Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9798

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Gentilis .
ausgesetzet hatte , und von den Predigern , den Syndiei« , dem Rath« der Fünf und zwanziger , dem Rache der Zweyhunderrer , und von der meinen Versammlung des Volkes qeb . lliget worden war . Er nem net eine Menge Leute , die es unterschrieben ; unter andern den Galea ; - ) o Caracciolo , de» Celso ( Tonte Martinengo , den Maflnnihano fuo fratello Miniftio della Chiefa . Allein , waö den ersten betrifft , so be - richtet uns seine Lebensbeschreibung , daß er vom 7 März , bis den 4 des Weinmonats . 1558 , außerhalb Genf gewesen . Nun sind in dieser Zeit die Unterschriften geschehen und Gentilis gefangen gesebet worden u . d . M . Die zween andern betreffend , so belehret uns dieselbe Lebensbeschreibung , daß man es aus einen , nämlich den Prediger , einschränken muß . Nun war dieser Martinenqo eher gestorben . ab man an die Unterschreibung gedacht hat . Man sehe den CCLXII Br . Calvins . Leti sehet darzu : daß sich sieben Personen der Unterschrift geweigert , und die Stadt lassen hätten : Che in fatti fi ritirarono della Citta e tra quefti drea Oflelani , Marco Pizzi , e Valentina Gentile : quali vinti poi in breve dalle perfuafive de loro compatrioti , Ii riduflero a fotto ferivere . Ebmdas . 117 S . Dasjenige , was er saget , könnte wahr seyn ; allein wenn dieß ist , wie viel Unrecht haben die Verfasser der andern De - richte nicht , daß sie Dinge unterdrücket haben , die dieser Historie so we - sentlich sind ? Spon . in der Historie von Genf , aufs 1558 Jahr , kömmt nur zum Theile mit ihnen überein : er saget , es habe der Rath das gemeine Glaubensbekenntniß der Kirche von den verdächtigen Italienern unterschreiben lassen ; er bekennet , daß sich einige gefunden , welche aus der Stadt gegangen , nicht aber , daß sie wieder gekommen , um zu unter - schreiben , und er setzet den Gentilis nicht unter die Zahl derer , welche die Stadt verlassen haben . Warum muß doch die Historie mit so vielen Ver - Änderungen angesüllet seyn ? Kömmt es daher , daß man die Nachrichten gerne verfälschet , die man abgeschrieben hat ? Oder hat man die derung nicht wahrgenommen , die man darinnen gemacht hat ?
( C ) CEc bat sich aufs Äanö ; um Matthäus Gribaud ben . ] Aretius saget , daß er sich in Pagum Fargiaruin begeben , und daß dieses Dorf im Lande Ger , in PrafedturaGäjenfi liegt . Dieß beweget mich , zn glauben . daß der Fehler in der Stelle des Lubieniecius , Hifto - riaReformat . Polon . p . 108 . ist , wo gesaget wird , daß Matthaeus Gri - baldus , celeberrimus Iurisconfultus Patauinus pagi Turgiarum minus gewesen . Anstatt Turgiarum , wollte ich sagen Fargiariiro . Das Land Ger ist damals von dem Canton Bern besessen worden .
( v ) Gr hat Vem Amtmanne von Ger , ein nis ^geschrieben - - - - - und ihn durch eine solche Zueig - nunggschrist sehr geärgert . ] Dieser Amtmann von Gex hatte vom Gentilis ein Glaubensbekenntniß verlangt , um dasselbe von den Predi - gern untersuchen zu lassen , und nach Bern zu schicken : hierauf hat es Gentilis , als auf Defehl dieses Amtmannes drucken lassen , und ihm zugeschrieben . Amins , pag . 9 . und 46 . Die Bibliothek der Antitri - nitarier , giebt auf der 27 Seite vor , ( man sehe auch Hiftor . Reformat . Polon . v . 107 . ) daß dieser Amtmann , welcher den Gentilis auf die Vor - bitte Johann Paul AlciatS . aus dem Gefängnisse gelassen , zu Bern we - qen der Keberey verdächtig geworden , weil man ihm dieses Glaubmsbe - kenntniß zugeschrieben hatte , und daß er sich deswegen des Gentilis wie - der versichert habe , so bald sich die Gelegenheit darzu angebothen Er hat dieses gethan , den Verdacht abzuwenden . Es mag dieses wahr styn , oder nicht , so ist es wenigstens ganz gewiß , daß nicht leicht eine Maschine ist , die diejenigen mit größerer Gewalt in Bewegung bringen kann , die ihre Würden erhalten , oder vermehren wollen , als die Begierde , für keine Ketzer gehalten zu werden - Wenn man die Historie von allen Unge - rechtigkeiten . und von allen Comödiantenstreichen machen wollte , die aus dieser Quelle entspringen , was für seltsame Dinge würde man nicht sa - gen ! Des Gentilis Glaubensbekenntniß , und die Stücke , die es tet , sind zu Lion gedruckt worden : unterdessen hat Antwerpen auf dem Titel gestanden ; und man hat den Buchhändler in der Vorrede unter dem Namm , Theophilus ad filios Ecclefiae , reden lassen . Die Lügen find in dem Processe de« Gentilis , als Hauptverbrechen des Betrug« , obenangefttzt worden . Aretius , pag . 46 . Man hat bey seiner ^n - hastirung einige andre Werke von seiner Arbeit ben ihm gesunden ; lein sie sind nicht gedruckt gewesen . Aretius , auf der u und 12 Seite ,
und die Bibliothek der Antitrinitairer , auf der - 6 und - 7 Seite reden davon .
( E ) Der Ronig von Pohlen hat >566 einen Verbannungsbe - fehl wider alle Fremden kund machen lassen , welche die neuen Behren ausbreiteten ] Moreri begeht hier verschiedene Schnitzer ; I . will er , daß Valentin Gentilis gegen das i ; 6 - Jahr , aus Pohlen ver - jagt worden . Zum II , daß der damalige vom Könige Sigismund August kundgemachte Befehl , alle Ketzer verbannet habe . Alles dieses ist falsch . Der Befehl ist bey dem , den ; März 1566 , berufenen Reichstage , kund
Si macht worden , in Comitiis Pinfouienfibus anno 1566 , 5 Martii cele - ratis , Aret . pag . 10 . bte Hiftoria Reform . Polon . auf der 195 S . saget , daß diese« in ComitioLublinenfi anno 1566 geschehen , und hat nicht die Calvinisten betroffen . Aretius würde den König von Pohlen nicht so gelobt haben , wie er gethan hat , wenn die Reformirten darunter begrif - f«n gewesen wären ; und es ist so weit gefehlt , daß sie darinnen begriffen gewesen , daß man sie vielmehr beschuldiget , sie hätten die Kundmachung desselben treiben helfen . Innigantibus aduerfariis Romano et Lemanö fpiritu duclis , Rex Auguftus in Comitio Lublinenfi anno 1566 legem horrendi carminis in Anabaptiftas , et Trideitas latam promulgari cu - rauit , qua ii intra menfem regni finibus excedere iulli . Also redet Lubieniecius auf der >94 S . der pohlnifchen Reformation . III , Endlich findet sich nicht die geringste Aufmerksamkeit , wenn man so überhaupt saget , daß dem Gentilis , da er nach Bern gegangen , gegen das i ; 6 ; ^ahr , daselbst der Ropf abgeschlagen worden . Maimbourg , Hift . de l'Arianisme , Tom . III . p . 356 . holländischer Ausgabe , hat den Zeltrech - nungsfehler , den Gentilis betreffend , nicht gänzlich vermieden : er läßt ihn bey der Unterredung zu Peterkow 1566 disputiren ; sie ist aber 1565 gehalten worden .
( F ) Der Amtmann - - - der ihn ehmals gefangen fetten lassen , war noch in dieser Bedienung , und ließ ihn den , 1 de» Brach , monats 1566 greifen . ] Es ist zu Gex gewesen , da Gentilis festgesetzte worden , und nicht zu Bern . Er war dahin gegangen , ( Aret . p . 47 . 48 . ) den Amtmann zu besuchen , und um die Erlaubmß einer öffentlichen Disputation zu bitten , davon man den Entwurf , und die Bedingungen unter den Schriften dieses Flüchtigen gefunden hat . Er hat gewollt , daß der Amtmann den Predigern und Kirchengerichten in der Nachbar - schaft melden sollen , daß , wenn jemand die Lehre Calvins , wider den Gentilis vertheidigen wollte , er innerhalb acht Tagen nach Gex kommen solle , mit ihm unter dieser Bedingung zu disputiren ; daß derjenige , der seine Meynung nicht mit dem läutern Worte Gottes würde vertheidigen können , als ein offenbarer Betrieger und Vertheidiger einer falschen Re - ligion , am Leben gestraft werden sollte ; und im Falle niemand diese Au«» forderung annehmen würde , so sollten der Amtmann , und der ganze Stadtrath , den Ausspruch thun , daß Gentilis von Gott dem allerhöch - sten , und seinem Sohne Jesu Christo , rechtgläubige und gottessürchtige Meyniingen führe . Die Antwort , die man auf die erste Eröffnung die - ser Disputation gab , hat darinnen bestanden , daß man den Ketzer inS Gefängniß gesetzt . A praefeäo Gaienfi petit publicam difputatio . nein : refpondit ille , fiat , quod iuftum eft , et ad carceres duci iuflit . Ebendaselbst .
( G ) i & t hat sich gerühmet , um die Ehre Gottes , des Vaters , ju leiden . ] Aretius läßt ihn am Tage seines Todes nicht« besonders sagen ; allein er bemerket auf der 27 S . den Umstand , den ich anführen will . Gentilis de fe ita et feripfit et loquutus eft , quod efTet patronus fummi patris eminentiae , et affertor gloriae patris . Nec dubitauit etiam dicere , neminem adhuc ( quod ipfe qnidem feiret , ) pro gloria et eminentia patris mortuum efl'ej Prophetas , Apoftolos , piosque Martyres , pro Filii gloria perfecutiones , mortem , et extrema quae . que paflos esse ; eminentiam autem Dei patris nullos adhuc martyre» habere . Wir wollen hier die Meynung hersetzen , die er in einem pohl . Nischen Synodo hervorgebracht hat . Sententia eius quam in Poloma in Synodo Pinczouiae ann . 1562 , die 4 Noucmbris celebrata propöfuerat haeefuit , Deum creauifie in latitudine aeternitatis Spiritum quem ! dam excellentiflimum , qui poftea in plenitudine temporis incarnatu» eft . Bibl . Antitrin . p . 26 . Hift . Reform . Polon . p . 107 .
Gmtlllö , ( Alberich ) Professor des Rechts zu Oxford , war der Sohn des Matthäus Gentilis , eines italienischen Arz . tes ( A ) , aus einer alten und edlen Familie , der Mark Ancona , entsprossen . Da dieftr Arzt Misbräuche in der katholischen Religion , und einen Geschmack an der Glaubensverbesserung gefunden hatte , so verließ er sein Vaterland , und aieng mit seinem ältesten Sohne Alberich , und mit dem Scipio , der ohne einen der jüngste von seinen sieben Kindern war , nach Kram . Alberich wurde nach England geschickt , wo ihn seine große Fähigkeit sein Glück finden ließ , ich will sagen , einen öffentlichen Lehrstuhl der Rechte auf der Universität Oxford , im 1582 Jahre . Er war zu Perouse im ein und zwanzigsten Jahre seines Alters Doctor , und
Vertheidiqung derer ist , die es für canonijch halten . Ein gleiches >
kann man beynahe von der Abhandlung fällen , die er wider diejenigen geschrieben hat , die das Latein der Vulgata tadeln . Man sehe die Anmerkung ( C ) . Er ist zu London den 19 des Brachmonats 1608 im acht und fünfzigsten Jahre seines Alters gestor - ben . Er hat solche Lust gehabt , in den Wissenschaften zuzunehmen , daß er nicht weniger durch Gespräche , als durch das Lesen zuzunehmen gesucht ; und er hat es selbst erkannt , daß seine Sammlungen mit tausenderley Dingen angesüllet wären , die er ge - hört hätte ; wenn er sich mit Leuten vertraulich unterredet , die nicht gedacht hätten , daß dasjenige , was sie sagten , so beehret wer - den würde . Die Stelle , wo er dieses saget , verdienet einen Platz in unsern Anmerkungen ( D ) . Man sehe Königs thek , und des Scipio Gentilis Leichenrede .
der Königreiche von Großbritannien , und von der Ungerechtigkeit , die von dem Widerstande gegen die Konige unzertrennlich ist , de vi ciuium in Regem femper iniufta ; bemerken noch deutlicher , daß er Nicht für die republikanischen Grundsätze gewesen , als die zehn Disputationen , die er seinem Sohne geschenket , damit er sie dem Grafen von Pembrok , seinem Beförderer , im 1607 Jahre zuschreiben sollen . Sie sind über die Titel deS Codex : 8i quis Imperatori maledixerit , ad legem Iuliam de ma - ieftate . Seine Bücher , de Iuris interpretibus , et de Aduocatione Hifpa - nica , ( * ) sind nicht die geringsten von feinen Werken . Ich übergehe die Titel vieler andern .
( * ) Die Ursache diese« Titel« zu begreifen , muß man wissen , daß Al , berich Gentilis zum immerwährenden Sachwalter aller Sachen einge - setzet worden , welche die Unterthanen des Könige« von Spanien in
England
( A ) ( B )

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