Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9754

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Geldenhaur .
admonuifiem , vt a talibus iocis temperares , qui et Principum animos ad faeuitiam irritarent , et adeo nihil iuuarent caufam , a cnins vifto - ria veftra pendet incolumitas , vt etiam grauiflime laedant , placide qui - dem refpondifti : led perinde qnafi te fuiflem hortatus , vt iimilequid - dam iterum defignares , ita rurfus ad Concilium Spirenfe , cui tum Rex Ferdinandus praefidebat , miflus eil libellus , nomen Erafmi litte , ris bene magnis praeferens . Ebendaselbst . Er tadelt ihn auch , daß er bei , Namen und einige Noten des Erasmus einigen Briefen vorgesetzt , die bestimmt gewesen , zu beweisen , daß man die Ketzer nicht srrasen müsse . Dieß hieß den Erasmus dem Hasse des römischen Hofes , und dem Wi« derwillen derer Machten aussetzen , welche die Lutheraner verfolgten ; dieß hieß so viel gesaget , daß Erasmus den Neulingen die Waffen darböthe , ihre Feinde zu bestreiten . Dieser gelehrte Mann sah es nicht gern , daß man ihm diesen Possen spielte ; das Alter hatte ihn hierinnen zur feigen Memme gemacht . Seine Klagen wider die Aufführung Geldenhaurs und der Lutheraner sind sehr bitter , und durch Schriften beantwortet worden , die er für sehr hitzig gehalten hat . Er hat geglaubt , daß Gel - denhaur die Triebfeder derselben gewesen , und ihn auf keine verbluhmte Art mit dem Verräther Judas verglichen . Im letzten Briefe des letz - ten B . auf der SI37 S . unterm , August 1550 . Led nonduni commi - grarat Argentoratuui , ilie ( * ) mirabilis concitandae feditionis , et iiiox turbatis rebus , alioque profugiendi artifex . ille qui loca ex omni , bus Epiftolis meis ad calumniam idonea enotaret , moxque fingeret fibi librum a fratribus clam ereptum . Qiii adeo flagrabat inipotenti odio , vt hunc librum e mendaeiis et conuiciis non aliter contextutn , quam cento contexitur ex pannis , non potuerit exfpectare , fed furtim emifit infulfiüima fcholia , et interiin mihi icribebat blandasEpiftolas ; Eram Dominus ac Praeceptor , a quo libenter admoneretur , qui iine imaginc mei non poterat viuere , qui proximis ad me litteris etiam confolatus eft me , hortans , vt laeto eilem animo , contemnens rabulas loquaces et fcribaces : denique iamdudum edita Epiftola mea , quod me faöurum feripferam , in fuis ad amanuenfem meum litteris vole - bat mihi commendari , et intcrim haec parabantiir , tanta arte nior - dacia , vt magis laedar laudatus , quam conuiciis affcöus . Et hi fe cum Apoftolorum fandtimoiva conferunt , quum hoc Vultui ii faftum propius accedat ad exemphim Iudae proditoris , quam Cbrifti . Dieß belehret uns , daß Geldonhauer im > ; zc> Jahre zu Straßburg gewesen , und daselbst einen sehr aufwieglerischen Geist gezeiget hat . Weder Mel - chior Adam noch Paul Freher reden hiervon . Erasmus saget an einem andern Orte , daß niemand in Straßburg etwas wider ihn nntcrnom - men , ehe Geldenhauer dahin gegangen . Er hat dieses geschrieben , da Geldenhauer bereit« Professor der Poesie zu Augspurg gewesen : Argen , torati nemo quiequam in mea molitus eft , priusquam eo commigraf - fet Nouiumagus , qui nunc agit Augufiae , profiteturque Poeticam fala - tio , vt aiunt , fexaginta florenorum . Epift . LVI , Libr . XXX , p . 1941 . den 14 des Christmonats 1531 geschrieben .
( » ) Die folgenden Worte bezeugen zur Gnüge , baß er vom Gelden - Hauer redet , welches durch diese Stelle aus dem LH Br . des XXX B . bekräftiget wird . Quidam G . N . e Brabantia profugus , et ex ami - eiffimo fubito faßus capitalis hoftis notiam tragoediam mouit Argen , torati , nebulo feditioni natus . Is eft fidto nomine Vulturius . Er det in dem LVI Br . desselben B . noch von ihm . Iam et Euangelici quidam , quorum magifter fcelerofus ille Ge / rius , miris technis hoc agunt , vtCaefaris ac Ferdinandi aniinum in me irritent .
( E ) - - - Der - - - ihn mit Spöttereien befahlt . ^ Nachdem er ihm viele Dinge vorgestellt , die nicht zuließen , daß er seinen Freunden in der Nvth beystünde , so saget er zu ihm : daß die Armuth für diejenigen keine Beschwerde wäre , die sich dem reinen Evangelio widme , ten ; daß sie sich unter einander trösten müßten , und allezeit Lebeneunter - halt finden würden , wenn sie sick mit wenigem begnügten , und sich an Wasser und Brodt gewöhnten . Porro , quod fignificas , tibi moleftam egeftatem ; equidem nec tam fiim inops , vt non poflim , nec tam par . cus , vt grauer amiculo atireos aliquot impartiri : fed haec benigmtas quantulum haberet momenti ad tuam egeftatem fubleuandam ( Res mihi fane medioeris eft , minimumque fupereft meis neceflitatibus : multum impendii requirit hoc corpufculuin - - - iam bona pars mihi deciditur in fan ulos ctc . . . - Verum poftquam , mi VuU turi , induxifti in animum Euangelicam vitam profiteri , miror pau - pertatem efle moleftam ; quum beatus Hi / arion , vbi non inueniret quod pro naulo folueret , gloriandum duxerit ; quod infeiens ad tan - tam Euangelii perfeöionem perueniflet . Gloriatur et Paulus , quod feiat abundare , et penuriam pati , quod nihil habens omnia poflideat . Idem rollaudat Hebraeos quosdam Euangelium amplexos , quod rapi - nam bonorum fuorum cum gaudio fuieepiflent . . . . Adde , Ii Iudaei non patiuntur inter ipfos efle pauperes , quanto magis conue - nit , vt qui la & ant Euangelium , fratrum inopiam mutua benignitate fubleuent ; praefertim cum Euangelica frugalitas minimo fit contenta . Si panis eibarius adfit et aqua , non defiderant Attica bellaria , quifpi - ritu viuunt» Nefciunt luxum , ieiunio pafeuntur . Ipfi Apoftoli con - friftis manu ariftis famem fedafle Ieguntur - - . Fortaflis hic tibi videbor cauillis ludere , at alirs non idem videtur . Epift . XLVII , Libr . XXXI , pag . 2049 , - °5 ? - .
CF ) Em Einwurf , Oer nickt weniger Aufmerksamkeit verdienet , als die Sorgfalt , Vie Erasmus genommen , ; u leugnen , daß er Vie Todesstrafe der Rener verrverfe . ] Der Streit des Erasmus mit Geldenhauern , hat mich zwey Dinge mit emiger Verwunderung de , »backten lassen . ^ ^ . . , .
Das I ist , daß dieß , nach dem Erasmus , sehr auftuhrig und heftig reden heißt , wenn man die Machten ermahnenden Mönchen die gro - ßen Güter zunehmen , die sie besitzen , und dem Evangelio nicht zu stehen . Nifi forte non videtur feditiolum hortari Principes , vt facul - tates Sacerdotibus ac Monachis adimant , et in bonos veftri fimiles conferant : aut non olFenduntur illoruni animi , quum audiunt , Noli qccidere innocetttes , No / i tuo pericttlo recalcitrare Euangelto , Sine ver - bum Dei in tua ditione praedicari . Haec quid aliud funt , quam atro - eiffima conuitia nonduni perfuafis ; imo in diuerlum perfiialis . Qiios tu vocas innocentes , illi liabent pro feditiofis et haereticis ; et quod tu vocas Euangelium , illis perfuafum eft , efle docltrinam Satanae . Prius igitur erat illis perliiadenaum . Qiiod fi non potes ; aliis rationibus traöandus erat illorum animus . Epiftola in PfeudeuangeIicos , p . aojl .
Siehe auch den LIX Br . des XXXI B . «107 S . Diese« stellet er
dem Geldenhauer vor , welcher an die Machten gerichtete , und nachdem Tone , der hier geradelt wird , aufgesetzte Briefe , herausgegeben hakte . Diese Rcde des Erasmus ist ein wahrhafter Janus ; sie hat zn'ry Geflch - ter : sie ist in gewissen Stücken richtig ; alle« , sie scheint ungerecht , wenn man sie von einer andern Seite ansieht . Diejenigen , welche glauben , daß man die Welt zu einer neuen Lehre bekehren , und die herrschenden Lü - gen zu Grunde richten müsse ; können verlangen , daß man sie höre , und ihnen keine Gewalt anthue : sie sind also ungerecht , wenn sie verlangen , daß man denen Gewalt anthun soll , die von einer andern Meynung sind ; daß man sie ihrer Güter beraube , daß man sie verhindere , zu reden , lind sich zu zeigen . Es scheint also , Geldenhauer sev allzligeschwindc gegau - gen , da er die Güter der Mönche verlangt hat , und Erasmus habe nicht Unrecht , ihm diese Uebereilung vorzuwerfen Man muß gestehen , daß roni , den andern dasjenige verwilliget , was man für sich selbst verlangt : dmn ein jeder rühmer sich , den Nutzen der Wahrheit zu behaupten . Wenn mau auch zu den Prinzen saget , die uns verfolgen , daß sie das Reich Gottes unterdrücken , so saget man ihnen heftige Schimpfworte . Es scheint also das Beste zu seyn , die Schreibart zu mildern / und dasjenige nicht so gar gewiß voraus zusetzen , worüber noch gestritten wird . Vor allen Dinge» sollte man seine Grundsätze und seine Beweise annehmlich machen : und wenn man diesen Zweck erreichet hätte , so könnte man nach diesem , nach der Schärft des Rechts , so wohl seinen Meynungen , als den Meynuiv . gen der Widersacher den rechten Namen geben . Von dieser Seite schei« nen die Beobachtungen des Erasmus sehr scharfsinnig zu seyn ; allein , wenn wir von der andern Seite betrachten , daß , wenn'man der Welt nicht vorstellet , daß sie ohne Hülfe verlohren ist , wenn sie sich nicht bessert , und nicht aufhöret , wider Gott durch . Widersetzung gegen die GlaubenSverbes« serer Krieg zu sühren , nian nicht viel gewinnet , und die öffentliche merksamkeit nicht genugsam ausmunterr ; wenn wir dieses betrachten , sage ich , so scheint es , daß Erasmus allzuphilosophisch thut , und daß er das wenige Vermögen der Vernunft nicht gewußt hat , wenn sie von den Leidenschaften keinen Beystand erhält . Dem sey , wie ihm wolle , so scheint es nicht sehr möglich , daß große Religionsveränderungen zur Ansftih - rung kommen , ohne daß man anfänglich für sich eine Duldung Verlan - get , undj^anz bereit ist . seinem Nächsten dieselbe abzuschlagen , so bald man ihn zwingen kann . Non aliter haec facra conftant .
Betracktnilg über die Todesstrafe SerRctzer .
Das II , »vorüber ich mich verwundert habe , ist , daß es Erasmus als «ine schändliche und verhaßte Verleumdung angesehen hak , wenn man ihm die Lehre beygemessen , daß man die Kel ; er nicht umbriiigen solle . Er bekennet zwar , daß er die Prinzen ermahnet habe , die Klagen aller Gartungen von Gottesgelehrten und Mönchen - nicht leichtsinnig ren ; tantuni admoneo locis aliquot , ne fit hic praeeeps Principum fe - veritas , nec facile praebeant aures quorumlibet Tneologorum aut Monarchorum delationibus , ( Epift . XLVII , Libr . XXXl , päg . 20jK ) und dir Jrrrhümer beyder Theile zu unterscheiden : allein er leugnet , je» mals gelehrt zu haben , daß nian die Ketzer nicht mit dem Tode bestrafen müsse ; und er beklaget sich , vt le<5tor parutn attentus exiftimaret me * am eile fententiain , non efle fas in quenquam haereticum poena ca . pitis animaduertere , eaque res Caefarem Ferd'mandum aliosque Prin - eipes , atque etiam komanum Pontificem in meum caput irritäret ; ( Ebend . ) Daß ihn diejenigen , die ihn dieser falschen Lehre beschuldigen , der Empfindlichkeit der Machten aussetzten , als wenn er ihnen das Schwerdt nehmen wollte , das ihnen Gott in die Hände gegeben hätte . Hoc atro - cius eft , quod nusquam id doceo , non ellc fuincndum capitis fuppli - cium de haereticis , nec vfquam adimo gladii Jus Principibus , quod lis non ademit Chriftus nec Apoftoli . . . Ebendas . 2051 S .
vt peccant , qui ob quemuis errorem pertrahunt homines ad ignem : ita peccant , qui in nullos ha'ereticos arbifrantur prophano magiftratui ins el & occidendi , - - - nec vlla res erat , quae poterat illos magis
alienare , quam fi illis gladium excutiam e manibus , easque feöas de - , fendam , quas illi velut execrabiles radicitus euullas cupiunt , et face - rent , nifi rerum motus alio vocaret iiloxuin animos . Ich erstaune^ daß Erasmus , der die Väter so fleißig gelesen harte , nicht gewußt hat , daß inan in den drehen ersten Jahrhunderten diese Lehre öffentlich be , hauptet hat , davon er sich hier mit so vieler Sorgfalt reiniget . Man hat deswegen den Prinzen das Recht des SchwerdtS nicht nehmen wol - len . das sie von Gott erhalten hatten ; nian hat nur sagen wollen , daß sich dieses Recht nicht auf die Jrrrhümer der Gewissen erstrecke , und daß die Regenten von Gott nickt die Gewalt bekommen haben , die nen zu verfolgen . Dieß ist die wahre Beschaffenheit der Frage . Alle Prinzen in der Welt erkennen , daß sie das Siecht des SchwerdtS nicht wider Ue wahren Diener Gottes , oder die Rechtgläubigen haben ; sie geben nur vor , daß sie dasselbe wider die Feinde Gottes baben . Nach diesem Grunde haben die heidnischen Kaiser , die alten Christen gestraft ; und aus eben diesem Grunde läßt das Ketzergerichte heutiges Tages die Protestanten hinrichten . ES ist also ganz unnützlich , den Verfolgern zu beweisen , daß sie die Gläubigen nicht hinrichten sollen ; beim dieses ver - langen sie nicht : und sie sind nicht so thöricht , zu glauben , daß man ih - nen , durch Entziehung dieser Gewalt , etwas nimmt , was ihnen zuge - höret . Es kömmt also bloß auf die Entscheidung der Frage an , ob sie die - jenigen strafen können , die Gott nach der Einsicht ihres Gewissens die - nen . Die Väter der ersten dreyen Jahrhunderte baben cö geleugnet ; woher kömmt es denn , daß sich Erasmus nicht gelraur hat , chnci» nach - zuahmen ? Und was noch mehr zu vermindern 'ist , ( Man muß setzen , daß man zur Zeit des Erasmus die Stärke der Beweise , welche wider die Verfolgung streiten , noch nicht so eingesehen bat , als seit dem geschehen ist . ) woher kömmt es , daß sich seit einiaen Jahren ein refor - wirrer Prediger in Holland bemüht hat , die Religionsduldung aus die - fem Grunde verhaßt zu machen , daß sie den Regenten eines von den schönsten Rechten ihrer Majestät nehme ? Siehe leTablcau du Socinia - - nifme Lettr . VIII . Heißt dieses nicht boshafter und ungerechter seyn , als die Heiden gegen die Väter der ersten Kirche gewesen sind , welchen sie diesen gewaltsamen Eingriff in die Rechte der Regenten , oder dieses erdichtete Staatsverbrechen nicht vorgeworsen haben ? Allein diesem Pre - diger die Verblendung zu zeigen , so darf man denselben nur ftaaen , rum er den katholischen Königen das Recht des SchwerdtS in Absichtauf die Protestanten nimmt ? Warum hält er sich dasjenige erlaubt , waj er an andern , als ein Verbrechen der beleidigten Majestät , tadelt ? Ich rede für die Wahrheit , wird er sagen ; allein dieß saget die ganze SLelt so gut , als er .
( G ) LNoreri

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