Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-10030

6o6
Gontaut .
fchay für eine Tochter ihres Roniges , oder eine Prinzefiinn von Savoyen beifügen wollen , die sie ihm zur Gemahlinn chen hatten . ^e^erai , ^brcße Chronol . Tom . VI . pag . 237 . Dieses giebt mir Gelegenheit , einen großen Unterschied unter den Leidenschaften der Regenten , und der Privatpersonen zu bemerken . Es ist kein Edel - mann , der ei nicht für den Grund eine« großen Streites annähme , wenn ei - nervon seinen Nachbarn seine Bedienten ab , panstig machte , und sie zu ei - nem verratherischen Streiche wider ihren Herrn verleitete . Die Ausforde - rungsbriefe würden gar bald darauf folgen , und wenigstens würde man nicht lange Anstand nehmen , Gelegenheit zu suchen , diesen Streit mit dem Degen in der Faust auszumachen . Was die Prinzen betrifft , so gen sie sich , die Verräther zu bestrafen , und fahren mit dem Verführer zu leben fort , wie zuvor . Heinrich der II , hat diese Feindseligkeit des Herzogs von Savoyen , ganz gelassen verdauet . Es ist kein Friedens - bruch . »och eine äußerliche Unterbrechung des guten Verständnisses dar - auf erfolget . Man sehe weiter in der Anmerkung ( I ) bey dem Arti - kel poiricrs , eine angeführte Stelle des Brantomc , die Streitigkeiten der Großen betreffend , aus dem II Bande der Dames Galantes , auf der z - 9 Seite .
( E ) igt hat auf dem Älutgerüste tausend Merkmaale der Heftigkeit gezeiger . ^ Alle Geschichtschreiber derselben Zeir , sind mit demjenigen angefüllt , was er unter währenden seinem Procejje , bis zur Vollstreckung seines Todesurtheils . gethan und gesaget hat . Ich will nur anführen , was ich in einem Briefe des Gillot an Scaligern gcfun - den habe . Epitres Fran< ; oifcs a Scaliger . pag . 248 . „ Ihr werdet von „ dem Tode des Marschalls haben reden hören , welchem der König die „ Vollstreckung de« Urtheils auf dem Plahe Greve erlassen , und densel - „ den in den Hof der Bastille verwandelt hat : welcher nichts wegen der „ Mitschuldigen gestehen , noch etwas anders sagen wollen , als was in „ seinem Processe gewesen . Er ist in sehr böser Neigung gegen seinen „ König und sein Vaterland gestorben . Und er hat e« also bezeuget : , , indem er Gott bitte , sagte er , seiner und des Königes Seele gnädig zu „ seyn . Denn er hat gesager : fort , fort , geschwinde ! er hat sich durch - „ aus nicht wollen binden lassen ; und geschworen , den Scharfrichter mit „ den Zähnen zu zerreißen , wenn er ihm zu nahe käme ; er hat sich die „ Augen selbst mit seinem Schnupstuche verbunden , es darauf wieder „ weggerissen , und ist mit Fluchen und Gotteslästern wieder auszespmn , „ gen , und hat gedrohet , die Hälfte von allen , die da warm , umzubringen , „ wenn man ihn wüthend machte . Die um den Hof in Glieder gestellten „ Musketirer , hat er mit diesen Wortengebethen : ist kein einziger red - „ licher Spießgeselle unter euch , der den Marschall von Biron . tcdtschies - „ sen will , damit ihn dieser Schinder nicht hinrichten dürfe ? Gegen den „ Kanzler selbst , hat er sich über die Schärfe des Urtheils beklagt . End - „ lich könnet ihr glauben , daß sein Tod für Frankreich sehr nothwendig „ gewesen . Ich kann euch noch versichern , daß er , wie derjenige , gestor - »ben , von dem der Italiener saget :
„ Biaftemando fe ne fuge I' alma con grand cordoglio ,
„ Lome nel niondo vifle pieno d'ira et d'orgoglio . , ,
Diese zween Verse sind denjenigen sehr ähnlich , die sich zu Ende de« lando furiofo finden .
Beftemmiando fuggi Palma fdegnofa ,
Che fu fi altera al mondo , e fi orgogliofa .
Man ziehe hierbey diese Worte Virgils zu Rache :
. - Illi foluiintiir frigore membra ,
Vitaque cum gcmitu fugit indignata fub vnibras .
Aeneid . Lib . vlt . v . 951 .
Als er erfahren , baß keine Gnade für ihn zu hoffen gewesen , ist er mit solcher Heftigkeit gegen Heinrichen den IV , ausgefahren , daß sich die rie nicht getrauet hat , ein solches Pfand aufzubewahren . Der Herzog „ von Biron , - - , welcher alle Kräfte der Seele der Bettubmß „ und der Leidenschaft preis gegeben , hat den Vortheil ergrissen , zuerst „ zu reden , und alles dasjenigen zu sagen , was eine vom Schmerzen über - „ wältigte Zunge vorbringen kann : woben er dem Kanzler vorgeworfen , „ daß er weniger Neiguna gehabt , ihn zu retten , als zu verdammen . Er „ hat an dieser Stelle Wörter dazu gesebet , deren Andenken verbothen , „ und deren Erzählung strafbar ist . Allein die Prinzen bekümmern sich „ nicht über die Lästerungen , die von ihren Unterthanen , wider ihre Ma - „ jestät ausgestoßen werden ; da sie allezeit wieder auf die Brust zurück „ fallen , woraus sie entsprungen sind . , , Matthieu , Hift . delaPaix , Liv . V . p . 340 .
( F ) Ob er gleich keine Religion gehabt . - - , ] Ick will bießfalls diese Stelle des Victor Cayet , " Lbronol . Septenaire , fol . 319 . anführen : „ Er hat vielmal über alle Religion seine Spötterey gettie - „ ben ; selbst seinem Vertrauten , dem Baron von Lux , der zu ihm gesager , „ daß ein Capuciner , der seinem Oheim , dem Erzbischofe von Lyon , bey „ seiner Todesnoth beygestanden , ihm vorgestellt : wenn Gott sieht , daß „ keine Besserung bey dem Boshaften ist , und daß er seine Gnade ver - „ wirft ; so giebt er ihm alle Glückseligkeiten ; er läßt ihm alles nach „ Wunscbe gehen , er berauschet ihn in den Streitigkeiten der Welt , ( oder vielmehr Vergnügungen , wie Matthäus saget , der eben diese Sache im II B . auf der - 71 Seiete bey mir anführet , ) „ hat der Marschall diese „ Antwort gegeben ; ich wollte auf diese Art wohl verlassen seyn . ES „ werden noch unzählige andre solche Proben von seiner wenigen Reli - „ gion erzählet ; allein eS ist unser Vorhaben nicht , sein Andenken zu „ beflecken . „ Dieser Geschichtschreiber hatte auf der vorhergehenden Sei - te eine Sache erzählet , die um so viel würdiger ist , hier almeführet zu werden , da sie uns belehret , daß Biron in der reformirten Religion er - zogen worden . Hier sind die Worte Victor Cayets : „ Man hat ihn sehr „ vielfältig über die Mesie spotten hören , und er hat über die so geuann - „ ten Reformirten gelachet , mit welchen er in seinen Jugendjahren erzo - „ gen worden : denn in seiner Kindheit , und zwar im Alter von acht Iah - „ ren , hat die Fran von Brisambourg . ( es liegt bcy St . Jean d'Angely , ) „ seine väterliche Muhme , die der so genannten reformirten Religion zuge - „ than war , eine solcl ? e Zuneigung , wegen feines lustigen und aufrichtigen „ Wesens , auf ihn geworfen , daß sie bey seiner Mutter , ihrer Schwägerinn , „ um ihn angehalten , welche« sie ihr zugestanden , ( denn sie sind alle zwo „ von besagter Religion gewesen . ) Also hat die Mutter denselben gern
»hingegeben , um ihn zu ernähren , und in dieser Religion erziehen zu lassen , „ welches sie auch gethan , und nach diesem hat ihn die Frau vvnBrisam - „ bourg zu ihrem einzigen Erben eingesehet . Nun hat sie große Guter , „ wegen dreyer Männer , die sie geheirarhet . gehabt , und mit welchen sie „ keine Kinder gezeuqet , aber wohl groß« Witwengelder und Schenkungen „ bekommen , welche ihr alle zur fteyen Hand , und zu ihrem Vortheile , zu - „ gesprochen worden waren . „ Cauiden erzählet , in Annal . P . IV . p . 805 , daß Biron über die christlichen Vorbereittingen gekurzweilet hat , mit welchen der Graf Essex aum Tode gegangen , als wenn dergleichen Reu . bezeugungen sich nur für einen Prediger , und für keinen Kriegsmann schickten . Licet hanc pietatem , vt mimftello , quam viro bellicofo di - gniorem , Bironus et alii prophani fubfannarent .
( G ) , - Er hat abergläubisch gerha« , ( * ) um die L . igue wieder aufzuwecken . ^ Mezerai bemerket , Abrege Chronol . Tom . VI . pag . 2 , 09 . aufs 1J99 Jahr , daß nach dem Verluste von Donrlcn» und ( Lambray , der Adel und die Soldaten die Augen allein aus ihn , als den Erretter des Staats geworftn ; nach der Zurück , kunft von der Belagerung Amiens , hat er sich in der Äiebc des Volkes von Paris berauscht ; und da er nach Flandern gegan / gen , den» Erzherzoge den Frieden beschworen 5» l« ( ) m , und da die Spanier seine Eitelbeir , und sein wunderliches Gemüth , erkannt : so haben sie ihm so Hobe Ä . obsprücl ? e gegeben , daß sie ihm den Ropfmir Ä ? inde , und das - Her ? mit bösen Regungen ange« füllet . Von dieser Zeit an , und noch Mvor , hat er die Gunst der Volker gesucht , und für die katholische Religion einen solchen verstellten Eifer angenommen , daß er so gar mit dem Rosen , kranke , und in die Brüderschaften gegangen , als rvenn er da , durch die L . igue wieder lebendig machen wollen , die sein Degen abgehauen hatte . Er hatte nicht vergessen . wie weit da« Vorurtheil der Stadt Paris , gegen den Herzog von Guise . den Ehrgeiz diese« Herrn getrieben und unterhalten hatte , und cr hat auck wohl gewußt , daß dieß die vornehmste Ursache dieses großen Vorurtheils gewesen , weil der Herzog vcn Guise , an der Ausrottung der Reformirten gearbeitet hatte . Er hat also geglaubet , daß , wenn die Pariser bey ihm allein schwören sollten , er durch die wunderlichen Gebehrdungen derScheinhei , liakeit die Eindrücke bekräftigen müsse , welche seine Tapferkeit indem Gemitthe dieses großen Volkes gemachet hatte . Ii» dieser Absicht hat er gethan . als wenn er die Hugönotten hasset ? . Hier ist die Folge des - jenigen , was ich aus Gillots Briefe , in den französischen Briefen an den Scaliger , 2^9® . angeführet habe : Ich will euch sagen , daß diese« eine lautere K . igue , ein pures Ratbolikon gewesen . Er hat ver - sprochcnund geschworen , keinen Hugonotten nt sehen , noch 5» sprechen , noch mit il ? nen umzugehen " , und sie vor sich zu lasten ; undumseinXvorr zu halten , hat er so gar seine LNuttcr nicht se , hen wollen , da er im ^ande war ; er hat alle alte 25edicnre feu »es Vaters , und die stinigen , weggejagt , Sacramento illo obliga , tus , gegen den Grafen von Fuenres .
§ ( « ) Die kurzweilige Erzählung von dcm 'Herrn St . Viren , im II B . VIII Cap . des Glaubensbekenntnisses von San« , hätte hier wohl ihren Platz finden sollen . . Crit . Anni .
( H , ) Er hat kaum leiden können , daß man - Heinrichen dem großen . Ancheil an dem gute» Fortgänge gegeben . und den Ge - fchichtschreibern gedrohet , die sich nicht nach seiner Eitelkeit bc» queinet . 1 Es hat eine Eifersucht , zwischen diesem Monarchen und dem Marschalle von Biron gegeben . Der König ist nicht allezeit mit der Ehre zu frieden gewesen , die sich der Marschall zugeeignet , und seine Ge - danken darüber dem Herzoqe von Savoyen , bey dessen Aufenthalte am französischen Hose im >6c>o Jahre , sehr frey entdecket , welcher ihn aus einer boshaften Arglist auf dieses Gespräche gebracht , damit er Dinge vorbringen können , die den Marschall beleidigten . Pierre Matthieu , Hift . de la Paix , Liv . III . pag . m . 449 . Dieser , nachdem cr diese Dinge erfahren , hat sich die allcrschlimmsien XPotte wider die Ehrfurcht , und den Dienst des Roniges entfahren lasten , die ihm der Zorn nur eingeben konnte - - - cr hat sehr spröde und leichte Gegen - antworten gegeben ; denn cr war sehr empfindlich wegen der Stiche , die man wider seine Tapferkeit gebraucht , über deren Xverth er nichts in der U ? clt gcschayr ; und wenn cr auf die - Historie seincsL . cbens kam , so hat er bose Erzählungen von aller Xvelt dazu geseyer . und auch den Ronig selbst nicht geschont . Ebendaselbst . Zu diesem hat er manchmal gesaget , ( ebendaselbst 4» S . 1 er wolle nicht , daß man in der - Historie von Frankreich sage , daß ein andrer , als er , diese und jene Sache gethan hätte . Diese Worte sind von der Belagerung von Amiens qesaget und verstanden worden . Als er den Discours des Peter Matthäus , von den Ursachen und Wirkungen der langen Rriege , zwischen den - Häusern von Frankreich und ( pesterreich gesehen , und geglaubet , daß man darin - nen von ihm weder so oft noch so hoch rcse , als er es verlangt , so hat er sich deswegen bey dem Ranzler Äellievre beklagt , und seinen Zorn gegen den von Vic , den schweizerischen Gesandten , nocb öffentlicher entdeckt , wobev cr den Scheltworren noch die heftigsten Drohungen , wider den Verfasser , bevgefüget . Ebendaselbst IV B . Z88 S .
Man merke , daß sich bey seinem Character eine Art des Ehrgeizes fin - bet . die des Achilles seinem ganz ähnlich ist . Dieser Held Honiers hat nicht gewollt , daß ein einziger Grieche nach dcm Hektor schießen sollen ; er hat ganz allein die Ehre haben wollen , denselben erlegt zu haben .
Aaoiffiv i' kvfatvt iiof A'fciJfcsi« .
Ovi' na ( ittvcu irl Exrcfi irixfb ßiMfV
Mi ) TIt xüht jgmt ( 3«Auv , 0 ii iiÜTfgot ( ^3Ol .
Populis «Item innuebat capite nobiüs Achilles ,
Neque linebat mittcre in He & orem aceiba tela ,
Ne quis gloriam auferret iaculatus , ipfe vero poftcrior veniret - Homer . Iliad . Lib . XXII . v . 20s . p . m . 639 .
Homers Ansehen hat nicht verhindert , daß das Alterthum nickt geurtkei , let hätte , dieser Character des Achilles sei» nicht gut . . Hier ist dasjenige , was Plutarch im Pompejus . 6 , 4 S . nach AmiotS Ueberjewmq davon ae - mtheilet hat . Mit gutem Rechte tadelt man den Achilles silbst , und saget , daß er kein vernünftiger Mann gewesen , da er al« ei „
junger

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.