Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10139

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Gorläus . Goselini .
gen die Sprache der lateinischen Gefthichtschreiber verstanden , weil er die römische Historie in griechischen Büchern gelesen härte . Gorlaus hätte sagen können , daß ihn die Münzwissenschaft , die er sich erworben , die Gedanken der lateinischen Schriftsteller habe begreifen lassen , welche über diese Materie geschrieben hätten . Allein man kann diese Erzählung des Peireseius nicht mit demjenigen vergleichen , was man in dem SwertiuS , Athen . Belg . p . 87 . liest , der den Gorlaus vertraut gekannt hat . Mihi familiaris : liberalibus ftudiis a priinis adolefcentiae annis deleßatus , condifcipulum habuit Andream Schottum Soc . Iefu Presbyt . Ein Schulcammerad des Andreas Schottus ist ohne Zweifel ins Collegium gegangen . Gronovius brauchet in der Vorrede diesen Grund , wider das Vorgeben des Gassendi .
( 0 ) Und daß die gelehrte Vorrede , die er seiner Daftyliotheca vorgeseyer , von einem andern aufgesetzt irotröcn . ] Tunaus chert , daß Aelins Everhard VorstiuS der Urheber davon sey ; er versichert es , sage ich , in des Vorstius Leichenrede . Ein gelehrter Deutscher , der von Ringen geschrieben hat , versichert ebendasselbe . Kirclunannus , cap . III . de Annulis , p . 13 . leidnischer Ausgabe von 167 - .
( F . ) E« würde nickt allemal sicher feyn , sich auf feine tTTftnjen 5U verladen , rvenn inan sich an die Gcaligeranen halten rvollte . I Man findet darinnen diese Worte auf der 97 toeite . Gorlöus gießt ScKauniünzen ; er hat mir etliclic davon gerviesin ; allein ick ha« de entdecket , daß sie nicht alt waren . Seit dem hat er mir keine andern , als achte , gezeiget , ( üt ifi ein gar guter Mann . Dieses und die ganze Folge der Stelle bezeuget , daß Scaliger den Gorläus in die Zahl der Verfertiger falscher Schaumünzen setzet .
Gorlaus , ( David ) gebürtig von Utrecht , bat im XVII Jahrhunderte gelebet . Er hat etliche philosophische Bücher herausgegeben " , worinnen er von der ordentlichen Meynung der Schulen abgeht . Regius , ein Schüler des Cartesius , da er wegen eines Satzes angegriffen worden , der die Vereinigung der Seele mit dem Leibe betraf , hat angeführet , er hatte sich der eigenen Worre des Gorläus bedienet . Dieses hat ihm nichts geholfen , und ist Ursache gewesen , daß Voerius , Professor der God - tesgelahrtheit , die Meynungen des Gorlaus , so vich als er nur gekonnt , herunter gen , acht hat .
a ) Exercitatioiies Philofophicae , 1620 , in s . ImgleichenldeaPhvfices , König , Bibliotheca Vet . et Nou . p . Z55 . Siehe Sorel auf der - 48 S . der Perfektion de l'Hornrne .
ri et fepelire nouern annis polt voluerit . Ipfe in praefatio : ie poftre - nio videtur fe deferibere cum , qui publicis quotidie diftringere - tur muneribus , et qualia ifta fuerint refeifeere non siagis potui , quam id ipfum quod modo dixi . Gronouius , in Pracfat . So viel ist gewiß , daß sich Gorläus selbst als einen Mann vorstellet , dem die öffent - lichen Bedienungen nicht so viel Zeit zum Studieren ließen , als er ger - ne wollte . Caeterum , saget er , in 2 Monito ad Leöorem , cum illud praeftare quod a nobis ipfi exigimus , eins fit verius qui in vmbra - tica rerum contemplatione et defidie litterarum torpefeir , quam qui publicis quotidie diftringitur muneribus , aliis reiinquemus quod optari poffit , nobis quod ad nominis noftri exiftimationem publi - cainque vtilitatem fufficiet referuabimus .
( C ) ( Einige sagen , er habe niemals die lateinisclic Sprache dieret . ^ Peireseius erzählet dieses , wenn er von denen Gesprächen redet , die er mir dem Gorläus zu Delft gehabt . Die Worte seines Geschlcht - schreiberS verdienen . ingeführet zu werden Quo loco narrare folebat rem memoratu non indignam , nempe Gorlaeiun , cum alias Latinae Linguae non ftuduifiet , intellexifle tarnen libros omnes circa rem nummariam Latine confcriptos ; eodem modo , quo Forcatuhn omnes circa rem Mathematicam : tantum valet improbus labor ex defiderio quidpiam nofeendi vchementilTimo profedhis . Gaflendus in Vita Peireskii , Libr . II . aufs 1606 Jahr , 265 S . Dieß war ? seltsam genug , und würde des GorläuS Ruhm vielleicht mehr erheben , als es ihm schimpflich wäre , daß er nicht studierer hat . Ist es nicht ein Merk - maal eines guten Verstandes , wenn man ein lateinisches Buch , bloß we - gen der Erkenntnis ; , versteht , die man von der Materie hat , die darin - nen abgehandelt wird ? Plutarch saget an einem Orte , daß er deswe -
( A ) Voerius - - - hat die Meynungen des Gorläus her , unter gemacht , so viel ? als er nur gekonnt . ^ Man findet die ganze Historie hiervon in DailletS Leben des Cartesius , II Bande , 14s , «46 S . unter dem >641 Jahre . Er belehret uns : Regius habe unter andern Dingen behauptet , daß durcli die Vereinigung der Seele und des Rörpers keine Einheit an sich felbf J , sondern nur zufälliger weise werde - - - Ex mente et corpore non fit vnum per fe , Ted per accidens . Es ifi den , Voetius genug gewesen , daß dieses nicht mit der gewöhnliche» Sprache der Schule übercin kam , um den Regius für einen Retter ja erklären , und auf seine Absetzung zu dringen . Regius mochte sich entsdwlötgen , wie er wollte , daß diese Redensart nicht von ilim , sondcrn vom Gorlaus wa - re , aus dessen Schriften er sie so genommen , wie sie sich öec Disputation befände . Voerius hat im Namen der rhcolog , »chcn Lacultar verordnen lasten , - - daß sich die Studierenden der Gottesgclahrtheir der ^ . ehrikundcn Oes Regius , als der Religion gefährlichen Behren , enthalten sollten . N ? enig Tage darauf hat Voetius eine Disputation drucken lassen , welcher er drey Corol , laria beygefüger . davon das erste dieses ist : Die Meynung des Gottesleugners Taurcllus mW des David Gorläus , welche leh» ren , daß der aus Seele und Leib zusammen gesetzte Mensch ein zufälliges , und kein selbständigesU ? eftn sey , ist abgtsclimackt und irrig . Hier ist das dritte : Die Philosophie , welche die wesentli , che» formen der Dinge mir ihren eigenen und artmachenden , oder thätiqen Eigenschaften , und folglich die unterschiedenen und besonder» " Nattiren der Dinge verrvirst , so wte Hier sieht man offenbarlich , worzu die Eindrucke der Gewohnheit und die Vorurtheile vermögend sind . Dieß ist ein Gewichte , das uns zieht , wo der Nutzen unserer Sache erfordert , daß wir nicht hingehen sollen ! denn was kann man wohl widrigers gegen diese Grundlehren der Religion sagen , ( man versteht diejenigen . die in dem z Eorollario qenenuet sind , ) als wenn man behauptet , daß sie der Lehre der Schola - stiker von der Unterscheidung des Etitis per fc und des Etuis per dens und wegen der Natur der Formen , welche die Gattungen der «örver machen , böchstnvthig hätten ? En» per le , Enz per accidens , sinö uticrHifrliche Lebensarten , ein wahres Ni . schmasch der spanischen
Verniinftlehrer , welches nichts bedeutet ; Und was die wesentlichen Formen betrifft , so ist dasjenige , was man von ihrer Natur uud der Art ihrer Hervorbringung und Verrichtung saget , so abgeschmackt und so mibe - greiflich , daß män es für keine der Religion »öthige Lehre ausgeben kann : wenn man nicht die allererhabensten Wahrheiten des Evangelii in Ge - fahr setzen , und den allgemeinen Lauf der Natur mir so vielen Geheim - nissen anfüllen will , daß die Religion nicht den geringsten Vorzug vor der Natur mehr haben wird . Zum wenigsten ist es gewiß , daß die aller» tiefsten Geheimnisse des Evangelii eben so leicht zu verstehen sind , alt die Lehre von den Formel , , und als die Natur des Entis per fe der Scholastiker .
Diese Betrachtung trifft den Boetius nur von weitem und unmittel - barer weise ; denn wenn man sein Corollarium ganz zu Rathe zieht , so sieht man , daß die Ursache , warum er so viele Gefahr für die evangeli - sche Lehre , bey der Verwerfung der Formen findet , nicht dle Verwerfung der Formen selbst , sondern der Vewegunasgrund ihrer Verwerfung ist . Quidquid fit de summa rei , quam Philofophorum difquifitioni re . linquimu« , hoc vnum faltem hypomnema ftudiofis noftris fubiieimus : Achillei argumenti iftius , quo formas explodefe conantur , confe - qucntiain fufpectaui habeant ; quae eft haec , negatur ellentia et exi - ltentia formarutn , quia earum origo feu modus originis incertus eft , aut explicari non poteft , iic vt patroni formarum et fibi et aliig in eo U'atisfaciant . Hoc periculofo axiomate l'einel haufto prodiue erit vanitati , fcepticilino et petulantiae humani ingenii , difputare , non dari aniniani rationalem , etc . Er beobachtet , daß die vornehmste Ursache derer , die sie leugnen , diese ist , weil die Art , wie sie hervorge - bracht werden , nicht zu erklären ist ; und dann zeiget er , daß , nach einem solchen Grunde , zu befürchten sey , es möchte sich der menschliche Ber - stand verleiten lassen , die Geheimnisse zu leugnen u . s . w . Dieses ver - ändert den Zustand der Frage , und setzet den Streit in die Verfassung , daß er desto leichter geendiget werden kann . Man darf nur das Uebel - verstandene erklären , und den Unterschied der Dinge zeigen . Allein , was diejenigen betrifft , welche die Verwerfung der Formen an sich selbst , als der Religion nachtheilig , verwerfen , fo wiederhole ich es : sie ver - dienen , daß man ihnen dasjenige vorstellet , was ich oben gesaget habe .
Man wird in der Anmerkung ( E ) , des Artikels - Heidanus , etwas finden , welches die unerklärlichen Schwierigkeiten bei ) der peripatetischen Lehre , von den selbständigen Formen betrifft : allein , wenn man dieses in seinem ganzen Umfange zu sehen verlanget , so darf man nur den I Baiid der Disputationen Hadrian HeereboordS , von der 125 , bis auf die 14L S . sehen , wo er auf die tiefen und fpiljigen Vernuuftschlüsse des Wilhelm PembeliuS dringt , der über diese Materien in englischer che geschrieben hat .
Goselitti , ( Julian ) 1525 z» Rom gebohren , ist in seinem siebcn^ehnten Jahre Secretär be „ m Ferdinand von Gonzaga , Unterkönigc in Sicilien , gewesen . Er ist solches noch gewesen , da dieser Unterkönig die Stadthalterschaft von Mayland an - getreten hat . Er hat gleiche Bedienung Hey dem Herzoge von Alba , und dem Herzoge von Sesse bekleidet , die nach des Gonzaga Tode hintereinander Stadthalter dieses Staats gewesen sind . Der Herzog von Sesse hat ihn nut sich an den spanischen Hof genommen , wo sich Goselini durch seine Geschicklichkeit und Klugheit so angenehm machte , daß man diesem Herzoge zu erkennen gab , wie er wohl thun würde , wenn er bey denen Geschafften , die er bey dem Könige hatte , keinen dern Unterhändler , als diesen , brauchte . Zu gleicher Zeit ward Goselini auf Lebenszeit mit einem Jahrgelde von 200 Tha - lern begnadiget . Der Marggraf von Pefcaire , des Herzogs von Sesse Nachfolger , hatte gegen den Goselini eben so viel Hochachtung und Vertrauen , als seine Vorfahren : allein die Sachen veränderten sich gewaltig unter demjenigen , der diesem Marggrafen folgte ; dieß war der Herzog von Albukerke . Er verfuhr auf eine so eigensinnige und wilde ? lrt gegen den Goselini , dast es wenig fehlte , so hatte er ihn zu gleicher Zeit um Ehre und Leben bringen lassen . Gleichwohl war das Ende dieser folgung unserm ( secretar rühmlich . Er wendete den lehren Streich geschickt av , und führte sich unter wahrendem starken Ungewitter so klüglich auf , daß er sich' mit Ehren heraus zog . Er trat sein Amt nicht eher wieder an , als unter dem Marggrafen von Äimonte , und unter dem Herzoge von Terranova , welche Statthalter von Mayland wurden , und deren Seerctar er ju ihrem großen Vergnügen gewesen ist . Unter verschiedenen guten Eigenschaften , giebt man ihn auch für einen Vermittler der
Streitig -

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