Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10119

614
Gonzaga .
einziqen Ursache vorgezogen worden , weil sie eine Frau zur Natter hatte , die nur einxn Äkann gehabt . Es war die Frage von Erwählung einer Vestalinn Praelata eft Pollionis filia non ob aliud quam quod mater eins in eodem coniugio manebat . Nam Agrippa difcidio domum jmminuerat . Tacit . AnnaL Libr . II . eap . LXXXVI . LipsiUS führet nickt alle die Vorrechte an , deren Tertullian gedenket ; er saget nicht , daß die nur einmal verheiratheten Frauen der weiblichen Fortuna die Krone auf daS Haupt sehen können . Fortunae muliebri coronam non im - ponebat nifi vniuira . Ich will nichts von den Grabschriften sagen , wo man das Beywort , Vniuira , zur Ehre der Frauen , sorgfaltig bemerket hat . die sich nickt wieder verheirathet hatten . Dieses ist ein Beweis , daß man diese Aufführung , als eine Sache betrachtet hat , welche die Unsterblichkeit verdienet . Die Ausrufung des Libanius kann uns be - lehren , daß diese Aufführung , unter andern Ursachen , auch darum be - wundert worden , weil man nicht viele Bcyspiele davon sieht . dem dieser Sophist erfahren , daß die Mutter des heil . ChrysostomuS 4° Jahre alt , und schon 2 . Jahre eine Witwe wäre , so hat er ausgerufen : mein Gott ! was für Frauen findet man im Christenthume ?
S ( p>1 , o ? on trüget yvvxixtt dgt' Chryfoft . Orat . ad viduam
iuniorem .
Der Verfasser von den Nouvellen der Republik der Gelehrren hat gendwo qifaqct : daß ein gewisses Lob , welches man dem Ehstande ge - geben , von Gründen unterstützet werde . die allzuviel beweisen . und ei - nen Begriff zu Grunde richten , der auch unter denen sehr ge - mein gewesen . die , aus politischen Ursachen . eine Art der Sckan , de mir dem ehlosen Stande verknüpfet hatten . Dieser ^begriff ist , daß cine wirrvc die sich nickt wieder verheirathet , wenn alle übrige Dinge gleich sind , hoher geschähet wird , als eine XCiu we , die - eii rvieder verheirathet . N ? enn wir nickt eine Menge nifle hiervon hätten , so würden die bloßen Xvorte , welche Virgilius der Dido in den Mund leger , nnsvondemGeschmacke der Alten in diesem Stücke belehren : ( Aeneid . l V , - z . )
Ille meos , primus qui ine Tibi iunxit , amore»
Abftulit . Ille habeat fecum feruetque fepulcro .
Die Begriffe der Ehrbarkeit sind den andern - Heirathen der Zll . miöpccsoncn viel vortheilhaster , man muß es geliehen ; ab lein gleichwohl ist es gewiß , daß diese - Hochzeiten den canoni , fänn Strafen unterworfen gewesen , und es noch sind , und wenn man den gelehrten Rechtsgelehrren glaubet , der die Rechte der Köniqinnaeschrieben har : so ist die HeimfallungdeS Braurschatzes . die in gewissen ändern statt har , . nur eingeführer worden , um die Ilnkeusckheir der UOirwer zu zabmcn , und sie abzuhalten , daß sie nicht zum Nachtheile ihrer Rinder aus der ersten Ehe , zur an , Vern - Hochzeit schreiten sollen . Im Herbstmonate , , 68s . Artik . III . 968 , 9 * 9 S Dasjenige , was Dido gesagct , ist unftrer berühmten Gon - zaga nicht unbekannt gewesen . Ich weis nickt , ob sie die Stelle des «vausanias gelesen hat , die ich in dem Artikel Gorgophone angeführet habe , oder die Ursachen , welche Plutarch anführet : warum die Hoch - zeiren der Jungfern in Rom niemals an einem Festtage . und die Hoch , zeiten der Witwen an keinem Werkeltage gefeyert worden . Nach dem Barro , ist der Grund dieser Gewohnheit gewesen , weil man an Festta - gen nichts wider seinen Willen thun sollen : 'togr ) tußiv im , civ wäs n ? o ( Inttyivp . Fefto die nihil cum moleftia et coa & ione agendnm . Plut . in Quaeft . Roman , p . 289 A . Nun setzet er dazu : «ine Winvt verheirathet sich allemal mit Vergnügen , hingegen eine Jungfer mit Schmerlen , avkvhivch frf» al rag ) tw ya / xüvTcu , eon M «2 ywa'xte . Virgines nubere triftes , mulieres autem cum lae . titia . Ebendas . Dieser Gedanke wäre diesem gelehrten Manne schimpfe lich : wenn wir ihn nach den Umständen nähmen : man muß also sa - aen daß er nur von dem äußerlichen Scheine redet . Sein Sinn ist oh - ne 3nvifel , daß , da die Festtage zu öffentlichen Ergetzlickkeiten bestim - mtt wären , die Freude sich unter diesen Geprängen , auf allen Gesichtern zeigen follr Weil aber die Gesetze des Wohlstandes die Jungfern verbänden , an ihrem Hochzeittage eine stille und traurige Mine blicken zu lassen , ( denn vermuthlich ist dieses der Gebrauch in Rom gewesen , wie er es noch itzo in vielen Ländern ist , ) die Witwen aber dieser Verstellung nicht nöthig hatten , so hat man die Jungfern an keinem Festtage verheirathet u . f . w Wir wollen von einer andern Ursache reden , die vom Plmarch ange - führet worden : er saget , weil die Heirath den Jungfern rühmlich , den Witwen aber schimpflich gewesen , so habe man die Hechzeiten der Jung - fern , in Gegenwart vieler Leute , feyern müssen : dieses ist den rateten zur Ehre gereichet : allein im Gegentheile hatten die Witwen zu wünschen , daß ihre Hochzeitfeyer in Gegenwart weniger Personen ge - schah . und dieserwegen haben sie einen Tag dazu erwählet , wo jedermann zu andern Schauspielen gezogen worden . * h hüX^ov on reut * < * g -
ÜMvoi«» reite Sf^x1 ) ? < * '« iro & ii» ovtuv ycepti^fou ;
QlAtOTOf yitg 0 y6po< ; , o Si Ssvregst a * ev * rcuoC eäqttvoirrou yig
Jv ^tüvTtiiv rü• / ngorigm trigut^ Aa / . tf3<£v» „ xiv , oiCgovian l ) av IcnoSmoi - rW 23ev ifVX'f Xak * a\ 5 äogvßoit Xg ) * geTon * ct7f al } j
Sograj nigicirSet ruf to» , « , «v * ro7t toiutoii ; fo ) cxc^tiv . Aut quia decori eft virginibus nuptias earum multis praefentibus peragi , itemque viduis dedecori ? primae enim nuptiae optandae lunt et in precio : votis reeufandae , quod vel cum turpitudine mi . bunt viuente priore marito , vel cum luflu , fi is fit mortuus . Ita . que viduae ad fuas nuptias quiete magis gaiident , quam frequentia hominum et tumultu . feftiuitates porro mukinidincin ad fe trahunt , neque nuptiis vacare patiuntur . Ebendastlbst . ^jch habe geglaubet , daß man die Worte PlutarchS anführen müsse , weil ich in dem französischen Auszuge , den ick davon gegeben habe . tücht die ganze Stärke der Aus - drückungen und Umstände vorstellen können , durch welche er die wenige Hochachtung bezeuget hat , die man gegen die andern Hochzeiten einer Frauen gehabt . Wenn man diesem die Antworten beyfüget , die von ei - nigen berühmten Damen ertheilet worden , wenn man ihnen von der dern Heirath geredet : so wird man dasjenige entschuldigen , was sich Aus« schweifendes in den Worten unserer Lucretia findet . Siehe die Anmer - kung ( F ) , bey dem Artikel Porria .
Man erinnere sich der Antwort einer andern Dame , aus dem Hause von Gonzaaa^ Man sehe den Artikel Gonzaga ( Julia von ) .
( F ) tNan hat viele Zettelcken gesammlet , die sie an ihre Bc - dienten geschrieben . ^ Man har auch dasjenige nicht vergessen , das sie
an ihren Lackeyen geschrieben , ihn darum auszuschelten , daß er der Lu - cia nicht geschwind genug gehorchet hätte , welche die Aufsicht über die Wirtschaft hatte Die , er Brief steht auf der - - 6 S . Man sehe auch , was sie an ihren Kellermeister geschrieben , auf der 22 - Seite . Weiter hat man auch dasjenige nicht vergessen , was sie an besagte Lucia geschrie» den , und darinnen sie ihr verbothen , nicht so karg zu seyn , und befohlen , «ine ungehorsame Magd bis aufs Blut peitschen zu lassen . Sc Livia non vi e obediente , alzatele in capo i drappi , et datelene tante , che lc caini fi facciano livide et il fangue le fcorra fino alle calcagna . daselbst , 227 S . Ich weis nicht , ob sich Monrreuil nach diesem Bey - spiele gerichtet hat , da er dasjenige in die Sammlung seiner Briefe ge - setzet , was er an seinen Fleischer geschrieben , siehe den Artikel paz^s , in der Anmerkung ( B ) . Allein nach meinem Erachten hatte man diese Gattung von Settelchen unserer Lucretia , ohne ihren Nachtheil , unter , drucken können . Ein ander Urtheil fälle ich von denjenigen Briefchen , welche uns melden , daß sie sich sorgfältig beflissen , ihreHausgeiiossen zu verheirathen . Dieß machet ihrem Gedächtnisse große Ehre . Dieß ist eine von den guten Eigenschaften , die eine große Dame besitzen soll , und zugleich ist es eine Tugend , die man wenig in der großen Welt findet ; denn wenn eine Dame mit schlechter Bedienung versehen ist , so schasser sie ihre Dienerin» nen , ihre Kammerftaue» » . s w . ab , ohne sie zu belohnen , und wenn sie wohl bedienet ist : so behält sie dieselben so lange , als sie kann , ohne daß sie ihnen eine Heirath verschaffet , die sie der guten Dienste berauben würde , welche sie von ihnen genießt . Es sind in diesem Stücke keine Personen , veniger zu entschuldigen , als Damen , die viel Bediente und einen großen Anhang haben ; denn sie können aus dem vertrauten Um - gange , der unter ihren Bedienten , von verschiedenem Geschlechte , vorge - het , sehr leicht urtheilen , daß sie ihnen einen Gefallen durch ihre Verhei - ^ - alleraufmerksamste Wachsamkeit der Frauen ,
ihre Schärft , ihre Vermahnungm , ihre Verweise , verhindern die Freund ? schaften und die einzelnen Zusammenkünfte der Bedienten , noch andern genauem Umgang doch nicht , davon die schändlichen Folgen mehr als zn oft ausbrechen . Dieses entdecket , mit der allergrößten Deutlickkeit , dasjenige , was man zur Belohnung der erhaltenen treuen Dienste thun sollte . Wir müssen also diejenigen Damen tadeln , die unserer Lucretia nicht nachahmen : wir müssen sie wegen ihrer Neigung und Ehrlichkeit loben , die sie gegen ihre weiblichen Bedienten gehabt . Sie hat die Gü» tigkeit gehabt , selbst an die Cornelia Giannotti zu schreiben , daß sie einen jungen , reichen und wohlgemachten Mann für sie gefunden hätte . Sie hat ihr dessen Vollkommenheiten genau beschrieben : daß er viel Geist hätte , daß er ehrbar in seinen Reden , höflich in seinen Sitten , fleißig , ernsthaft U d . m . wäre . Dalla fua bocca non ufei mai parola ( non dico vergognofa ) ma ne pur Ieggiera o licentiofa . Lettere di ga , p . 221 . Dieß betrifft die Seele . Sie hat auch den Leib nicht ver« gessen : sie läßt sich in eine sehr umständliche Beschreibung e n : Vengo hora alle qualitä corporali , saget sie , lequai , fonomi parute degne di contemplatione , pcrcioche egli e piu tofto robufto , che delicato , non molto grande , ma thorofo , d'occhio vivaeifiimo ; di largo to ; di fianco rotundo ; di gamba fuelta , di fronte ampia ; di capo tondo , et ricciuto , ne aggiugne al ventefimo anno ( per quanto fii dice . ) Ebenb . Alles dieses zeiget , daß sie als eine gütige Frau und gute Freundinn gewähler hat . Ein andermal , da sie eine vorthcilbafte Har - tie für eine von ihren Frauen gefunden hatte , schrieb sie diese gute Zei - tung geschwind an sie . und ermahnte sie eines theilö . Gott zu danken , und andern tb ? ilS , sich reinlich zu halten , damit sie der Liebste weicher sie bald besuchen würde , nicht für die Köchinn ansähe : Rallegrati Giu . lia ; et alza le^ mani al cielo , poi che mentre fon ftata alla fera di Rovigo ; ti ho trovato un marito di tal qualita che ogn'uno che lo cognofce , lo gitidica laboriofo - . - ponti adunque in ordine , percioche io penfo ch'egli fe ne verra con noi alla Fratta ; fa che non ti ritrovi con i capegli fcarmigliati ; col vifotinto ; o con Ic mani jmpaftriccjate , come fe tu fttffi la cuoca . Ebend 14 ? S Einen Sachen Dienst hat sie auch einer Kammerfrau von ihrer Schwester er - wiesen . Ebendas . ' 1
( 6 ) Ne Verweise , die sie einigen unkeuschen , oder geizigen , oder hockmuth , gen Personen gegeben , sind sehr schon . 1 ckan muß leien . was sie an eine Frauensperson geschrieben hat , welche zur Em - schuldigung ihrer Unkeuschheiten . ihren ftuchtlosen Widerstand anführte . Ebendas . 29s . - yz S Unsere Lucretia hat ihr unter andern geratben , wenig zu essen , nicht lange zu schlafen , den Müßiagang zu verjaaen . die geilen Gespräck ) « zu fliehen , sich der erlaub ? / n Ergetzlichkeiten »u enthal - ren , in der heil . Schrift zu lesen , und fleißig zu bethen . Ich wundere mich nicht , hat sie zu ihr gesaget , daß ihr nich - die Stärke habet , euch der groben Wollüste zu berauben ; denn ich sehe nicht , daß ihr auf eurer Hut ftyd . euch von denen Dingen zu entfernen , die euch zur Ueppjgke t rei - - zen Die Versuchungen des Fleisches sind den Sirenen gleich man muß sich von ihnen entfernen , wenn man sich davor verwahren will : man ziehe hierbey zu Rache , was bey dem Artike' Lontevraud . in den Anmerkungen ( M ) und ( N ) gesager worden : Non ti vego porre al - cuna diligenza per fchivar quelle cofe che alla übidine incitar ti poflone , et eben ragione che cht ama il per1colo pe - RISCA NEL rER . lC . OLO . Sono le tentationi carnali fimili alle Sirene , dalli quall , pochi ne feampano fe non fi allontanano . Lette - fch« . p' 293^^in'ifl - im Vorbeygehen zu sagen , eine
sehr gemeine Verblendung . Man beklagt sich , daß man gewissen Ver . stchungen nicht widerstehen könne , ob man dieselben gleich aus allen Kräften bestreite , saget man . Allein , heißt dieß wohl dieselben bestreiten , wenn man sich mit den besten Speisen nähret , wenn man alle Gamm - gen von Besuchen abstattet ; wenn ma» die allerangenehmsten dungen suchet u . s . w . ? ES ist so leicht , die Grenzen zu überschreiten , wel - che die erlaubten und verbothencn Erblichkeiten scheiden , daß man nicht glauben kann , daß eine Person aufrichtig daran arbeitet , wohl zu leben ; wenn sie nicht vielen unschuldigen Gemächlichkeiten absaget . Raffrenati etiandio dai leciti piaceri , ebend . Muß man zii den Wollü - stigen sagen ; wie man zn derjenigen gesaget , davon ich hier red« . Diese Unkeusche hat eine Schwester aehabt . die ein gleiches Leben geführ , t : Lucretia hat ihr einen langen Brief geschrieben , weicher mit Gründen angefüllet ist , die am vermögendsten gewesen . diese Creatur zu bekehren Ebendas . - 94 u . f . S Man sehe auch . wie sie an andere Liederliche auf der 1 - 8 , >66 S . geschrieben . Man kann sich nicht beredter und lebhafter ausdrücken , als sie wider dieses viehische Laster getban hat Sie ist nicht weniger beredt , wenn sie einen alten Sünder strafet , «nd ihn lächerlich
wacher

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.