Juan d' Autriche , etc . Varillas hat ohne Zweifel nicht gewußt , daß Goselini die Verschwörung des Grafen von Fiesque geschrieben hat , weil er , da er in der Vorrede seines FranciscuS des I , die Ursache anführet , warum er von dieser Verschwörung handelt , nur vier Schriftsteller nennet , welche die Historie derselben herausgege , ben hätten , den llbertus Folietta , den Augustino Mascard , die Scudery , und den Cardinal von Reh . Er bekennet , daß sie , jeder in seiner Art , unvergleichlich sind . Daß aber die zween erstem Frankreich an diesem Anschlage allzuviel , die zween letztern aber nicht genug Theil , geben .
GossellN . Ich kenne drey normännische Schriftsteller , die diesen Namen geführet haben , Wilhelm Gosselin , gebürtig von Caen , lebte im XVI Jahrhunderte , und legte sich auf die Mathematik ( A ) . Johann Gosselin lebte auch in diesem hunderte . Er war von Vire , und ist Aufseher der königlichen Bibliothek gewesen . Er hat sich der Sterndeuterkunst sehr erge - ben ( B ) . Er ist sehr alt und auf eine sehr seltsame Att gestorben . Wir werden sehen , was Scaliger von ihm gesaget hat ( O ) . Anton Gosselin war von Caen , und königlicher Professor der Historie und Beredsamkeit , und Aufseher des Collegii von Bois . Er hat 1636 eine lateinische Historie der alten Gallier herausgegeben . Er hat sich in vielen Dingen betrogen , wie es Bochart in etlichen Anmerkungen zeiget , die er über dieses Werk ausgesetzet , und nicht ans Licht geben wollen , weil er den Freunden und Anverwandten des Verfassers zu misfallen gefürchtet Sie sind der letzten Ausgabe seiner Werke eingeschaltet worden .
( A ) tDilbeltn Gosselin - - - legte sieb auf die tNarhema - - tik . ) Dieß erhellet aus dem Werke , welches er >577 i» Paris unter dem Titel herausgegeben : de Arte magna , feu deocculta parte nume - rorum , quae et Algebra et Almucabala vulgo dicitur , libri quatuor , in qiiibus expLkantur aequationes Diophantis , et regulae quantitatis ( im - plicis et quantitatis furdae . Er hat der französischen Übersetzung , die er von der Arithmetik des Nicolaus Tartaglia , eines italienischen Schrift - stellers , gemacht , Beweise und Erfindungen bevgefügt , Diese Ueber - setzung ist K77 zu Paris gedruckt worden , ( Du Verdier Vau - Privas , französische Bibliothek auf der 478 S . ) und im folgenden Jahre zu Ant - werpen bey Plantin , ( la Croix Du Maine , 147 S )
( B ) Johann Gosselin hat fi'cb der Sterndeuterkunst sehr er , gebend Zum Beweise dienet das Buch , welches er 1577 i» Paris her - ausgegeben hat , und so betitelt ist : Hiftoria imaginum coeleftium noftro faeculo accommodata , in qua earum vicinitates feu habitudi - nes inter fe atque ftellarum fixarum fitus et magnitudines explican - tur . Sechs Jahre zuvor hat er herausgegeben : La Main harmonique , ou les Principes de Mufique antique et moderne , et Ies proprietez que la moderne reqoit des fept Planetes ; wie auch Kphemerides ou Almanach du jour et de la nuift pour cent ans , commencjans en l'an
1571 . Aus den» Du Verdier Vau . Privas , Biblioth . Fran^oife , p . 70z . Er hat zu Paris 1582 , eine Tabelle von der Verbesserung des Jahres , und eine französische Übersetzung des gregorianischen Calenders drucken lassen . ( La Croix Du Maine , pag . 230 . ) Man merke , daß VoßiuS in seinem Buche von den mathematischen Wissenschaften , nicht die geringste Erwähnung von diesen zween Schriftstellern thut . Dieß ist ein Merk» maal , daß er nichts von ihnen hat reden hören .
( C ) * - - Sr ist sehr alt gestorben - , - wir werden sehen , was Scaliger von ihm gesaget hat . ] „ Gosselin , Aufseher der „ königlichen Bibliothek , ist ganz verbrannt gestorben , da er in sein Ca - „ minfeuer gefallen , und , A lters wegen , weil er allein gewesen , nicht wie - . . der aufstehen können , welches alten Leuren gemeiniglich begegnet . Jtzo „ wird Casaubon sein Amt kriegen . Dieser ehmalige Aufseher der Bi - „ bliothek , Gosselin , hat niemanden in die Bibliothek gelassen , so , daß Ca - „ saubon Schätze findet , die man nicht darinnen gewußt hat . „ Scali - gerana 97 S . bey mir .
Man schließe aus dieser Stelle zwey Dinge , eines , daß Joh . Gosselin gegen den Anfang des XVII Jahrhunderts gestorben ; das andre , daß sein Amt dem Casaubon gegeben worden .
GSUdiMel , ( Claudius ) einer von den vornehmsten Musikverständigen des XVI Jahrhunderts , ist zu Lion 1572 macht worden , weil er reformirt war . Das Märtyrerverzeichniß der Protestanten gedenket seiner ( A ) . Aubiane bekriegt sich , wenn er ihn unter diejenigen setzet , die bey der pariser Bluthochzeit umgekommen sind ( B ) . Vanllas hat diesen Fehler nicht begangen ; alleinjer hat doch Unrecht , zu glauben , daß Goudimel und Claudin , der jüngere , einerley sind ( 0 ) . Er machet eine artige Anmerkung wider diejenigen , die einen so geschickten Musikverständigen nicht von der Niedermetzelung ausgeschlossen ha - ben ( v ) . Wenn man auf Goudimels Unterschrift Acht gehabt hatte , so wurde man seinen Namen nicht so verunstaltet haben , als man aethan hat ( E ) . Eö sind einige von seinen Briefen - unter den Poesien des Melissus , seines vertrauten Freundes , gedruckt worden / Er unterschreibt sich darinnen Goudimel . Melissus hat nicht ermangelt , seine Muse über das klägliche Schicksal seines Freundes zu üben . Ich werde das Sinngedichte anführen , wo man beobachtet hat , daß Goudimel , wie ehmals Arion , auf den Wellen des agäischen Meeres , mehr Gelindigkeit gefunden haben würde , als er in seinem Vaterlande gefunden hat ( 5 ) . Ich glaube , daß dieserMusikverstandige aus der Franchecomte gewesen ( G ) .
<0 Sie sind lateinisch und wohl geschrieben .
( A ) Das Märtyrerverzeichniß der Protestanten gedenket sei , ner ] Mit diesen Worten im X B . 727 Blatte aufs >57 - Jahr . „ Clau - „ dius Goudimel , ein vortrefflicher Musikverständiger , dessen Nachruhm „ ewig daurcn wird , weil er über die Psalmen Davids im Franzosilchen „ glucklich gearbeitet hat , davon er die meisten , als vier , fünf , sechs und acht „ stimmiqte Motzten in die Musik gesehet , und wenn er nicht gestorben wa - , . re , dieses Werk gar bald vollendet hätte . Allein die Feinde der Ehre Got - „ res , und einige böshafte Neider , über die Ehre , die sich dieser Mann erwor - „ ben haue , haben diejenigen eines solchen Gutes beraubet , die eine christ - „ liche Musik lieben . . . . .
( B ) Aubigne bekriegt sich , wenn er ihn unter die , emgcn ftyet , die bcy der pariser Älutboch ; eit umgekommen find . ] Nachdem er viele ansehnliche Personen genennt , welche die parisischen Würger um - gebracht , so setzet er dazu : Goudimel , der vortreffliche Musikver , ständige , und perror , der Rechtsgelehrte , nachdem alles ses ? um Fenster hinaus geworfen , und durch die Straßen ge - schleppt worden , sind auf Anstalten des - Herrn von Monrpensier , in den Fluß getragen worden , der sich ; u denjenigen gefüget , welche , wie rvir gesager babcn . geschrieen , schlagt todt ! und weil sie auf das Äeben des Roniges einen Anschlag gemacht hatten .
HiKoire Univerfelle , Tom . II . Livr . I . chap . IV . aufs 157« Jahr .
SBenri er den Thuanus zu Rathe gezogen hatte , wie er bey andern Din - gen gethan hat , so würde er diesen Fehler vermieden haben ; denn in dem Thuan , Lib . LII . pag . m . 1084 . liest man folgendes , das Blutbad zu Lion betreffend : Lawdein fortunam expertus eft Claudius Gaudimelus , ex - cellens noftra aetate Muficus , qui Pfalmos Dauidicos vernaculis lm« a demente Maroto et'Fheodoro Beza expreffos , ad varios et in - " mdiflimos modulationum numeros aptauit , quibus et hodie publice w concionibus proteftantium ac priuatim decantantur .
( C ) V^llas hat Unrecht gehabt . ; u glauben , daß Goudimel und Claudin der jüngere , einerley sind . ] Mar , wird m der genden Anmerkung sehen , daß er aus ihnen eine und eben dieselbe Perjon ^macht hat . ^ muß zu seiner Widerlegung hier eine merkwürdige Sache anführen , welche diestn Claudin betrifft , und uns belehret , daß er n°ch neun Jahre nach der pariser Bluthochzeit am Leben gewesen . st .
- üch habe diese Sache in der Auslegung gesunden , die nebst der franzö -
Sand .
fischen Uebersetzung von dem Leben desApolloniuS von Thyana , gedruckt worden . Ich will mich der Worte des Auslegers bedienen , ob sie gleich nicht allzu zierlich sind . Artus Thomas Sieur d' Embry , Comment . fur la Vie d'Apollon . Livr , . I . chap . XVL pag . 282 . „ Auch hat Timotheus „ durch diese zween phrygische und umerphrygifche Gesänge , die Probe sel - „ ner Wissenschaft an Alexanders Person gemacht , indem er ihn durch „ einen phrygischen Gesang von der Tafel zu den Waffen zu laufen , und „ sogleich durch einen unterphrygischen wieder zu seiner ersten Gelassen , „ heit zu kehren vermocht . Ich habe etlichemal vom Claudin dem jün - „ gern , sagen hören , ( s ) daß er , ( doch niemanden zum Nachtheil geredet , ) „ alle die andern Musikverständigen der vorigen Zeiten , bey weitem über - „ troffen : die Wissenschaft derjenigen Tonarten , mir welchen er eine Arie , „ ( die er mit Tertien eomponiret hat , ) bey den Geprängen singen lassen , „ die bey dem Beylager des Herzogs vonJoyeuse , ( er vermählte sich ksi . ) „ zur Zeit Heinrichs des III , Königes von Frankreich und Pohlen feli - „ gen Gedächtnisses , gehalten worden , welchen er , wie man sie in einem „ absonderlich gehaltenen Concerte versucht , einen Edelmann , der gegen« „ wärtig war , die Hand an« Gewehr zu legen gereizt ; daß er ganz laut „ zu schwören angefangen , er könne sich unmöglich enthalten , sich mit je - „ manden zu schlagen ; und daß man darauf eine andre Arie nach der „ unterphrygischen Tonart zu singen angefangen , die ihn so ruhig , als zu - „ vor gemacht . Dieses ist mir noch feit dem durch etliche bekräftiget „ worden , die dabey gewesen : so viel Starke und Gewalt haben die mit „ einander verbundenen Töne , Bewegung und Führung der Stimme über „ die Geister . Ebendaselbst - 86 Seite . Wenn man zum Beschlüsse die - „ fer langen Anmerkung , eine vortreffliche Uebung dieser beweglichen Me - „ lodien sehen will , so muß man Claudius , des jüngern , Dodecacordon , „ von dem ich hier oben geredet habe , selbst singen oder singen hören ; „ und ich versichere mich , daß man dabey alle diese Figuren und Veräu . „ derungen mit so vieler Kunst . Wohlklange und Wissenschaft durchge - „ führt finden wird , daß man bekennen mutz . es fey diesem Meisterstücke „ nichts zuzusetzen , als das Lob . welches alle Liebhaber dieser Wissen - „ schaft , diesem seltenen und vortrefflichen Manne geben müssen : welcher „ vermögend gewesen wäre , die Musik auf den höchsten Grad der Voll - „ kommenheit zu bringen , wenn der Tod seinen hohen und tiefsinnigen „ Absichten über diese Materie , nicht zuvor gekommen wäre . „
Jtii w Ct ) Hit

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.