Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9897

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Gleichen .
Taeitus bemnket nicht den eigentlichen Grad der Verwandtschast dieses Tigranes , in Absicht auf den König von Kappadocien , Archelans . Sie - he die Anmerkung ( E ) . Dieser Archelaus ist nicht sein Großvater , son - dern sein Aeltervater gewesen , weil dieser Tigranes der Sohn eines Ale - xanders gewesen , der einen andern Alexander zum Vater , und Glaphy - ren , die Tochter des Archelau« , zur Mutter gehabt . t
( E ) MOeim Sie Zeitrechnung einiger Neuern wahr wäre . ] Noldius beweist wider den TaeituS , daß Archelaus nicht der Großvater , sondern der Aeltervater desjenigen Tigranes gewesen , welchem Nero Ar - menien gegeben hat . Er beweist eS ( * ) , sage ich , erstlich durch Josephs Zeugniß , und zum andern durch das hohe Alter , wvrinnm dieser Tigra» nes hatte seyn müssen , wenn er des Archelaus Sohn gewesen wäre ; denn in diesem Falle wäre er Alexanders Sohn gewesen : nun hat Herodes seinen Sohn Alexander , kurz nach der Schlacht bey Actium , hinrichten lassen ; also müßte Tigranes um das 724 Zahr Roms gebohren seyn . Er wäre also fast 90 Jahre gewesen , da er nach Armenien geschickt wor - den - Dieß ist die Folgerung , die Noldius aus seinem Satze hatte ziehen sollen ; gleichwohl hat er sie nicht daraus gezogen , er har lieber also schließen wollen : weil der Vater des Tigranes kurz nach der Schlacht bey Actium hingerichtet worden , so muß Tigrane« gegen die Mitte des Alters von dem Augustus gebohren seyn ; er würde also nicht sehr im Stande gewesen seyn , unter der Regierung des Nero , etwas zu rhun . Die erste Folgerung zeiget keine richtige Zeitrechnung . Augustus ist im 766 Jahre Roms , 76 Jahre alt . gestorben . Die Mitte feines Alters ist also das 7 - 8 Jahr . " Kann nun wohl ein richtiger Zeitrechner sagen , daß ein Mensch , der ungefähr im 7 - » Jahre gebohren worden , der Sohn eines Vaters ist , der kurz nach der Schlacht , bey Actium , am Leben ge - strafet worden ? Die andere Folgerung ist viel besser ; Armenien ist dem Tigranes vom Nero , im «iz Jahre , gegeben worden : wenn alfoTi - granes im 7 - 8 Jahre gebohren gewesen , so wurde er die Reise nach Ar - menien in einem Älter von 8 ; Jahren gethan haben ; allein wir wollen dem Noldius zeigen , daß er auf eine falsche Meynung gebauet hat . Der Tod Alexanders , des Herodes Sohn , kann nicht so nahe auf die Schlacht von Actium folgen ; denn dieser unglückliche Prinz hat zweene Söhne hinterlassen . Man kann also voraus setzen : daß seine Gemahlinn 20 Jahre alt gewesen ; da er gestorben ist , sie würde also ungefähr im 704 Jahre Roms gebohren worden seyn ; und ihr Vater , Archelaus , ungefähr im 684 Jahre ; er würde also 85 Jahre alt gestorben seyn . Nun hat dieses gar
keine Wahrscheinlichkeit , weil die Geschichtschreiber , die von seinem Tode geredet haben , es auf eine sehr verhaßte Art , für den Tiberius gethan , und gleichwohl den Umstand eines so hohen Alters nicht bemerket haben : einen Umstand , der so geschickt gewesen wäre , die Grausamkeit dieses Kaisers desto abscheulicher zu machen . Man sehe noch dazu , daß , wenn Archelaus im 684 Jahre gebohren gewesen , seine Mutter bey nahe 50 Jahre alt gewesen seyn müßte , da ihre Schönheit so viel Liebe bey dem Marcus Antonius erreget hat . Der Beweis davon ist leicht zu geben : Archelaus ist nicht der erstgebohrne Sohn gewesen , also kann man ver - nünftiger Weise glauben , daß sie ihn ungefähr im 20 Jahre ihres Alter« zur Welt gebracht . Nun gab Marcus Antonius das Königreich Kap - padocien , im 713 Jahre , dem Sisinna , der Glaphyra Sohne . Dieß wäre was seltsames gewesen , eine Großmutter zu sehen , deren Enkelinn bereits ? oder 10 Jahre gezählet , die durch die Reizung ihrer Schönheit , den Aus - theiler der Zepter und Kronen , in ihren Fesseln gehalten hätte ( * * ) . Hier würde August ein schönes Feld gehabt haben , satirische te wider den Marcus Antonius zu machen , und ihn lächerlich vorzustel - len . Wie sich andern Theil« Glaphyra , des Archelaus Tochter , erstlich nach dem Tode des Herodes , mit des Herodes Sohne , Archelaus , ver« mählet hat , so wäre sie in einem Alter von 50 Jahren , eine seurige Lie - be zu entzünden , vermögend gewesen . Wir wollen also die Zeitrechnung des Noldius verbessern , und mit dem P . Noris , Cenotaph . Pifan . 15z u f . S . sagen : daß Alexander , der letzten Glaphyra Gemahl , erstlich nach dem 742 Jahre Roms ums Leben gebracht worden .
( * ) Eura pronepotem fuifle praeter Iofephum , Ant . XI1X . c . 7 , ipfa rerum feries oftendit . Quo paöo enini Tigranes , nepos circa tempns medium Auguß ! natus ( pater non multo poft vifiuriam ad Adlum ab Herode interfedhis ) fubNerone agere aut pati potuit ? quo profeöo tempore natura eum aut fenio ita inultauerat , vt rebus ge - rendis aptus tum haud efie potuerit , nedum ita arduis et perturba - tis . Noldius , de Vita et Geßis Herodum , p . 567 .
( * * ) Man wird in diesem Wörterbuche , in der Anmerkung ( G ) , bey dem Artikel Arragonien , ( Johanna von ) und in der Anmerkung ( F ) , des Artikels ( Lycos , etliche Beyspiele von Franen sehen , die ihre Schön - heit lange behalten haben . Gleichwohl darf man daraus keine Folge - rungen ziehen , , chronologische Meynungen zu behaupten , die außerdem sehr ungewiß sind .
( BfCldjCtt . Man erzählet von einem deutschen Grafen dieses Namens , ein sehr seltsames Abentheuer . Er ist in einer Schlacht wider die Türken gefangen , und in die Türkey geführet worden . Er hat daselbst eine sehr lange und harte Gefangen - schaft ausgestanden : man hat ihn graben und ackern lassen u . s . w . Seine Befreyung erfolgte so : Er wurde eines Tagcs von der Tochter des Königes , seines Herrn a , da sie sich der Spazierlust bediente , angeredet , und sehr viel gefraget . Sein gutes Ansehen und Geschicklichkeit in , Arbeiten gefielen dieser Prinzeßinn so wohl , daß sie ihn zu befreyen und ihm zu folgen versprach , wenn er sie beirathen wollte . Ich habe eine Frau und Kinder , war seine Antwort . Dieß thut nichts , erwiederte sie : nach der türkischen Gewohnheit , darf ein Mann etliche Weiber haben . Der Graf that nicht eigensinnig , er aal ? ihren Ursachen Beyfall , und ihr sein Wort . Die Prinzeßinn machte so geschwind und geschickt Anstalten , ihn aus der Gefangenschaft zu befreyen , daß sie sich bald im Stande befanden , zu Schiffe zu gehen . Sie kamen glücklich zu Venedig an . Der Graf fand daselbst einen von seinen Leuten , der überall herumreisete , Nachricht von ihm einzuziehen . Er erfuhr von ihm , daß sich seine Gemahlinn und Kinder wohl befanden , und eilte sogleich nach Rom , allwo er dasjenige offenherzig bekannte , was er gethan hatte , und von dem Pabste eine feyerliche Erlaubnis erhielt , diese zwo Gemahlinnen zu behalten h . Wenn sich der Hof zu Rom bey dieser Gelegen - Heit gefällig erzeigte , so war es die Gemahlinn des Grafen nicht weniger ; denn sie erwies dieser türkischen Dame tausend Liebkosungen , welche Urjache war , daß sie ihren lieben Ehgatten wieder erhielt , und faßte eine sonderliche Zärtlichkeit gegen diese Kebefrau Die türkische Prinzeßinn war ihres theils eben so höflich . Sie war unfruchtbar , und gleichwchl liebte sie'die Kinder sehr , welche die andere Gemahlinn überflüßig zurWelt brachte . Man findet zuErfurth hiervon noch ein Denkmaal d ( A ) . Ein fem cher Mann der mir diese Historie im 1697 Jahre angezeiget , verwundert sich darüber , daß die protesta , ' . tischen Scriventen , welche verbunden gewesen , auf die Vorwürfe desjenigen zu antworten , was die Glaubensverbesserer einem Landgrafen von Hessen erlauben mußten , die Erlaubniß nicht angeführet haben , die dem Grafen von Gleichen von dem Pabste verwilliaet worden : er hat meine Gedanken hierüber zu'wissen verlanget ( B ) . Er berichtete mir , daß Du Val von dieser Begebenheit in seiner bung Deutschlandes geredet hat f . Im 1237 Jahre , saget Du Val , hat ein Graf von Gleichen von , pabste die nis erhalten , zwo Lhfrauen zugleich zu haben . Wenn diese Historie wahr ist , so haben wir hier eindn sehr großen Sieg der Liebe ( C ) . Ein Abt , der einen Briefwechsel mit dem Grafen von Bußi gehabt , hat etwas von dieser Historie reden hören ; allein den wahren Zustand der Sache nicht gewußt ( D ) . Uebrigens scheint der Urheber der XV Vergnügungen des Ehstandes vorauszusetzen , daß es sich sehr oft zutrage , daß sich eine Frau , wegen der falschen Meynung von dem Tode ihres Ehmannes , wieder verheirathe ( E ) . Das Tagebuch von Hamburg , wird mir einen guten Zusatz darbiethen ( F ) .
a ) Filia Regis fub quo feruiebat Lomes . Hondorf . Theatr . Exempl . p . 5z ; . b ) Re ordine narrata litteras a Pontifice impetrat , quibus ei concederetur vtramque fouere coniugem . Ebendas . c ) Summoamore pellicem , »litis opera cariffinnim maritum recepifl'ct , profequitur . Ebendas . d ) Au« dem historischen Schauplatze des Andreas Hondorf , auf der 5Z5 S . der V Ausgabe , welches die von Frank - futt , >6zz , in z . ist . 0 Herr Pallardy , französischer Prediger zu Delst . / ) Aus der 205 S . der pariser Ausgabe von «668 . Der Ver - fasser der Polygamia Triumphatrix saget auf der 556 Seite , daß dieser Graf von Gleichen , bey der Kreuzfahrt Friedrichs des II , im 1217 Jahre gewesen ; allein der Kriegszug dieses Kaisers ist vom 1 - 28 Jahre .
( A ) Man findtt 5» lLrfnrth hiervon nock ein Denkmaal . ]
Hier sind Hondorfs Worte : Huius rei monumentum Erfordiae et - iamnuni exftat : in quo ex vtroque latere Comiti vxores adftant . gina marmorea corona ornata : Comitifiä fculpta eft nuda et in - fantes ad eius pedes reptantes . Theatr . Exempl . pag . 535 . Ausgabe von >6zz .
( B ) Und hat meine Gedanken hierüber 5» wissen verlanget . ^ Wenn ich mich recht erinnere , so ist meine Antwort darauf hinauSge - gangen . Erstlich , daß dieß eine sehr dunkele Sache sey ; und zum an - dern , daß die Anführung derselben zu nichts dienen würde , wenn man nicht wenigstens die Briese des PabstS , oder das Zeugniß eines um dir selbe Zeit gelebten Schriftstellers , oder das Bekenntniß der katholischen Scribenten vorzeigen konnte . Hondorf ist fast der einzige Schriftsteller , den man anführet ( * ) : dieser aber führet keinen Menschen an ; er ist ein Zusammentrager , von dem die Gelehrten niemals viel gehalten ha - ben ; und weil er ein Protestant ist , so werden die Katholiken sein Zeug - niß gewiß verwerfen . Sie werden Urkunden oder Jahrbuchschreiber verlangen , woraus er diese Geschichte genommen hat ; und weil er nichts anführet , so werden sie vorgebe» , daß er sich nur auf ein Hörensagen und ge - wisse Mährchen gründe . Sie werden sagen : daß eine große Anzahl te Häuser dergleichen Ungewisse , oder so gar höchst fabelhafteEr - ählungen her - umgehen lasse» ; wie ihre Ahnen zur Zeit der Kreuzfahrten au» der Gefangen - schaft befteyel worden sind . Kurz . sie werden die Sache leugnen , und was will man ihnen antworten ? Daserfurthische Denkmaal kann nichts beweisen ;
bedeutet eine männliche Figur zwischen zwoen weiblichen Figuren , die Vielweiberey ganz deutlich ? Kann sie nicht , unter andern Dingen , zwo auf einander gefolgt ? Heirathen bedeuten , oder eine Heirath , die zwiAen einem Manne und zweyen Weibsbildern beschlossen , davon die letzte aber vernichtet worden ? Wie viel ungereimte Mahrchen giebt es nicht , die man durch steinerne Denkmaler zu beweisen bemüher ist ? Aus diese Art will man beweisen , baß eine Gräfin» von Holland , ans einmal , 365 Kinder zur Welt gebracht ; eine Sache , darüber qute Historimschreiber lachen , und sie der Unwahrheit überführen .
( * ) Simon Goulart , welcher diese Historie in seine Uebersehimg der Meditations Hiftoriques , des Camerarius , Tom . II - Libr . II . Cap . XIV . p . m . 152 . einverleibet hat , führet nur allein dasTheatre d' dorf an . Ich weis , daß der Verfasser der PolygMnia triumphatrix , auf der 55k S . den Dreder . Millen . 6 . den Zeiller . lContin . ItinerisGer - man . und Peccenfteinium in Theatr . Saxon . aiheführet hat ; aber weder 'diese Schriftsteller , noch hundert andere von gleichem Schlage , können diesem Mahrchen das geringste Gewichte geben .
( C ) Xvir haben hier einen stbr grosienSieg der Liebes Nam - lich die Tochter eines Königes , die nicht allein bereit ist , sich der erHabe - nen Borzüge ihres Standes zu begeben , um einen Selaven an das an« dere Ende der Welt zu folgen : sondern eine in d^r That fiüchriqe Prin - zeßinn , nachdem sie alle Gefährlichkeiten verachtet , denen sie ihr Leben , und das Leben des Gefangenen , in den sie sich verliebet hatte , anSgese« tzet . Sie hat sich nicht nach und nach in eine Flucht eingelassen , die mit
so vielen

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