Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9956

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Golms . Gomarus .
sich so ans : keligionem , perinäe vt rempudlicsm , faätionidus geri dolebat . Speciem quandam externa , n Tibi circumdedifle mul - tis fiifficere , quam vita et aöiones confutarent . Inter dif - fentientes , de nicdiis quoqtie rebus atque indifferentibus , nullam tur» pem rationem vincendi : calumnias , artes malas , pias fraudes vigere . Nusquam moderata confilia , zelum , qwi furor fit , vocari . Partim Scripturam S . traftare , potius vt ingenium inde quam falutis curam nutriant . Theologicen praeferre , vt nomen fcientiae atque audtori - tatis . Ergo mifla in difcrimen veritate , quamuis fatis et excellenter dodlos eile conftet , tarn fecure de illa tranfigcre . Hos in Theologia philofophari , ad dilputandum modo , atque vt magni et confpeäi fint , Theologos . Gronouius , ebend . zo © . Dieß ist eine von den fünf oder sechs Betrachtungen , die Gronovius unter vielen andern erkießt hat , welche man den Golius bey seiner letzten Krankheit hatte machen hören . Ebend . - 8 S . Alle Personen von gutem Gcschmacke werden gestehen , daß diese Wahl wohl getroffen ist ; denn es verdienet nichts in der Welt , beweinet zu werden , wenn es die Misbräuche , davon hier die Rede ist , nicht verdienen : und gleichwohl sieht man die Welt yierinnen so ver - härtet , und von dieser Unordnung so wenig gerührer , daß man schließen muß , es gehöre nur sür Personen von einer außerordentlichen Beurthei - iungökraft , von dieser Sache so zu denken , wie unser Professor gethan hat . ' Die in Rotten und Partes«« , eben wie Republiken , getheilte Kirche ; in Rotten , sage ich , welche den Sieg erhalten , oder unterliegen , wie in Republiken - nicht nach dem Maaße . wie die Sachen gut oder nicht gut sind , sondern , nachdem man sich der Maschinen besser oder weniger bedie - ncn kann ( nullam turpem rationem vincendi : calumnias , artes las , pias fraudes vigere . Ebendas . zv @ . ) eine solche Kirche ist ohne
Zweifel ein Gegenstand des Mitleidens , und des Wehklagens . Noch eine andre Sache , die Gronovius gesammlet hat , ist , wie mich dünket , sehr vernünftig . Golius , der so lange gelebet , so viel gesehen und gereist hat - te , hat nichts selteners . als einen Christen gefunden , der diesen Namen verdienet . Das menschliche Geschlecht hat ihm überall in Lastern ersoft sen , überall verlarvet geschienen . Vana efl'e omnia , et fucata , totem , que orbem inundatum et immerfum vitio . Ebend . 29 S . Die Rei - senden bemerken einen unendlichen Unterschied unter den Menschen : sie finden sich von einem Tage zum andern in ein ganz neues Land versitzt : neue Sprachen , neue Kleidung , neue Sitten ; allein ungeachtet dieser un - endlichen Mannichsaltigkeit sind alle Völker einander ähnlich , und verei - nigen sich in diesem Pnncte ; daß eö überall wenig ehrliche Leute giebt , und die vcrbothenen Wollüste die gewöhnlichsten Uebungen sind .
( L ) Er hat ytoeeit Sohne hinterlassen , davon ick in den An - Mrrkungen reden werde . ] Sie haben alle beyde die Rechte studie - ret , und sind Sachwalter geworden . Der älteste hat Theodor geheim : er ist im 1669 Jahre in den Rath zu Leiden gekommen . Er ist dreymal Bürgermeister in derselben Stadt gewesen , und hat einmal das Amt ei - nes Oberamtmanns verwaltet ; dieß ist die vornehmste Bedienung der Städte in Holland . Er ist auch Abgeordneter bey der Admiralitatever - sammlung zu Amsterdam gewesen . Er ist im >679 Jahre als Bmger - meister gestorben . Sein Bruder , Matthäus Golius , ein sehr ehrlicher und sehr gelehrter Mann , Dechant des Hofes von Holland , ist im Haag im Herbstmonate 1702 gestorben . Ihre Mutter ist aus einer sehr guten Familie gewesen , und hat eine große Freundschaft gehabt : sie hat mit lh - rem Ehmanne vier und zwanzig Jahre in großer Einigkeit gelebet . daselbst^ , 26 S .
( Theophilus ) Professor der Moral zu Straßburg , wo er im 1528 Jahre gebohren gewesen a , und im 1600 re gestorben ist * . Er hat einen lateinischen Auszug aus den zehn Buchen» des Aristoteles ad Itficomachum , und dergleichen aus der Politik desselben Aristoteles gemacht . Er hat das erste von diesen zweyen Werken dem Baron von Tanberg den > des Herbstmonats 1592 zugeschrieben . Die Ausgabe , die ich von beyden habe , ist von Straßburg , typis Iofiae Rihelii haere - diim 1621 in 8« Ich habe seine griechische Sprachlehre nicht gesehen . König gedenket derselben c .
« ) König , Bibliothek Z5» S . * ) Ebend . O Ebend .
XBölttßVU$ ( Franciscus ) Professor der Gottesgelahrtheit , gebohren zu Brügge , den zo des Ienners 156z . Sein Vater und seine Mutter , welche die reformirte Religion angenommen hatten^flüchteten im 1578 Jahre nach der Pfalz , um dieselbe ruhig zu bekennen , und ließen ihren Sohn unter dem berühmten Johann Sturmius zu Straßburg studieren . Er war ungefähr drey Jahre unter der Aufsicht dieses ehrlichen Greises . worauf er zur Fortsetzung seiner Studien nach Neustadt gieng , wohin die Professoren aus Heidelberg geflüchtet waren " . Er that zu Ende des 1582 Jahres eine Reise nach England , und hörte zu Ox - sord die theologischen Vorlesungen des Johann Rainoldus , und zu Cambridge , Wilhelm Witakers seine . Er erhielt den Grad eines Baccalaureus im Brachmonate 1584 . Die zwey folgenden Jahre brachte er zu Heidelberg zu^wo die Akademie wieder her - qestellet worden war . Die fiamändifche Kirche zu Frankfurt berief ihn im 1587 Jahre zu ihrem Prediger , und er genoß sein Predigtamt von dieser Zeit , bis seine Kirche im 159z Jahre durch die Verfolgung gänzlich zerstreuet wurde . Er wurde im 1594 Jahre nach Leiden zum öffentlichen Lehreraime der Gottesgelahrtheit berufen . Er nahm es an , und ehe er Besitz da - von nahm , so nahm er die Doctorwürde zu Heidelberg an . Er verwaltete dieses Lehramt geruhig , bis er im 1603 Jahre den Jacob minius zum Amtsgehülfen bekam , einen Mann , der nicht lange Zeit verzog , seine pelagianischen Lebren auszustreuen ( A ) , und fich zum Haupte der Partey in der Akademie aufzuwerfen . Gomarus stund mit einem großen Eifer wider ihn auf , nicht nur in den Hörsälen zu Leiden , sondern auch in Gegenwart der Staaten der Provinz . Sie disputirten in der Versammlung der Staaten von Holland im 1608 Jahre zweymal alleine , Mann gegen Mann , und das folgende Jahr fünft gegen fünft . Der Erfolg dieser Disputationen schlug nicht so aus , wie ihn die Kirchen wünschten c ; allein nichts destoweniaer diente er zu et - was ; denn er gab den Pelagianismuö des Arminius zu erkennen . Dieser Professor , der bereits krank war , bediente sich dieser die Unterredungen nicht weiter fortzusetzen , und starb einige Zeit darauf . Seine Widersacher streckten alle ihre
Kräfte an , daß ihm Vorstius nicht folgen sollte ; und weil ihnen dieses nicht von statten gehen wollte , so verließ Gomarus , der keinen solchen Amtsgenossen haben wollte , die Partey , und begab sich im 1611 Jahre nach Middelburg . Er wurde Prediger da - selbst und hielt auch öffentliche Vorlesungen . Dieß dauerte so lange , bis er im 1614 Jahre von der Akademie zu Saumur zum tbeoloaischen Lehrstuhle berufen ward . Er bekleidete dieses Amt vier Jahre , worauf er sich als erster Professor der lahrtheit und der hebräischen Sprache nach Gröningen begab . Er hat daselbst einen festen Sitz gefunden , wo er sich beständig bis an seinen Tod aufgehalten , nämlich bis den 11 des Jenners 1641 . Wenn er sich zweymal entfernet , so ist solches nicht geschehen , um sich zu erhohlen , sondern einer von den Richtern der Sache des Arminius bey der Kirchenversammlung zu Dordrecht zu seyn^ , und die Übersetzung des alten Testaments zu übersehen Er hat fich dreymal verheirathet , und nur mit seiner andern Ehsrau Kinder gehabt ( B ) . Er ist ein sehr geschickter Mann , vornehmlich in den morgenländischen Sprachen gewesen . Man hat seine Werke zu Amsterdam , in Folio 1645 gedruckt f ( C ) . Wenn es wahr ist , daß er dem Barnevelt die Antwort gegeben , davon Grorius redet , so könnte man ihn nicht entschuldigen , daß er kein Starrkopf gewesen ( D ) . Es ist leicht , diejenigen da - von zu überzeugen , welche von Sachen zu urtheilen wissen . Meursius hat den Moreri in etlichen Sachen betrogen ( E ) : allein , die Schnitzer , die Moreri sür sich selbst gemacht hat , sind erbärmlich ( F ) . Man hat sie fast alle in der holländischen Aus - gäbe bemerket . Ich hätte bald vergessen , zu jagen , daß Scaliger nicht viel von unserm Gomarus gehalten hat ( G ) .
a ) Der Churfürst von der Pfalz hatte sie verjagt , weil sie keine Lutheraner waren . O Nachdem der Churfürst Ludwig , ein Ver - folger der Reformisten , im > ; zz Jahre gestorben war , so bekam der Prinz Casimir , sein Bruder , die Verwaltung des Churfürstenthums , und stellte die Reformieren wieder her . <• ) Siehe die Anmerkung ( A ) die erste Anführung , d ) Im 1618 Jahre , e ) Zu Leiden im 16ZZ Jahre , f ) Aus seinem Leben in der Sammlung von den Lebensbeschreibungen der Professoren zu Gröningen .
deuten , als daß GomaniS vorgegeben , er habe die Anklage wider den Ar - minius durch guteGrunde bewiesen .
( L ) Sr hat nur von seiner andern Thfrau Rinder gehabt . ] Sie hat Maria Leremite geheißen , und ist so wohl von väterlicher als mütterlicher Seile adlich gewesen . Er hat sie so , wie die erste , zu Frank« furt geheirathet . Die dritte hat er zu Middelburg geheirathet ; also hat man in dem ersten Bande der Anti auf der , - 8 S . nicht sagen können , daß er schon zu Leiden verheirathet gewesen , ehe er noch nach Middelburg gegangen . Von dieser andern hat er einen Sohn und zwo Töchter ge - habt ; DerSohn ist vor seinem Vater gestorben , und hatKinder hinter - lassen . Die jüngste Tochter hat sich mit David de la Haie , Predigern einer wallonischen Kirche , verheirathet . Diese Anmerkung und viele an - dre dergleichen , vie man in diesem Wörterbuche hin und wieder zerstreuet finden wird , sind zum Besten vieler Leute gemacht . welche auf die Nachrichten sehr neugierig sind , welche die Familien der Pastoren und Ge - lehrten berressen . Finden sich nun andre Leser , die sich wenig darum beküm - mern , dergleichen es ohne Zweifel mehr als zu viel geben wird , so bittet man sie , zu bedenken , daß ein Schriftsteller nicht verbunden ist , nichts zu schreiben , als was nach ihrem Geschmacke ist ^n einem Werke , wie dieses , muß man bald sür eine Gattung von Leuten , bald für eine andre arbeiten . Diese« sey ein sür allemal gesagt !
( C )
( A ) Arminius hat nickt lange Zeit gesaumet , seine pelagiani - scken Behren aus ) ustreucn . ] Ich sage dieß als ein Ueber , etzer vesje - niaen der das Leben des Gomarus aufgesetzt hat . Dogrnata Pelagiana dam palani , voce , fcripto fpargere coepit , ac famiham in Acadenna ducere . Vita vornan , inter ProfefT Groningens . Vitas , pag . 76 . lein übrigens will ich nicht Bürge dafür seyn , daß er Recht hat z denn ich weis , daß es ArminiuS nicht zugestanden hat , daß seine Meynuugen den Pelagianern oder halben Pelagianern gleich wären . Man sehe den Traetat des GrotiuS , der zum Titel hat : visquiutio : an Pelagiana fint ca dogmata , quae nunc fub co nomine traducunfur ? Er steht im drit - ten Bande seiner theologischen Werke . Man sehe den 19 Br . des II Th . Wenn man also in dem Leben des Gomarus liest , daß man aus den Un - terredungen der Arminianer zum wenigsten den Nutzen gezogen , daß sie ossenbarlich überzeugt worden , die Grundsatze des Pelagius zu lehren . 5ncceflii quidem non eo quem Ecclefiae optabant , vt profligatis erro - ribus ac fchifmate orthodoxa veritas et concordia in arce collocare . tur : non tarnen nullo , cum detradla larua Aduerfarii Pelagianismus palam euiäus fuerit . Vita Gomari pag . 77 , so darf man nicht glauben , daß man sie gezwungen hat , solches zu bekennen , und die Richter der Un - terredung den Ausspruch gethan haben , daß sie dessen zureichend überwie - sen worden . Die Redensarten dieses Schriftstellers sollen nichts anders be -

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