Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9626

Gamon . Ganymedes .
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»»welches ju Rom in 4 , in seinem Todesjahre gedruckt worden . Er » . will in diesem Werke zeigen , daß ein jeder Poet , und ein jeder Reimen - „ schmidt , der sich für einen Dichter auögiebt , eine unumgängliche Ver - «Kindlichkeit habe , sich nicht allein alle» dessen zu enthalten , was unehr ,
„ bar , geil und frey in de« Versen seyn kann , sondern auch alles deSjeni , , . gen . was nach der Fabel , und dem Dienste der falschen Götter schmeckt . . . Ich verweise auf dir Betrachtung , die Menage , Anti - Baiilet , Toni , II , 4 und f . S darüber gemacht hat .
Gmnon ( Christoph von ) ist mir nicht weiter bekannt , als durch ein Werk , welches er im 1609 Jahre herausgegeben hak . Es hat zum Titel : La Semaine ou Creation du Monde , contre celle du Sieur du ßartas : die Moche oder Öchöp * fung , wider deo d» Dartao seine . Man sehe die Anmerkung ( A ) .
( Ä ) tn«r» sehe die Anmerkung . 3 Bullart , nachdem er viel gutes »on der Woche des Du Barras gesaget , setzet dazu : „ Wie aber die Ur , » , theile der Menschen unterschieden sind , so will Christoph von Gamon , „ ein Mann , der wegen seiner Lehre zu rühmen ist , Fehler in diesem Buche „ bemerken , und desicn Werth durch ein anders vergringern , das er über „ eben diese Materie aufgesetzt , und einige Zeit nach dem Tode des $Du
„ Bartas ans Licht gestellt hat : gleichwohl machet er ihm diesen Palm« „ zweig mit einiger Ehrerbiethung streitig , und kann nach allem dem . . Nachruhme diefts großen Mannes die Lobeserhebungen nicht versagen / „ die er ihm von Rechtswegen schuldig zn ftyn erkannt hat . » . Julian , Academic des Arts et des Sciences , Tom . II , pag . 354 .
Ganymede6 , der Sohn eines Königes von Troja ( A ) , war der schönste Knabe von der Welt . Iupiter verliebte sterblich in ihn , und entführte ihn : er machte ihn an der Heb ^ " r' " ' ' ' '
sich sterblich in ihn , und entführte ihn : er machte ihn an der Hebe Stelle zum Oberschenken % und gebrauchte ihn zu andern höchststrafbarcn Verrichtungen ( B ) . Einige sagen , er habe ihn durch einen Adler entführen lassen ; andere versichern , er sey selbst der Räuber unter der Gestalt dieses Vogels gewesen ( C ) . Er hat diesen jungen Knaben vergöttert , und seinen ter sehr schön beschenket ( D ) . Man ist nicht einig , weder wegen des Ortes , wo diese Entführung geschehen , noch wegen des Zustandes , worinnen der Knabe gewesen , der entführet worden ( E ) . Einige sagen , er sey auf dein Berge Ida gewesen : an - dere setzen ihn anders wohin : einige geben vor , er habe gejagt , und einige andere , er habe die Schafe gehütet . Ich will mich mit Anführung der allegorischen Erklärungen nicht aufhalten , die man davon gegeben hath : dich sind Spiele des Witzes , die man unendlich vermehren kann , und durch welche man in jedem Dinge alles findet , was man will . Allein ich will sa - gen , daß es Scriventen gtebt , welche dieses als eine historische Geschichte erzählet haben . a ) Man wird in der Anmerkung ( v ) den Zufall sehen , welcher der Verwand zu der Absetzung der Hebe gewesen . Carl Stephan erzählet es , und führet den ServiuS an : Cum loue , saget er , äpud Aethiopas coenante , Hebe pocula illi adniinifträns , perque lubri - cum minus caute incedens , cecidiflet , reuolutisque veftibus obfooena fuperis nudafi'et , ab officio eft amota , eiusque loco Ganv . medes fubrogatus . Haec Seruhu . Siehe die Ausleger des 4 Sinnbildes Aleiats . e ) Siehe die Anmerkung ( A ) .
( A ) bec Sohn eines Xoniges von Troja . ] Tros , der Sohn de«
Erichthoniu« und Enkel desDardanuS , ist der Bater desJluö , des Assa - rakus , und des Ganymedes gewesen . Hier sind die griechischen Verse , die uns dieses belehren , und welche angeführt zu werden verdienen , um so vielmehr , da sie von der Schönheit , der Entsührung und dem Amre des Knaben , das ihm gegeben worden , dem Jupiter d»ö Getränke einjiu schenken , ein Zeugniß ablegen .
fiAehnos aü rikti' iiov 'Egtx^onov ßztirfct .
Homer . II . Libr . XX» Vcr£ 219 .
Tfän * ä' 'Ee'zSwiot rtktra T ? «r iao ( t\ aat & fctxof t£ , yj ) kvHSiOt * Ot O ) ytvno ütvrrbi & vigiiirnvt
T«v amfE / if / ovro 9fei Ali «vojeoe & iv ,
KÄioc »vi * « cio , «V etäm & Ttmri fM - rlty . Ebendaf . $8 . 230 . Dardanus rurfus genuit filium Erichthonium regem
Troern autem Erichthonius genuit Troianis regem ,
Ex Troe vero rurfum tres filii inculpati nati llint ,
Ilusque Aflaracusque et diuinus Ganymedes ,
Qui fane ptilcherrimus fiiit mortalium hominum :
Quem etiam rapuerunt dii , Ioui vt pocillator eilet , Pulchritudinem ob diam , vt immortalibus intereflet .
Man merke , daß Homer in diesen Verftn nicht saget , wie er . in dem Lobaesanqe der Venu« thut , ( siehe die folgende Anmerkung ) daß Jupiter den Ganymedes entführt hat : er saget , daß ihn die Götter entfuhrt ben . um ihn zum Mundschenken Jupiters zu gebrauchen . Er setzet dazu , es habe ^luö , des Ganymedes ältester Bruder , den Laomedon gezeuget , der des Priamus Vater gewesen . Ich beobachte dieses darum , weil eS nörhig ist , zu untersuchen , ob man den Cicero Mit Recht tadelt , wenn man es ihm als einen Gedachtnißfehler vorwirst , daß er gesagt habe , es sey daS Kind , da ? entführet worden , Laomedonö Sohn gewesen . Trois , g ; . für fuit füiiis Ganymedes , non Laomcdontis , vt vidctur feritifie Ci - cero > . Tufcül . lapfus videlicet memoria C< ) u0 nomine folent magnt viri laborare , qui grauioribuS impediti curis , cüm citant vel autoresj vel avitorum teftimonia , tötö , qnod aiunt , coelo aberrant : id quod diligens ledlor faepe in Ariftotelis deprehendet libris , praefertim de moribüO Verba Ciceronis haeefunt : Nec Homerum audio , qui Ganymedem a Diis raptum ait pröpter formam , vt Ioui pocula mi - liiftraret : nun iufta caufa , cur Laomedonti tanta fieret iniuria . Finge ; bat haec Homerus et humana ad Deos transferebat , diuina mallem ad nos . Commentar . in Emblemata Alciati , pag . Mi - ? , col . 1 . Claude du Verdier» Cenf . in Author . pag . ioj . hat diesen Fehler Cicerone ge - tadelt Le Fevre giebt vor , daß dieser Tadel unbillig ist , und führet zum Beweise eine Stelle aus dem Scholiasten de« Euripides an , worinnen «in alter Scribent bezeuget , daß Ganymedes Laomedons Sohn gewesen .
Hine animaduertere potes fatis improfpere Ciceroncm n multis re - orehenfuin fuifl'e , qui - - - Ganymedem Laomedontis filiiim Fav ciat . Tanaq . Faber , Epift . LVIII , Libr II , pag . . « Dieß will sagen , daß Cicero , da die Meynungen getheilt sind , der Freyheit genießen köN - nen , dem Homer zu solgen , oder ihm nicht zu folgen ; und daß er also aus keiner Unachtsamkeit oder Vergesse . 'heit , sondern au« Wahl gesaget hat , daß GanvmedeS Laomedonö Sohn gewesen . Mit Erlaubn . ß de« Herrn ApoloMen , der Tadel scheint mir sehr wohl gegründet zu sevn : denn Cicero erzählet an diesem Orte eine Tradition , die vom Homer her - kömmt , und was noch mehr ist . so führet er ihn an . ES ist also keine Wahrscheinlichkeit , daß er derselben , in Absicht auf den Vater diese« ent - Ehrten Ichönen Knaben» , widersprechen wollen . Man muß also sagen ,
er habe geglaubt , daß ihn Homer zu Laomedons Sohne gemacht , und daraus schließen , daß ikn sein Gcdächrniß betrogen habe .
M ? n merke , daß ich dey dem Gebrauch« des unbest>mmtm Ausdrucke« , der Svhn emes Königes von Ctoja , auf die Veränderungen gesehen» die man m den Schriftstellern bey dieser Materie beobackret . Hygj« versichert in dem GLXXl V Cap daß Ganymedes der Sohn de« Assa - racuö , und in dem CCLXXI , daß er der Sohn de« Erichtboniu« gewe - ftn . Einige , als Tzetzes über den Lykophron . 10 0 . machen ihn zum Bruder Laomedons , und folglich zum Sol'ne des Jlu« . Andere , als Lucian , im Cdaeidemo , 0per . Tom . II , pag . loiy . machen ihn zum Sohne de« Dai danus . Homer« Meynung aber ist die gmieinste .
( k ) Jupiter * / 'bat ihn jnm Wundschenken gemacht» - , , undM andern höchst strafbaren Verrichtungen gebraucht 1 Homers Verse , die man in der vorhergehenden 'Anmerkung gesehen hat ! bemerken nicht die geringste Vewegungoursache der Unreinigkeit die z» der Cntfiilirung de ? Ganymedes Anlaß gegeben hätte Sie bezeugen nur . daß die Scdönheit diese« jungen Menschen die Götter bnvogen , ihn in den Himmel zufuhren , damit er dem Jupiter zum Mundschenken die« Nen , und unter den unsterblichen Naturen leben sollen . Dieß ist eben so viel , als wenn man sagte , sie hätten ihn allzusclwn gefunden , als daß er nicht zur Zierde der himmlischen Hofstatt dienen sollte , und geglaubt , es müsse ihm , weil die Erde nicht verdiene , einen so ansehnliche» Schatz zu besifcen , eine würdigere Wohnung verschafft werden ; das heißt , eint gute Srelle in dem Lande der unsterblichen Seligkeit . Dieses giebt nicht die geringste Geilheit zu erkennen . Homer hat sich auch ganz genau in denselben Grenzen gehalten wenn et in dem Lob . ^esanae der Venus vom GamMirde« geredet hat . Er hat etliche andere Umstände darinnen ändert : dein , er setzet voraus , daß ihn Jupiter entführt habe um ibn zum Mundschenken der Götter zu machen : allein in dem' übrigen ver» ändert er nichts : 0
H toi ftiv rxvttfiilSfte ( xyrhra Ze0 (
Hf * ccc <äv Slic , / " »' tättv & TOtitt ßersly^
Kot Tt Ato ( tiark iä / ix 3tot ; tunitoxoiCoi ,
I3i7v , vi - jricei tsrifihe { ääavitoici ,
X ( tic6h ix xfijrijftc itQüeeliv vitttaf iovScon .
Hic quidem flauum Ganymedem conftiltor Iupiter Rapuit , fuampropter pulchritudinem , vt cum diis comierßirrtuB , Et Iouis in domo Diis vinum effunderet ,
Mirabile vifu , ab Omnibus honoratus immortalibus ,
Anreo ex cratere hauriens neäar rtlbrom .
Äpolloniuö geht nicht von diesem Begriffe ab , und man müßte sehr wöhnisch seyn , wenn man unter dem Borwande der zweyen letzten Wor - te , deren er sich bedienet hat , anders davon urtheilen wollte : eS ist nichts im Wege , daß man sie nicht in eben dem Sinne nehmen kann , den Ho» mer ausgedruckt hat :
Mtri yjJ rawrfsta , TOV X0Tf Ziüj
iyxccTnafeev tipfriov kiKtccTcietv ,
KiiÄfO ? Intfäilt f
Sed cum Ganyraede , quem aliquando tupirtr In coelo locarat , et deorum fecerat coritubernalem Pulchritudinis cupidus ,
Apoll . Rhodius , Argonaut . Libr . III . v . 115 . p . m . 27g .
Die andern Poeten haben sich nicht so gemäßiget : sie haben rundheraus gesaget , daß sich Jupiter in den Ganymedes verliebt , und ihn geraubt hat , seine K " abenschänberey zu verqnügen . Man sehe die zween Verse des Plautue , die ich in dem Artikel Adoni - , in der Anmerkung ( B ) an , geführt habe , und da« X B . der Verwandlungen des Ovidiu« ! 5 ! U . s . V .
Bb bb i Wenn

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