Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10087

Gonzaga . 6n
daß sie ihren Gemahl nicht überleben könne . Eloge , des Dam . illuftr . Tom . I , pag . 703 , 704 .
( F ) Ick will dasjenige anführen , rvas petcr Scmbus von die , ser Dame gesager hat . ^ Der Urheber des TractatS : Vc matrimonio
__ ___ Litterati , an coelibein esse an vero nubere conueniat , ( * ) führet da«
Tode folgen lasim , 'mit welchem ich den besten Theil meines Le'ben ? zuge - Zröße Verdienst etlicher Frauen an , und vergißt auch diese nicht : Qind bracht ? Q ich Elende , er ist dahin , und ich muß hier bleiben ! nein , nein , dcElizabetha Gonzaga ? saget er , quam Bembusita laudat , vt lapideum
tote Augen aufgeschlagen , tiitö gen Gimmel gewendtt : worauf sie Dieselben auf diejenigen gewendet , die um sie rvaren , und sie nur diesen Xvorten , gleicksam mir Rlagen und Vorwürfen , an - geredet : Was für Ueberlast erweist ihr mir ? Warum handelt ihr so grausam mit mir , daß ihr mich verhindert , meinem geehrtesten Herrn und Gemahle zu folgen ? Warum wollet ihr mich demjenigen nicht im
«ch kann mich nicht dazu entschließen , ich muß ihm nachgehen . Sobald sie diese Rlagen geendet , haben ihre Augen , wie zu ? o Thränen -
cum esse dicat , qui non vnam eins fefliunculam , omnibus philofopho - rum ambulationibus et diipiitationibus anteponat .
( Julia von ) Herzoginn von Trajette und Grafinn von Fondi , war Vespasians Colonna Gemahlinn» Nach dem Tode ihres Gemahls hat sie zum Sinnbilde . . eine Amaranche genommen , weiche die Kräuterverftandig - n die „ Dlmne der iLicbe nennen , nüt dem Worte , nou moritura . Sie Hat dadurch zu erkennen geben wollen , daß ihre erste Lie . be „ unsterblich wäre . Das Wunderbare ist , daß ihr Gemahl alt , und sie in der Blüthe ihres Alters und in einem so großen Rufe der „ Schönheit gewesen , daß auch selbst der türkische Kaiser Solymann ein Verlangen gehabt , fie zu sehen : Er hat dieserwe - „ gen den Barbarossa , König von Algier % und seinen Unterseldobersten mit einem machtigen Heere bis nach Fondi ae - „ schickt , wo sie ihren gewöhnlichen Hof hielt : allein er ist in seinem Vorhaben nicht glücklich gewesen ; denn obgleich Bar - „ barossa des Nachts ankam , und die Stadt mit Sturme überwältigte , so ist doch die schöne und keusche Julia nicht in des . . Barbars Hände gefallen . Esjey nun , daß sie von dem ihr gedrobeten Unglücke Nachricht , oder von Gott eine Einge - „ bung erhalten hatte : so ist sie den dem ersten Lärmen mit bloßen Füßen entflohen , und hat zur Rettung ihrer Ehre ihr „ Leben tausend Gefährlichkeiten ausgesetzt Diese Dame ist wegen des Lutherrhumö im Verdachte gewesen c . Thuamts , Franciscuo BiUsn , und andere Schriftjieller loben sie sehr wegen ihrer U ? »ssensch«ft , die ihr bty den geschicktesten lNannern in Italien Hochachtung erworben hat K Die Ursache , warum sie sich nicht wieder verheirathet , ist berrach - tungswürdig ( A ) . Man hat Ursache , zu zweifeln , daß sie eine Stiefmutter gewesen , ohnepeinige Fehler solcher Personen bey - behalten zu haben ( B ) . Wir werden sehen , wie Brantome das Abentheuer des Barbaro „ a erzählet hat ( L ) .
Dieses überhebt mich , zu bemerken , daß sie im pag . m . 458 459 . Siehe auch Hilarion de Cofte Tom Germania , et in Italia cum Vi & oria Columna , Marchionis feclaria fufpe & is , amicitiam coluiilet . Thuanus , Libr , XXXIX , JU Tom . II , pag . 97 .
alioqui temmis , ae prauitate d ) Hilar . de Cofte , Vies des Dames illuftre» ,
( A ) Die Ursache , warum sie sich nickt wieder verheirarbet , ist ibetrackwngswürdig . ) „ Nach ihres Gemahls Tode haben die größten „ Herren Italiens um sie geworben , welche dieselbe aber diesem ungeach - „ ter nicht vermögen können , sich zur andern Vermählung zu entschließen ; „ weil , hat sie gesaget , wenn der Gemahl , den sie Heirathen würde , gut „ wäre , sie in einer steten Furcht seyn würde , denselben zu verlieren ; und „ wenn er böse wäre , ihr solches sehr verdrießlich und beschwerlich seyn „ würde . Weil sie einmal einen guten gehabt , so wolle sie die Liebe , die „ sie gegen ihn gehabt , auch niemals aus ihrem Herzen verbannen . „ ttilar . de Cofte Vies des Dam . Illuftr . Tom . II , pag . 97 . Sie ist sehr glücklich gewesen , daß ihr kein Gegenstand in die Augen gefallen ist , der sie gerührt hat : denn in diesem Falle würde ihr Dilemma bald umge - dreht worden seyn . Die Dido hatte gut sagen :
Sed mihi vel telhis optem prius ima dehifcat ;
Vel pater omnipotens adigat me kulmine ad vmbraf ,
Pallentes vmbras Erebi , no & emque profundam :
Ante , pudor ! quam te violo , aut tua iura refoluo .
Ille meos , prinuis qui me fibi iunxit , amores Abftulit ; ille habeat fecum , feruetque fepulchro .
> Vitgil . Aeneid . Libr . IV , VerC 24 .
Die gute Mine ,
Quam fefe ore ferent 1 quam forti peftore et armis !
Ebendaselbst u V .
und die Verdienste de« Aeneas hatten schon einen Eindruck gemacht , und erneuerten die alten Spuren :
Agnofco veteris veftigia flammae .
Ebenbas . 23 . '
die Ihr Clemens der VII anboth , oder die ihr der Kaiser geben wollte : al« diejenige , die ihrer Stiefmutter gefallen hat . Heißt die'ß nicht stiefmüt - PuncteSSs " " ™ Wa " ^ ^e , 3u " 9 des Herzens , in einem solchen
JQ XVit werden sehen , wie Brantome das Abentheuer de» Darbarofiä^rzahlr hat . »Wir haben eine aleiche Erzählung , die »»mir in der tstadt Fondy , bey Neapolis gemacht worden , u >d welche „ daherum ganj bekannt war , und noch frisch ist , von der Signora Livia „ ( er jollte sagen Julia ) Gonzaga , die den Ascanio ( »> Cvlvnna „ rathet hatte . Sie ist zu ihrer Zeit für die schönste Frau in ganz Italien „ gehalten , und dergestalt , sage . ich , hochgeschätzt worden , daß ihre Schön« „ heit bis in die Levante , , , ( ich habe ihr Bildniß , da sie Witwe gewesen , vielmal gesehen , welches es also bekräftiget . ) „ und bis nach Constanti - „ nopel geflogen : weswegen Ariadan Barbarossa , der damals den Feldherrn - «stab über die Seemacht des Großsultans geführet , da er das ersten« , , mit ei - „ ner sehr großen Pracht , wie es beschrieben worden , durch den «Chams bei» " Meßmagegangen , und an den Küsten von Calabrien vorbey geseq lt allwo
»»und unvermuthel angekommen ; daß er , nadi dem er zwei , tausend Tür - „ ken ans Land gesetzt , welche die Stadt mit Sturm erstiegen undgewvn , „ nen , mit denselben in das Schloß gedrungen , wo besagte Livia Gonzaga „ schlafend in ihrem Bette gelegen : welche bey gehörrem'Lärmen derm . ßea „ erschrocken , daß sie au« dem Schlafe aufgesprunqen und nicht mehr Zeit „ gehabt , als daß sie im bloßen Hemde zu einem Fenster hinaus gesprun - „ gen , und sich ms Gebirge zu so gelegener Zeit gerettet , daß die Türken „ gleich in ihr Schlafzimmer getreten , da sie dasselbe kaum recht ver< „ lassen hatte . Man saget , es habe sie Barbarossa dein Sultan zum Ge * »«schenke geben wollen , und es fey diese Unternehmung bloß desweaen ae -
- Crf\t>f\pn lllti Af\t>r rto foTi . » * K / sfi f / * f . — ^ . * — P ' • ^
Sie mußte sich zu der andern Heirath entschließen , und alle schönen Ent - „ scheben . Als er aber gesehen , d - iß sie ihm fehl geschlagen so ist er darüber
schliefiungen fahren lassen . Ueberhaupt zu reden , so ist das Dilemma „ in Verzweiflung g , rächen : allein das Unglück dieser Dame bat gewollt ,
derJulia von Gonzaga eine Münze , die man umdrehen kann ; denn man „ daß sie aus der Scylla m die Charybdis , und bey ihrer Flucht unter die
kann sagen : wenn mein anderer Gemahl dose ist , so darf ick mich „ Bandnen und Strauchrauber des Landes gefallen , davon sie einiae er»
nickt fürckcen , ihnzu verliehren ; wenn er aber gm ist , so wird er „ kannt . midere nicht , jch überlasse also , zu bedenken , ob dieser gute und
»nick glücklick macken . Ueberdicß köunen diejenigen , die einen guten . . stlsche Bisftn , da er« , die Hände und Gewalt dieser Heißbungrigen
Ehgarten verlohren haben , diese Ursache anführen : Ick habe Mick fö »»gefallen , nicht ernstlich begriffen und gekostet worden , so wie viele nickr
wohl bey dieser - Herrath befunden , daß ick nock einmal in den „ da^an gezweifelt : denn sie mag schwören und sich vermessen , wie sie will ,
Stand treten will , darüber ick Mick ; u erfreuen Ursacke gehabt . - ' ^' k—
Diejenigen aber , die einen bösen Ehmann verlohren haben , können sagen :
( Bs ist billig , daß ick versucke , ob ick das anderemal glücklicher
feyn werde , als daß erstemal ; ich muß nicht sterben , ohne daß ich eine Verbesserung gesucht hatte .
( B ) Man hat Ursache , zu zweifeln , daß sie die Person der Stief - »nutter gespielt hat , ohne einige Fehler derselben zu haben . ] Dieß ist eine schwere Nolle : die allerklügsten Köpfe haben große Mühe> sich wohl heraus zu wickeln : es Ist , ich weis nicht , wa< für ein Unglücks - sterii dabey , der den Stiefmüttern ein wunderliche« Gemüth beybringt . Dem sey , wie ihm wolle , so belehret mich der Minorite , den ich bereits an - gezogen habe , im II Bande auf der 96 S . der berühmten Damen , daß Vespasian Colonna von seiner ersten Gemahlinn Beatrix , des Herrn von ipiombino Tochter , ( 8an5ovino , delle Cale d' Italia , pae . 9Z . ) eine locktet , Namens Isabella gehabt , welcke unsere Julia , ibrt Stiefmutter , Ludwigen von Gonzaga , ihrem Vruder , zur Ge - wahlinn aeben wollte , und sick deswegen dein pabste Clement dem VII . ( ver sie mit dem - Hippolyts , seinem Neffin , zu vermählen gedachte , der nackmals Cardinal geworden . ) und dem Kaiser Carkdem V widcrfttzte , der sick derselben bemacknget baue , um sie mit Dom Ferdinanden von Gonzaga 5nr . erhe . ra .
Rath - gezogen ? Dieß ist die ner Historie auf dem Frage : WtiKB die Partie lieber gehabt h»ben , davon redet . ^ . .
„ und sie wohl begriffen haben , werden es am besten z» sage» wissen : und „ alle im Lande sagen es also . Man sehe , wie sich Manns - und Frauens» „ Personen durch ihre Eidschwüre leichtlich verfluclxn , daß auch die schön» „ sten Königinnen und Prinzeßinnen , wenn sie in dergleichen ungefähre „ Zufalle verfallen sollten ) eben so weniq . als die andern versch»nt werden „ würden : weil eine große Schönheit keine Regel und kein frey Geleite „ mit sich führet , die nicht durä , gängig verachtet würde ; und daß sich die „ Liebe hierbei nicht ihres Rechts und ihrer Gewalt , ohne die qerinaste „ Ehrerbiethnng gebrauchen follte : wenn sie von da weg fmb , kommen de . . damit los , wenn sie sagen und schworen , daß ihre Hoheit denen die „ Kühnheit genommen , die etwas unternehmen wollen ; allein Gott wei« „ eS ! „ Brantome , Vie« des Dames illuftre« , p . »y»
t - * ^ - bhabe 'hn in dem Texte des Artikels Vespasian genennt , und bieß ist auch sein wahrer Name gewesen .
Varillas in der Historie Franciseus de« I , VIII B vae >n . 347 . aust 1537 Jahr , hat alle« dasjenige aus diesem Buche des'Branteme nommen , was er von der Begebenheit der Julia von Gonzaga ae» saget'hat ,
Er hat sich in Ansehung der Zeit betrogen : er hat diese« nnttr da« 1537 Jahr gesehet , Und er hätte dem Paul I°viu - im XXXIII B sei - " 25z Bl . folgen sollen ; der unter dem 1534 Jahre
II Dand .
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