Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Gifanius .
verschwendet hat . Er hatte nicht vergessen sollen , daß der Ort dieser Stadt , der zur Festung dienet , vor der Eroberung von Troja ist erbauet worden ; daß er , sage ich , vom Dädalus , dem geschicktesten Kdegsbaumei - ster des Alterthums erbauer worden . Er hat den Platz so geschickt be - festiget , daß ihn drey oder vier Mann verteidigen konnten . Dieß hat den König CvkaluS bewogen , seinen Sitz dasclbst zu halten , und seine Schätze dadin zu bringen . Viodvr . Licul . Lib . IV . Ich hätte den tigen Eifer derAgrigcnriner gegen diejenigen nicht gern vergessen mögen , welche derPratorBerres in den Tempel Herkuls geschickt hatte , mit dem Befehle , die Bildsäule daraus zu rauben . Man überwältigte die Wache des Tempels , und arbeitete eine ganze Stunde , diesen Herkules durch Ge - walt der Arme und Maschinen zu bewegen . Allein die Agrigentiner ten , ungeachtet derFinsterniß der Nacht , Zeit genug , sich zu «offnen , und die Trabanten des Verres aus dem Tempel zu jagen . Sobald der Lar -
wen angieng , stund jedennann auf : die Greise und Kranken machten sich stark , nm dem Herkules zu Hülfe zu eilen . Ex damore fama tot , vrbe percrebuit , expugnari Deos patrios , non hoftiuni adnenftt , neque re - pentino praedomnn inipetu : fcd ex domo atque cohorte praetor» manum fugitiuorum inftrucVam , armatamque veniile . Nemo Agri - genti neque aetate tani afteöa , neque . viribus tarn infirmis fuit , qui non illa nodVe eo nuncio excitatus , furrexerit , teIumque , quod cuiqu» fors offerebat , arripuerit . Cicero in Verrem , Orat . VI , c . 43 . ser große Eifer hat die Einwohner nicht abgehalten , über diese Begeben - heit zu spotten , sie haben gesagt : daß man sie mit zu den Arbeiten diese« Gottes sügen müsse . Nuiwuam tanti mall cft Siculis , quin aliquid fa - cete et commode dicant , velut in hat re : aiebant in Iabores Herculis non minus himc immaniflimum Verrem , quam iilum apruni Eryinan - thkim inferri oportere . Ebmd .
dern .
GlfNNtUS ( Obett ) ist 'ein qelehtter Humanist und großer Rechtögelehrter' gewesen . Er war von Büren im Lande Gel - Er trieb seine Studien zu Löwen und Paris , und war der erste , der in Orleans die Bibliothek der deutschen Nation an -
zetrlmerey , in Ansehung der Ma - > . Seine Streitigkeiten mit dem
lehrte er in der Akademie zu Altdorf , und endlich zu Ingolstadt die Rechte . Er verließ die protestantische Religion , und nahm die sche an . Er wurde an den kaiserlichen Hos gezogen , und mit dem Amte eines Raths und Reserendarius Kaisers Rudolphs beel ret . Er ist zu Prag den 26 des Heumonat« 1609 ( A ) , über " siebenzig Jahre alt h , gestorben , wenn man einigen Schriftsie ! « lern glaubet ; allein , einige andre , die besser unterrichtet sind , setzen seinen Tod ins 1604 Jahr c . Er hatte viel Vermögen sammen gebracht ; denn er war ein guter Wirth ( k ) . Man beschuldiget ihn einer seltsamen Betrüg nuscrip'e des Fruterius ( C ) , und man setzet ihn in das Berzeichniß der gelehrten Diebe ( D ) .
Lambin haben in der gelehrten Republik viel Aussehen gemacht ( E ) . Die Ursache , warum er sich mit dem erschrecklichen Sei - oppius gezankt , war eine Strafe der Wiedervergeltung ( F ) . Diese Sache ist sehr artig . Man wird die Titel von den mei - ste» stirer Werke in des Moreri Wörterbuche finden , wo man auf eine lacherliche Weise den Hubert Gisani , und den ObertuS Gifaniw , für zwo Perftnen angiebk .
a ) Nach dem Witte i» Diario Biogr . fünf und siebenzig . Aus des Valerius Andreas Zidl . Belg . p . 7OZ . Dieß chut Bnanus im CXXXI B . auf der »oq , S - bey mir .
( A ) Stift ; u Prag den 26 ( Witte saget den - 5 ) des - Heumonat»
1609 aef ? o : ben . ] Swertius , Athen . Belg . p . 587 , und Valerius A» dreaS vit»l . ^7 um saget , daß sich Swectius und Valerius Andrea« betriegen , da sie cm Thuanus nicht gefolgt sind , der des Gifanius To»
cherste ist , wenn nan betriegen , da sie cm " ins 1604 Jahr setzt .
( kl Br war en Atter U ? irth . ^ Ich habe keinen andern Beweis davon , als diese Wrte Scaligere an angezognem Orte : igt is ? Rath de» Raisers gerveseir und da er eme - Haushalmna hätte fübrenmüst fen , u ? cil er eine^rau harre , so bat er die Seimge nacl ) Nürnberg ; urückgcscbickc - ist25000 Ducaren reicb gewesen , unv hat ter öem Dache zervobner . t . ider>z vtebarur vt feruis . Dieß ist j< * tvchl mehr als ei« Wirthschast , ja eine wahre Filzigkeit .
( C ) Man bschnldiget ihn einer seltsamen Detrügerey , in An - sehung der Minuscripre des Fruterius . ^ Fruterius , einer von den aroßten Geisten seiner Zeit , ist im uf»6 Jahre mit etlichen andern Fla - Mandern , dem MuS Douza , ObertuS Gifanius , Janus Lernutius u . a . m . zu Paris awesen , und daselbst in demselben Jahre , fünf und zwanzig Jahre alt , getorben . Thuan . ttistor . l^ib . XXXVIII , aufs 1566 Jahr . Er hatte bereis eine gute Anzahl critifcher Anmerkungen gesammlet , die er dem Gifanus bey seinem Tode anbefohlen . Dieser handelte bekrieg , lich , und nnerdrückte sie , so viel als er komtte , und hat erstlick nach vie - len Klage» 'es Janus Douza beschlossen , einen Theil von diesem anver - trauten'Pfmde wiederzugeben . Man lese diese Worte des Thuanus an angebogenen Orte : I» { Fruterius ) in puriore litteiatura cum excelleret , et iam muta commentatus eilet , properata morte praepeditus omnia ea Gifani'iudicio ac fidei commifit , ( * ) qui pari fide minime vfus creditur , vixque lite a Iano Douza mota exorari potuit , vt paucula , qiiae excanta iaöura , velut ex magno naufragio exiguae tabulae fu - pererart» lmt publicata .
^ \ Adfuit ille quidem fateor , lecViqite refedit
Ante pedes : fed non vt anüci inipendere , veruta Vulturis officium valido male poflet amico :
Vt vel continuo patuit , cum Fruterius iam Deficiens , illi maninim monumenta fuarum Subiicienda operis praclorum traderet , atquc Haec mea fintFanni tibi , diceret , vt tua . curae ,
Douza , Sat . II , P . ZZ9 , Ausgabe von 1609 . Douza ist wegen dieser Unredlichkeit so erzürnt auf dm Gifanius ge , wesen , daß er nichts vergessen , ihn zu paaren zu treiben . Er hat auch denGiselinus um Beistand ersucht , den Rauber gemeinschaftlich zu zwiw gm , die Manuskripte wieder her zu geben .
Quid tarnen haec Gifeline iuuant , fi Fannius haerei Se premere aeterna tot bona nofte cupit !
Ille cupit : fed tu genio communis amici Aflertor venias , iniiciasque manus .
Tunc ego damnatus voti , de more facrabo Prima quidem Nemefi dona , fecunda tibi .
Scis etenim quam mc mendaci laeferit ore ,
Dum pia pro caris Manibus arma gero .
Ebtnd . Epift . III , p . 41a . Das tämen des ersten Verses bezieht sich auf eine Stelle , wo Douza sa - gel , daß Giselinus der erste gewesen , der sich über die Unredlichkeit des Gifanius beschwert hatte .
At quota virtutum pars eil tarnen ifta tuaruni 1
Maius opus Fanni non tacuifle dolos , VerbaqueFmtericae prima iniccifle fauillae ,
Ncc dubiam faäis exhibuifie tidcm .
Non mihi Fniterhim reddendo plura dediiTest Hoc quoque Fruterium reddcre paenc fuit .
Ebend . 4ll S .
Er'erzählet in der % Satire dasjenige , was er znm Nachrühme des storbenen , und wider den Gifanius gethan hat :
Sufpe & um ex illo coepi . obferuare , quid eilet Dennim acäurus , at ille vafer male diffiniulare ,
Nec de fe quicquam promittere , donec aperto Spes mutata metu nos extorquere fubcgit Editionis opus , mirum , quas perfidus hic fe Verterit in facies , primum ciuilia iura Caufiäri - , mox commentaria fefquipedali CaeCiris ingeminare fono , et cui iromen Agelli Ipfe adeo primus vult reftituilft videri .
Poftremo , ipfe meas poftponere res alieni«
Nec volo , nec poffum , nec debeo , dicere , quid te Longa ambage moror' ? cefli inde , nec vlterius mi_ Ceflandum ratus : Haud falles tarnen improbe , dixi . Nec more , et archetypum exemplar clam naftus , et apt * Tempora , dum fefc miratur Fannius , et fpe Crefcentem tumida itiflat vtreni praeeunte fideli Verb« Syro , a capite ad calcem loca quaeque uotando Defcripfi fapiens , hinc tempeftatis origo ,
Hinc illae lachrymae . Ebend . Satire II zzy S .
PlumLs adornatum et colore furtiuo ,
Autumnitas Pontana nobilem fecit ,
Notisque Transrhenana inufta frons Gallis .
Douza , Oda in Felles litetrarias , p . 619 .
Man wird sie darinnen mit dieser Note begleitet sehm : Autumnitas Pontana idem eft quod Fruteriana ; fumebat enim Fruterius nomen Pontam , vt fe Brugis ( Pont , Brücke ) natum fignificaret : vide Reli - ■quias ehis p . 134 . Notae autem GaUae , funt quas Dionyfius Lanibi - nus Gallus Giphanio , quamquam fuam potius quam Fruterii catifam agens , tum initio coram auditoribus fuis , tum poftea in praefat . ad leflorem Lucretii tertium editi , inuflit . 'Man wird darinnen sehen , daß sich Giselinus fehr übel dabey befunden . daß er dem Gifanius seineu Prudemius geliehen hat :
Atque vtinam tantum fcires mea vulnera , nec te
Lulifrct plagiis improbus ille fuis .
Illa dies nocuit , qua te fibi credere primum
Nobile Prudenti nomine fuafit opus .
Te quoque tunc animos vafra fub vuJpe latente»
Sufpicor , et Geldram perdidicifl'e fidein .
Douza , Epift . III , p . 412 .
Dieß bedeutet , daß Gifanius dem Giselinus das beste gestohlen hat . Wenn Douza in Prosa getrieben hat , so ist er nicht so hchig gewesen , und er hat auch den Namen seines Feindes geschvnet ; allein , gleichwohl saget er , daß Gifanius seinen Lucrez mit dem Raube des Fruterins ausge - schmückt hatte : Nec dublum quin de Glpbanio intelligent / um fiti quod lego apud Valer . Andream f . 62g Bibl . Belg , notauifle Ianum Doufam ad Triumuiros amoris , quae in Lucrctium adfeäa Fruterius habuerit ,

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