Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9786

Gentilis .
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weil et der einzige von widriger Meynung gewesen , hat nichts vergesst , » , was er für geschickt hielt , Sie Ausführung desselben zu hintertreiben . Er harre sich j«m - Haupte der florenrinifchen Abgeordneten ernennen lassen ; seine Gerächschafr war fast alle ferrig , und wie in Italien niemand , als die Republik Venedig , mehr Geld harre , als er , und er bey prächtigen Gelegenheiren nichrs ersparre : so war er versickert , mir mehrer Prackr allem ) u ersciieincn , als alle die andern Abgesandten und Abgeordneten zusammen - - - Er begrifft dafi , wenn sein Gefolge mit der andern Gesandten ihrem gienge , dasselbe durck die große Anzahl verdunkelt , und nur von den sck«rfsten Augen , unter Sem Ge - dränge , unrersckieden werden würde : da hingegen , wenn er in Rom seinen Einzug alleine hielte , und zum Gehöre gienge , die Renner , und Sle>enigen , die auch keine wären , ihm gleiche Ge , rechrigkeir wiederfahren lassen würden . Gleichwohl wäre es nicht unmöglich gewesen , ihn von diesem Vorurrheile zu be - freien , wenn seine Freunde daran gearbeitet hatten ; allein der - senige darunter , der sein Vertrautester war , hat ihn aus einem andern Eigensinne in seinen» Irrrhume bestäriger , anstatt , daß er ihn daraus ziehen sollen . Dieses war Scipio Gentilis , ein flo / renrinischer Edelmann ( * ) und Äischofzu Arezzo , der sich durch diervMnschafr der schonen Rünske , und durch die Annehmlich - keiren bey der Unterredung sehr berühmt gemacht hatte . Seine Geburt und seine großen Güter machten ihn »»cht weniger um - «anglich , und seine allzugroße Ergebenheit gegen die Beredsam , reit war fast der einzige von seinen Mängeln . Er war nur ein mittelmäßiger Redner ; unterdessen har er in diesem Stücke eine sogure Meinung von sich selbst gehabt , daß er dem unvergleich - ticken Savonarole kaum tvid> . Er hatte , durch sein Ansehen , von der Republik Florenz erhalte» , daß er den Pabst in ihrem Namen anreden sollte , und er hatte seine Anrede hierauf mir al - lem möglichen Fleiße fertig gemacht . Er harre sie dem Johann
Picus von Mirandola , dem Angelus Poli'rian , dem Marsilius Ficin und andern aufgeweckten Röpsen Italiens , ge , eigct , welche ihn durch ihren Beyfall in der Meinung bestätiget harren , daß es ein Meisterstücke wäre : also harre man ihm keine größere Unhöflichkeil erweisen können , als wenn man ihn verhindert hatte , dieselbe zu halten . Dieses würde nichts destoweniger geschehen seyn , wenn man nur einen einzigen Redner für ganz Italien ge , habr harre , weil der Rönig von Neapolis , als der ansehnlichste von allen Prinzen , das Rechr gehabr harre , denselben zu ernen , nen . Dieser Prinz , welcher in seiner Hauptstadt die allerblü , hendste Abademie von Europa für die schönsten Wissenschaften harre , davon der berühmre Sanazar Aufseher war , hätte ohne Zweifel keine Person , außer dieser Gesellschaft , erkiest , gegen seine Heiligkeit das XVovt zu fuhren . Genrilis lag , aus Anrrieb sei« nes eigenen Nutzens , dem Perer von Medicis dergestalt an , daß er den Romg von Neapolis um die Herstellung der allen Ge - wohnheit bitten ließ , das ; e , n jeder Staat von Italien dem neuen
Pabste seine Ehrerbitthung ms besondere erwiese . Ebend , 6z S Die - ses glückte : das / ^ehnszeprange geschah von jedem prinren , von je« der Republik Italiens ins besondere , und die zween Florentiner ha , den ihre Rechnung dabey gesunden . Das Gefolge Peters von Medicis hat alle die andern an Pracht übertrosfen : und die de des Scipio Gentilis ist dermaßen hochgeschayct worden , daß man sie an das Haupt der Sammlung von dergleichen Werket» geseyet hat . Ebend . 165 , , 66 S .
Dieß ist eine sehr lange Anführung , werden einige sagen ; allein ich zweifle nicht , daß nicht viel andere vergnügt seyn sollten , hier einen so vollständigen Unterricht von einer so merkwürdigen Sache zu findm , als diese ist .
( * ) Ughelli giebr ihm diesen Taufnamen nicht ; er nennet ihn nur Gentilis von Bechis : er macher ihn zumEingebohrnen von Urbmo , und zu keinem florentinischen Edelmann ? .
Gentilis , ( Johann Valentin " , ) gebürtig von Cosenza in Neapolis ( A ) , verließ sein Vaterland wegen der Religion , gegen die Mitte des XVI Jahrhunderts , und begab sich nach Genf , wo verschiedene italienische Familien eine Kirche gegiftet hatten . Es fanden sich unter diesen italienischen Flüchtlingen etliche Geister , welche über das Geheimniß der Dreyen , igrcit , über die Motte , Wesen , Person und Mitwesenheit u . d . m . grübeln wollten . Georg Blandrata , ein Arzt , und Johann Paul Alciat , ein Maylander , waren die Vornehmsten von diesen Neulingen , nebst einem Sachwalter , der sich Matthias Gri - band nennte . Die Sache wurde in der Stille und durch besondere Schriften gerieben . Gentilis mengte sich in diese Strei - tigkeiten , und trag nicht wenig dazu bey , daß diese neuen Arrianer das . Haupt empor hoben . Dieß gab Anlaß zu dem Glau - bensformulare , weiches man in den , italienischen Kirchengerichte , den 18 May , 1558 , aujgefehtt hat ( B ) . Es enthielt die allerreinste Rechtgläubigkeit dieses Geheimnisses , und ließ mit ausdrücklichen Worten und bey Strafe des Meyneides und der Treulos , « , keit versprechen , nichts , weder mittelbar , noch unmittelbar , zu thun , was demselben zuwider liefe . Gentilis unterschrieb dieses For - mular , und unterließ nicht , seine Jrrthümer heimlich auszustreuen . Hierauf zog die Obrigkeit Erkenntniß von der Sache ein , und fetzte ihn ins Gefängniß . Er wurde überführet , daß er wider feine Unterschrift gehandelt , welches er mit den Trieben feines Gewissens , zu entschuldigen , sich bemühte . Er überreichte verschiedene Schriften , darinnen er sich angelegen seyn ließ , anfänglich seine Meynungen zu beschönigen und zu behaupten , so dann das Gemüthe Calvins zu besänftigen , und seine Jrrthü - mer zu erkennen und abzuschwören : vermittelst dessen ihn der Rath zu Genf weiter zu nichts verdammte , als Kirchenbuße zu rhun , stine Bücher selbst ins Feuer zu werfen , und nicht ohne Erlaubniß aus der Stadt zu gehen . Dieses Urtheil wurde den 2 des Herbstmonats , 1558 , vollstrecket . Er wurde wenige Tage daraus des Gefängnisses erlassen : und auf feine überreichte schrift , worinnen er jdie Unmöglichkeit vorschützte , einen Bürgen zu stellen , erließ man ihm denselben ; allein man ließ ihn schwören , daß er , ohne Eimvilligung der Obrigkeit , nicht aus Genf gehen wollte . Gleichwohl machte er sich gar bald aus dem Staube , und flüchtete aufs Land zum Matthäus Gribaud ( C ) , seinem Kehergefellen . Er gieng hierauf nach Lion , und schwär - mete nach diesem von einen , Orte zum andern , im Delphinate und in Savoycn herum ; und kam , da er nirgends sicher war , wie - der in das Dorf zurück , wo er sich zuerst hin gerettet hatte , in dem Gebreche des Cantonö Bern . Er wurde daselbst gar bald er - kannt und ins Gefängniß geseßet ; allein in etlichen Tagen wieder auf freyen Fuß gestellt , und er gab ein Glaubensbekenntniß heraus , welches mit einigen Beweisen und Lästerungen , wider den heil . Athanasius , unterstützet war . Er schrieb es dem Amt - manne zu , der ihn hatte gefangen nehmen lassen , und ärgerte ihn durch eine solche ZueignungSschrift gar sehr ( D ) . Ungefähr um diese Zeit wurde er zu Lion , der Lehre wegen , gefangen gesetzt ; wie er aber die Geschicklichkeit hatte , zu zeigen : daß er nur den vin / keineswegeö aber das Geheiinniß der Dreyeinigkeit , bestritte , so ward er losgelassen . Blandrat und Alciat , welche sich in Pohlen auf das heftigste angelegen seyn ließen , ihre Ketzereyen einzuführen , ließe» , ihn zu sich kommen , der Gefährte ihres Werks ; u seyn . Sie würden weit größeres Uebel angerichtet Haben , als sie anrichteten , wenn sie sich nicht getheilet , und der König von Pohlen im 1566 Jahre keinen Verbannungöbefehl wider alle Fremde kund machen lassen , die ihre neuen Lehren ausbreiteten ( E ) . Genrilis flüchtete nach Mähren , und von bannen nach Wien in Oesterreich , von da er nach Savoyen zurück zu gehen beschloß' wo er seinen Freund Gribaud noch anzutreffen hoffte ; zumal da ihn der Tod , in diesen Gegenden , von seinem allerfürchterlich^ sten Widersacher , ich will sagen , dem Calvin , besreyet hatte : allein er gieng selbst in die Ketten ; denn der Amtmann des Cantons Bern , der ihn ehenials gefangen gehabt , befand sich noch bey dieser Bedienung , und ließ ihn den 11 des Brachmo - natö , 1566 , greifm ( F ) . Die Sache wurde ! , ach Bern gebracht , wo man sie von , 5 des Augusts , bis den 9 des nats , untersuchte . Gentilis wurde , wie stchs gebühret , überzeuget , daß er das Geheimniß der Dreyeinigkeit halsstarriger wei - se , und wider seinen eigenen Eidschwur , angegriffen ; und verurtheilet , enthauptet zu werden . Er rühmte sich wegen der Ehre Gottes des Vaters , leiden ( G ) , und beschuldigte die andern des Sabellianismus b . Seine Meynung war ganz besonders . Er glaubte , Gott habe in dem Um fange der Ewigkeit einen höchstvortrefflichen Geist erschaffen , welcher nach der Fülle der Zeit Mensch geworden c . Mir deucht nicht , daß er dieserwegen ein Tritheite gewesen allein er hat ohne Zweifel zu verschiedene» Zeiten auch verschiedene Meynungen gehabt .
<» ) Siche die Anmerkung ( v ) , des Artikels Gentilis , ( Scipio zu Ende . ) b ) Dieser Artikel ist aus einem lateinischen Buche gezo - gen , das zu Genf , bey FranciseuS Perrin , 1567 , in 4 gedruckt worden ; es enthält , unter verschiedenen dogmatischen Abhandlungen , die - disto - Tie von der Verdammung des Gentilis , durch den Benedict»« Aretius , einen Gorresgelebrren zu Bern . < ) Siehe dieAiunerwng ( G ) . , za Ende , d ) Also nennet man ihn in dem holländische ! , Moreri , unter dem Artikel , Johann pa»l Alciat .
geseyet hat . ] Benedict»« Aretins , ( siehe wegen seines Buches die Anf'iyrung k , unter dem Tette dieses Arrikeis . ) und Calvin wider den Gentilis , reden nur von dem Formulare des italienischen Kirchengericht« ; sie nennen nur fünf Personen , die es unterschrieben lmben , und sagen , daß Gentilis und fünf andere , die es nicht gleich unterschreiben wollen : es nach diesem unterschrieben hätten , da man sie ins besondere gefordert hatte ; ( siehe den Beza in Calvins Leben . ) allein sie sagen nicht , daß er einer von den Sieben gewelen , die lieber Genf verlassen , als ihre Unter , schrift geben wollen , bis sie durch die inständige , Voriteltunqen ihrer Landesleute verbunden worden , zurück p» kommen , und es zn unter - schreiben . Leti , Hiftoria Geneurina , Tom . III . p . - 04 . führet , ohne daß er etwas von dem durch das italienische Kirchenlicht ausgelebten Formulare redet , ein viel längeres an . welches , nach ilm , , vor dem Ra . the zur Unterschrift vorgetragen worden . Dieses Formular ist nichts anders gewesen , als das GlaubenSbckcimtiiiß , welches Calvin vor kurzem Ddddz aufgesetzet
( A ) Er war gebürtig von Coftnxa . ^ Einige , al« Sertorio Quat - troniani , Epift . - >ä Ceifinn MoUuni , beym Leonhard Nicvdemo , Addi . zioni alla Bibliotheca Napoletana , p . 245 . haben gesaget : daß er nicht in dieser Stadt gebohren gewesen ; andere , als Lindanus , in Diibitan . tio , Dial . II . p . 149 . und aus ihm Prateolus , in Elench . Haeret . beym Nicodemo , ebendas . p . 244 . machen ihn zum Neapolitaner . Nicodemo widerleget sie unumstößlich durch das Zrugniß vieler angesehener Sclirift - stcller und die eigene Unterschrift Valentins Gentilis ; allein er betrieqt sich , wenn er dem Theodor Beza die Historie von der Todesstrafe diese« Ketzers zueignet Wenn er völlig hätte Recht haben wollen , so hätte er dieses Werk dem Benedict Aretius zueignen sollen , nachdem er den Quattromani getadelt , der es dem Calvin beygeleget hatte .
( B ) Zdicsi bat Anlast «1 dem Glaubensformulare gegeben , das mn in dem italienischen Mxchengcrichtc Vw i» '558 ; auf ,

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