Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10109

»sehr böses Sinngedicht gemacht , welches er betitelt : de Bandeiii amo - „ ribus Thufca lingua decantatis . „ ( Aus einer von dem delaMoimoie zugeschickten Nachricht . ) Man wird vielleicht dasselbe hier gern sehen :
Maxime Phoebigenum , cui Thufco aequalis Homero ,
Lydia Maeonio ne & are vena fluit :
Vnde tibi aetherios immenfi numini« hauftus Largus opum pleno peöore fpirat amor ?
Tantus eras vates , tanta eft Lucretia ! An ipfura Hoc illi dederas ? an dedit illa tibi 2
Dum caelo imponis , tranfcendes fidera . Sic te Dat Dea , tarn rari carminis esse Deum .
Iul . Caef . Scaliger in Farragine , p . 174 . primae Partis Poematum Ed . 1591 .
Man sehe in den Nymphen desselben Verfassers das Stück , welches den Titel hat : Pro Diua Lucretia Gonzaga Pyrrhi filia , canit Talarifca , ei steht auf der 278 S . des I Th . und in den - Heldinnen das Sinnge - dichte Lucretia Pyrrhi Gonzagae F . betitelt : es steht in eben demselben Theile auf der 377 S . Vornehmlich aber sehe man die kirne di diverli Autori in lode di Donna Lucretia Gonzaga , zu Bommen i ; 6 ; in 4 ge - druckt . Wir wollen hier noch eine Stelle vom Matthäus Bändel her - sehen , die mir von dem de la Msnnoie milgerheilr worden : sie wird uns den Namen von der Mutter unserer Lucretia und einige andere beson - dere Umstände belehren . Er redet so : ala molto ilhift . e vertuofa roina la S . Ifabella Gonzaga di Poccino , da er ihr die LVII Nouvelle des I Th . zuschreibt . Efi'endo troppo al mondo manifefto il debito e obligo , che io ho ala felice ehonorata memoriadel valorofoS . Pirro Gonzaga , e de la gentiliflima S . Camilla Bentivoglia , voftri honora - tillimi Padre e madre che tanto m'amavano , e tutto il di con nuovi beneficii m'obligavano , e mentre viffero , furono da me ( fecondo le deboliflime forze mie ) fempre tenuti in quella riverenza , che iofep - pi la maggiore , come ne le Stanze mie fi vederä che io in lode ho compofte de la voftra nobiliflima Sorella , dal mondo riverita e da nie fantiflimamente amata , la Signora Lucretia , le quali in breve laranno publicate , ove ancora vederete il nome voftro eifere ce - lebrato .
( C ) XYlan hat sie beklagt , daß sie mir einem so kleinen Land , funker verheirathet wäre . ? So deucht niir , habe ich diese italienischen Worte übersetzen können : Ho intefo che la riverenza voftra molto Ii c maravigliata , che i miei inaggiori mi maritaflero mai in huomo di fi poche faculta , il quäle , m'havefle a condurre in una poco amena vifluccia , et farmi habitare in una torrepoco degna degliAvoli , onde re fono fecondo la carne difcefa ; et per quanto appare dalle voftre fcritte a mia forella , aflai ve ne dolefte . Lettre» de Lucrece de Gon - zague , pag . 61 . Allein , damit man sich keine falschen Begriffe mache , so muß ich endlich hier sagen , daß Johann Paul Manfronius viel an - sehnlicher gewesen , als dieser Mönch geglaubt hat . Ein Brief von sei - ner Ehgattinn wird uns belehren , daß er schöne Bedienungen bey den venetianischen Kriegsvölkern gehabt , und prachtige Palläste gebauet hat . Man lese folgendes , so wird man etliche Umstände von seinem Leben fin - den . Ve ne fupplica tutto il territorio Vicentino , donde egli ne tra - he Porigine ; ve ne priega la Citta di Padoua , dove egli fanciullo ef - fendo diligentemente ftudiö : ve ne priega il Polefino , dove molti anni prattifö , et palazzi , et giardini con grande arte edifico ; ve ne priega tutto il diftretto Mantouano , dove fpofandomi ben fanciulla , fi imparento : ve ne priega finalmente tutto il Senatp Vinitiano , il qual ha fin dalle fafcie per condottiere et fedelmente , et honorata - mente fempre fervito . Ebendas . ioo , 101 S . Hier sind die Ursachen , die seine Ehgattinn angewendet , Paulus den III zu vermögen , für ihn zu bitten .
( D ) Sie hat dem - Herzoge von Ferrara gedanket , daß er das Leben eines Gefangenen verschont , den die Richter des Todes würdig geschayt . ] Die Umstände dieses Processe« recht zu erkennen , muß man die Historie lesen , die Antonius BrasavoluS , ein berühmter Arzt zu Ferrara , davon herausgegeben hat . Wir erfahren aus dem züge der gegnerischen Bibliothek , 6 ; S . daß die drey ersten Bücher eines Bande« vsn der Arzneykunst des BrasavoluS , Hiftoriam capti . et fup . plicio afticiendi Pauli Manfroni , propter infidias adtierfus ducem , et quomodo dux ei vitam donauerit , fed in carcere retinuerit , enthalten .
( E ) Die Antwort , die sie denen gegeben , die ihr vorschlugen , sich wieder zuverheiratben , verdienet unsere Bewunderung . ^ Ich bekenne , daß sie den Wohlstand nicht beobachtet haben : sie haben allzu - sehr in sie gedrungen ; sie haben ihr den Vortrag gethan , noch eher , als ein Monat nach dem Begräbnisse ihres Ehmanns verflossen war . Die allergeilsten und mannbegierigsten Witwen würden gegen diejenigen eint - genWiderwillen blicken lassen , die ihnen so zeitig von einer andern Hoch - zeit etwas vorschwatzten . Der Wohlstand , der eingeführte Gebrauch , und die Redensarten bey Unterredungen erfordern , daß man einige Zeit sehr betrübt und weit entfernt von Ehstandsgedanken seyn muß : und wie die - jenigen , welche glaubten , sich durch alljUÜbereilte'Heirathsvorschläge ange - nehm zu machen , einige üble Meynung von der Keuschheit einer Witwe zu erkennen geben würden ; so will es auch die Ordnung , daß sie dieselben mit einer zornigen Mine ablaufen laßt . Ich bekenne also , daß die Per - sonen , die allzuvorlaufig gewesen sind , unserer Lucretia von Gonzaga , ei - nen andern Gemahl vorzuschlagen , das Ceremoniel nicht beobachtet ha - ben . Allein ich finde in ihrer Antwort , ich weis nicht was , welches ihr viel Ehre machet , und der gekünstelten Sprache der jungen 5Vitwe des >a Fontaine nicht ahnlich ist . Dieß ist der Titel , den Fontaine der 21 bel des VI B . auf der 226 S . des II Bandes giebt , pariser Ausgabe 1678 . Appena ho rafeiutto le lagrime che giorno e notte mi fono con lar - gtuflnua vena piovute da gli occhi : a fattica hö pofto termine ai fin . phiozzi et ai fofpiri : ne anc'ie ö compiuto il mefe che l'infelice mio conforte 5 ftato fepolto , et voi giä mi parlate di riniaritare ? non fa - pete voi cafta non efler mai ftata iftimata ; chi due fiate fi e marita - * Didone anchora prelTo di Virgilio , chiama fette nome di colpa le feconde nozie et voi con tanta inftanza mi ci invitate ? 116 nö , io non vogli0 piu fentire de fi fatti cordogli ; ne altro marito intende m di volere che GIESV CHRISTO . Lucretia Gonzaga , Lettere , Pfg ; - 'Z Alles übrige des Briefes betrifft den Vorsatz , sich m Zukunft allem Jesu Christo , als ihrem Bräutigam , zu widmen . Es lsteineAus - schweifuna . wenn unsere Lucretia versichert , daß keine . 'xrau icmals fur
, keusch gehalten worden , die sich wieder verheirathet hat ; allem dieß lst ge -
tga . 613
wiß , daß diejenigen , die sich niemals wieder verheiratben wollen , und ne Vorwurf in ihrem Witwenstande gelebt haben , allezeit »veir hoher ge - schätzt worden sind . Wir haben gesehen , was unsere Witwe dem Orsöla Pellegrii» geantwortet , der ihr gerarhen harte , zur andern Heirath zu eilen ; der ihr , sage ich , dieses in eben demselbenMonate gerathen hatte , da ihr erster Mann begraben worden . Jtzo wollen wir sehen , wie sie dem Andriana TrivulciuS geantwortet hat , der den Wohlstand viel besser beobachtet har - te ; denn sein Rath ward erstlich zu Ende des ersten Witwen ja hres qeqe« ben . Lucretia hat ihm erkläret , daß sie mit ihrem Ehmanne allznün - glücklich geivesen ; daß es sie also befremde , daß man ihr vorschlüge , sich wieder unter das ehliche Joch zu begeben , davon sie Gott befreyr Härte : wisset , sagte sie , daß ich mich nicht wieder darunter begeben werde , und wenn ich auch einen Mann finden könnte , der weiser , als LäliuS , schöner , als NirenS und eben so reich , als Crassus , wäre . Es ist besser , ihre eigenen Worte zu hören : Non mi poflo veramente penfare , che fantafia vifia venuta in capo , di procacciarmi marito , non eflendo anchora confunto il ca . davero di chi gia prima a fe di legittimo nodo mi legö , il quäle , mi hä fatto fentire tanti alfanni , che fe divina forza non mi havefle ai - tata , non havrei potuto mai refiftere a tanti guai ; iddio finalmen - te mi ha reftituito quella libertä , che m'era ftata occupata dalla fra - terna voluntä , dandomi marito contra mia vogüa : et voi , non fö da qual fpirito guidata , c ? rcate di condurmi un'altra fiata fotto'I marital giogo : ponete pur il voftro core in pace , et penfate ad altro ; che non ritoglierei marito s'egli fülle piu favio di quel Lelio , che hebbe cl titolo del favio , s'egli fufie piu bello di Nireo , et s'egli pofledefTe le faculta diCraflo . Ebendas . 214 S . Hier ist aljo eine Witroe , die von des la Fontaine seiner sehr unterschieden ist . Sie redet zu Ende des Jahres , wie den ersten Tag . Man kann also diese Verse nicht auf sie deuten :
Bey Witwen thut der erste Tag ,
Nachdem sie ihren Mann verlohren ,
Nicht , was ein ganzes Jahr vermag ;
Sie scheinen fast wie nen gebohren ,
Ja öfters sollte man fast schwören ,
Daß sie nicht mehr dieselben wären .
Ich halte mich verbunden , die Benrtheikung ein wenig zu mildern , die ich über die Gedanken dieserDame gefällt habe , da ich gesaget , daß eine Aus - fchweifung in ihren Ausdrückungen wäre . Man kann diese Ausschwei - fung entschuldigen , wenn man voraussetzet , daß unsere Lucretia die Grund - sähe des heil . Hieronymus mit einer allzugroßen Ehrfurcht angenommen hat . Die allervernunftigsten Kunstrichter beobachten , daß dieser große Heilige diese Sache ein wenig vergrößert habe Hier ist eine Stelle des Dalaus , de l Emploi des Peres , Livr . II , chap . IV , pag . m . 381 . Ich ubergehe dasjenige , was er sowohl wider den iLhstand haupt , als wider die andre - Heirath ins besondre bey aller genheit schimpfliches saget , wobey er sich etlicher so rohen Alis> drücke bedient , daß , nachdem er sie ju erklären , alle ikntdcckun - gcn angewendet hat , die er uiu , selbsi in dem Briefe an denpam - machius über diese Materie meldet , es nichts desio weniger lm< möglich fclieint , ihi»cn dcn Ginn Termllians zu nehmender von der Rirche , als der Ehrbarkeit des Lhjsandej - , und dem Ansehen der h . Schrift zuwider , verdammt worden . Zum Srempel , mir was für - Honige und für Zucker konnte man dasjenige versüßen , was er an eine Dame , Namens Lucia . geschrieben ( * ) : daß sie nicht so lobenswurdig seyn würde , wenn sie Witwe bliebe , als verdam - lnungSwürdig , wenn sie sich wieder verheirathete ; da sie dasjenige nicht als eine Christmn bewahren könnte , was viele Frauen aus ihrer Familie , als Heidinnen , beobachtet hätten ; eine Vorstellung , die er in dem fob genden Briefe nochmals wiederholet , da er die Agertlchia jt» chem Vorsaye ermahnet ( * * ) , und diescrwegcn sehr unchrbare Vergleichungen anführet ; Sa er auf diejenigen , die sidb wieder verheiratbeten , das Sprüchwort deutet , welches der ApofM trus bey einer andern Gelegenheit brauchet , cm Hund frißt wieder , was er gespieen hat , und ein Schwein walzet sich nach der Schwemme wieder in demKothe . - Heißt dieß nicht klarlich die andern ^Heira - then unter die unflätigen und sckandli'chen Dinge sitzend Will man »och besser erkennen , was der heil . Hieronymus , dieKeu>chheit betref , send , den weihlichen Vorfahren der Furia zueignet , so lese man den Ar . tikel Camilla in der Anmerkinig < F ) .
C * ) Id . Ep X , ad Furiam , Tom . I , p . 89 . D . et toi C . Vt non tarn laudanda lis , fi vidua perfeueres ; quam execranda , fi id Chriftiana non fernes , quod per tanta faecula Gentiles foeminae ctiftodierunt : mox p . 90 C . canis reuerten» ad vomituin et fus Iota ad volutabrum iuti .
( * * ) Id . Ep . XI , ad Ageruch . Tom I , p . 101 C . tot . Haec breui fer - mone perftrinxi , vt oftendam adolefceiitylam ineam non praeftare monogamiam generi fuo , fed reddere ; nec tam laudandam esse fi tri - buat , quam omnibus execrandam , fi negare tentaucrit .
Man kann noch dazu setzen , daß sich die tugendhafte Lucretia Gonzaga von dem großen Ruhme blenden lassen , der auch so g . : r im Heidenthume die Frauen umgeben hatte , die sich nicht wieder verheirathete , , . In die - ser Verblendung hat sie geschlossen , daß man diejenigen nicht für keusch genug hielt , die einen ander» Mann nahmen . Sie hatte ohne Zweifel die Worte gelesen , die ich so gleich aus einen , heidnischen Schriftsteller anführen will , welche uns belehren , daß man denen Frauen eine Keusch - Heilskrone zugesprochen , die nur einen Mann gehabt hatten , imd haß man dadurch zu erkennen gegeben , nian sehe die Wiedcrhohlung der . frei , rath als eine Art der Unordnung an . Quae . vnö contentae matriino - nio fuerant , corona pudicitiae honorabantur . Exiftitnabant . enim , euni praeeipue matronae fincera fide incorruptum efle aniinum , qui poft depofitae virginitatis eubile in publicum egredi nefeiret : multo - rum matrimoniorum experientiam , quafi illegitimae ( in den besten Manuskripten steht legitimae . ) cuiusdam intemperantiae iignurri esse credentcs . Valerius Maximus , Libr . II , cap . I , »um . 5 . Ich glaube auch , daß sie in dem Tertullian die Vorrechte gelesen , welche das Heiden - thum dtnen Frauen zugestanden , die sich nur einmal verheirathet hatten . Monogamia apud Ethnicos in fumtno honore eft : vt et virginibus nubentibus vniuira promiba adhibeatur , et fic aufpicii initium eft . Idem in quibusdam follemnibus et aufpieiis , vt prior fit vniuirae cus . Gerte Flaminia non nifi vniuira eft . LipliuS führet diese Stelle TertullianS an , wenn er die Stelle ausleqet , wo Taeims beobachtet , daß die Tochter des Pollio der Tochter des Fontejus Agrippa wegen dieser Hhhh , emzigen

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