Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9736

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Gediccus .
Einige glauben , es hätte der Urheber des Predigers Solomons die ungewöhnliche Meynung , daß die tPctber keine Seele hätten , bestritten . Wenn sie Recht haben , jo müßte man schließen , daß der italienische Schriftsteller , der dieses Paradoxum behauptet , ein sehr veraltetes Hirngcspinnste erneuert habe ( E ) . Eine abgelebte Alte in diesem Sinne wieder jung zu machen , ist kein allzuschweres Werk . Die Kunst der Medea ist hierbey nicht nöthig . Unterdessen kann dieser neue - re Schriftsteller , da er nicht im Stande gewesen , sich der Vernunftschlüsie derer zu bedienen , die in dem Predigerbuche im * beleget worden , auf den Ruhm der Erfindung in gewissen Absichten Anspruch machen . Man wird hier unren " eine Stelle der Melanges d'Hiftoire et de Litteratare recueillis par Mr . de Vigneul - Marville sehen .
In der Anmerkung ( A ) .
( A ) Man hatte beweisen wollen « - - mulieres mines . ] Ich habe in dem Artikel Acidalius , in der Anmerkung ( G ) von dcm Lärmen und dem Ungewitter gereder , welches man wider den armen Acidalius erreget , der seinem Buchhändler eine Abschrift von die - ser Dissertation gegeben hatte , und ich habe meinem Leser gemeldet , daß ich hier von diesem kleinen Buche reden wollte . Ich zweifle sehr , daß Gediccus die wahre Absicht des Urhebers ergründet hat . Er hat sich angelegen seyn lassen , eine förmliche Vertheidigung des weiblichen Ge - schlechtes zu machen : er hat also geglaubt , daß er ein Werk widerlegte , worinnen man zum vornehmsten Endzwecke gehabt , Übels von dem Frauen - vvlke zu reden . Er ist , wie mich dünkt , nicht sehr fein gewesen . Der Urheber der Dissertation will darinnen nicht eigentlich dem Frauenvolke zu Leibe ; es geschieht nur zufälliger und verdeckterweise , daß er ihnen übel begegnet : sein vornehmstes Augenmerk ist , da« Lehrgebäude der So - cinianer lächerlich zu machen , und ihre Lehrarr mir den allcrdeurlichsten Texten des göttlichen Wons , in Ansehung der Gottheit des Wortes zu spotten . Es hat dieses schon vor langer Zeit ein Tagebuchschreiber beob - achtet . Nouvelles de la Republ . des Letttes , im Heumonate »685 . pag . zo2 . „ Warum will man nicht der ganzen Welt erlauben , sich zu „ überzeugen , daß die Socinianer nur mit boshaften Spitzsündigkeiten „ bezahlen : wie man ihnen gezeigt hat , daß man mit ihren Glossen alle „ Stellen der heil . Schrift vernichten würde , welche beweisen , daß die „ Frauen menschliche Creaturen sind ; ich will sagen , von eben derselben „ Gattung , als die Männer . Dieß ist die Materie eines kleinen Buche« „ gewesen , welches zu Ende des lebten Jahrhunderts erschienen ist , lieres homines non eile , worauf ein gewisser Simon Gediccus , Pre - „ diger im brandenburgischen Lande , sehr ernstlich geantwortet hat ; indem „ er nicht Acht auf den Endzweck des Verfassers gegeben , welcher gewe - „ sen , eine sehr heftige Satire wider die Socinianer zu machen : denn „ was kann man sich wohl , sie lächerlich zu machen , geschickter« oderkrän - „ kenders einbilden , als wenn man ihnen beweist , daß die Glesien , mit „ welchen sie die Einigkeit de« Wesens von dem Sohne Gottes bestreiten , „ vermögend sind , zu verhindern , daß man durch die heil . Schrift nicht „ beweise , daß die Weiber menschliche Creaturen sind ? , , Cochläus hat eben dieselbe Maschine , aber sehr unnützlich wider Luthern gebraucht : er hat Bücher gemacher , worinnen er sich der lutherischen Lehrarr bedienet , und durch Stellen der heil . Schrift beweist , daß Jesu« Christus nicht Gott sey , daß Gott dem Teufel gehorchen müsse , nnd daß die Jungfrau Maria ihre Jungserschaft nicht erhalten habe , cum Lutherani Scriptu - ris ad fuas nugas aptatis luderent , Cochems ( ♦ ) in aftis Lutneri anno 1527 fe librum ex feripturis male confertis confarcinafle tefta - tur , ad probandum , quod Christus non fit Dens ; additque anno 1528 fe item fimili arte ac fcopo , feripfifie de obedientia Diabolo debita a Deo , et de B . Virginis integritate violata . Vnde liquere volebat , nihil_ efie adeo fanäum , ad quod impugnandum non pollent obtor - queri Scripturae , Theop . Raynaudus de bonis ac malis Libris . Partit . HI , Erotem . IIl , nun» . 5 - 3 . pag . m . 299 .
( * ) Dieß ist ein Druckfehler der in den Erratis bemerkt ist . Man muß Cvclüus oder Cochläu« lesen . Bailler ^ugemens de8 Lavans , T . I , pag . 10z . der diesen Druckfehler nicht wahr genommen , har geglaubt , daß Theophilus Raynaud einen gewissen Locker angeführt hätte .
Raynaud hatte ein großes Beyspiel von der Gewalt der Zungendre - scherey gegeben : Er hatte gezeigt , daß , wenn man sich der Grundsahe gewisser Beurtheilcr bediente , das Glaubensbekenntniß der Apostel nicht einen einzigen Artikel enthielte , den man nicht verdammen könne . Er beklaget sich darüber , daß Petrus Aurelius vor kurzem dieses Exempel der Zungendreschcrey herunter gemachet har : Non me latet nuper Petrum Aurelium in hanc feriptionem vomuifie pleraque virulenta , quafi id fit illudere verbo Dei . Sed haec eft plane friuola criminatio , huius - modi enim ad hominem recriminationes a viris piis in non diflimili materia funt adhibitae . Sic cum Lutherani etc . die Folqe steht oben in diestr Anmerkung , Allein ich kann seine Klage nicht billigen , nach« dem ich folgende« in dcm Baillet gelesen . „ Der P . Theophilus Ray - „ naud - - - zeiget , daß e« kein Buch giebt , so vollkommen und „ heilig eS auch seyn mag , dawider man nicht etwas mit Recht oder Un - „ recht zu sagen finden könne ; wenn man sich einmal auf den Fuß gesetzt „ hat , alles ZU verkehren , und alle Dinge zu tadeln . Allein es wäre nicht „ sehr nöthig gewesen , daß er uns so empfindliche und nachdrückliche Be - „ weise davon gegeben hatte , da er uns überzeugen will , daß er so gut als . ein anderer bekriegen , und unnutze Processe ansanqen kann ; da er eine „ ruchlose und gottlose Beurtheilung des Glaubensbekenntnisses derApo« „ fiel herausgegeben hat , in welcher er entweder selbst , oder derjeniqe , dem , , e» sie zueignet , und den er einen katholischen und sehr gelehrten „ Mann nennet , in der That alle die Worte dieses Glaubensbekennt - „ nisses , entweder bey den Haaren oder bey den Füßen herzuzieht ; um zu „ zeigen , daß keine darinnen sind , die nicht in einem gewissen Sinne , ver - „ dächtig , gefährlich , verfänglich , gottlos und ketzerisch wären . Die Wahr - „ heit zu sagen» so ist dieß eine Probe von demjenigen , was da« vermale - „ deyre Wortgezänke hervorbringen kann . Allein ich sehe nichr wohl , „ was dieser sehr katholische Schriftsteller für ein Spiel hat spielen wol , „ len , da er mit unserm Glaubensbekennrnisse so gespielt har . Id , weis „ nicht - ob er dieses Stück für einfältige und leicht zu ärgernde Personen , „ oder für die eingebildeten starken Geister gemad ) t , und ob er den Svci - „ nianern oder Deisten einen Dienst hat leisten wollen . „ Jugemens des Savans , Tom . I , pag . 102 , 103 . Man ziehe den Artikel poza zu Rathe .
( B ) Man hat dieses kleine Duck vielmal wieder gedruckt . ] Die Ausgabe , deren ich mich bediene , ist vom Jjaag 16zy in Ich will die andern nicht bemerken . Jcb kann eigentlich nicht recht sagen , ob das Werk , welches von der Versammlung der verborheucn Bücher zu Rom
den >8 des Brachmonats 1651 verdammt worden , eine Uebersetzung von diesem ist . Dieses Werk hat zum Titel , Che le donne non fiano della fpecie de gl' huomini : Difcorfo piaceuole , tradotto da Horatio Plata , Romano . Siehe das Verzeichniß der verbothenen Bücher Alexanders des VII , num . 55 . pag . 25$ .
( C ) Viele F . eure haben den Gay in recktem Ernste behauptet , den man auf dem Titel sieht . ] Den Beweis davon wird man in die« ser Anmerkung sehen : allein es sind nicht alle Exempel , die ich anführen werde , geschickt , zu zeigen , daß man in rechtem Ernst« die Sache bejahet hat . Ich glaube mit dem Voßius , de Origin . Idololat . Libr . lII , cap . XLVIII , pag . m . 984 . daßCujaz solches nur zur Lust gethan hat : Eoquc cum Cuiacius contenderet , mulieres non eile homines , credo a lern , animum remittens ( prope amittens in tali negotio dixerim ) pauxil - lum voluit nugari , quod poft magnum virum aliis etiam nugandi praebuit occafionem . Diese Materie ist zu der Zeit in Holland u»ge« mein stark getrieben worden , als Sorbiere daselbst gewohnt hat . Beve , rovicius , saget er , „ har ein Buch , von der Borrresflichkeit des Frauen« „ Volks , zu Folge eines Streit« über einen Satz gemacht , der von einem „ Studenten , welcher seinen Verstand üben wollen , als ein Paradoron be . „ hauptet worden ; mulieres non esse homines . Dieser Streit ist von der „ Akademie in die Gespräche der besten Gesellschaften gekommen , und eS „ ist schon viel für und wider denselben geschrieben worden . Endlich Hat „ sich Beverovicius darein gemischt , und uns ein artiges und so gelehrte» „ Werk gegeben , als man über diese Materie machen kann . Er hat nicht« „ zum Vortheile des schonen Geschlechts zu sagen vergessen , und dasjeni« „ ge durch tausend Beispiele bekräftiget , was er sich methodisch und durch „ gute Gründe zu beweisen bemüht hat : daß dietveibcr in keinen ei» - „ zigen iEißenfcbaften de« Rorpers und der Seele geringer , als „ die Männer , waren . , , Sorbiere in einem an den Veit Parin von „ Leiden geschriebenen Briefe ungefähr im 1650Jahre , Es istderLXHl auf der 437 S . seiner Briefe in 4 . Ich wollte wünschen , daß Voßin« von der Meynung des Aristoteles auch so vernünftig geurtheilet hätte , als von derjenigen , die Cujaz zu behaupten unternommen har : allein man har dieses von ihm nicht erwarten dsrfen . Das Ansehen de« stoteles stund noch in allzugroßen Ehren . Dieser große Philosoph hat einen seltsamen Gedanken behauptet : er hat geglaubt , daß die Natur nicht eher Frauenspersonen bilde , als wenn sie wegen der Unvollkommen« heit der Materie , nid ) t zum vollkommenen Geschlechte gelangen könne . Voßius de Origin . Idololat . pag . 984 . lobet den Cajetan , daß er dieses in Ansehung der besondern Natur zugestanden , in Ansehung der allgemeinen Natur aber geleugnet hätte . Also hat , nach der Meynung dieser zween Doetoren , die menschliche Natur nicht den Vorsatz , Weiber zu zeugen ; ihr Endzweck ist beständig , etwas männliches l>ervörzubrmgen ; allein weil , wenn sie beständig diesen Zweck erhielt , die Welt dadurch viel leiden wür« de , so giebt es eine allgemeine Natur , rvelche Mittel dagegen verschafft har . 'Was für ein erbärmlicher Mischmasch ! wa« für ein wunderlicher Begriff der Weisheit , und wa« für eine seltsame Philosophie ! Die mensch - lid ) e Natur würde wirken , damit sie sich erhielre , und gleichwohl würd« sie den Endzweck nicht haben , da« Wesen hervorzubringen , ohne welches ihre Erhaltung unmöglich ist . Dieses ist die allergrößte von allen Unge - reimtheiten ; und gleichwohl giebt es eine unzählige Anzahl von Aerzten und Philosophen , welche behauptet haben , daß die Natur andere keine Weiblein mache , als wenn sie sich verirrt , und daß sie also dieselben nur von ungefähr , zufälliger und gezwungener weile hervorbringe . Wir wol - len diese Thorheit auf Italienisch hören : Huomini fapientifiimi hanno lafeiato feritto , che la natura , percio che fempre intende , et difegna far le cofe piu perfette , fe potelle , produrria continuamente ni : et quando nafee una Donna , e difetto , o error della natura , et contra quello , ch'eflä vorrebe fare : come fi vede ancor d'uno , cht nafee cieco , zoppo , o con qualche altro mancamcnto , et ne gli ar - ' bori molti frutti , che non maturano tuai . Coli la Donna Ii puo dir« animal produtto a forte , et per cafo . Der Graf Balthasar Castt - glioni , in seinem vollkommenen Hosmanne , III B . mS . Dasjenige ^ömmt mir am seltsamsten vor , wenn man sieht , daß man bey einer Kirchenversammlung zu Mazon die Frage im Ernste aufgeworfen hat : ob auch die Frauen eine menschliche Natur harten ? Und daß man erst« lich nach einer langen Untersuchung einen bejahenden Auespruch gethan hat . Siehe die Polygamia triumphatrix , pag . 123 . wo man diese Wor - te lieft : Cum inter tot fanäos Patres Epifcopus quidam ftatueret , non pofl'e nec debere mulieres vocari homines , res tanti eft habita , vt in timore Dei publice ibi ventilaretur ; et tandem poft multas vexatae huius quaeftionis difeeptationes , concluderetur , quod mulieres fint homines .
( D ) Jd ) habe nickt gefunden , daß die Roniginn Elisabeth darinnen ins Spiel gemischt worden . ] Folgendes findet man in dem Leben , welches Leti von dieser Königinn herausgegeben har . Ith habe allezeit , saget er im I Bande aus der 6 S . ein böses Buck mir Abscheu angesehen , welckes zum Titel hat : daß die Frauen von ei - ner andern Gattung als die Männer sind , worinnen man sick unter - steht , das £>cyfpiel dieser Roniginn anzuführen , um diejenigen durckzuziehen , die sie wegen ibrer Fähigkeit in Verwaltung der Geschaffte gelobt haben ; und zu sagen , daß ibre Lieblinge , ihr Rath , und das parlemcnt unter ihrer Regierung alle Gackenge - than haben , ohne daß sie erwas anders , als ihren Namen daz» hergegeben . Wie es vermurhlich einige andere Dissertationen über den Satz , mulieres non efie homines , außer dem Tractate giebt , welchen Gediccus zu widerlegen sich die Mühe gegeben ; so würde ich sehr verwe« gen seyn , wenn ich dasjenige leugnete , was Leti erzählet ; denn ich kenne , daß ich über diese Materie nur das Buch gelesen habe , welches Gediccus widerlegt hat . Ich will nur sagen , daß Leti seine Leser ver«
bunden

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