Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9647

Garasse .
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etwas Wunderbare« oder Göttliche« zugetheilet , und die Fabel daraus gezogen , daß ikn Jupiter entführet hätte . Herodian . Libr . I . cap . XI . Siehe auch Lykophrons Scholiasten , auf der 50 S . Wir lesen in der Chronike des Eusebius , Num . * 54 . daß wegen der Entführung des Ga - nymedeö , zwischen dem Tros . dem Vater dieses jungen Knaben , und dem Tamalus , ein Krieg entstanden ist . Man versichert dieses auf das Wort des Phanokles . Dieses ist ein Scribente verliebter Sachen gewesen , ( s . den Scaliger , in Ensebiurn , p . 41 . er führet den Plutarch , Libr . IV . cap . V . tuiaro« . an . ) oder mich deutlich zu erklären , ein Sammler verliebter Abentheuer . OrosiuS hat in des I B . XII Cap . auf der 4 , 4 ; S . von dieser Thcit des TantaluS also geredet : Kec rnibi nunc enurnerare opus ert Tantali et Pelopis fafta turpia , et fabulas turpiores : quo - rum TantalusRex Phrygiorum Ganymcdem Trois Dardaniorum re - gis filiuni cum flagitio / iflirne rapuiflet , maiore conferti certaminis foeditate detinuit , liciit Phanocles Poeta confirmat , qui maximum bellum excitatum ob hoc fiiifle commemorat : fiue quia hunc ipfuin Tantalum , vtpote afieclam Deorum , videri vult raptum puerum ad libidinem Iouis faniiliari lenocinio praeparafle , qui ipfuni quoquc filium Pelopem epulis eius non dubitarit impendere . Eustachius , in Libr . XX . lliad . nachdem er gesaget : daß nach einigen Schriftstellern TantaluS den GanymedeS entführet hätte , sehet er darzu , daß andere die - senRaub dem Minos beygemessen hätten . Ziehen wir den Suidas zu Ra - the , so werden wir viele Umstände von dieser Gewaltthat des Minos erfahren . Wir werden darinnen sehen , daß dieser König von Creta den Tros besuchet , und als er erfahren , daß die drey Söhne dieses Prinzen auf der Jagd wären , sich mit ihnen zu jagen erkläret hat . Er hat den Ganymedes kaum gesehen , als er eine brünstige Liebe auf ihn geworfen , und ihn entführen lassen ; er hat ihn auf eines von denen Schiffen gesetzet , die er zum voraus auf den Fluß Granikus geschickt hatte , und ist darauf nach Crera zurück gekehret : Ganymedes hat sich über sein Unglück so be , trübet , daß er sich mit seinem eigenen Schwerdte durchstochen . Minos hat ihn in einen Tempel begraben , und daher hat man ausgestreuet , e« habe dieser junge Mensch mit den Göttern Umgang gepflogen . Aus dem Suidas , in mhut . Eustachius an angezogenem Orre erzählet die Sache niil etwas andern Umstände» . Er saget , daß sich Ganymedes , nachdem er geschändet worden , gehenkt hätte , und daß man seinem Vater weis gemacht : eS hätten ihn ein Windwirbel und eine Wolke entführet , daß er Jupiters Mundschenke werden sollen . Man wird in dem Athenaus finden , daß Echemines , der ein Werk von demjenigen gemacht , was die Insel Crera betrifft , versichert hätte , es sey Ganymedes nicht vom Ju - piter , sondern vom Könige Minos entführet worden . Ludwig Vives inAuguft . dp Ciuitat . Dei , Libr . VII . cap . XXVI . et Libr . XVIII . cap . XIII . versichert , daß Tantalus diesen jungen Knaben , nachdem er ihn gcraubet , in die Insel Creta geführet , und dem Jupiter gegeben ha - be . Dieß ist eine bloße Umschreibung des OrosiuS ; allein der heil . Au -
gustin hat im XIII Cap . des XVIII 93 . an angezogenem Orte erkannt , daß nur die Fabel dem Jupiter , das Wesentliche aber dem Tantal»« zukäme . Hier ist noch eine andere Sage , bieder Aufführung Tantals keinen ne Bewegungsgrnnd zuschreibt . Suidas , unter dem XPorre " W , , unv Cedrcnus erzählen aucl ) , daß der Ronig Tros , wuftdr m er verfHiie» dene priit^en , feine tlacbbacn , untern Joch gebracht seinen Sokn , Ganymedes , unter der Begleitung von 50 Mann , in ein«getvufett Tempel Jupiter» gefdrid't , der tn den Ländern des Tamalus gelegen , daselbst ein Dankopfer ; n verrichten . Allein Ta« . t , lus , der sich eingebildet , daß Ganymedes ais ein Rundsckafter tanic , Sie Starke seines Rönigreiches auszuspähen , hat ibn gefangen gehalten , und darüber ist Ganymedes krank geworden und storben . Meziriac , über die Briefe des Ovidius , 885 S
( G ) Die Maler , die ihn vorstellen , wie er auf dem Rücken eü nes Adlers entführet wird , r>erirren sich und ziehen die alten Schriftsteller nicht ? u Rathe . ] Salmasius , Not . in Achill . Ta - tium , p . 583 . hat diesen Fehler getadelt : er saget , daß , nach den alten Poeten , der Adler den Ganymedes mit seinen Klauen bey den Maaren genommen habe . Der alte Schriftsteller , den er ausleget , saget es auf der 144 Seite , bey mir auch . Man merke , daß Martial . Epigr . VII . Libr . I . voraus setzet : es hätte sich der Adler gefürchtet , dem Ganyme . des Schaden zu thun .
Aetherias aquila puerum portante per auras ,
Illaefum timidis vnguibus haefit onus .
Ein alter Bildhauer hat dieses unvergleichlich vorgestellet : Leochare« aqtiilam fentientem quid rapiat in Ganymede , eteuiferat , parccn - tem vnguibus etiam per veftem . Plin . Libr . XXXIV . cap . VIII . pag . m . 125 . Man hat sehr viel aus diesem Werke gemacht . Tivoe Si x£e "
iilc Aevx & gw r * v tj jov itvSgoyuvgv , ä ( rt ctthIxio» ? jgovT«$ kttjuet , rtTiiiiiKttTe . Cur propter Leocharis fculpforis artificium Ganymcdem iltum efloeminatum , tanquain eximium aliquid habentes , Colitis ! Tatian . Orat . ad Graec . p . 170 . Ein gelehrter Engländer ist dem ge - meinen Jrrthume der Maler gefolget : dieß ist in einem Werke , davon die franzosische Uebersetzung zu Rouen , unter dem Titel : Le Monde dans la Lüne , dic Xvelt in , Monden , im 1656 Jahre gedruckt wor - den . Hier ist dasjenige , was er im I Theile , auf der 267 S . bedachtet : „ Wein , es einen so großen Vogel in Madagaskar aiebt , wie Paul Ve - „ netus in des III B . XL Cap . erzählet : dessen Schwungs ; dem zwölf „ Fuß lang sind , und der ein Pferd mit seinem Reiter eben so leicht in „ die Luft fuhren kann , als wie bey uns ein Habicht die kleinste Mau« : „ so dorste man diesen Vogel nur abrichten , einen Menschen zu rraqen , „ so wurde man bis dahin aupseinem Rücken reiten können , wie Ganyme - „ des aus dem Adler gerhan hat . „
Garasse , ( Francijcuö ) gebürtig von^Angouleme , wurde im 1601 Jahre ein Jesuit « . Er hat , wegen des Eifers , viel von sich zu reden gemacht , den er wider die Freygeister und die Feinde seil , es Ordens bezeuget hat . Vornehmlich hat er wider den Poeten Theophile und den Paöquier losgezogen : es hat ihm weder am Witze , noch Belesenheit gefehlet ; und wie er viel Feuer , eine ziemliche weitlauftige Einbildungskraft und eine gute Lunge hatte ; so ist er für einen großen Prediger gehalten wor - den . Er war sehr geschickt , eine ^ache auf der Kanzel zu verfechten ; seine Art der Einfalle und sein Vortrag machten sehr starke Eindrücke , nach dem Geschmacke der damaligen Zeit : allein ins Schreiben hatte er sich nicht mischen sollen ; oder wenn er ja dem Titel eines Schriftstellers nicht absagen können , so hätte er nur lateinische Verse machen , oder sich bey geringem Mate - rien üben sollen Denn da er über die allererhabensten Wahrheiten schreiben wollen , welche die Freygcistcr in Zweifel nehm können ; jö hat er weniger zu der Bekehrung dieser Leute , als zu ihrer Verhärtung beygetragen ( A ) : weil er sich alle Minu - ren von der Ernsthaftigkeit entfernet , die einer solchen Materie zukömmt , sich böser Beweise bedienet , und falsch anführet . Er hat sich dem Tadel verschiedener furchtbarer Federn ausgesetzet . Pasquierö Söhne haben ihren Vater mit vielem ze gerachet ( B ) ; allein am allerheftigsten hat der Abt von St . Cyran wider diesen Jesuiten geschrieben ( C ) . Man will die - serwegen , daß Garajse die Helena des Krieges der Jesuiten und Jansenisten gewesen sey ( D ) . Die letzte Thar seines Leben» ist sehr schön gewesen . _ Er bath seine Obern sehr instandigst uin Erlaubniß , den Angesteckten bey einer abscheulichen Pest zu
dem ollen . >>ie ich an - Ilgens
\<5cu . sich
>P - s .
das Illen ; I« ge - Inzen , ) r ge , t lführt
sehung des PlacciuS , ein betrieglicher Titel gewesen ( tt ) .
Er hat wider die Poeten einen Grundsatz angewendet , dot - im Grunde sehr gut ist ; allein man hat ihn wider ihn selbst gedrchet ( I ) . Er hat es für keine gute Entschuldigung weltlicher Gedanken gehalten , wenn man gesaget : daß mm , dieselben nicht in Prosa , sondern in Versen vorgebracht hätte .
. Ich hatte noch sagen sollen , daß er auchder Urheber einer Schmähschrift ist , das Gasigeboch der weisen betitelt die wl - der einer von den vornehmsten obrigkeitlichen Personen in Frankreich verfertiget worden c . Er hat seinen Namen nicht ter gesetzet ; allein man hat , diesen , ungeachtet , erfahren , daß er es gemacht hatte : Alegambe leugnet es nicht d . Man hat ihn nachdrücklich getadelt , daß er das Mahrchen von den Tapeten der Johanna von Albrer herausgegeben hat , welches ich in dem Artikel dieser Königinn angeführet habe Man hat vorgegeben . daß feine Lästerungen in diesem Stücke eine Beschnnpfung I MMM» —eser * 1 •'• - - - -
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delt , daß er sehr unerbare Stellen angeführet hätte ( K ) . Äir wollen sehen i , wie er sich vertheidiget hat . '
a ) Alegambe , in Bibliotheca Scriptor . Societ . Iefu , p . 124 . b ) Ebendaselbst , c ) Ogier , Jugement du Li vre de la DodVrine C11 - rieufe , p . 23 . d ) Er setzet unter seine Schriften 8eptem Sapientes . e ) Siehe die Zsnmerkung bey dem Artiket Navarre ( Johanna dAlbret , Königinn von ) . / ) Ogier , Jugement de la Doflrine Curiexife , chap . XI . pag , 14z und f . g ) Defenfe potir Efticnnc Pasquier , Livr . IV . Sc<ä . I . pag . 644 . h ) Siehe das XV Capitel der Apologie de Garafie , pag . iE . 177 - und f . t ) In der merkung ( K ) .
( A ) Er hat weniger ; nr Bekehrung der Frevgeister , als ihrer Verhärtung^ beigetragen . ~\ Hier ist der Titel eines Buches , welches er im 1623 Jahre zu Paris herausgegeben hat : La Do & rine Curieufe des beaux Efprits de ce temps , 011 pre'tendus tels , conte - nant pliifieurs Maxinies pernicieufes a TEftat , a la Religion , et aux bonnes moeurs , combatue et renverfe'e par le P . Frangois Garaf - de la Compagnie de JESVS . Er hat geglanbet , die Frev - geisterschachmattgemackiet zuhaben , und in kurzer Zeit erfahren , daß sein Buch , «ach dem Urtheile der Welt , viel geschickter wäre , die Gottes - leugnung zu nähren , als sie zu Grunde zu richten . Man hat den Je - lullen die Verurteilung und den Tadel dieses Werkes zugeschrieben , und zu ihnen gesaget : » , an könne nicht glauben , daß sie , al» die vornehm - fien und siarkskcn Verfechter der Wahrheit , den P . Garasse zur Bertheidigung derselben erwählet hätten . ( Der Prior Ogier ist der Ver -
fasser de« Buches , welches im i6sz Jahre , unter dem Titel erschienen ifF : Jugement et Cenfure du Livre de la Doftrine Curieufe de Francoii Garafle . ) Dieser Mann , Oer besser mir den nothwendigm Eigen , " sckasten ; u einem satirischen poeren , und ; n einem poslenreip'er , als mit öene<£i0enfcbaftcn versehen iff , die einem katholische» Lehrer anstandig sind , hak unlängst ein 25ucb aetnad« , welche» einen scheinbaren Titel hat , als wenn es rvidcr die Gottesleugner gesckrieben wäre , und welches offenherzig tmd als vor Gott * 1» reden , em Cloak der Gottlosigkeit , ein prndel der Gotteslalke - rungen . ein zusammengeraffter - Hquftn von Pickelheringsposfin und lustiger f^ckwanke , u , »d eine boshafte und lästerliche Sari« re , wider unzählige ehrliche und wohlverdiente Fleute »ff . ( in der Zueignungsschrift ) Nachdem er viele andere dergleichen Dinge gesaget , die Eigenschaft dieses Buches ju bemerken , so fraget nimi die Jesuiten :
ob

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