Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9868

GymnosopWen .
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hätten ; vielmehr saget er im VI SS . auf der »47 S . bey mir , daß sie , wie die Schnitter zu Athen , gekleidet gewesen : und er wirft ihnen vor , daß sie da« indianische Kleid unter der Hoffnung verlassen halten , damit sie un , ter der äthiopischen Kleidung den Ruhm erwerben wollen , wahrhafte Aethiopier zu seyn . ^ch finde , daß man , des h . Augustins Meynung zu terstützen , den NicolauS von Damascus , und den Diodor aus Sicilien anführet . Viues in Angiift . deCiuitat . Dei , Libr . XIV , cap . XVII . Fe - rerius in Genefim , cap . III . Der erste erzählet beym Strabo imXVB als ein Augenzeuge : daß die Geschenke , die der König von Indien dem Kaiser Auguftns geschickt , von acht , in der That nackenden Sklaven ge - - tragen worden , nicht aber was die man . ilichen Glieder betrifft . Ludwig Vives und Pererius erzählen dieses , als wenn die acht Sklaven dem'Au - gustus geschenkt worden . So beobachten auch die Allergelehrtesten das ? jenige nicht allemal genau , was sie anführen . Pererius über das I B . Moses im III Cap . laßt den Diodor aus Sicilien reden , als wenn er versichert hätte , daß die Aethiopier nackend gegangen wären , aber auf eine solche Art , daß sie sich Gürtel von Fuchsfttlen oder Schwänzen ge - macht . Dieß heißt einen Theil , zum Besten der Sache , unterdrucken , die man behauptet . Man will Augustins Gedanken behaupten , daß die Schamhaftigkeit nach dem Sündenfalle allen Menschen in Ansehung der Glieder natürlich sey , die Adam und Eva nicht nackend sehen können , nach - dem sie von dem Apfel gegessen hatten . Wenn Diodor aus Sicilien ben hätte , daß alle Aethiopier , die nackend gehen , dieseGlieder verdeckt hätten , so wäre sein Zeugniß wichtig gewesen ; man hat also entweder nicht von ihm reden wollen , rd ? r voraussetze» müssen , daß er sich auf diese Art ausdrücket . In der That thut er dieß nicht , und also bringt es Augustins Sache mehr Nachtheil , als Vortheil . Er redet im IV B I Cap . von vier Gattungen Aethiopiern : die ersten gehen nackend ; die andern decken die Schamglieder mit einiget , Thierschwänzen , die dritten wickeln sich in die Haut einiger Thiers ein ; und die letzten machen sich ein Ge - webe von Haaren , welches sie bis an den Gürtel bedeckt .
( B ) XDenn man dem Pbilostrams glauben darf , so sind sie von den indianischen Gvmnosophistcn «bgeskanunt . ] Apollomus hatte diese gesehen , ehe er nach Aethiopien gegangen war , und har bestandig die Bewunderung gezeiqt , die er gegen sie gefaßt . Die Gymnosophlsten in Aethiopien , welche Wind davon bekommen hatten , haben beständig mit Verachtung von den indianischen geredet . Er hat ihnen hierauf sehr ftey geantwortet , daß sie nicht übel von den Indianern reden mußten , wenn sie die Welt überreden wollten , daß sie nicht wegen böser Ursachen aus jenem Lande nach Aethiopien gekommen , wie das Gerüchte davon qieng . Phjlostratus in dessen Leben VI Buche . Dieses Gerüchte be> stund darinnen : man sagte , ( ebendas . III B . ) daß die Aethiopier ut - sprünglich aus Indien wären , daß sie vor Alters dem Könige Ganges unterthänig gewesen wären ; daß sie ihn ermordet hätten ; daß die an - den» Indianer sie nach diesem Morde als Verfluchte angesehen ; daß das Land sie nicht länger leiden wollen ; daß dasselbe ihreErndlen nicht mehr reif iverden ; noch ihre schwängern Weiber die Zeit ihrer Geburt errei - chen ; noch ihr Vieh wachsen lassen ; und daß die Erde überall , wo sie Hauser bauen wollen , gesunken wäre ; daß der Schatten des ermordeten Königes sie überall verfolgt und erschreckt hätte ; und daß man das Ende dieser Drangsal nicht eher gesehen , als bis die Urheber dieses Königsmordes von der Erde verschlungen worden . Man giebt im VI B . vor , daß alle diese Wunderwerke dieses Volk gezwungen , das Land zn verlassen , und daß es sich in diesem Theile von Africa niedergelassen hätte , das manAechio - pien genennt hat . Andere haben von diesem Auszuge geredet , wie es der qelefjrtt Marsham gezeigt har . Chron . Canon Aegypt . Saecul . XIII , pag : 33« . Ausgabe in 4 . Er hat auch gewiesen , daß man zwo Gattun - gen von Aethiopiern erkannt ; die einen in Asien , und die andern m Africa . und der Indianer in Africa : allein er giebt ohne Grund vor , daß man in einer Stelle Virgils Aethiopien durch das Wort India stehen müsse . Virgil hat dadurch das morgenländische Indien vcrstan - den ; er hat geglaubt , daß der Nil darinnen seinen Ursprung hätte , und man wird auch sehen , daß er ihn über die Grenzen von Persien gehen läßt :
Nam , qua Pellaci gens fortunata Canopl Accolit effufo ftagnantem flumine Nilum ,
£t circum pi£Hs vehitur fua rura phafelis ,
Quaque pharetratae Vicinia Perßdis vrget ,
Et viridem Aegyptum nigra fbecundat arena>
Et diuerfa mens feptem difcurrit in ora ,
Vsque coloratis aninis detiexus ab Indis :
Omnis in hac ccrtam regio iacit arte faliltem .
Virgil . Georg . Libr . IV , Verf . 287»
( C ) Sie rühmten sich unter andern Dingen - Hülssmittcl wider die Unfcuclnbacfeit zu wissen . ) Sie haben sich hierbcy dreyer Dinge gerühmt : des VermögeiiS , viel Kinder und zwar Knaben oder Magd - chen zu schassen , nachdem man es wünschte . Strabo hat alles dieses Libr . XV , pag . 491 . bemerket . AiW3< * < nttoyinvi * «»« , w / itf' / cvtymHt fytoyiviie Sia Polle eos et foecundos Facere , et niarium et fetninarum procreationem medicamentis prat -
ftare . Dieß ist das Mittel gewesen , sich bey vielen Gattungen von Per - sonen nothwendig , oder angenehm zu machen . Denn einige haben eine zahlreiche Familie gewünscht : andere , die nur Töchter gehabt , haben sich aufs begierigste nach einem Sohne gesehnt ; andere , die Nichts als Kna , den gehabt , haben auch gerne eine fechtet haben wollen . Dieß ist die Hanptleidenschast der Mütter : und sie ist auch sehr vernünftig , denn eine Tochter ist einer Mutter eine weit bequehmere Gehülfinn , als ein Knabe .
tv ) Auch in Ansehung der Ronige . ] Dieses muß nicht überhaupt von allen Gymnosophistcu verstanden werden : denn nach dem Nemchus beym Strabo im XV B . auf der 493 S . sind die Brachmanen bey Hofe , und in dem Gefolge der Könige , als ihre Räche , gewesen .
( E ) m«ii kann nicktsichoners sehen , als die Hvt , womit sie re Schüler cr , oqen . 1 Alles , was ApulejuS davon saget , scheint mir würdig , abgeschrieben zu werden . Eft praeter« saget er , Floridor . Libr . I , zu Anfange , pag . m . 343 - Sf1'8 aPud , 1 . ! os ( £ * 0 praefta .
bile , Gymnofophiftae vocantur . Hos ego maxime admiror : quod homines sunt periti , nofl propagandae vitis , nec inoculandae arbons , nec profeindendi foli . Non illi norunt armim colere , vel aurum cd - lare , vel equiim domare , vel taiirum fubigere , vel oiiem velcapram tondere vel pafeere . Q^id igitur eft ? Vnum pro his oinnibus ne -
runt . Sapientiam percolunt , taM magiftri feneS , quam difcipiili nores . Nec quidquam apud illos aeque Iando , quam quod torporem animi et otium oderunt . Igitur vbi inenfa pofita , priusquam edulia apponantur , omnes adolefcentes ex diuerfis locis et oiliciis ad dapem conueniunt . Magiftri perrogant , quod factum a lucis ortu ad illud diei bonum fecerit ? Hic alius fe commeinorat inter duos arbitrum delechim , fanata fimultate , reconciliata gratia , purgata fufpicione , amicos ex infenfis reddidifle : inde alius , fefe parentibus quidpiam imperantibus , obedille : et alius , aliquid nieditatione fua reperifie , vel alter ins demonftratione didieifle . Denique eeteri commemo . . rant . Qiii nihil habet adferre cur prandeat , impranfus ad opus fo« ras extruditur .
( E ) Man hat - - - ihre Geduld gesehen , lange Zeit in ei * heiley Stellung jti bleiben . ] Außer demjenigen , was über diese Ma - rerie in der Anmerkung ( A ) des Artikels Sracömanen angeführt wor» den , will ich hier noch jagen , daß dieser harte Zwang unter den schen Philosophen auch gebräuchlich gewesen . Sokrates hat sich dieser Probe manchmal unterworfen , um sich einen guten Vorrath von Geduld» anzuschaffen . Stare folitus Socrates dicitur pertinaci ftatu perdius at - que pernox , a fummo lucis ortu ad folem alterum orientem inconni - vens , immobilis , iisdem in veftigiis et ore atque oculis eumdem in locum diredlis cogitabundus . A . Gellius , Libr . II , cap» L Wir den dieses für eine Dummheit halten : ich habe als von einem große , » Merkmaale der Weichlichkeit und Unfähigkeit des Geistes reden hören , daß ein Monarch zu Anfange des XVII Jahrhunderts die Gewohnheid gehabt , feinen Hut fo sitzen zu lassen , als wie man ihm denselben beyn» Ankleiden auf den Kopf gefetzt hatte , jedoch man bemerke , baß wohl keine unerträglichere Todesstrafe seyn konnte , als wenn man uns ver - dämmte , die ganze Lebenszeit über , in einer Stellung zu bleiben . Di» Stellung , die nns am beqnehmsten scheint , nämlich , wohl zu sitzen , würde uns , will ich sagen , in die Länge , grausamer weise beschwerlich seyn . Siehe die Ansleger Birgiis über die Worte im VI B . der Aeneis , Sedetacter» numque fedebit infelix Thefeus . Man sehe auch vornehmlich den Di» Rendel , Diflert . fuf Ie Chenix , 96 u . f . S .
( G ) Die Wanderung der Seelen hat den Bttchmanen eine außerorventlicke Gleichgültigt'eir für das ^ . eben oder den Toi» eingeblascn . ^ Hierauf bezieht sich dasjenige , was Trann , beym Julian in feinen Kaifern , von den Geren saget , daß sie die keegerischren Men - fchen wären ; nicht allein wegen ihrer Leibesstärke , sond - rn auch wegen de» Meynung , die ihnen Zamolxis weis gemacht hätte : dem wie sie geglaubt , es sey der Tod nichts anders , als eine Veränderung ! er Wohnung , so ha . ben sie sich weit leichter zum Sterben , als zu einer Reift an geschickt . Dieses beschämet die Christen , welche , überhaupt zu reden , di< Hoffnung des künf - tigen Paradieses nicht von der unermeßlichen Lieb abreißen kann , die sie zum Leben haben .
( H ) porph ) 'rius beantwortet den Tinwurfgeschickt ? wie wür« de es der Xvelt ergehen , rvenn alle XYietifcb n , wie die 25tr«dv manen lebten . ] Er hatte sich wohl gehütet , diese ndianische Philosophen in seinem Buche von der Enthaltung , nicht zu loien , weil sie seine Lehr» so woht ausgeübt . Er machet im IV B . eine seh vortheilhafte bimg von ihrer Mäßigkeit , ihren guten Sitten , md ihrer Verachtung des Lebens . Den Einwurf der Weltgesinnten beteffend , so widerleget et denselben auf die Art . wie ihn Pythagoras widvlegt hat . Wenn alle Menschen , saget er , Könige wurden , so würde d>6 menschliche Leben eins seltsame Verwirrung seyn ; soll man nun aber deswegen die königliche Würde fliehen ? Und wenn alle Menschen der Tugend folgten , fo würde man niemals die öffentlichen Aemter verlassen ; denn diejenigen , die sie venvaiteren , dürften niemals diese Belohnung ier Redlichkeit verlieren - gleichwohl ist niemand fv thöricht , daß er vorgiebi es sey nicht die Pflicht aller Menschen , eifrig auf dem Wege der Tug „ d zu wandeln . ES giebt viele Diuge , welche die Gesetze dem Volke e - Iauben , die man fü» einen Philosophen nicht erlaubt halten würde , ftie Gesetze Verbietherr dem Volke nicht , sich mit einer Buhlschwester zu , ergnügen , noch im Wirthshause zu leben : allein sie halten dergleichen Imgang und Lebens» art solchen Personen für schimpflich , deren Frömmigbit auch nur mittel« mäßig ist . Man muß al , o den Tugendhaften dasjeiige nicht erlauben , was man dem gemeinen Manne erlaubet : ein Philo'pph muß sich selbji die Gesetze vorschreiben , welche die Götter und deren Diener eingeführt haben . Diese Grundsätze des Porphyrius können dene , dienen die au» die Beobachtung der strengen Sittenlehre dringen , und den eblolen ( ^tarnJ so sehr anrathen . Wie würde es um die Welt stehen , köinte man m ib . nen sagei , , wenn jedermann enern Rarhschlägen gehorchte '< Send wegen unbekümmert , würden sie antworten - wenig Leute »verde« sick a>» unser Wort halten ! Siehe den Baillet in den Nouvelles de { a Repubt . des Lettres , im Christmonate >6ü6 . pag . iW . Man sieht eme andere Antwort des heil . Augustins bey dem Verfasser der Nouvelles Lettre» contre l'ttiftoire dtiCalvinifme de Maimbourg , pag . 767 . Die dertäufer bedienen sich einer gleichen Antwort mit gutem Erfolge , wegen Verwerfung der obrigkeitlichen Aemter : sie wissen wohl , daß es niemals an Regenten fehlen , und allezeit mehr Anwerber , als Aemter , geben »vird , wenn auch gleich ihre Bestrafungen und Ermahnungen die allernach» drücklichsten von der Welt wären . Dieses erinnert mich eines Gottes - gelahrten von der englischen Kirche , den man überreden wollte , daß mam die Lehre von dem leidenden Gehorsame , als dem gemeinen Best« ? ganz zuwider , Verlasien müsse - man fürchte nicht , antwortete er , daß die Völker deswegen geneigter seyn werden , zu etdiilden , daß man sie terdrücke : eben so wenig als wie ihr nicht befürchtet , euren Nächsten dei . - Beschimpfung auszuseben , »venn ihr sehr nachdrücklich wider die Räch - gier prediget ; denn ihr wisset wohl , daß er , ungeachtet eurer Prediateri . schon solche Anstalten vorkehren wird , daß ihm feine Uncmpsindiichkeir wegen einer Maulschelle , keine neuen Beschimpfungen zu , jeden kann ; also n . s . w . Man merke , daß der Gedanke des Porphyrius . die C>e - ftne vcrbiechen dem Volte nicht u . s . w . durch diese Stelle des Cicero bestätiget werden kann : de Gflic . Libr . III , cap . XVII . Aliter lege« , aliterPhilofophi tollunt alhitias : leges , quatenus tenere manu res pot funt ; Philofophi , quatenus ratione et intelligentia . Wie auch durch diese Stelle des Seneca de Ira , Libr . II , cap . XXVII . Quam angufta in - nöcentia eft ad legein bonum eile ? quanto latius officioriun patet , quam iuris regula ? quam multa pietas , huinanitas , liberalitas , iufti . tia , fides exigunt ? quae omnia extra publica» tabulas funt . ? sehe den Grotiu« im X Cap . des III B . de Iure Belli et Paris .
«t 3 Ut & rigm *

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