Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9974

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Gombauld .
gen pflegte , wann er sich entschuldigen wollte , daß er nicht reich wäre . Daß er groß , wohl gemacht , von gutem sehen gewesen , und einen vornehmen Mann vorstellen können . Daß seine Gottesfurcht aufrichtig , daß seine lichkeit bewahrt , seine Sitten tugendhaft , und sehr ordentlich gewesen . Daß er ein < ? crz so edel alo sein Rorper war , ein ehrliches von Natur tugendhaftes Genuith , einen erhabnen Geist , der weniger Erfindungskraft alo Vernunft hatte , einen hitzigen und geschwinden , zum Zorne sehr geneigten Sinn , besessen ; ob er gleich eine ernsthafte und gelassene Min« hatte . Nachdem er zu Vourdeaux alle seine Studien in den meisten Wissenschaften , unter den vorrrefsilchsten Meistern seiner Zeit vollendet hatte , so ist er zu Ende der Regierung Ronigo Heinrichs des großen nach Paris gekommen , wo er gar bald bekannt , und werth gehalten worden Lr ist weder von den letzten noch von den geringsten gewesen , welche Verse auf den Tod dieses großen Monarchen gemacht haben c . Er ist bey Marien von Medicis in großem Ansehen ge - wesen ; und es hat keine einzige Mannsperson von seinem Stande freyern Zutritt bey ihr gehabt , oder ist mir bessern
' ' " " " " , Undwie er ein
. verthun , so hat
sich , vurcy oie ^rsparung von oie , en ^ayren oes ueverftußes , ein anseynlicyes viapttai gcfammler ; welches ihm in den „ „ . «fruchtbaren Iahren sehr wohl zustatten gekommen , die darauf folgten , als die bürgerlichen und fremden Kriege die Quel - ^len , die anfänglich so reichlich geflossen , vermindert und endlich gar ausgetrocknet hatten . Man setzte ihn anfänglich von „ zwölf hundert Thalern , auf achthundert ; und darauf von acht Hunderten , bis auf vierhundert , wobey er bis an seinen Tod „ geblieben ; gleichwohl aber , seit dem Kriege von Paris , bloß durch die Dienste einiger mächtigen und großmüthigen Pers» „ nen bezahlt worden ist ( B ) , denen er bekannt zu seyn , und von ihnen beschützet zu werden , die Ehre gehabt , worunter der „ Herzog und die Herzoginn von Montausier den ersten Platz haben müssen . Er ist auch von dem Seyuier , Kanzlern von „ Frankreich , mit einer Bestallung auf das Siegel , einige Jahre begnadiget worden . Er hat allezeit sehr gesund gelebt , „ worzu seine Mäßigkeit und Sparsamkeit ungemein viel beygecragen haben . Allein eines Tages , da er nach seiner Ge - „ wohnheit in seiner Kammer herum spazieret , that er , durch Ausgleitung des Fußes , einen Fall , und verletzte sich dermaßen „ an einer Hüfte , daß er seit diesem Zufalle genöthiger gewesen , fast beständig das Bette bis an das Ende seines Lebens zu . hüten , welches bey nahe ein Jahrhundert gedauert : wenn eine in eines von den Büchern seiner Studierstube , mir seiner Hand geschriebene Jahrzahl , die wahrhafte Zeit feiner Geburt gewesen ; wie er zu jemanden in , Vertrauen gesager ( C ) , " der nicht eher , als nach seinem Tode davon geredet hat . , , Er ist der fleißigste gewesen , sich bey den Aufwartungen der Maria von Medicis , und Annen von Oesterreich , unter den Regierungen dieser zwo Prinzeßinnen einzufinden . Allein er hat sich noch viel fleißiger lind nur großem , Vergnügen in den Pallast von Rambouillet begeben d ( D ) . Er ist im »666 Jahre gestorben . Ich will ( E ) dasjenige , in eine einzige Anmerkung setzen , was ich bey seinen Schriften zu erinnern habe , und was Kenner davon geurrheilet haben .
a ) Pellilfon , Hiftoire de l'Acadeinie Franqoife , pag . m . 339 . 4 ) Vorrede der Traktate und Briefe des Gombauld über die Re« ligion . Colomies beobachtet in seiner auserlesenen Bibliothek 155 Seite , zweyte Auegabe , daß Conrard der Verfasser dieser Vorrebe ist . * ) Ebendas . ä ) Ebendaselbst .
Gombauld von der römischen Kirche eben so weit entfernt gewesen , al« ein reformirter Prediger ; allein außer diesem muß man ihn mir denen Per - sonen vergleiche ! ? , die ihren Erben erstlich nach ihrem Tode gutes rhun . Nicht darum , daß es ihnen an Gewogenheit fehlet , oder daß sie nicht gern bey ihrem Leben freygebig seyn wollten , wenn sie es ohne ihre Be , schwerlichkeit seyn können ; sondern darum , weil sie urtheilen , daß derGe , nuß aller ihrer Güter ihnen nöthig ist . Man würde vielleicht die billigen Grenzen des Eifers überschreiten , wenn man diese Aufführung Gombauld« tadelte . Er hat seinen Unterhalt allein vermittelst des Jahrgeldes von dem französischen Hofe gehabt ; und er hätte denselben nicht bezahlt be« kommen , wenn er nicht das Ansehen eines großen Herrn tausend Schmie - rigkeiten entgegen gesetzt hätte . Dieses Ansehen würde zu schwach ge - wesen seyn , >venn es die Einwürfe übersteigen sollen , die man daher ge - nommen hätte , daß Gombauld Religionsstreitbücher herausgegeben ; und also hätte die Herausgebung dieser Gattung von Schriften ihrem Ber - sajser das Brodt aus den Händen genommen . Wäre es also nicht allzu - scharf , wenn man seine Behutsamkeit verdammte , und wenn man sich befremden ließe , daß er den Nutzen seiner Leser bis nach seinem Tode ver - schoben ? Wie viel Leute wurden ihn nicht ausgelacht haben , wenn er sein Jahrgeld deswegen verlohren , daß er Religionsstreitigkeiten heraus - gegeben hätte ? Sie würden gesäget haben : er triebe die christliche Liebe zu weit , und er hatte , da er sein Jahrgeld nöthiger , als seine Brüder seine Bücher , gebraucht , nach dieser Regel seine Anstalten machen und dem al - lerdringendsten abhelfen ; seinen Eifer durch die Klugheit mäßigen und sich begnügen sollen , nach seinem Tode ein Schriftsteller zu seyn . Die uro gezwungene Offenherzigkeit des Poeren Gomes , ist in diesem Sinnge - dichte fthr vernünftig gewesen ;
( A ) Er war reformier . ] Dieß haben des Moreri Fortsetzer nicht gesaget : vielleicht haben sie es nicht gewußt , vielleicht haben sie auch nicht davon geredet , ob sie es gleich gewußt haben . Dem sey , wie ihm wolle , so ist diese Auslassung fehlerhaft ; denn wenn man in einem historischen Wörterbuche , das in Frankreich gedruckt und von einem Katholiken auf , gesetzt worden , nicht siehr , daß sich ein Schriftsteller zur herrschenden Re - ligion bekannt , so setzet man gemeiniglich voraus , daß er sich zu dersel - ben bekannt habe . Man setzet ks voraus , sage ich , , venn man außerdem findet , ( wie z . E . im Moreri ) haß er in rühmlichen Posten steht , als in einer Akademie aufgeweckter Köpfe , die von einem Cardinale und ersten Staatsbedienren gestiftet worden ; daß ihm die Vollmacht aufgetragen worden , die Geseke dieser neuen Gesellschaft zu untersuchen , und daß er Nachrichten davon gegeben . Damit man nun die Leser nicht reizen möge , sich einzubilden , daß Gombauld römiWarholisch gewesen : so hätte man namentlich und ausdrücklich sagen müssen , daß er ein Hugenotte ge» wesen ; mit Vorbehalt , diesem einigeBerrachrungen wegen des Unglücks ben - zufüqen . das ihn in diesem Stücke begleitet hat . Die Bücher , welcher die - ftr Schriftsteller herausgegeben , sind nicht sehr geschickt , zu erkennen zu geben , daß er ein guter Protestante gewesen ; allein die ganze Welt hat solches aus etlichen Tractaten erkennen können , die nach seinem Tode im »678 Jahre in Holland gedruckt worden . Dieses sind Reliqionsgefpräche , und diese hat Gombauld unter allen seinen Werken am höchsten geschäht . Er hatte sie aus emer lauteren christlichen Liebe aufgesetzt , in der Absicht , denfenigen die Wahrheit zu erkennenzu geben , vie imIrrthume waren , unv diesenigen in Sem guten Glauben zu bestätigen , die darinnen gebobren waren , oder denselben an - genommen harren . Lr hat sich gemeiniglich über zwe / Dinge be , klagt , eines , daß die meisten von denen , die über dergleichenZNa - terien schrieben , allzugroße Bücher machten , wo sie Beweise über Beweise , und Zeugnisse über Zeugnisse hausten , ohne daß sie sich weder um die Ordnung noch Deutlichkeit viel bekümmerten . Das andere , daß sie sich einbildeten , es könne die Lehre und Zier« lichkeit nicht bey einander liehen . Zu zeigen , daß sie sich hierin , nen bekriegen , hat er seine Betrachtungen über die christliche Re , ligion aufgefegt , Sa er noch in einem feurigen Alter gewesen : und er har wahrhaftig gezeigt , daß man zugleich feurig ünd deur , lich , kurz und vollständig , gründlich und zierlich se ) n könne . Nachdem er dieses Stück verschiedenen von seiiun Freunden , und arich einigen Rathollken mirgetbeilt , so isi es von allen hoch halten worden , und dieß hat ihn murbig gemackr . nach üiestm , den Tractar vom Nachtmahle , und einen andern zu macbcn , Ven er unter ArisiandersN'amen an einen feinerFrcrmde gericbrer bar . Die Briest betreffend , so hat er dieselben m einem viel höher» Aller gemacht , densenigen an einen Kandidaten ausgenommen , der fast von gleicher Zeit , als die Betrachtungen über die christliche ligion ist . - - - Seine größte Leidenschaft war , oiest Schrift ten heraus zugeben , weil er überzeugt gewesen , daß sie nünlich sevn würden , und vielleicht bat man kaum einen XVelrmann so viel Eifer für die Ehre Gottes , und so viel Liebe gegen seinen Nächsien haben sehen , als er gehabt bar . YDenn man aber in seinen rverkcn das Feuer dieses Listrs bemerkt , und außer Sem weis , daß sein Unterhalt fast lediglich vom - Hofe abgehangen , so wird e» einen nicht befremden , daß er dieselben nichr bcv sei - nem Leben an» Lichl treten lassen . Damit Sie Xvelt derselben nach seinem Tode nicht beraubt würde , wenn sie einigen persc " h als die seinige , in die Hände falle
nen , von anderer Religion ,
Ach gib , 0 König ! hundert Pfund ,
Zu Büchern und für meinen Mund ;
Der Bücher kann ich zwar entbehren ,
Doch nicht dem Mund den Hunger wehren .
Siehe Queret , p . m . , 7 , . de la Gucrrc des AuteurS .
( B ) Man hat ihn von acht Hunderten bis auf vier hundert ge - styl - - - die er durch die guten Diensie einiger - - - - großmüthigen Personen bezahlt bekommen . ^ Hier sind zwevDin - ge ; denn diese nach und nach erfolgte Abnahme des JahraeldeS ist sehr geschickt , die Sachen eines aufgeweckten Kopfs in Unordnung zu bringen ; und ihm viel Verdruß zu machen . Allein außer diesem mußteer viele Be - suche abstatten , und sich bey andern mit seiner eignen Beschwerung über - lästig machen , damit er den Antheil erhalten , ivorauf man ihn ge - seht harre . Wie vielmal wird er nichr zu dem Fürspruche der Musen haben Zuflucht nehmen , und ihnen Verse abpressen müssen , theils die Ausseher der Gelder zu bewegen , theils starke Vor bitten zu erbetteln , theils deswegen zu danken , daß n , an ihn endlich erhört , und die nachdrückliche Be - schreibung seiner großen Bedürfnisse , die Herzen bewegt hatte ? Man lese die Werke der größten Poeten , so wird man viel Verse von dieler Art darinnen finden . Allein Gombaulds Schicksal mag so verdrüßlich gewesen seyn , als es will , so ist es doch ungleich weniger zu beklagen , als vieler andern wil - igen Köpfe ihres , die allezeit leer zurück gewiesen wurden . Niemals ist ein Mensch freygebiger gegen sie gewesen , als der Cardinal Nicl>elieu ; seine Staatsbedienung ist eine goldene Zeir für die französisch ? « Musen sen . Allein sein Tod ist ein entsetzliches Ungewitter über ihre Erndce ge - wesen . nicht so wohl wegen der Verschiedenheit der Gemüthsart derer ,
möchten : so bat er sie in feinen letzten Jahren einem von seinen al , ten Freunden anvertraut , dessen Treue und Freundschaft er pro - birt hatte , und sich versprechen lassen , dieselben nicht aus den - Händen , sondern ans Licht zu geben , so bald sich eine bequehme Gelegenheit Sarzu anböthe . Aus der Vorrede der Tractate und Briefe des Gombauld . Man kann au« diesem Tractate leichtlich erkennen , daß
e " die ihm gefolgt sind , sondern auch wegen der Verwirrungen , worein das
Königreich versallen ist . Die Jahrgelder wurden eingezogen , oder ver , mindert , oder allenfalls schlecht bezahlt . Und dieß hat viele Leutezumur - ren und seufzen gebracht . Ich will nur des Seuderi Klagen ansübren . Sie sind in den Versen ausgekramt worden , die er über Scarrons kurz - weilige AelieiS gemacht hat .

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