Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9943

Golms .
«litteris Erpenii puriffimo fcrmone fcriptis , et fuo lepore atque ho - fieftate promeruerat ) dementia , cumiriatiffime praeftitit . Gronou . in Orat . fiin . I . Golii , p . i4 . Dieses ist eS alles , was man hiervon in sei - ner Leichenrede findet . Wir können einen sehr merkwürdigen Zusatz dazi , fügen , der aus einer geschriebenen Relation gezogen ist . die Colomies gelesen , und davon er ein kleines Stücke , den Golms betreffend , bekannt gemachet hat . Ich will die ganze Stelle anführen , ob ich gleich dadurch in die beschwerliche Notwendigkeit verfalle , daß ich etwas von gen wiederholen muß , was man im Moreri steht . „ Golius , den ich in „ Leiden gesehen , wo er , an die Stelle des Erpenius , Professor der schen Sprache geworden , ist sehr erfahren in Sprachen , und den ma - „ thematischen Wissenschaften gewesen : allein , er hatte noch mehr Witz , „ als Gelehrsamkeit . Er hat sich viel Ehre bey der Reise erworben , die er „ mit dem Abgesandren der Staaten und einem Edelmann« des Prinzen „ von Oranien nach Orient , und vornehmlich nach Marocco , im 162 - „ Jahre gethan . Nach ihrer Ankunft in dieser Stadt , machten sie ihr» „ Aufwartung bey dem Könige , welcher MuleyZidam geheißen , und sie , „ nebst ihren Geschenken , sehr höflich empfangen hat . Er hat sich inson»
derheit über das vom Erpenius überschickte Geschenke sehr vergnügt be - t . welches in einem großen Atlas und einem arabischen neuen Testa -
. zeuget .
„ mente bestanden , in welchem er nach diesem oft gelesen . Der Abgesandte „ der Generalstaaten , welcher verdrießlich zu werden anfing , daß man ihm fti - , , ne Abfertigung nicht ertheilte , hatte den Rath bekommen , dem Könige eine „ Bittschrift zu überreichen , welche vom Golms in arabischer Schrift und „ Sprache , aber in christlicher Schreibart aufgesetzt worden , welche etwas „ außerordentliches in diesem Lande war . Der König ist über die Schön - „ heit dieser Bittschrift , so wohl wegen der Schrift und Sprache , als we - „ gen der Schreibart , in Verwunderung gesetzt worden , und hat denen „ vorgeforderten Talips oder Schreibern dieselbe gezeiget . welche sie auch „ bewundert . Er hat auch den Abgestuften kommen lassen , den er ge - „ fragt , wer diese Bittschrift aufgefetzt hätte ? Nachdem ihm der Gesand - „ te gemeldet , daß es Golms , ein Schüler und Abgesandter des Erpen , uS „ gewesen , so hat er ihn sehen wollen , und ihn arabisch angeredet . Go - „ lins hat ihm spanisch geantwortet : daß er dasjenige sehr wohl verstünde , „ was er zu ihm sagte , aber es nicht in arabischer Sprache beantworten konn - „ te , weil ihm die Kehle nicht zu statten käme . Der König , der spanisch „ verstund , hat seine Entschuldigung angenommen , und , nachdem er dem „ Abgesandten dieAbsicht seiner Bittschrift venvilliaet , denselben schleunig „ abfertigen lassen . Ich habe alle diese besondern Umstände dem Berichte des „ verstorbenen le Gendre , eines Kaufmanns von Reuen , zu verdanken , der „ sich damals zuMaroeeo befunden . Briot hat eineAbschrift davon , und ist so „ gütig gewesen , mir selbige zu Paris mitzutheiien . Wir wollen noch einWort „ wegen des Golms dazusüqen . Er ist ein Bruder des Peter Gvlius , ei - „ nes in den morgenlandischen Sprachen gleichfalls sehr gelehrten Man - „ nes , welcher des Thomas von Kempis Buch , von der Nachfolge Jesu „ Christi aus dem Lateinischen ins Arabische gebracht , und , da er sich in du ; „ Orden der Carmeliterbarfüsser begeben , den Namen P . Cölestin von St . „ Lidwine angenommen hat . Diese zween würdige Brüder , sind Neffen „ eines Domherrn zu Antwerpen , Namens Hemelar , gewesen , der ein „ schönes Buch von Münzen geschrieben hat , das man nicht leicht findet . , , Colomies Melanges Hiftor . zu Orange 1675 gedruckt , auf dex 75 u . f . S . Ich wollte , daß die Melanges Hißoriques des Colomies ein Folioband wären .
( l ) ) Er fand Türken , die ihn in fefoonen Bibliotheken herum fiicbcn ließcn . il Es fehlet den Türken nicht so sehr an Büchern , als man denket . Man sehe , was Spondan im ersten Bande seiner Reisen , holländischer Ausgabe , auf der 19z S . davon gesagt hat , und fuge diese Stelle Gronovs in des Goliu« Leichenrede auf der 162 S . dazu . Siinul cuniLegato , ( er versteht den holländischen Gesandten nachConstantino - pel , Cornelius Haga ) in Afiam tranfiit { Golius ) Praefeäo orae proponti - doj amoenilfimos hortos cum ampliflima Bibiiotheca eis cedente : in quo feceflii in Hiftoricorum et Geographorum Arabum feripta aut ignorata adhuc , aut ineuoluta fe ingurgitauit . Vt rediit , et memo - riain le & orum per occafiones in fermoniBus apud Mcgiftanas ollen - dit , ita obftupefecit audientes , vt purpuratorum prineipi dignatione proximus cum eo egerit , Jmperatoris diplomate ornatus ac tutus omne Imperium obiret , ac fitus locorum reckius quam vulgo fit in tabulis depingeret : ille gratiam fecit praetexto Sacramento , quod Or - dinibus dixiflet , fed et periculi magnitudinem cogitans . Gronouius , in Orat . funebri , pag . ig . Siehe auch Wehlers Reisen auf der 162 S . Diese Stelle hat es verdienet , angeführt zu werden , weil sie meine Leser die besondre Hochachtung lehren kann , die man zu Constantinopel ge - gen den Golius gehabt , und was für Anerbiethungen , man ihm durch glaubwürdige Gevollmachtigte gethan , wodurch er Erdbefchreiber des Großsultans würde geworden seyn ; die Erkenntniß , welche Golius in der Arzneykunst hatte , und die Hülfömittel , die er ohne Bezahlung dar - both , haben ihm viel Geschenke und Freunde zuwege gebracht . Mail hat ihm große Vortheile angebothen , um ihn dadurch zu vermögen , in der Levante zu bleiben . Philarchi et reguli Arabum admiferunt eum fa - miliariter , et ob Medicinae experimenta ( lifpexerunt , quodque 111er - cedes reeufaret , donis plurimis et pretiofis afFecerunt ; maioribus , vt fecum maneret , follicitarunt . Ebend . 17 S . Dieß ist eine rühmliche Sache für einen Christen .
( L ) Er sah sick bald ; u andern Vorlesungen berufen . ] Ich bin der Erzählung desGronovius genau gefolgt , um meinen Lesern ein Beyfpiel zu geben , welches sie uberzeuget , wie aufmerksam man die Sachen betrachten muß , wenn man nichts entwischen lassen will , was zur Entwickelnng ei - ner Sache nöthig ist . Dieß ist in der Leichenrede auf eine solche Art er - zählet daß jedermann daraus schließen wird , es seySnellius nach der Zu - rückkunst des Golius gestorben , und dieser erstlich Professor der Mathe - matik geworden , da er , nach seiner Zurückkunft nach Leiden , die Verrich - tungen seines ersten AmtS einige Zeit verwaltet gehabt . Diejenigen , welche dieses glaubten , wurden sich betrugen . Snelliuö ist im 1626 Jahre gestorben . Golius im 1629 Jahre aus der Levante zurück gekom , wen . und unter währender seiner Reise zum Nachfolger des Snellius er - nennet worden Er hat eS zu Constantinopel erfahren , daß man ihn zum Professor an des SnelliuS Stelle erwählet hatte .
( ? ) Er hat an schönen Werken gearbeitet , die das Licht hen Habens Er hat die vom Elmazin verfertigte Historie der Sarace - nen herausgegeben . Diese Arbeit gehöret zum Theile dem Erpenms , der die Uebersetzung dieser Historie angefangen hat . GvliuS hat dasjenige
lendet , was da , an fehlte . Er hat Tamerlans Leben herausgegeben , wel - ches ein berühmter Scribent arabisch aufgesetzt . Er hat auch die astro - nomischen Anfangsgründe des Alferganuö herai^gegeben , und eine neue Ueberfctzung und gelehrte Auslegungen darzugefiigc . Sein l . ericon arabicum ist ein vollkommen richtiges Werk . Non paruae molis , fed immenfae atque infinitae curae etinduftriae . Gronouii Orat . 'fun . I . Golii , p . 20 . Er hat die arabische Sprachlehre des Erpenius mir No» ten und Zusahen bereichert , und verschiedene poetische Stücke aus dm bischen Schriftstellern , vornehmlich aus dem Tograi undAbabolla dazuge« fügt . Ob er gleich die persische Sprache erstlich in seinem ; 4Jahre mit Fleiß zu studieren angefangen , so hat er sich doch so vollkommen darinnen ge - macht , daß er ein sehr weitläuftigeS Wörterbuch davon geschrieben , wel - ches zu London gedruckt worden . Es ist in das Lexicon Heptaglotton des Castelluö eingerückt worden . Er würde auch dergleichen in der tür . tischen Sprache haben machen können . Er hat so viel natürlichen Trieb zur Erlernung der Sprachen gehabt , daß . da er sich spät auf das chinest - sche gelegt , er es darinnen so weit gebracht hat , daß er ihre Bücher lesen und verstehen können . Es ist nichts geringes , ihre bloßen Fiauren ; u verstehen , deren sie sich beym Schreiben bedienen . Sie haben derselben bey acht tausend . Quod rariflimum . annisiam vergentibus Sinerifi etiam linguac difficillimae , et nifi quis inter ipfos aetatem exigat ineenio humano inexfuperabili attenderat , et ad octo millibus fignorumqui - bus pro voeibus vtuntur , fatis afluerat , vt libros illorum non aeere legere atque intelligere pofiet . Gronouii Orat . fun . I . Golii , pag \o Der Atlas von China , dem er etwas beygefügt , bezeuget , wie weit er tS in dieser Sprache gebracht gehabt .
( G ) - - Und andre unternommen , die jenen nichts ben haben würden , wenn er die lcnre - Hand daran legen tonnen . ! Er hat eine andre Ausgabe von TamerlanS Leben heraus geben wollen : Der Text sollte mit Lautbuchstaben gedruckt werden ; und er hatte eine Uebersetzung und Auslegung voller Erläuterungen über die morgenlandi« sche 'Historie dazu sügen wollen . Dieses Werk ist fast in dem Stande gewesen , daß es dem Buchdrucker übergeben werden konnte . Er hatte ein geographisches und historisches Wörterbuch angefangen , welches zur Erklärung der Levante bestimmet war , in quo omnia locorum et ho . minum per Orientem nomina explicarentur . Er hatte vor lanaet Zeit zu einer neuen Ausgabe des Alkorans mit einer Ueberau» - , un» Widerlegung Hoffnung gemacht . Er hat ein Verzeichniß aller persische» Bucher , die in Europa sind , und einen Tracrat von den Mu . var - ten der persischen Sprache herausgeben wollen . Er hatte vornehmlich die Mundart untersuchet , die für die beste gehalten wird , und welche d . e« fe Eigenschaft durch einen der glaubwurdlgsten Befehle erhalten hat die man in dieser Gattung von Vorrechten fordern kann . Et libelhls de varns linguae Perficae dialeöis , praefertim de omnium puriflima , quam lullu niagnorum regum omnibus ex partibus regni concili® coaöo fapientes morofo verborum deleäu probarunt , et aula rece . pit . Ebend . 21S . Man findet hierinnen eine seltsame Sache ; Nie» mals haben weder die Griechen , noch die Römer , noch einige andre Völ - ker , welche die Wissenschaft und Redekunst am meisten ausgebessert , das» jenige für ihre Sprache gethan , was die Könige von Persien für die ih - rige gethan haben . Weder die Akademie della Crufca m , d ihres glei# che» , noch diejenige , davon der Cardinal Richelieu Stifter gewesen , kom . men derjenigen Versammlung der Weisen bey , welche die Köniae von Persien berufen haben , die Wörter beyzubehalten oder zu verwerfen
( H ) Er hat sich mit Eifer darauf gelegt , seine Erkenntnis der Sprachen zur^ortpflainung des Glaubens unter den Unaläubi - gen anzuwenden . ) Für ein Merkmaal seines Eifers kann man die be . jondre Sorgfalt rechnen , die er angewender , das neue Testament in der gelehrten und gemeinen griechischen Sprache drucken zu lassen Die Herren Staaten haben diesen Aufwand zum Besten der Griechen gern thun wollen . Nemo tanto ftudio , labore , gratia ob confulatus et practuras et imperia contendit omnemque lapidem mouit , quam ille , vt Noui Foederis facratiflimae tabulae , fimul vti feriptae funt , fimul vt in ßa / Mtixdv ( vt appellant ) feu Graecam linguain vulgarem tradu * dlae , formis vulgaren wr : atque id tnagnificum atque diuinum miu nus Potentiflimorum Liberi Belgii Ordinum beneficio , geuiens fub bar - bariae intolerabili iugo gens , libertatis et elegantiae inuentrix acci , peret . Ebend Er hat Sorge getragen , unter den Christen der Levant« die arabische Uebersetzung des resorminen Glaubensbekenntnisses ibr^ Catechümns , und ihres Kirchengebrauchs auszubreiten ; den , es aiebt Christen in diesem Lande , die sich bey dem Gottesdienste der arabi che» Sprache bedienen . Er hat bey dieser Uebersetzung einen Armenier q ? braucht , der das übliche arabische , und die der Religio , , gewidmeten Re . densarten verstund , und des Golius Schreibart nach jede - ma , n " iLer - stände einrichten konnte . Denn , wenn Golius allein daran gearbeitet Hatte , fo wäre zu besuchten gewesen , daß seine Ausdrücke allzu ac ehrt und erhaben gewesen seyn wurden . Er hat diesen Armenier drittehalb Jahre bey sich behalten , und ihm eben denselben Gehalt versprochen , den die Staa - ten dem Archimandriten verwilliget hatten , der das neue Testament in die gemeine griechische Sprache übersetzt hatte . Gleichwohl hat er nicht gewußt , ob die Staaten diesen Aufwand bezahlen wollten . Er hat ihnen die Sache , erstlich nach vollendeter Arbeit , vorgetragen , und sie haben ihm keine abschlägige Antwort gegeben . Sie haben ihm noch ins besondere ein schönes Geschenke gemacht . Ebend . 22 , 23 S . Ich will dasjenige nicht anders wohin verweisen , was ich noch wegen eines andern Geschen» kes zu sagen habe . Er ist ihr ordentlicher Dollmetscher , i „ der schen , türkischen , persischen und in andern Sprachen gewesen , und bat iviffi» ein jährliches Gehalt bekommen . Ich glaube , daß die Verrjchtuna« .
seS Amts seine andern Arbeiten nicht sehr unterbrochen haben - allem gleichwohl hat er , so oft man ihn bey Geschafften von dieser Art K« gehabt , tausend Höflichkeiten genossen , und man hat ihn auck mit e er sehr schönen goldenen Kette und Schaumünze beschenkt .
m Sein Temperament ist dauerhaft gewesen . ^ Er hat das qu - teNaturel durch eine bestandige Mäßigkeit und Vermeidung der Wollü - sie , erhalten . Ebend . 28 S . I , , semem 7° Johre hat er den Weg zwi - schen der Maas und Waal nach einem Orte zu Fuße zurück gelegt , worzu er 14 stunden Nvthlg hatte . 8cptuagima natus annos concint - nti qua . niordecim horarum Vahaliin inter et Mofam ambulatione iter pcde> confecit . Ebend .
( K ) Er hat die Aufführung beweinet , die man bey den Religi , onsjtrcirigkeiten beobachtet . ] Der Urheber seiner Leichenrede drücket Sf ff 3 sich

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