Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4427

Cappadocien .
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Arbstes lesen müsse . Appian hält es für wahrscheinlich , daß Alexander Kappadocien unter der Regierung seiner Prinzen gegen eine gewisse Schätzung gelassen habe . Appian . in Mithridat . pag . 117 . Er setzet da - tu . es gebe der Geschichrschreiber Hierouymu« vor , daß dieser Eroberer nicht einmal in dieses Land gekommen scy . Mithridare« saget in seinen Reden ganz keck , daß Kappadocien ein Theil von Asien sey , welches we< der Alexander noch dessen Nachfolger berührt hatten . Iuftin . Libr . XXXVIII . eap . VII . Dem sey , wie ihm wolle , so wollen wir in der Er - Zahlung Diodors au ? Sicilicn weiter fortfahren .
Nach Alexanders Tode wollten dessen Nachfolger nicht zugeben , daß Kappadocien unter einem andern Joche , als dem macedonilchen , stehen sollte . Perdicca« drang mir einem großen Kriegsheere hinein , und fand den AriaratheS geneigt , sich zu verthcidigcn , welcher dreyßig tausend Mann zu Fuße , und fünfzehn tausend Pferde auf den Deinen harte . Es wurde eine Schlacht geliefert : Perdiccas gewann sie . AriaratheS wurde gefangen und nebst verschiedenen andcrn gekreuziget : die Stadt - halterschaft über Kappadocien wurde dem EumeueS gegeben . Wirmüs - feti hier einen Fehler Justins bemerken . Er sager , daß der Sieg des Perdiccas über den AriaratheS dem Sieger nicht den geringsten Nutzen gebracht , weil die Ueberwundenen in die Stadt geflüchtet , ihre Weiber und Kinder umgebracht , ihre Häuser angesteckt , und sich selbst in die Flamme gestürzt hätten . Ebendas . XII B . VI Eap . Er wirft die Sa - chen unter einander . Dasjenige , was er erzählet , ist in Pisidien bey der Belagerung von Jsaurus vorgegangen , nachdem Kappadocien durch die Niederlage und Todesstrafe des AriaratheS zum Gehorsam gebracht worden . Siehe den Diodor aus Sieilien XVIIIB . XXII Cap . und den Justin varioruni des Gräveus 309 S . Wir werden in der An - nierkuna ( I ) sehen , daß die Macedonier dieses Land nur eine sehr kurze Zeit behalten haben .
( C ) Dieses L . «nd lieferte eine Menge Sklaven . ) Dieß er bellet aus folgenden Worten des Cicero : Cappadocem modo abreptum grege venaliura diceres ; Cicero , in Orat . poft reditiim in Senatu . cap . VI . und aus folgender Stelle des PersiuS :
Vende animam lucro , mercare , atque cxcute follerr Omne latus mundi , nc fit praeftantior alter ,
Cappadocas rigida pingues plaufiflc catafta .
Perfius , Sat . VI , V . 75 .
Man kann auch dasjenige , wa« Horaz saget , hieherziehen , daß der König von Kappadocien arm an Geld ? und reich an Sklaven gewejen :
Mancipii« locuples eget aeris Cappadocum rex .
Horat . Epift . VI , Libr . I , verf . 39 .
Dacier beobachtet , daß . als K . ucullus in Rappadocien gewesen , ein Rind - t t nicht mehr als sechs Sous und ein LNensch nur - 4 gegolten . Dacier über diese Stelle des Horaz »Th , pag . > „ . , 27 . Man merke , daß die Sklaven au« diesem Lande aus Cilicien und Creta für Trvsbuben gehalten worden , und zu dem Sprüchworte tria kappa peflima Anlaß gegeben haben . Siehe die Prolufiones des Famian Strada Libr . III . Plautina II . pag . m . 485 .
( V ) 1 t Und falsche Zeugen und durchsichtige Steine . Z Man saget , daß sich die Kappadocier von Jugend auf gewohnt , den Mar - kern zu widerstehen , und daß sie einander selbst auf die Folter gelegt , um sich wider die Schmerzen abzuhärten , welchen ihre falschen Zeugnisse sie etwan einmal auesehen möchten , und daß sie auch ihre Meyneide auf ei - nen höhern Werth gesetzt , nachdem sie mehr Standhaftigkeit erlangt hatten . Dieß ist der Sinn , den ich diesen Worten von dem Scholiasten PeS PersiuS gebe : Vel qnia Cappadoces dicerentur habere ftudium naturale ad fälfa teftimonia proferenda : qui nutriri in tormentis a pneritia equuleum fibi facere dicuntur , vt in eo fe inuiceni torqueant , et cum in poena perdurarent , ad falfa teftimonia febene venundarent . Schol . Perfti in haec verba Sat . VL verf . 77 . Cappadocas rigida pin . gues plaufifle catafta . Diese Leute haben die griechische Nation »der , troffen , ob sie gleich dieses Laster zu einer großen Uebermaße getrieben , wenn man sich hierinnen auf den Cicero verläßt , welcher ihnen benmißt , daß sie zu dieser Redensart Anlaß gegeben , leibet mir euer 5cugm'ß , ich will euch meines dargegen wiedergeben . Er drücket di . bösen Eigenschaften der griechischen Zeugen auf eine so bereite Art ans , daß ich mich nicht enthalten kann , an diesem Orte diese schone Beschreibung lesen zu lassen . Hoc dico de toto ? enere Gracconim : tribuo illis litteras , domultamm artium difeipfinam , non adimo fernionis li po» rem , ingeniorum acumen , dicendi copiam : denique etiam , li qua fibi alia fumunt , non repugno . Teftinioniorum religionem , et fi - dem nunquam ifta natio coluit : totiusque huiufee rei quae tit vis , quae autoritas , qiiod pondus , ignorant . Vnde illud eft ? Da mihi teftimonium mutuum : num Gallorum ? mim Hifp^norum putatur ? totum iftud Graecoruin eft : vt etiam qui Graece nefeiunt , hoc , aui - fcus verbis a Graeci» dici foleat , feiant . Itaque videte , quo viiltu , qua confidentia dieant : tum intelligetis , qua religione dicant . Nun - quam nobis ad rogatum refpondent , femper accufatori plus quam ad roeatum : nunquam laborant , quemadmodum probent quod dicunt ; fed quemadmodum fe explicent dicendo . . . Graecus teftis cum ea voluntate proceflit , vt laedat : non inrisiurandi , fed laedendi verba meditatur . Vinci , refelli , coargui , putat efle turpiflimum : adid fe parat ; nihil aliud curat . Itaque non oprimus quisque , nec grauidimus , fed impudentiflimus loquaciflimusque deligitur . Cicero , Orat . pro L - FIacco , circa üut . Dieß erinnert mich gewisser Mährchen , die ich hundert mal habe sagen hören , daß e« in Frankreich eine Landschaft giebt , ( Siehe Traue de Mr . de Brieux für 1' Origine de quelques Proverbes . ) wo die Edelleute einander zuschreiben , ich bitte euch , mir eure Zeugen * Herr Bayle hat ein Bedenken getragen , diejenige Provinz in Frankreich zu nennen , die in so übelm Ansehen steht ; und seine scheidenheit ist darinnen fast gar zu groß gewesen . Man weis ja sonst zur Gnüge , daß es die Normandie ist , deren Einwohner einen so schlechten Credit haben . Boileau hat wenigstens kein Blatt vors Maul genommen , wenn es die Gelegenheit gegeben , dieser Sache »u gedenken . In seiner XU Sal . im ws V . beschuldiget er die Ora ,
kel der Heiden , daß sie zweydeutlg geredet , und nennet ihre Sprü - che deswegen Reponfes Kormandes :
Et fans crainte rendant Ieurs reponfes Normande»
Des Peuples et des Rois engloutis les offrandes .
Und am Ende dieser Satire verweist er den Doppelsinn nochmals nach der Normandie :
Eni , va chercher ailleurs tes patrons bien - aiinez Dans ce pai's par toi rendus li renoinmez ,
Ou l'Orne e'pard fes eaux , et que la Sarthe arrofe .
Hier erkläret die Anmerkung , daß diese bevden Flül^e in der Nor - mandie sind , und setzet hinzu : Les Bas - Normands font grans am» de l'Equivoque - , Die Niedttnormanuer sind große Freunde des Doppelsinns . In dem II Briefe auf der - «sten Seite im ? y und Josten Verse , wirft er auch den Normännern die Proceßirsucht vor : welclies er auch in des Lutrine V Gelange im V . tbut , wo er den Pfeiler auf dem parisische» Parlementshause beschreibt , wo sich die Advocaten versammle« ; die er ihrer Zanksucht wegen , alle mir einander Normänner heißt .
Entre les vieux appuis , dont Paffreufe grand Salle Soutient l'enorme poids de fa voute infernale ,
Eft im Pilier fanieux , des Plaideur * relpedte' ,
Et toujours des Normans a midi frequente .
La , für de tas poudreux de facs et de pratique ,
Heurle tou» les matins une Sybille etique .
On l'appelie Chicane , et ce Monftre odu - ux Jamais pour l'equite n'eut d'oreille« ni d'yeux .
Da« ist : unter den alten Stützen , womit der scheußliche große Saal , die ungeheure Last seines höllischen Gewölbe« unterstützet , ist ein be - rusener Pfeiler , den alle Rechrsparteycn verehren , und der allezeit zu Mittage von Normännern wimmelt . Hier heulet alle Mor - am eine abgezehrte Sybille , auf staubigten Stößen von Säcken und Acten . Man nennet sie die Zanksucht , und dieß grämische Unge - heuer har der Billigkeit zu gut , niemals weder Äugen noch Ohren gehabt .
Will man aber wissen , woher e« kömmt , daß die Normänner in so ubeln Ruf gekommen , so schlage man das große Wörterbuch de« Furniere nach , der unter dem Worte Normann den Ursprung da - von einigermaßen gewiesen hat . Doch da die Noriziänner eigent» lich ein fremdes Volk sind , welches aus dem Norden , das ist au« Norwegen und Dännemark dahin aekommen , und die alten Fran« zosen , die sonst in dem Lande gewohnt , vertrieben : so könnte man leicht auf die Gedanken kommen , daß diese Beschimpfung mehr au« Haß gegen ein fremdes und ausländisches Volk , als aus einigem Grunde der Wahrheit , herrühre . Uebrigen« ist es gewiß , daß die witzigsten Köpfe und besten Scribenten der Franzosen , aus diestrr nordischen Colonie der Normänner entsprossen sind . G .
Die durchsichtigen Steine bettessend , die sich in Kappadocien finden , so w>ll ich nur den Pliniue anführen . Hifpania hunc ( JfecuUrem U * fidtm ) olim citerior tantum dabat , nec tota , fed intra cenwm niillia pafl'uum circa Segobricam vrbem : iam et Cypros et Cappadocia , et Sicilia , et nuper inuentum Africa : poft ferendos omnes tarnen Hif - paniae et Cappadociae , molliöimis , et amplitfimae magnitudinis , fed obfeuris Plin . Libr . XXXVI . cap . XXII . Er fetzet darzu , daß man m Kappadocien unter der Regierung des Nero eine Ar» von hartem Srcine , wie Marmor , weiß und durchsichtig , entdeckt habe , welchen man Phen - gites genennt . Translueens etiam qua parte fuluae inciderant venae . Plin . Libr . XXXVI . cap . XXII . Nero hat ihn stark zu feinen Gebäuden gebraucht ; ebendas . Domitian , welcher sich vor Verschwörungen sürch - tele , und sehen wollte , wa« hinter ihm vorgieng , bat die Gänge mir die« sem Steine einfassen lassen , worinnen er gewöhnlich spazieren gegangen . Sueton . in Domitian , cap . XIV .
( E ) Das Geld gierig daselbst nicht sehr im Schwange . ] Der oben angeführte Vers des Horaz ist ein Beweis davon . Dacier bestär - ker denselben durch den wohlfeilen Kauf der Ochsen und Menschen , und wenn er »aget . daß die Rappadscier dem großen Ronige die Scha« «unzen mir Pferden und Mauleseln beyablt haben . Dacier , Rem . fur Horace , Tom . VIII . pag . 327 . Er vergißt den Cicero nicht , welcher saget , wenn er von Kappadocien und seinem Könige ? lriobar ; ane6 redet , et me hercule ego lta iudieo , nihil illo regno fpolutius , nihil rege egentius . Ich bin in der Tbar überzeugt , daß vom Geldc nicht * entblößter , als dieses Königreich , und nichts armer , als sein Ro , nig , sev . Cicero im IV B . seiner Briefe an den Attieiis . Cicero ist da« mais Stadthalter in Cilicien gewesen . Er beobachtet , daß Ariobarzane« wegen allzu großer Schuldenlast nicht im Stande gewesen , dem Brutus und Pompeju« alles auf einmal zu bezahlen . Er hat alle Monate den Emnebmern des ledtern zz attische Talente bezahlt , und dieses hat nicht zur Bezahlung der Zinsen gereicht . Er ist gezwungen gewesen , dentliche Abgaben aufzulegen ; denn er hat keine ordentlichen Einkünfte gehabt , und dasjenige , was aus diesen Abgaben gekommen , dergestalt er« schöpft , daß ev seinen andern Gläubigern nichts bezahlen können . Ebeiid . Alii neque foluit quicquani , nec poteft foluere : nulluni enim aera - rium , nullum ve & igal habet . Appii ( dieß ist de« Cicero Vorgänger in Cilicien gewesen ) inftitiito tributa iinperat , ca vix in foenusPom - peii quod fatis fit cfficiunt . Cicero Epiu . I . Libri VI . ad Atticum . Ob er gleich sehr arm gewesen , erat enim Rex perpauper , ebendaselbst im III Briese , so hat er doä ) endlich dem Brurus in einem Jahre key nahe ic>o Talente bezahlet , und versprochen , dem Pompeju« in 6 Monaten 300 zu zahlen Ebendas .
iE ) Die Romer , welche denen ihre Lreundsck ? aft zugestunden , u . s . rv . ' ] Der erste König von Kappadocien . welcher den Vortheil ge - habt , für einen Freund des römischen Volk« erklärt zu werden . war der Partei , des Antiochus , Königes von Snrien , aefolgr . Cr bat bey der Republik , nach der Niederlage dieses Monarchen , nm Verzeihung gebe - tben , und sich erbotben . leinen Fehler mit einer Summe Geldes zu ver , büßen Er wurde verdammt 200 Talente zu bezahlen : allein auf die Bitte de« Eumenes . Könige« von Pergamus , feine« Schwiegersohn« , hat er einen guten Erlaß erhalten , und ist mit der Hälfte von dieser F i Summ»

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